Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK OSTPOLITIK - Deutschland über alles
zurück
Nach Urlaub in Sri Lanka. Stadtstreicher aus der DDR zündete Oper
an
DDR-RÜBERGEMACHTER, OPERNANZÜNDER!
Du mußt da was falsch mitbekommen haben: Wenn unsere Regierung
immer so tut, als kümmere sie sich pausenlos um Wohl und Wehe von
Euch DDR-Bewohnern, dann heißt das noch lange nicht, daß sie je-
dem von Euch eine prima Existenz garantieren würde, wenn sie nur
könnte. Wenn dieselbe Regierung Dich höchstpersönlich aus einem
DDR-Knast freigekauft hat, dann war das doch nicht der Anfang ei-
ner wunderbaren Freundschaft, sondern eine Investition in Sachen
ideologische Klarstellung, wo Unrecht und wo recht herrscht und
welche der beiden deutschen Staatsgewalten die einzig Befugte
über alle Deutschen ist. Wenn Du danach zielstrebig eine Karriere
in Richtung Obdachlosigkeit eingeschlagen hast, dann ist das eben
Deine Sache und keine vernachlässigte Sorgfaltspflicht unserer
Regierung. Bei uns herrscht nämlich Freiheit statt Sozialismus
und da mischt sich eine ordentliche Regierung nur soweit ein, als
sie alle ihre Bürger darauf festlegt, sich selbst um ihr Auskom-
men zu kümmern. Und wenn sie das nicht schaffen, weil der segens-
reiche Arbeitsmarkt kein Bedürfnis nach ihrer werten Person ver-
spürt, dann ist das eben ihr Bier. Schließlich: menschlich ver-
ständlich mag es ja sein, daß Du als Obdachloser keinen Sinn für
solche Baulichkeiten wie Opernhäuser hast. Aber mit der Auffas-
sung liegst Du völlig schief, daß man bei uns Opernhäuser anzün-
den muß, nur um darauf aufmerksam zu machen daß es Obdachlose
gibt. Stell Dir vor, das ist allgemein bekannt, auch in Bonn.
Stell Dir vor, das gehört hierzulande zu den anerkannten faux
frais einer freien Marktwirtschaft. Und wer die zu kritisieren
wagt, bekommt hundertprozentig den Hinweis zu hören: Geh doch
nach drüben! Aber Du darfst ja jetzt erst einmal einen westdeut-
schen Knast von innen kennenlernen - immerhin ein Obdach - und
dem westdeutschen Publikum als ein unterhaltsames Beispiel dafür
dienen, wie lebensuntüchtig und weltfremd der DDR-Sozialismus mit
seiner sozialen Betulichkeit seine Bürger macht.
zurück