Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK OSTPOLITIK - Deutschland über alles
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Marxistische Schulzeitung Bremen, 10.12.1981
Wochenschau
HELMUT SCHMIDT TRIFFT ERICH HONECKER
diese Woche am Wehrbellinsee auf dem Territorium der Deutschen
Demokratischen Republik, deren Souveränität die Bundesregierung
bereits durch die Anreiserroute in Frage stellt: "Wie schon bei
früheren Planungen gilt der Grundsatz, daß Helmut Schmidt bei der
Reise in die DDR Ostberliner Boden nicht betritt." (Süddeutsche
Zeitung vom 3. Dezember) Auch ansonsten enthält die "lose fi-
xierte Themenliste", die der (west)deutsche Kanzler auf Schloß
Hubertusburg abhaken will, im wesentlichen nur Einmischungen in
die inneren Angelegenheiten der DDR. "Zwangs"umtausch, Paß- und
Visaangelegenheiten etc. Diese Woche bereits ist der DIHT-Präsi-
dent Otto Wolff in Berlin (Hauptstadt der DDR) gewesen, um die
ökonomischen "Angebote" vorzuzeigen, deren Preis Schmidt kassie-
ren möchte: "Wie ddp erfuhr, hat Ostberlin eine teilweise Rück-
nahme der Erhöhung des Zwangsumtauschs signalisiert." nach der
Breschnew-Abfertigung, dem in Bonn wieder einmal versichert
wurde, daß sich die SU vor'm Westen wesentlich mehr zu fürchten
habe, als die BRD auf gute Beziehungen zur Weltmacht Nr. 2 ange-
wiesen sei, kann man sich unschwer ausmalen, wie das zugeht, wenn
Schmidt den "Dialog frei von allen Vorbedingungen". (Regierungs-
sprecher Becker) eröffnet. Im neugewonnenen Glücksgefühl
weltmächtigen Aufprunkens der Mittelmacht am Rhein fordert Klaus
Dreher im Leitartikel der "Süddeutschen Zeitung" vom 3. Dezember
vom DDR-Staatsratsvorsitzenden gleich ein bißchen Sozial-
kundeunterricht zur Vorbereitung der Staatsvisite: "Wenn Honecker
versteht, welche Spielregeln in einer Demokratie gelten, die sei-
nem Denken ungewohnt sind, die er jedoch berücksichtigen muß,
dann fällt ihm womöglich ein Einlenken leichter." Daß DDR-Führer
g e l e n k t werden, geht mittlerweile in Ordnung, nur sitzen
zur Stunde noch die Falschen am Lenkrad.
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