Quelle: Archiv MG - BRD BUNDESWEHR ALLGEMEIN - Vom deutschen Militarismus
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Herbstmanöver
LUSTIGES BLUT
"Jetzt kommen die lustigen Tage,
Schätzel ade,
Und daß ich es dir nur sage,
Es tut mir gar nicht weh,
Denn im Sommer da blüht der rote rote Mohn
Und ein lustiges Blut komm überall davon
Schätzel ade"
Während heuer wieder wie alljährlich mit einer größeren Anzahl
junger Bundesbürger in einheitlicher Kleidung das "rasche Heran-
bringen von Verstärkungen" geübt wurde, das militärische
"Zusammenwirken der Bündnisländer (Interoperability)" und der er-
neute Test, "wie die Führungssysteme auf der NATO-Ebene funktio-
nieren" auf dem Manöverplan stand, hielt es der Manöverbeobachter
der "Süddeutschen Zeitung" für nötig, zu verbreiten, dies sehe
wegen des heurigen "Krisenjahres" alles nur so "gewollt bedroh-
lich" aus, sei aber "gar nicht so gemeint".
"Wir" probieren ja auch nur in aller Ruhe aus, wie brauchbar die
schönen Verteidigungseinrichtungen sind, die "wir" uns für die
Konkurrenz der Waffen hingestellt haben.
Die Manöver der eigenen Truppe haben dann "mit bewußter Vorberei-
tung eines Krieges ... nichts zu tun". So tut die Presse das
Ihre, damit "die alten Tugenden und Tricks der Kriegsführung"
nicht in einer "dramatisierten Manöverlandschaft" "erübt" werden
müssen. Das hält dem Militär den Rücken frei.
Der Soldat im Manöver...
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Für den berüchtigten "einfachen Landser", ohne dessen unverwüst-
lichen Wahnsinn weder Krieg noch Manöver laufen würde, heißt das,
daß es eben seine verdammte Wehrpflicht und Schuldigkeit ist, 15
Monate lang sein Leben durch die Vorbereitung auf den Krieg be-
stimmen zu lassen, worin man sich mißmutig aber einsichtig zu fü-
gen hat. Und das geht so: Manöver werden von ihm im Vergleich zum
normalen Dienst beurteilt. Sie können also ziemlich Scheiße sein,
wenn man z.B. das Pech hat zu einer Kampfeinheit von Stoppelhop-
sern zu gehören, mit viel Dreck, Feindberührung und ewiger Bewe-
gung bei Angriff und Rückzug, bei der die Küche mit dem ohnehin
beschissenen Manöverfraß nie nachkommt. Da trauert man dem Kaser-
nentrott nach, wo man wenigstens seine Kantine hat.
Ein Manöver kann aber auch Klasse sein, wenn man z.B. ein motori-
sierter Fernmelder ist, weil man da hoch auf dem gut beheizten
grünen Wagen bequem durch die Landschaft gondeln kann, nicht sel-
ten vor manch schönem Wirtshaus die Funkverbindung, zusammen-
bricht, wo man sich dann, endlich der Fuchtel von Kompaniechef,
Spieß und Zugführer entronnen, von den wehrfreundlichen Eingebo-
renen Biere zahlen, mit Futter versorgen und Quartier machen
läßt.
Wenn das mit dem Abseilen aber nicht so recht klappt, kann man
sich zu dem Zwang zum Mitmachen immer noch einiges hinzudenken:
z.B., daß die ganze Veranstaltung doch auch f ü r einen selbst
etwas brächte, wie etwa die Gelegenheit, sich in schwierigen Si-
tuationen zu bewähren, außergewöhnliche Leistungen zusammen mit
Kameraden zu vollbringen (Persönlichkeitsbildung!), kurz, die Ge-
legenheit, die Scheiße, der man nicht auskommt, so gut mitzuma-
chen, daß man s t o l z darauf sein kann, wie gut man sie mit-
gemacht hat.
Die Trockenübungen zur Produktion gegnerischer Leichen werden mit
korrektem wehrsportlichem Bewußtsein aufgefaßt als Beitrag zum
sinnvollen "Zusammenhalt und Zusammenwirken", sich bei "kurzen
Hochleistungen nach langem Leerlauf", in punkto "Zuverlässigkeit
trotz Übermüdung" und "guten Nerven und Selbstvertrauen" nicht so
leicht übertreffen zu lassen und zu sagen, daß nicht nur die ei-
gene Kompanie die beste ist, sondern daß überhaupt hierzulande
immer noch die besten Soldaten der Welt auf den Bäumen wachsen.
Gibt es dann auch noch von einem Politiker auf Manöverbesuch Lob
dafür, dann wird das Manöver, obwohl es doch immer nur ein unech-
ter Krieg ist, (ein Mangel, der sich trotz des runden Dutzends
Toter, die die Übungen alljährlich kosten, in der Diskussion mit
echten Kriegsveteranen nicht leugnen läßt) für den Soldaten zum
Feld der nachhaltigsten Erlebnisse, die er als Reservist noch er-
zählt, wenn er mit seinem Opel Kadett wieder bei Rot an der Ampel
halten muß, anstatt mit seinem Leo Weidezäune plattwalzen zu dür-
fen, und wenn er weit und breit keine solche Kameradschaft mehr
entdecken kann, wie damals bei dem Haufen, als sie alle so schön
gleichmäßig im Dreck lagen.
...für den Ernstfall
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So geht demokratisches Militär: Einerseits ist die
Wehr p f l i c h t natürlich kein Recht des "Bürgers in Uni-
form", andererseits aber fallen ihm, ist er erst einmal gezogen,
unterstützt von der drillmäßigen Gewöhnung an seinen perversen
Job, die richtigen Sachen dazu ganz von allein ein. Das Hin und
Her zwischen Drückebergerei und Ehrgeiz, ganz wie es der Dienst-
plan zuläßt, mit dem Soldaten das Manöver zubringen, ist Beleg
für ein Bewußtsein, das auch den "E r n s t f a l l" längst
einkalkuliert hat - der wird einem schon beibiegen, wie man dann
mit dem erforderlichen Willen zum Sieg "seinen Mann steht".
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