Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK ANSCHLUSS - Die Eroberung der DDR
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Das Ende einer "widernatürlichen Teilung"
GANZ DEUTSCHLAND FÜRS GESCHÄFT
"Der Run der DDR-Bürger auf Waren 'Marke West' beschert der bun-
desdeutschen Wirtschaft zusätzlichen Schwung. ... Kommt die kurz-
fristige Befriedigung der DDR-Verbraucherwünsche auch in einzel-
nen bundesdeutschen Branchen einem Kraftakt gleich, so hat das
Gros der hiesigen Wirtschaft keine nennenswerten Schwierigkeiten,
die über 16 Millionen zusätzlichen Verbraucher zu versorgen."
("Handelsblatt")
Daschauher: Noch während in Bonn und Berlin am Einheitsvertrag
gebastelt wird, vereinigt "die bundesdeutsche Wirtschaft" mal
eben 16 Millionen Zonis mit 60 Millionen Bundesbürgern, indem sie
"den Menschen drüben" "unsere" Kadetts, Sechs-Korn-Joghurts,
Black und Deckers, Cola light und Henkell trocken in den vom So-
zialismus ausgedörrten Rachen schmeißt. Natürlich nur gegen die
entsprechende harte D-Mark. Denn ein solcher "Kraftakt" zur
"Versorgung zusätzlicher Verbraucher" muß schließlich der
bundesdeutschen Wirtschaft "zusätzlichen Schwung" verleihen,
sprich das Geschäft der Unternehmer steigern. Andernfalls wäre
jede "Versorgung" sinnlos.
Bleibt die Frage, wie ein solcher Kraftakt problemlos gelingen
konnte.
Mehr arbeiten für mehr Geschäft
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"Betroffenen Branchen wird hohe Flexibilität abverlangt. ... Be-
reits seit Beginn dieses Jahres fährt VW deshalb eine Nacht-
schicht. 900 neue Mitarbeiter mit unbefristeten (welche Gnade!)
Verträgen wurden zusätzlich eingestellt, die Montagebände laufen
auf Hochtouren. Statt unter südlicher Sonne an palmengesäumten
Ständen (oder auch auf betongesäumten nördlichen Balkonen) zu
träumen, fertigt allein in Wolfsburg ein Fünftel der Belegschaft
auch während der Werksferien täglich einige hundert Autos."
("Handelsblatt")
Die ach so berühmte "Flexibilität der Branchen" sorgt also dafür,
daß insgesamt "keine nennenswerten Schwierigkeiten" auftreten:
So kann man auch ausdrücken, daß bei VW in Wolfsburg inszwischen
schon gewohnheitsmäßig jeden Tag zwei Stunden länger gearbeitet
wird. Die Überstunden werden angesetzt und - keine Frage! - von
den Arbeitern gemacht.
Die Montagebänder werden auf Turbo-Gang geschaltet - keine Frage,
daß das "geht"; ein solches Unternehmen hat den Leuten längst
eingebleut, daß sie die geforderte Leistung zu bringen haben,
sonst waren sie die längste Zeit "Besitzer" eines teuren Arbeits-
platzes.
Da wird mal eben eine Nachtschicht "gefahren", und es ist über-
haupt keine Frage, daß genügend Passagiere in dieses komfortable
Fahrzeug einsteigen. Die Nachtschicht wird bezahlt, sogar mit ei-
nem Zuschlag, also gibt's Arbeiter, die sie machen. Dafür werden
sogar neue Leute eingestellt. Auch das ist kein Problem für west-
deutsche Unternehmen, die schließlich für ein dauerhaft vorhan-
denes Arbeitslosenheer gesorgt haben und deshalb bei kurzfristi-
gem Bedarf an billigen und willigen Arbeitskräften aus dem Vollen
schöpfen können.
Und auch der Einfall, aus palmengesäumten Werksferien Autos zu
schnitzen, funktioniert spielend: Es gibt genug bedürftige Fe-
rien-Jobber und nicht zuletzt auch Stammbelegschaftsmitglieder,
denen die Geldknappheit, wie sie in marktwirtschaftlich bemesse-
nen Lohntüten typischerweise auftritt, sowieso schon den
"Verzicht" auf Urlaub nahegelegt hat.
Die "Branchen" sind also zu jener lohnenden "Flexibilität" fähig,
weil sie über eine solche biegsame Arbeitschaft verfügen. Deren
im Arbeitsdienst fürs Geschäftemachen erzeugten Nöte wirken Wun-
der als stummes Erpressungsmittel, sie zum bestmöglichen Reibach
der Unternehmen unbeschränkt auszunutzen. Allen schlechten Grün-
den, den ihnen eröffneten 'Gelegenheiten' und den angetragenen
Diensten nachzukommen, folgen sie.
Indem so die "marktwirtschafterprobten" BRD-Arbeiter das tun, was
dieses Qualitäts-Etikett beinhaltet - wegarbeiten, was vorge-
schrieben wird, antreten, wann immer es verlangt wird und genau
das Geld "mitnehmen", das ihnen zugestanden wird, funktionieren
sie fürs Geschäft wie die geölten Rädchen. So daß die Herren Un-
ternehmer ganz trocken feststellen können, daß durch Steigerung
der "Auslastung ihrer Kapazitäten" kurzfristig" auf den Mehrbe-
darf reagiert werden kann.
So beweist der westdeutsche Arbeiter die Überlegenheit seines Sy-
stems!
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