Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK BERLIN - Sumpfblüte des Imperialismus
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IN DER FRONTSTADT WESTBERLIN
hat der Regierende Bürgermeister Diepgen (CDU) letzten Mittwoch
drei Senatoren ausgewechselt, obwohl sich diese Herren "weder ju-
ristisch noch moralisch irgend etwas zuschulden kommen ließen"
(Diepgen im ARD)-Brennpunkt vom 8. April). Warum aber dann?
Hierzu spricht Herr Diepgen ausnahmsweise einmal nichts als die
Wahrheit, wenn auch im verdrechselten Politologen-Jargon:
"Politik ist nämlich Vertrauenssache. Und für unsere Politik
brauchen wir Personen, in die die Bevölkerung uneingeschränktes
Vertrauen hat." Klartext: Damit das Geschäft der Politik wie ge-
schmiert läuft, beseitigen wir aus ihm ab und an mal Personen,
bei denen der Eindruck bekannt geworden ist, sie seien geschmiert
worden. Das ist nämlich schädlich für unser Ansehen bei den
A n g e s c h m i e r t e n, der Bevölkerung, die von unserem
ganz normalen Geschäft nicht bloß den Schaden hat: Sie muß uns
schließlich auch noch wählen! Und diese S p e k u l a t i o n,
die nicht strafbar ist, nicht einmal anrüchig, sondern
D e m o k r a t i e heißt, haut hin. Jetzt mit drei neuen Figu-
ren im Senat. (Die alten gehen wahrscheinlich in den Bundestag.)
Ob die Westberliner auch was davon m e r k e n werden, daß sie
ab sofort in einer "sauberen Stadt" leben?
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