Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
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DEUTSCHLANDS SORGENKIND NR. 1
"Neue NATO-Studie entlarvt Bundeswehr"
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meldet die "Quick" auf ihrer Titelseite und wartet mit folgender
"alarmierenden Enthüllung" auf: Bei der Bundeswehr fehlt's an al-
len Ecken und Enden - "Verteidigung der bundesdeutschen Flug-
plätze nicht adäquat... Einrichtungen der Luftabwehr der Marine
ungenügend gesichert... Zu wenig Munition und zu wenig Ersatz-
teile... Pillenknick...". Kurz: zu wenig Tötungsmaterial, zu we-
nig Tötungspersonal für eine erfolgreiche Auseinandersetzung mit
dem Feind. Die Redaktion der "Quick" sieht "unsere Armee" "in ei-
nem Dilemma, aus dem es kein Entrinnen gibt". Also: Aufgeben? Mit
der Sowjetunion Frieden schließen? Von wegen! "Quick" fordert vom
Kriegsminister "unverzügliche Maßnahmen zur Abhilfe", läßt ihn
über seine nächsten Pläne plaudern - und Wörner stellt klar, wo-
ran sich die "Mängel", unter denen die Bundeswehr "leidet", das
"Zuwenig" an Material und Personal, bemessen: Der NATO-Frontstaat
BRD ist zwar schon sehr umfassend aufgerüstet, aber noch nicht
ausreichend gefechtsklar. Also:
"Wir werden die Aufwendungen für M u n i t i o n sehr stark er-
höhen. In diesem Bereich haben wir in diesem Jahr bereits eine
reale Steigerung um 35%. 1985 werden wir noch einmal drauflegen.
... Im Bereich der Elektrotechnik legen wir ebenfalls drauf. Im
nächsten Jahr geben wir fast 30% mehr aus für Entwicklung und
Forschung. Ich kann sagen: Was wir in den kommenden Jahren ma-
chen, wird die größten Lücken schließen."
Wenige Tage nach diesem bestellten Interview hat
Wörner in den USA
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einen Vertrag unterzeichnet, mit dem die von der "Quick" beklagte
Flugabwehr-"Lücke " aufs gelungenste "geschlossen" wird. Dieses
Abkommen, das bereits vor einem Jahr ausgehandelt wurde, sieht
einen Tausch vor, an dem die Bundesrepublik doppelt gewinnt: Die
USA liefern der Bundeswehr kostenlos jene "Patriot"-Luftabwehr-
batterien, die sie zur Ersetzung ihrer "veralteten" "Nike"-Rake-
ten kaufen wollte. Dafür übernimmt die BRD die Verteidigung der
hiesigen amerikanischen Flugbasen durch ihr eigenes "Roland"-Sy-
stem.
Für dieses Kompensationsgeschäft, bei dem das für die "Patriot"-
Raketen vorgesehene Geld nun den deutsch-französichen "Roland"-
Herstellern zufließt, verlangen die USA von ihrem Junior-Partner
jetzt als zusätzliche Leistung einen höheren Beitrag zum Bau von
neuen NATO-Flugplätzen, -Depots und -Fernmeldeeinrichtungen - die
Differenz zwischen Forderung und Angebot liegt mittlerweile bei
unter 100 Mio DM -, und sofort fällt dem kritischen Deutschland
ein, wie schwer es doch "unser Verteidigungsminister" hat:
So verschwindet die wie selbstverständlich registrierte gelungene
Aufrüstung gegenüber dem Osten -
"Mit den neuen Systemen ist die Luftverteidigung Mitteleuropas
für die nächsten 25 bis 30 Jahre gesichert" -
hinter der viel aufregenderen Frage, ob unserem Manfred in den
USA auch die ihm/uns gebührende Achtung zuteil geworden ist.
Die nächste "Lücke" will Wörner nach eigenen Worten "nach der
Sommerpause schließen". Zu diesem Zweck hat er jetzt von einigen
untergeordneten Parteigenossen eine öffentliche Debatte über
"Mehr Wehrgerechtigkeit"
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anzetteln lassen.
Weil das deutsche Volk in den sechziger und siebziger Jahren im
Bett zu unproduktiv gewesen sein soll, "haben wir das Problem
rückläufiger Jahrgangsstärken". Diese unter dem Namen
"Pillenknick" allseits geläufige Begutachtung der Intimsphäre vom
militärischen Standpunkt aus will "bis 1994 ein Minus von etwa
80000 Soldaten" entdeckt haben.
Viel Mühe gibt sich das Verteidigungsministerium allerdings nicht
mit der Aufrechterhaltung der Lüge, die Bundeswehr sei quasi per
Naturgesetz auf ihre offizielle Stärke von 495000 Mann festge-
legt, um funktionieren zu können.
"Viele der modernen Waffensysteme sind weniger personalaufwendig.
Ich denke da an das 'Patriot'-System. Es wird das 'Nike'-System
ersetzen und erfordert nur die Hälfte der Besatzung, obwohl es
wesentlich kampfkräftiger ist. Was für dieses System zutrifft,
gilt auch für andere." (Wörner)
Die Beibehaltung der Personalstärke ist also keineswegs einfach
eine Beibehaltung der Kampfstärke, sondern im Rahmen der Moderni-
sierung der Bundeswehr eine A u f r ü s t u n g, und die Forde-
rung nach "mehr Wehrgerechtigkeit" ist dazu die ideologische Be-
gleitmusik.
So soll es z.B. nach Auffassung eines Regierungspapiers, das be-
reits unter Verteidigungsminister Apel ausgearbeitet wurde, viel
gerechter sein, wenn künftig
- Leute, die bisher als "untaugliche" Reserve behandelt wurden,
zu "Tauglichen" befördert werden und ebenso wie neuerdings Theo-
logen, Diplomaten, Entwicklungshelfer und Familienväter auch das
Schießen lernen dürfen;
- Frauen in Posten einrücken, deren vorherige Inhaber dann andere
Aufgaben übernehmen können;
- der Dienst bei Polizei, Bundesgrenz- und Katastrophenschutz
nicht mehr als Alternative zu dem in der Bundeswehr gilt, sondern
umgekehrt als dessen Fortsetzung;
- alle Uniformierten länger dienen dürfen;
- die verbliebenen "Untauglichen" und Ersatzdienstleistenden
einen erhöhten Beitrag zum Militärhaushalt zahlen dürfen.
"Ungerecht" wäre es also, wenn es irgendeinem Teil der bundes-
deutschen Bevölkerung gelänge, sich der ihm aufgezwungenen bedin-
gungslosen Verfügbarkeit für den Gewaltapparat des Staates zu
entziehen.
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Geistige Führung
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"Um den Nachwuchs für die Bundeswehr zu sichern, erwägt das Ver-
teidigungsministerium Ferienfreizeiten für Jugendliche bei der
Truppe. Unter der Rubrik 'Nachwuchssicherung in der Jugendarbeit'
wird den Teilstreitkräften Heer, Luftwaffe und Marine in einem
Schreiben mit dem Aktenzeichen 01-55-07 mitgeteilt, es werde ge-
prüft, 'ob der Maßstab von Betreuungsmöglichkeiten der Bundeswehr
für Jugendliche künftig großzügiger gesetzt werden muß, wenn der
Auftrag der Nachwuchssicherung erfüllbar bleiben soll'. Unter an-
derem solle 'untersucht werden, ob beispielsweise künftig auf
breiter Basis und regelmäßig Ferienfreizeiten der Bundeswehr für
Jugendliche organisiert werden können." (Süddeutsche Zeitung)
Eine gute Idee. Erstens sind Kinder und Jugendliche bestens auf-
gehoben: Weg von der Straße, auf den größten Abenteuerspielplät-
zen der Nation, in kinderlieben Händen. Zweitens wird aus dem
spielerischen Nachahmen der Vorbilder des wirklichen Lebens bei
manchem vielleicht eine echte Leidenschaft. Drittens muß es die
Truppe vermeiden "in den neunziger Jahren statt 495000 nur noch
300000 Soldaten" zu zählen, wo doch nicht einmal mehr die segens-
reichen Mechanismen der freien Marktwirtschaft automatisch wirken
bei unserer wehrmüden Jugend und "der Andrang von Freiwilligen
vor den Kasernentoren trotz Jugendarbeitslosigkeit und Lehrstel-
lenmangel in letzter Zeit nachgelassen" hat. Wenn knapper Sold
und todsicherer Arbeitsplatz keine überzeugenden Argumente sind,
dann kann man immer noch für möglichst viele die Truppe zur gei-
stigen Heimat machen. Auf jeden Fall ist die Öffentlichkeit wie-
der einmal mit den Sorgen des Verteidigungsministers vertraut ge-
macht. Der hält nämlich 500000 Mann für die natürliche Stärke der
Bundeswehr. Ihm wird schon was einfallen, wie er sie bekommt.
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Nur noch i d e e l l zur Verfügung stehen der Bundeswehr
"Die Helden von Unterlaindern"
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Dort haben diese nämlich Anfang Juli ihren "Tornado" versenkt.
"In einem Feuerball starben die Helden von Unterlaindern... Um
ein Dorf zu retten, opferten sich zwei Piloten... Beide waren an
diesem Morgen im Fliegerhorst Nörvenich bei Köln gestartet - zu
einem der Routineübungsflüge, wie sie die Piloten der Bundeswehr
ständig unternehmen. Ihr Tornado hatte keine Munition an Bord -
zum Glück für Unterlaindern."
So kann man das natürlich auch sehen: Ein Kampfflugzeug fliegt
500 Kilometer (etwa so weit wie bis zur polnischen Grenze), und
weil bei seiner unabsichtlichen Landung außer den beiden Soldaten
zufällig sonst keiner draufgeht, handelt es sich bei dieser Er-
probung hochkarätigen Tötungsinstrumentariums um einen Akt tief-
ster Mitmenschlichkeit. Tragisch mutet an diesem Vorfall aller-
dings an, daß der Absturz des "Tornados" vermutlich auf das Konto
des NATO-Partners USA geht. Dieser soll nämlich durch seinen in
den Osten funkenden Politsender "Radio Free Europe" die Maschine
lenkunfähig gemacht haben. Die Arbeitsteilung zwischen propagan-
distischem und militärischem Export des hiesigen "way of life"
bedarf also noch der Verbesserung.
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