Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK OSTPOLITIK - Deutschland über alles


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 70, 07.02.1983
       
       Wochenschau
       

"REVANCHISMUS"

sieht DDR-Außenminister Fischer in den Einlassungen des Bonner Innenministers Zimmermann (CSU) zur "nationalen Einheit" ("FAZ" vom 3.2., bzw. "Süddeutsche Zeitung" vom 31.1.). Das trifft den Kern der Sache nur begrenzt: Zwar entsprach Zimmermann mit der Betonung eines "völkerrechtlichen Anspruchs" der BRD auf Westpo- len, Teile der CSSR und Sowjetisch-Ostpreußens den Erwartungen, die Vertriebenenverbände an "Deutschlandpolitik" stellen, mit de- ren Hilfe Ergebnisse des II. Weltkriegs revidiert werden sollen, andererseits betonte er nur wieder einmal, was offizieller Stand- punkt der BRD ist - vom Verfassungsgericht rechtens gesprochen und in der "gemeinsamen Entschließung" des Bundestags zu den Ost- verträgen als "demokratischer Konsensus" proklamiert. Hier wird sich also nicht für die Niederlage des Nazifaschismus "revanchiert", sondern ein Anspruch des demokratischen Imperia- lismus gegen den Osten in der öffentlichen Agitation aufgewärmt. Wenn Zimmermann j e t z t Wert auf die Feststellung legt, "daß die Vertreibung von Deutschen und die entschädigungslose Enteig- nung ihres Grundeigentums und anderer Vermögenswerte völker- rechtswidrig" war, dann drückt dies die Entschlossenheit der CDU/CSU aus, trotz und mit den Ostverträgen die weiterreichenden Forderungen westdeutscher Außenpolitik im Ost-West-Verhältnis zu- mindest so ins Spiel zu bringen, daß allein ihr Nicht-Vorbringen eine "Vorleistung" der BRD-Seite sei. Die Kritik der SPD und aus den Reihen der SPD ist so auch eine, die sich auf den S t i l beschränkt und eine "Vergiftung der Atmosphäre" beklagt. Das letzte Wort in Sachen Ostgrenze will man auch hier "einem Frie- densvertrag" und damit bis auf weiteres s i c h s e l b s t vorbehalten. So hat auch eine andere Äußerung Zimmermanns keiner- lei Aufsehen erregt, obwohl gerade sie einen Beitrag zum 50. Jah- restag der "NS-Machtergreifung" außerhalb des offiziellen Fest- programms darstellt. Während Hitler und die seinen ihre territo- rialen Ansprüche auf den "östlichen Raum" mit dem Schicksal des in ihm dahinvegitierenden Volksdeutschentums garnierten, heißt das im Vokabular demokratisch-imperialistischer Erpressungspoli- tik gegen Rumänien heute so: "Die Beziehungen zwischen unseren Ländern können nur so gut sein, wie die Deutschen im Lande dort behandelt werden." P.S.: Auf dieser Maxime ist der türkische Außenminister bei sei- nem Bonn-Besuch nicht herumgeritten. Keinesfalls deshalb, weil etwa die Türken in der BRD auch nicht "schlechter behandelt" wer- den als vergleichsweise in der Türkei. Ihm sind die Lebensum- stände seiner Landsleute in der BRD genauso scheißegal wie Zim- mermann die Siebenbürger Sachsen. Mit diesen läßt sich jedoch d e u t s c h e Außenpolitik machen, während jene der türkischen I n n e n p o l i t i k nicht zur Last fallen sollen. zurück