Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK OSTHANDEL - Politische Erpressung mit Ökonomie


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       Öffentliche Diskussionsreihe der Marxistischen Gruppe
       
       Der Imperialismus der BRD
       Was diese Nation so lebensgefährlich macht
       

OSTHANDEL UND ENTSPANNUNG

Bundesdeutsche Ostpolitik fing an mit dem Verbot gegenüber ande- ren Staaten, mit dem Osten Politik zu machen: die Hallstein-Dok- trin untersagte die Anerkennung der DDR - bei Strafe der diploma- tischen Ächtung durch die BRD. Diese Linie unterzogen BRD-Politi- ker einer Selbstkritik, als sich abzeichnete, daß der Ostblock auf absehbare Zeit weder abdanken noch mit gesicherten Siegesaus- sichten kriegerisch kleinzukriegen sein würde. Damals schlug die Stunde der Entspannungspolitik und der SPD. Die kritisierte die Nichtanerkennungspolitik der CDU als "unrealistisch" - ganz so, als hätte die CDU die Existenz der DDR geleugnet, wo sie den An- spruch auf Auslöschung dieses Staates erhob. Die realistische Al- ternative der SPD lautete, durch Osthandel und Konzessionen bei Statusfragen (und gleichzeitiger Aufrechterhaltung des prinzi- piellen Wiedervereinigungsanspruchs) sich E i n m i- s c h u n g s- u n d A u f w e i c h u n g s i n s t r u m e n- t e z u b e s c h a f f e n: Ihre Überwindung des "fruchtlo- sen" "Kalten Krieges" bestand darin, das Interesse der DDR, über- haupt in Beziehungen zum Westen als anerkannter Staat treten zu können, zumindest andeutungsweise zu befriedigen. Als Preis für die gnädige Zulassung einer "Ständigen Vertretung" der DDR mitten in Bonn trieb sie ein permanentes M i t s p r a c h e r e c h t der BRD ein, den Umgang der DDR mit ihrem Volk betreffend. Den Wirkungen einer solchen Politik konnte sich auch die nationale Rechte, die einst vom "Ausverkauf deutscher Interessen" gegeifert hatte, nicht verschließen. Seitdem vermittelt F.J. Strauß Millionenkredite, und Honecker darf - neben den fälligen Tilgungen und Zinsen, versteht sich - als p o l i t i s c h e n T r i b u t den Beweis in Gestalt von Reiseerleichterungen oder Busladungen voller amnestierter Häftlinge antreten, daß an der angemaßten Oberaufsicht der BRD über das Rechtswesen der DDR mehr dran ist als ihm lieb sein kann. Genauso wie der verbotene Osthandel mit hochwertiger Elektronik zeigte der erlaubte und stattfindende Geschäftsverkehr mit den RGW-Staaten, daß am Primat der politischen Systemfeindschaft nie gerüttelt wurde. Die von ihr gesetzte Bedingung für das bloße Stattfinden dieser sensiblen Sorte Warentausch hieß immer: eine Schädigung des Feindes muß schon herausspringen! Auch hier ließ sich das Interesse der Gegenseite gar prächtig ausnutzen: die Hoffnung des Ostens, sich durch das Geschäft mit dem Westen nicht nur hochentwickelte Produktivkräfte, sondern auch ein Interesse an geschäftsdienlicher "friedlicher Koexistenz", also eine Rela- tivierung der prinzipiellen Feindschaftserklärung einzuhandeln, wurde gründlich zurechtgerückt: bekommen hat der RGW vor allem den Zwang zur Schuldentilgung und damit zur Erwirtschaftung von Devisen, was sich zur Freude des Westens als nicht zu unterschät- zende Störung und Beeinträchtigung der sozialistischen "Plan"wirtschaft entpuppte. Das Ganze lief unter dem Titel "Wandel durch Annäherung" und für die Glaubwürdigkeit dieses Anliegens fiel Willy Brandt auch schon mal auf die Knie. Und er würde sich sicher von Herzen freuen, wenn heutzutage seine Politikerkollegen die Früchte seiner reali- stischen Feindseligkeit gegen den Ostblock ein fahren und unver- froren ihren Willen zur Einmischung in die inneren Angelegenhei- ten anderer Staaten als ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit vortragen - wären diese Kumpane bloß nicht in der falschen Par- tei: "Der Frankfurter Oberbürgermeister Wolfram Brück (CDU) erinnerte in seiner Rede an die Verantwortung der Deutschen für die politi- sche Situation Polens, die aus dem faschistischen Überfall auf den östlichen Nachbarn erwachse. Der Westen habe kein Recht, die Freiheit nur für sich in Anspruch zu nehmen und aus Opportunität zu einer überlegenen Macht nicht auch für andere einzufordern." Das traut sich diese Kanaille nur, weil die BRD dank der Entspan- nungspolitik tatsächlich Mittel ansammeln konnte, um über die Frage mitzubefinden, ob und wie Polen noch ein funktionierendes Mitglied des Warschauer Paktes sein kann. Der Ertrag dieser Ent- spannungspolitik ist also unzweifelhaft und besteht anno 19S7 vor allem darin, daß ein Genscher es sich herausnehmen kann, der so- wjetischen Führung vorzubuchstabieren, was sie in ihrer Weltpoli- tik und bei sich zuhause alles grundlegend ändern muß, "damit der Entspannungsprozeß nicht gefährdet wird". Der umgekehrte Versuch seitens der SU würde merkwürdigerweise eine beträchtliche Ver- schlechterung des "Klimas" nach sich ziehen... zurück