Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK OSTPOLITIK - Deutschland über alles
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Wochenschau
DER REAL EXISTIERENDE REVANCHISMUS
Einer der Gründerväter sogenannter "Neuer deutscher Ostpolitik"
hat einen Staatsbesuch in die Volksrepublik Polen abgesagt. Au-
ßenminister Genscher (FDP) hat keine Lust, nach Warschau zu jet-
ten, wenn die dortige Regierung nicht zuläßt, daß ein westdeut-
scher Vizekanzler in einem Land des Warschauer Pakts sich unge-
fähr so aufführen darf, wie der US-Außenminister bei einer In-
spektionsreise nach El Salvador. Genscher möchte das Grab des Re-
gimegegners Popieluszko beehren, in seinem Hofstaat den notori-
schen Polenhasser Carl-Gustav Ströhm von Springers "Welt" unbe-
dingt dabei haben und schließlich einen Kranz für ein unbekanntes
Mitglied der Nazi-Armee hinterlegen, die in Polen damals einige
Millionen Tote hinterlassen hat, nebst eindrucksvollen architek-
tonischen Denkmälern wie dem KZ-Auschwitz. Nur wenn sich die pol-
nische Regierung auf e i g e n e m T e r r i t o r i u m das
alles freiwillig reinwürgen läßt, kriegt sie den dicken Genscher
auf den roten Teppich. Erst 14 Jahre her, der Kniefall von Willy
Brandt, und jetzt hat er sich schon dermaßen rentiert. - Als
Nachwort des größeren Koalitionspartners inszenierte die Junge
Union in Westberlin eine "lebhaft geführte Debatte" um die pol-
nische Westgrenze. Der Vorstand der Nachwuchschristen hatte kühn
vorgeschlagen: "Nach den Verträgen der Bundesrepublik Deutschland
mit der SU und Polen bildet die Oder-Neiße-Linie die Westgrenze
Polens." Damit schien einer Mehrheit des Kongresses das Kanzler-
wort von der "o f f e n e n deutschen Frage" mißachtet, weswe-
gen man sich auf eine "Kompromißformel" einigte, in der "das
S e l b s t b e s t i m m u n g s r e c h t für das deutsche und
das polnische Volk b e k r ä f t i g t" wurde. Angesichts der
mittlerweile erreichten Bestimmung Bonner Politik über Polen be-
steht kein Grund zur Befürchtung, daß hier irgendwelche Rechte
kollidieren könnten, wenn die Polen erst einmal durch die NATO
"befreit" worden sind...
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