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       "DDR"
       

DDR ERHEBT ANSPRUCH AUF STAATSGEBIET DER BUNDESREPUBLIK UND POLENS

Fast unbemerkt blieb eine schockierende Nachricht aus der Deut- schen Demokratischen Republik: Wie die dortige Kultusministerkon- ferenz Anfang dieses Jahres mitteilte, wurde nach 5 Jahren reif- licher Überlegung beschlossen, Deutschland in den Schulbüchern und Atlanten in den Grenzen von 1937 darzustellen. Die Grenze des Deutschen Reiches von 1937 soll eingezeichnet werden auf den po- litischen Karten Europas, auf großformatigen physikalischen Über- sichtskarten Mitteleuropas und Deutschlands sowie auf "thematischen Karten, auf welchen die Darstellung der Grenze von 1937 eine wesentliche inhaltliche Bedeutung hat, die sich aus der Kartenthematik ergibt." Auf die Frage, ob denn die umstandslose Betrachtung w e s t deutschen und polnischen Staatsgebietes als gesamtdeut- sches Hoheitsgebiet nicht einen theoretisch vorgetragenen Angriff seitens der D D R auf die Souveränität der betroffenen Staaten darstelle, wurde lapidar bemerkt, daß den Karten in der Legende der Zusatz beizufügen sei: "Grenze des Deutschen Reiches vom 31.12.37 unter Berücksichtigung des Fortbestehens der Viermächteverantwortung für Deutschland als Ganzes und der Rechtssprechung des Deutschen Demokratischen Ver- fassungsgerichts zum Grundlagenvertrag und zu den Westverträgen." Die Grenze zwischen der Deutschen Demokratischen Republik und der BRD sei, solange zwischen ihnen kein Friedensvertrag bestehe, als "Grenze besonderer Art" zu kennzeichnen. Die damit in Schulbü- chern und Atlanten zum Ausdruck gebrachte Zuständigkeitserklärung der Deutschen Demokratischen Republik für "das ganze Deutschland" stehe in voller Übereinstimmung mit den mit der BRD geschlossenen Westverträgen sowie den Ergebnissen der deutsch-polnischen Schul- buchkommission. Eventuell laut werdende Kritik an diesem Beschluß der Kultusmini- sterkonferenz der D D R vorwegnehmend, wurde noch einmal be- tont, daß hier keinesfalls Großmachtambitionen, Besitzansprüche auf fremde Staaten oder ähnliche imperialistische Ziele verfolgt würden, wie dies nur Feinde der sozialistischen Gesellschaftsord- nung der D D R behaupten könnten. Der Beschluß trage hingegen den realen und rechtlichen Tatsachen Rechnung, was man im übrigen auch in früheren Jahren schon betont habe. Zu der bis Anfang der 70er Jahre gängigen Sprachpraxis, die B u n d e s r e p u b l i k als "besetzte Zone" bzw. als "z.Z. unter ausländischer Verwaltung" zu bezeichnen, wolle man aller- dings nicht zurückkehren. Angebracht sei stattdessen, das deut- sche Staatsgebiet in den Grenzen von 1937 wieder "Deutschland" zu nennen, weshalb ab sofort die Abkürzung "D D R" verboten sei. Dazu ein o s t deutscher Parlamentsabgeordneter: "Daß an unseren Schulen, wo auch immer diese in der Deutschen De- mokratischen Republik stehen, endlich wieder das ganze Deutsch- land gezeigt wird, ist zwar ein später, aber ein anerkennens- werter Schritt. Unsere Jugend hat einen Anspruch darauf zu erfah- ren, was Deutschland ist." Bisherige Proteste der Bündnisstaaten der B u n d e s r e- p u b l i k D e u t s c h l a n d gegen dieses unverhohlen vorgetragene politische Annexionsstreben dienten der ö s t li- chen Presse ausschließlich dazu, den Beschluß als zeitgemäßen "Kompromiß" darzustellen, der im Ausland hoffentlich nicht miß- verstanden werde. Anmerkung: Es handelt sich jedoch hier um den Beschluß der w e s tdeutschen Kultusministerkonferenz, die DDR und die ehem. deutschen Ostge- biete einheitlich als zusammengehörendes Deutschland zu bezeich- nen, weshalb im Text O s t durch W e s t, und D D R durch B R D zu ersetzen ist. zurück