Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK OSTPOLITIK - Deutschland über alles
zurück
Inner-Deutsche Beziehungen
DDR HILFT BRD SAUBERHALTEN IN BERLIN
Endlich ist die "Mauer mitten durch Berlin", unter der "wir" an-
sonsten leiden, weil sie uns von den "Brüdern und Schwestern"
trennt, ein Stück undurchlässiger gemacht worden. Die DDR hat
versprochen, keine in der BRD und Westberlin unerwünschten Aus-
länder durchzulassen. Zu diesem Zwecke läßt sie sie ab 1. Oktober
bei sich nicht mehr rein.
Grund zur Freude bei den Regierenden in Bonn samt ihrer Opposi-
tion, weil diesmal deutsche Kommunisten ihren demokratischen Kon-
trahenten am BRD-Ruder die Gefälligkeit erwiesen haben, "uns"
einen Teil der Schmuddelkinder aus der "Dritten Welt" vom Leibe
zu halten, die via Ostberlin-Schönefeld massenhaft in die
"Freiheit" drängen.
Nun hat die Freiheit unter den Wolken allerdings ihre Grenzen,
und in Berlin entdeckten die Bonner Herrschaften auf einmal, daß
eine solche die Hauptstadt der DDR von Westberlin trennt. Die
Mauer soll nicht mehr einfach so weg, sondern je nach Bedarf als
anti-asylantischer Schutzwall und als "schreiendes Unrecht"
brauchbar sein. Die DDR-Kommunisten haben mit ihrem Beschluß,
keinen Ausländer mehr nach Berlin zu lassen, der nicht ein
"Anschlußvisum" für die BRD/Westberlin vorweisen kann, einen
Pluspunkt im Zensurheft der Freien Welt vermerkt bekommen. Für
die Demonstration der Bereitschaft zu "gutnachbarlichen Beziehun-
gen" haben sie ansonsten gar nichts gekriegt, nicht einmal einen
kleinen finanziellen Ausgleich wegen der 3,6 Mio. Mark pro Jahr
in harten Devisen, auf die ihre Interflug-Gesellschaft jetzt ver-
zichten muß. Dafür haben sie sich einiges geleistet:
- Die DDR gibt dem unbeirrbaren Bonner Rechtsanspruch nach, daß
Westberlin Teil der BRD ist und die Grenze für den Westen nicht
existiert, weswegen das sozialistische Deutschland für den impe-
rialistischen Teil die Drecksarbeit des Ausländersortierens zu
übernehmen hat.
- Die deutschen Kommunisten sorgen ab sofort mit dafür, daß die
vom Imperialismus produzierten Elendskreaturen aus Asien. Afrika
und Lateinamerika auch ordentlich zu Hause bleiben und krepieren,
anstatt dem westdeutschen Staat unnötige Spesen zu verursachen.
Das hat die wunderschöne Konsequenz, daß der "Freie Teil Deutsch-
lands" sein Asylrecht vorerst weiterhin grundgesetzlich anpreisen
kann, während der deutsche Friedens- und Fortschrittsstaat keinem
Verfolgten auf der Welt auch nur ein Flugticket verkauft, es sei
denn, die BRD hätte ihn per Visum ausdrücklich eingeladen.
Warum machen sie das, die Genossen von der SED? DDR-Kommunisten
sind allen Ernstes der Auffassung, daß sie es sich mit Bonn um
keinen Preis verderben dürfen. Da kann ihnen der mächtigste NATO-
Staat in Europa eine "Nach"rüstung nach der anderen vor die Haus-
tür semmeln - in der Hauptstadt der DDR träumt man weiterhin von
einem "deutschen Sonderinteresse an Entspannung". Die führenden
Köpfe der SED, einer Partei, die dadurch entstanden ist, daß die
SPD zumindest in Ostdeutschland mit guten Gründen und historisch
mehr als gerecht endlich abgeschafft worden ist, glauben mit In-
brunst daran, daß sie von Ersatz-Birne Rau mehr zu erwarten haben
als vom Original-Kohl. Deshalb servieren sie ausgerechnet Egon
Bahr, dem Ober-Roßtäuscher des gesamtdeutschen Imperialismus, der
sie schon bei den Ost-Verträgen gehörig über den Tisch gezogen
hat, kostenlos und frei Haus einen Wahlschlager. Und was für
einen! Die SPD darf jetzt damit prunken, daß der r e g i e-
r u n g s a m t l i c h e R a s s i s m u s der westdeutschen
Anti-Ausländer-Hetze bei ihr den effektivsten praktischen Voll-
strecker hat. So sehen sie aus - die Früchte "freundschaftlicher
Zusammenarbeit" zwischen den zwei "größten Arbeiterparteien" aus
beiden deutschen Staaten samt Westberlin!
Andererseits kriegen die öffentlichen Meinungsbildner in der
Freien Presse ihr aktuelles Feindbild "Asylanten" lässig mit ih-
rem traditionellen Antikommunismus in Einklang. Das geht so oder
so ähnlich in "Bild" und beim Regierungssprecher: Erst schika-
niert uns die Ostzone mit zehntausend Kanaken, und jetzt gibt sie
nach, weil wir ihr mit Härte gezeigt haben, daß es so nicht wei-
tergeht. Kriegen tut sie rein gar nichts dafür. Wenn die DDR für
die BRD-Ausländerpolitik den Büttel macht, dann ist das ihre
"gutnachbarliche" Pflicht und Schuldigkeit!
Und der bundesdeutsche Bürger soll froh und dankbar sein. Erstens
weil seine Regierung und/oder die Partei, die er gerne an der Re-
gierung haben möchte, die DDR "zum Einlenken gebracht" hat. Und
zweitens, weil jetzt die "Gefahr einer Asylantenflut" zu einem
Gutteil gebannt ist. Der Bürger scheint mehrheitlich abgebrüht
genug, so zu denken, als wär' er selbst der Zimmermann: Der men-
schliche Abfall aus aller Herren Länder soll zweckmäßigerweise
besser verrecken, bevor er bei uns, die Umwelt verschmutzt. Gemäß
dieser Regel schicken deutsche Behörden und Gerichte Türken nach
Hause zu den Folterknechten, Tamilen zurück ins nächste Massaker
ihrer srilankischen Herren usw. usf. Jetzt kann nur noch passie-
ren, daß ein verzweifelter Pakistaner nachts versucht, über die
Mauer nach Westberlin rüberzumachen. Schießen dann die Vopos oder
die freiheitlichen Ordnungskräfte?
zurück