Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK BERLIN - Sumpfblüte des Imperialismus


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       Münchner Hochschulzeitung Nr. 7, 28.01.1981
       
       Frontstadt
       

EINE RADIKALE LÖSUNG DER "BERLINKRISE"

"Wir ringen um Berlin." (Vogel) Westberlin, sowieso ein kaputter Sauhaufen. Der Ausländerbazillus Türk-Paki hat sich gefährlich festgesetzt. Alternative Faulenzer mit Utopien über Feld, Wald und Tier im Kopf schmarotzen vom "Notopfer" Berlin. Ausgestiegene Studenten spielen Tunix. Demo- lierte Wohnungen werden besetzt und anschließend die Besetzer von der Polizei demoliert. Eppler erschleicht sich ein Semester lang mit einer Vorlesung über das Wort "Sachzwang" Steuergelder. Welch ein Zustand! Jetzt hat Berlin der endgültige Kollaps erwischt. Die Stadt ist in ihrer gesamten Hälfte in eine "innere Krise" geraten, gegen die die vergangenen "Berlinkrisen" mit Luftbrücke usw. eine Klei- nigkeit waren. Psychisch und physisch total krank. Millionen Steuergelder sind einfach in der Wüste verschwunden, während Hausbesitzer ihre Wohnungen kaputthauen, um Staatssubventionen voll ausnutzen zu können. "Verkrustet bis zur ständigen Infarkt- gefahr" liegt Berlin darnieder: "Die gestörte Psychologie dieser Stadt", "die labile Seele West-Berlin" ist zu einer "seelischen Krankheit" fortgeschritten, die Ursachen hat in einer seit Ende des Krieges anhaltenden Identitätskrise". Und das Schlimmste: Der so kaum mehr regierbaren Stadt steht eine "regierungsunfähige" Regierung vor. Der "Hybris-Virus" einer "verrotteten Politik" hat aus der ehemaligen Weltstadt einen "Augiasstall ..., einen Saustall von Filz und Speziwirtschaft" gemacht, so daß sie "politisch unter Provinzniveau gesunken ist". "Berlin ohne Regierung." Eine Gemeinheit für die Berliner -------------------------------- Kann man den anständigen Berlinern eine solche Krankheit noch länger zumuten? Haben die "lieben Berliner" das verdient, daß ihre Liebe zu Berlin so erwidert wird? Welch opferbereite Treue haben sie zum Symbol der Freiheit bewiesen: Als die Stadt geteilt wurde, haben sie sich ganz frei entschieden, den westlichen Teil der Stadt zu wählen, und den von oben verordneten Antikommunismus gegen den anderen Teil der Stadt sofort begriffen. An ihrer be- schränkten Umwelt sind sie gewachsen, ihre Lage hat sie zu Front- städtern gemacht. Den durch den Mauerbau versperrten Blick in den unfreien Osten überwanden sie geschickt durch Gerüste und Aus- sichtstürme. Alle Berliner lebende Symbole der Freiheit. Jeder von ihnen hat brav jeden neuen Politiker als einen der ihren be- grüßt, ob er nun kurz blieb und kurz "Ich bin ein Berliner" sagte oder länger und dann öfter "Berlin muß Berlin bleiben!" Dafür ha- ben sie gern miese Wohnungen oder fast gar keinen Mangel an Ju- gend, Arbeit und Wintersportmöglichkeiten sowie den zahlreichen Wildwuchs an Omas und Opas und Hunden in Kauf genommen - für die freie Stadt Berlin. Und jetzt dieses Fiasko. Das kann man den treuen Berlinern doch nicht antun, sondern sollte zu Lösungen -------- schreiten, die das ganze politische Krebsgeschwür aus der Welt schaffen. Folgende Möglichkeiten bieten sich an, wenn man die Kritik an dieser Stadt und ihrer politischen Struktur ernstnimmt: 1. Da Chaos und Filzokratie, Regierungsunfähigkeit und unsaubere Machenschaften der westberliner politischen Führung von der SPD bis zur CDU in Westberlin feststehen, sollten alle Berliner über die Mauer rübermachen. Drüben herrscht politische Stabilität; der erste Genosse Parteisekretär ist über jeden Verdacht erhaben, nicht die Macht im Staate und nur die im Sinn zu haben Parteien- hickhack von vornherein unmöglich und persönliche Bereicherung mittels der Macht ausgeschlossen - die (freie) Wirtschaft gehört dort eh dem Staate. Wahlen sind drüben auch bequemer, sie entbin- den von der Mühe, entscheiden zu müssen, ob das Gesicht von Weiz- säcker weniger verfilzt aussieht als das des Vogels aus Bayern. Berlin wäre nach diesem Umzug nach drüben wirklich frei und könnte - unter dem Schutz der Alliierten von einigen alternativen Ökos und ein paar Omas gepflegt - im wahrsten Sinne des Wortes als Symbol der Freiheit zur Besichtigung angeboten werden. Die Mauer ließe sich entsprechend ausschmücken. 2. Man stoppt und spart alle Subventionen für Westberlin, zieht die alliierten Truppen ab und läßt die Stadt so weit verfallen, bis die Grundstückspreise horrende Höhen erreichen. Dann alle Westberliner hopp in die Lüneburger Heide (die Pläne gibt es seit den 50er Jahren) und den ganzen Rotz samt Türken und Pakis an die DDR verscheuert! Damit wäre die Forderung Adenauers "Die Mauer muß fallen!" in Erfüllung gegangen. Der Handel brächte der BRD eine Menge Devisen für neue Arbeitsplätze. Die ehemaligen Front- städter wären endlich die Last der Sonderrechte los und dürften legal am Wehrdienst teilnehmen, bräuchten also auf ihren ange- stammten Beitrag zur Verteidigung der Freiheit nicht zu verzich- ten. Beide Vorschläge hätten bei Realisierung den Vorteil, daß im Falle einer schärferen Auseinandersetzung zwischen Ost und West dem Feind kein Menschenmaterial im wehrfähigen Alter in die Hände fiele, vor allem keine Sachwerte. Politikern mit persönlichen Absichten wäre das Handwerk gelegt. Saubere Politiker wie z.B. Stobbe, der arme Kerl, würden nicht mehr über ihre ehrlichen Absichten mit der Macht stolpern, ihnen bliebe Leid erspart. Vogel brauchte nicht mehr schweren Herzens Bonn und München hinter sich lassen. Allen Politikern wäre zu et- was mehr Ehrlichkeit verholfen; Lügen folgender Art wäre ein Ende gesetzt: "Die Partei hat mich gerufen.... Die Bedeutung Berlins für unsere Republik und für den Frieden in Europa sowie die Wohlfahrt der Menschen, die in dieser Stadt leben, machen mein Engagement in dieser Stadt notwendig." (Vogel) "Der Ruf der Stadt leidet bereits." (Kohl) Es ist zu vermuten, daß diese konstruktiven Vorschläge nur Papier bleiben. Wahrscheinlicher ist nämlich, - daß Berlin weiterhin Symbol der Freiheit zum Wohle und zur Ver- teidigung der freien Westberliner bleibt, bis es nicht mehr auf Symbole ankommt, sondern Berlin geostrategisch ungünstig liegt; - daß also Parteien und Politiker solange weiter im subventio- nierten Westberlin ihre bekannte Politik machen und mit deren be- kannten Ergebnissen ihre Parteienkonkurrenz bestreiten. Halten sich die Skandale unter einer gewissen Schamgrenze, ist der er- folgreiche Aufstieg nach Bonn möglich. Die Berliner haben weiterhin die Pflicht, schön brave Frontstäd- ter zu sein, und die Freiheit, für Berlins saubere Regierung ein- zutreten. Jetzt dürfen sie das mit einem Volksbegehren tun, damit die Alternative Liste (AL) begeistert ist, ob so viel Demokratie und die CDU ihre oppositionelle Filzokratie für die Freiheit Ber- lins und die Menschen dort in eine regierungsfähige umwandeln kann. zurück