Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK BERLIN - Sumpfblüte des Imperialismus
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Wochenschau
DIE BERLINER MAUER
ist das einzige öffentliche Gebäude in Westeuropa, das man mit
Billigung hiesiger Behörden bemalen darf. Während sich hierzu-
lande keine Parole in einem U-Bahn-Eingang oder an einer Univer-
sitätswand länger als 24 Stunden hält, sparen sich die Stellen in
Berlin (Hauptstadt der DDR) das regelmäßige Übertünchen. Neulich
allerdings haben sie einen Freiheitsmaler inflagranti ertappt,
als sie "hinterrücks durch eine Geheimtür" (- so in etwa die Ton-
lage der Berichterstattung im Westfernsehen) von Osten durch die
Mauer auf ihr eigenes Territorium vorgedrungen sind. Dabei haben
sie zufälligerweise einen "alten Bekannten" - wie das in Polizei-
kreisen so heißt - geschnappt, der vom Westen schon einmal frei-
gekauft worden war. Jetzt muß er wieder einsitzen. Ziemlich ge-
mein, einen Freiheitssprayer nur deswegen zu verknacken, weil er
mutwillig ausländisches Hoheitsgebiet verletzt hat! -
"Schmierschriften an Gymnasium
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Drei Schüler gefaßt
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Drei Schmierschrift-Urheber, Schüler des Pasinger Max-Planck-Gym-
nasiums, sind gefaßt worden. Die Missetäter im Alter von 17 bis
19 Jahren hatten bereits in der Neujahrsnacht an den Wänden der
Lehranstalt angebracht: 'Wo Recht zum Unrecht wird, wird Wider-
stand zur Pflicht, WAA'. Als sie jetzt erneut die Fassade des
Gymnasiums mit Kernsprüchen versehen wollten, wurden sie von ei-
ner Polizeistreife gesichtet. Sie sind voll geständig."
(Süddeutsche Zeitung, 12.1.)
Das ist der Unterschied: Bei uns wird heimlich gesprüht und öf-
fentlich festgenommen, während es an der Grenze in Berlin umge-
kehrt ist. Und hier ist es zunächst nur Sachbeschädigung mit der
dazugehörigen Schadenersatzklage - wenn man Glück hat. Wenn näm-
lich auf besondere "kriminelle Energie" dahinter "erkannt" wird,
folgt schon deswegen Bau, und wenn in dem Gekriksel auch noch ein
politischer Inhalt ausgemacht - werden kann, besteht begründeter
Verdacht der Zugehörigkeit zu einer terroristischen Vereinigung.
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