Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus


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       Bonner Hochschulzeitung Nr. 6, 05.11.1980
       
       Die Marxistische Gruppe ruft auf zur Veranstaltung
       

DIE BUNDESDEUTSCHE WEHRMACHT

Anläßlich der großangelegten öffentlichen Vereidigungen, die mit ihrem "Großen Zapfenstreich" an große Traditionen der deutschen Wehrmacht anknüpfen, kommen manchen Leuten Bedenken. Leider gelten diese Bedenken nicht dem Militär, sondern nur sei- ner Zurschaustellung. Die bürgernahe Vorführung der Pracht und Herrlichkeit wird als "überflüssig", ja sogar als nicht recht in die demokratische Landschaft gehörig verworfen. Das Kriegshand- werk nicht. Wir meinen: Wer nichts gegen die Aufrüstung seiner Nation hat, die er erstens bezahlt und für die er und seine Kinder geradeste- hen müssen, sobald in Bonn der Verteidigungsfall beschlossen wird, sollte auch anläßlich der stolzen Zeremonie die Schnauze halten. Wer die Bundeswehr für die Instanz hält, die zur Vertei- digung s e i n e r Freiheit, Zahnbürste und Ehre notwendig ist, sollte auch an den feierlichen Gelöbnissen keine Geschmacksfrage abwickeln. Die sind nämlich von unseren Politikern und Militärs in bestem Einverständnis längst entschieden: Die Wehrmacht gehört vorgezeigt, damit der Bürger, der sich schon an sie gewöhnt hat, sie nun auch noch schätzen und lieben lernt. Damit er auch ge- fühlsmäßig der Meinung ist und bleibt, daß das Militär ganz f ü r i h n da ist und jede, aber auch jede Anerkennung ver- dient - und jede Unterstützung. Wer sich also nicht fragen will, w o z u "wir" eine neue, dies- mal demokratisch in die NATO eingebundene Wehrmacht verpaßt be- kommen haben, dem raten wir auch zum Genuß der Feier. Das Fernse- hen wird sicher neunmal täglich darauf hinweisen, worin der Un- terhaltungswert besteht: Da geloben ein paar hundert junge Leute stellvertretend für viele tausend, daß sie bereit sind, für die Nation ins Gras zu beißen. Wenn denen die Freiheit, unsere Zahnbürste und auch sonst noch einiges s o v i e l wert ist, dann kann das Spektakel gar nicht groß genug sein! Also Marsch-marsch - es gibt viel zu verteidi- gen: linke Trommel, großer Fuß! Opfer haben sich noch immer ge- lohnt, oder? zurück