Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK OSTPOLITIK - Deutschland über alles
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Wochenschau
HERR HEINRICH WINDELEN (CDU),
Minister für "innerdeutsche Beziehungen", eine Amtsbezeichnung,
die schon im Namen eine p o l i t i s c h e D r o h u n g ent-
hält - den bundesdeutschen Anspruch, die Verhältnisse in der DDR
als Teil der Innenpolitik in Deutschland zu behandeln -, dieser
fast schon in der Versenkung verschwundene Vertriebenen-Lobbyist
hat gemerkt, daß die neue Gangart gegen den Osten seinem Ministe-
rium die Chance eröffnet, den Mann, der ihm vorsteht, zu profi-
lieren. Anders als sein Vorgänger, der Menschenhändler Franke mit
den verschwundenen Millionen, ist Windelen kein Kanalarbeiter,
sondern eines der Sprachrohre der Wende. Erstmals ließen seine
Töne im Fernsehen aufhorchen, als er dem "Regime im anderen Teil
Deutschlands" pauschal die Verantwortung für alle toten Bundes-
bürger jetzt und in Zukunft zuschob: "Letzte Ursache für diesen
und ähnliche tragische Vorfälle bleibt immer die unmenschliche
Grenze durch Deutschland." Letzte Woche kündigte er nun die Ver-
öffentlichung einer "Dokumentation über die Vertreibung der Deut-
schen" an. Damit ist zunächst einmal klargestellt, daß
"Innerdeutsches" sich auch auf Teile der VR Polen, der UdSSR und
der CSSR b e z i e h t und daß im Verhältnis zu diesen Staaten
neben all den neuen, die täglich präsentiert werden, auch noch
alte Rechnungen offen sind. "Mit der Offenlegung gehe es der Bun-
desregierung nicht um die gegenseitige Aufrechnung von Unmensch-
lichkeiten und Verbrechen. Das Gegenteil sei richtig. Die Doku-
mentation solle ausschließlich der Wahrheit dienen." (AP vom 9.
Mai).
Ein bißchen I n t e r e s s e wird schon mit dabei sein bei
diesem "Wahrheitsdienst". Menschliche Beziehungen zum Feind ver-
langen nach anschaulicher Bebilderung.
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