Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
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Wochenschau
EIN WÜRDIGER GENERAL
ist mit Hans Speidel letzte Woche gestorben. Er diente in 4 Ar-
meen: Im Heer des Kaisers, für den er mit 17 noch ein knappes
Jährchen den "Erbfeind Frankreich" und das "perfide Albion" be-
kriegen durfte; in der Weimarer Reichswehr und in Hitlers Wehr-
macht, wo er bis in den Generalstab aufstieg und angesichts des
eklatanten Versagens seines Oberbefehlshabers gerade noch nach-
weisbar "in den 20. Juli verwickelt" (FAZ) wurde, so daß er sich
1953 als Offizier der ersten Stunde bei der Bundeswehr zurückmel-
den und bedenkenlos in den NATO-Stab entsandt werden konnte. Die
Besonderheit Speidels lag darin, daß er nicht nur als internatio-
nal anerkannter Experte fürs Organisieren der Vernichtung ihm je-
weils vorgesetzter Länder und Menschen erfolgreich war, sondern
neben den dafür erforderlichen Eigenschaften eines ebenso mutigen
wie skrupellos-patriotischen Opportunisten und Haudegens auch als
ganz persönliche Charaktermaske einen Schuß haute-culture vorzu-
weisen wußte. Speidel kannte Goethe und Verlaine, parlierte mit
Dichtern und verfügte über die eleganten Manieren eines Offiziers
aus dem Ambiente Fontanescher Romane und Novellen. Bedauerlich,
so ruft ihm sein Waffenbruder General a.D. Schmückle in der FAZ
nach, daß die "letzte Lebensphase dieses bedeutenden Soldaten ge-
lähmt im Rollstuhl" endete. Statt diesem "Schiffbruch des Alters"
hätte man ihm den Heldentod gerne gegönnt - wenn dabei nicht im-
mer alle die anderen ins Gras beißen müßten, die im Leben nie Ge-
neral werden wollen...
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