Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK OSTPOLITIK - Deutschland über alles
zurück
Deutsche Politik
VOM GLÜCK UND VOM PECH, UNSERE 5. KOLONNE IN DER DDR ZU SEIN
Wer in der DDR herumläuft und an seinem Staat herumkritisieren
will, genießt ein ganz bersonderes Glück: Das lebhafte Interesse
und die herzliche Unterstützung der BRD sind ihm sicher, egal,
was er eigentlich will.
- Anliegen, mit denen man sich in der BRD gar nicht so sehr be-
liebt macht, wie Frieden und Umwelt z.B. in der DDR gegen die Re-
gierung vertreten - schon hat man die BRD auf seiner Seite.
- Kaum will man einen Protest loswerden, schon sind ARD und ZDF,
"Bild" und "Süddeutsche Zeitung" zur Stelle und garantieren die
Verbreitung, mit Westfunk und -fernsehen zurück in die DDR.
- Bekommt man Schwierigkeiten mit DDR-Behörden, schaltet sich die
BRD ein, mit "Empörung und Zorn". Die Bundesregierung droht, for-
dert die DDR auf, sich endlich an die Richtlinien in Umgang mit
Kritikern zu halten, die Bonn für sie ausgibt. Und wenn die DDR
die für jeden Staat einschlägigen Staatsschutzparagraphen anwen-
det und Gefängnis verordnet, setzt die Bonner Regierung ihre
Rauskäufer in Bewegung, um ihre Schützlinge spektakulär in unsere
großartige Freiheit zu holen.
Für BRD-Politiker sind Kritiker in der DDR nützliche Idioten: Sie
sollen drüben Unzufriedenheit stiften und ihrer Regierung Schwie-
rigkeiten machen. Sie sollen damit Reklame für die BRD machen und
immer wieder Anlässe schaffen, damit sich Bonn heftig in die In-
nenpolitik der DDR einschalten kann. Damit die DDR-Bürger die
BRD-Regierung immer mehr als die eigentlich auch für sie zustän-
dige Regierung begreifen.
Das ist ein nützlicher Schritt in Sachen "Wiedervereinigung".
Kein sehr großer. Denn die Beseitigung der DDR ist kein Kultur-
programm, sondern ein Kriegsprogramm. Aber solange die
"Wiedervereinigung" auf d i r e k t e m W e g nicht zu machen
geht, ist der Bonner Regierung kein "friedlicher" Umweg zu um-
ständlich. Denn daß der deutschen Politik viel mehr Herrschafts-
bereich und Volksmasse zustehen, daß die deutschen Grenzen unbe-
dingt weit nach Osten verlegt gehören, ist die unveränderliche
Richtlinie der Bonner Politik.
D a f ü r, im Dienst eines sehr unbescheidenen deutschen Impe-
rialismus, werden Kunstspinner, Umwelt- und Friedensfreunde oder
frömmelnde Zivildienstler in der DDR gehegt und gepflegt als ge-
setzlich geschützte Unruhestifter, geschützt von unseren Gesetzen
und unseren Politikern. Also auch nicht ganz selbstlos. Das kann
dann auch deren Pech sein.
- Es kann ihnen schon passieren, daß sie lieber in der DDR blei-
ben wollen, aber die DDR-Regierung den Standpunkt praktiziert:
Geh doch nach drüben! Dann werden sie bei ihren Beschützern in
der BRD abgesetzt und müssen sich an deren Herrschaftunsitten und
an die Schönheiten des kapitalistischen Alltags gewöhnen. Und
Kritik ist da nicht besonders erwünscht.
- Es kann ihnen auch passieren, daß sie mit der Androhung von Ge-
fängnis zum Übersiedeln "überredet" werden: Deswegen werden sie
hier aber noch lange nicht mit Begeisterung empfangen! Was sollen
wir denn hier mit denen?! Wären sie drüben in den Knast gegangen,
könnte man von hier aus die DDR doch viel besser schlecht machen!
- Und auch bei denen, die den A n s p r u c h der BRD als ein
A n g e b o t mißverstehen und einfach so rübermache, geht die
Liebe zu den Brüdern und Schwestern aus dem Osten nicht so weit,
daß sie mit ihrem Schritt in die Freiheit sehr gern gesehen sind.
"Wirtschaftsflüchtlinge" gibt es ja genug. Das bekommen sie dann
auch zu hören.
- Wenn sie nicht gerade Spitzensportler, Fernsehlieblinge oder
Künstler erster Klasse nach hiesigem Geschmack sind, brauchen sie
gar nicht auf eine gesicherte Existenz zu spechten. Da geht die
Karriere oft ganz locker nach unten in die Abteilungen Arbeitslo-
sigkeit oder Obdachlosigkeit.
- Es kann den Protestlern in der DDR übrigens schon mal passie-
ren, daß sie nicht nur von ihrer Staatsmacht, sondern auch von
ihren Freunden und Helfern in Bonn Zurechtweisungen ernten.
Schließlich pflegen die mittlerweile auch außerordentlich
g u t e Beziehungen mit der DDR-Obrigkeit: Milliardengeschäfte
sind da zu holen; und die Bonner Wiedervereinigungspolitiker ha-
ben auch gelernt, daß man auf Grundlage freundlicher Beziehungen
viel besser in die DDR hineinregieren kann. Reiseregelungen, Er-
laubnisse für die westdeutsche Propaganda in die DDR hinein und
einiges mehr läßt sich die Honecker-Regierung dann abhandeln. Und
dafür stellt man sich dann auch schon mal auf deren Seite und
weist die eigene 5. Kolonne zurecht: Regierungsfeierlichkeiten
stören, Gesetze übertreten - das gehört sich auch in unserer DDR
nicht.
- Dafür gehören sich dann aber wieder Bittgottesdienste, in denen
der Herrgott in Gestalt einer "durchlässigen Grenze" gefeiert
wird. Wenn der DDR-Staatsschutz gegen diese Form der Illoyalität
vorgeht, dann besteht man in Bonn auf "Religionsfreiheit" für den
eigenen Wiedervereinigungsanspruch. Das bewahrt die Freunde des
Westens in der DDR allerdings nicht immer vor dem Knast im Osten:
Auf die Westpropaganda verlassen, daß letztlich die Regierung der
DDR den Forderungen aus Bonn nachgeben m u ß, kann man sich
nämlich auch nicht.
So ist das nun mal, wenn man als Propagandatrupp von der BRD ge-
gen die DDR gesponsort wird. Dann ist man eben auch bloß Manö-
vriermasse für die Konjunkturen in der Politik der beiden deut-
schen Staaten.
zurück