Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus


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ARME BUNDESWEHR

Die beiden ersten Exemplare von ihrem neuen Wunderflugzeug sind ihr heruntergefallen. Einer ihrer drei Vier-Sterne-Generäle will nicht homosexuell und daher zu Unrecht als "Sicherheitsrisiko" rausgeschmissen worden sein. Noch eine Soldatengeneration weiter, und der Nachwuchs bleibt ihr (fast) aus. Der Sold "konnte" wieder einmal nicht erhöht werden. Und ihr ziviler Oberbefehlshaber, Verteidigungsminister Wörner, ist nach neuesten Presserecherchen nicht mehr ungetrübt glücklich mit seinem Amt. Bemerkenswerte Sorgen! Sie sind so recht die Antwort auf einen "heißen Herbst", in dem die demokratische Öffentlichkeit sich einmal vorübergehend in die Nähe der Frage nach dem strategischen Zweck der Bundeswehr und ihrer Waffen bewegt hatte. Denn sie rüc- ken die Maßstäbe zurecht, nach denen eine deutsche Wehrmacht ge- fälligst beurteilt zu werden hat: - Für ihr Tötungsgerät gilt der Maßstab höchster Perfektion. Kein Ausfall bei größter Durchschlagskraft! Alles andere ist der Armee nicht zuzumuten. - Die Ehre der Armee geht über alles. Deswegen gibt es überhaupt nichts Schöneres als eine Entlassungsaffäre, die Anlaß gibt zu dem heißen "Streit": Macht der hohe Soldat seiner Wehrmacht auch die nötige hohe Ehre? Ehrt Minister Wörner in seinem 4-Sterne- Soldaten auch seine Wehrmacht genügend? Wie's auch immer ausgeht: Mehr Ehre ist von der Bundeswehr kaum mehr abzuwenden. - So sehr ist die Wehrmacht fürs Volk da, daß selbstverständlich das Volk auch die Pflicht hat, das nötige Menschenmaterial für die Wehrmacht herzustellen. Daß nach den Gesetzen der Marktwirt- schaft, die die Bundeswehr schützt, besagtes Menschenmaterial an- sonsten unnütz ist und per Almosen durchgefüttert wird, ist über- haupt keine Entschuldigung für gesunde Eltern, ihre Zeuge- und Gebärpflicht zu vernachlässigen. Nachdem der "Pillenknick" nun schon mal eingetreten ist, werden die Kinder unlustiger Eltern mit verlängertem und auf Frauen erweiterten Wehrdienst büßen müs- sen. - Einerseits muß die bewaffnete Macht dem Volk so lieb sein, daß sie auch beliebig teuer kommen kann. Andererseits ist die natio- nale Ehrenpflicht Pflicht und Ehre für die, die sie verrichten, und kein Geschäft. Also: mehr Geld für die Wehrmacht - weniger Taschengeld für ihre Rekruten. Das ist gleich doppelt gerecht. - Der Staat und sein Gewaltapparat müssen uneingeschränkte Freude aneinander haben, alles andere ist anormal. Und das Volk hat ein Recht darauf, daß diese Zufriedenheit sich in den Zügen eindeutig heterosexueller Oberbefehlshaber unmißverständlich abmalt. Wenn Sunny Boy Wörner zu oft Anlaß bietet für negative Schlagzeilen, muß halt ein überzeugenderer Freudenspender ran. Die Lüge von der Harmlosigkeit der Bundeswehr --------------------------------------------- hat noch immer den Rang eines unantastbaren Rechtsguts. Wer z.B. einen deutschen Panzer für gefährlicher hält als einen PKW auf Deutschlands Straßen, ist schief gewickelt - so jedenfalls hat ein norddeutsches Oberverwaltungsgericht letztinstanzlich gegen einen K r i e g s d i e n s t v e r w e i g e r e r entschie- den. Der hatte nämlich nach Auffassung seiner zuständigen Gesin- nungsprüfungskommission seine fromme Überzeugung von der Unan- tastbarkeit menschlichen Lebens dadurch unglaubwürdig gemacht, daß er aus beruflichen Gründen vom Fahren eines Kraftfahrzeugs nicht lassen wollte. Damit nähme er, so das Gericht, die Tötung von Passanten und anderen Verkehrsteilnehmern in Kauf - nicht grundsätzlich anders als ein deutscher Soldat im bewaffneten Ein- satz. Und wer - Beispiel Nr. 2 - die Bundeswehr unter dem Feuerschutz ihrer Mittelstrecken-Atomraketen für noch gefährlicher hält als vorher und diese Auffassung mit Vertretern der Bundeswehr disku- tieren will, wird von den Dienstherren der Wehrmacht nicht wider- legt, sondern von den Untergebenen ferngehalten. Verteidigungsmi- nister Wörner jedenfalls erklärte sich und seine Armee für zu- tiefst beleidigt durch entsprechende Thesen des Ex-Offiziers Mechtersheimer und verbot den eingeladenen Soldaten die Teilnahme an einer Akademie-Tagung unter evangelisch-kirchlicher Leitung, weil dieser Mensch mit am Podium sitzen sollte (was in einer de- mokratischen Diskussionskultur eben schon so viel wie anerkannte Autorität bedeutet). Was soll man daraus lernen? Offenbar Folgendes: Der Verfassungs- auftrag der Bundeswehr gebietet seit jeher nicht eine begrenzte Zahl von Leichen auf der gegnerischen Seite, sondern den Sieg über sie; und dafür ist selbstverständlich das beste Gerät gerade gut genug. Wer dabei Skrupel hat, der hat die Erziehung zur Skru- pellosigkeit, die der demokratisch-marktwirtschaftliche Alltag ihm gratis anbietet, noch nicht richtig beherzigt - muß also erst recht schleunigst in die "Schule der Nation". Und wer von den Mitteln der NATO-Kriegsführung in kritischer Absicht auf deren Zweck schließen will - statt im Namen der offiziellen Ideologie alle Mittel zu heiligen -, der hat sein Recht auf Mitgliedschaft in der BRD moralisch verwirkt. Tötung im Staatsauftrag - sehr viel verantwortungsbewußter als Autofahren. Vorwärtsverteidigung mit Atomraketen - ein öffentlicher Dienst, über den sich ab so- fort nicht mehr diskutiert gehört. Wer's anders sieht, gehört nach drüben! zurück