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Wochenschau
BRANDT IN MOSKAU
Also sprach Willy Brandt, deutscher Entspannungskanzler a.D., ge-
lassen folgende Frechheit: Er kehre mit dem "festen Eindruck" aus
dem Kreml zurück, "es in Moskau mit jemandem zu tun zu haben, der
ehrlich will, was er sagt, nämlich den Frieden bewahren". Wer
hätte das gedacht, angesichts dessen, daß die sowjetische Ver-
handlungsbereitschaft über ihre Europa betreffende Raketenrüstung
nun schon seit zwei Jahren fast jeden Tag offiziell wiederholt
wird, sowie angesichts der Tatsache, daß sich die NATO bislang
ebenso offiziell beharrlich w e i g e r t, Kompromisse um des
lieben Friedens willen ins Auge zu fassen? Das Ergebnis der
Brandt-Mission in den Kreml, der vor Ort abgeholte Beweis, daß
die S o w j e t s zu Zugeständnissen bereit sind, daß also für
den Westen etwas "drin" ist, d.h. Verhandlungen mit der
Sowjetunion über die Raketenfrage l o h n e n d sein können,
ohne daß dabei die NATO-Nachrüstung im Prinzip zurückgenommen
werden müßte - dieser Beweis ist für die USA ziemlich
uninteressant. Das wissen sie selbst, nur interessieren sie sich
nicht weiter dafür, weil sie allein an der Durchführung ihrer
Aufrüstungspläne in Europa interessiert sind. Wenn die Rechten
bei uns genüßlich kommentieren, "Breschnew brachte Brandt
zufrieden zum Flugplatz", so ist das natürlich absurd. Der Brandt
macht in Moskau solide bundedeutsche Politik, nämlich unter dem
Titel "Friedenspolitik" den Beitrag für die NATO zu leisten, daß
die amerikanische Rechnung gegen die Sowjetunion auch in
"unserem" Interesse letztlich a u f g e h t. Mit dem gleichen
Ergebnis, einen zum Frieden entschlossenen U S - P r ä s i-
d e n t e n getroffen zu haben, kehrte auch Schmidt aus
Washington zurück. Die bundesdeutsche Politik feiert ihre Erfolge
also darin, Freund und Feind Bekundungen ihrer besten Absichten
abzutrotzen, ohne es sich mit den Verbündeten zu verscherzen,
geschweige denn dem Gegner irgendein Zugeständnis zu machen. Und
speziell für seine Partei hat Brandt mit Glaubwürdigkeit den
Idealismus gepflegt, auf den hierzulande nicht wenige herein-
fallen: daß es der oberste Zweck der bundesdeutschen Regierung
sei, die beiden "Supermächte" wieder "zusammenzuführen".
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