Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK ANSCHLUSS - Die Eroberung der DDR


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       Gutes Geld (West) und schlechtes Geld (Ost):
       

BRÜDER ZUR DM, ZUR FREIHEIT!

Das hat doch inzwischen jeder kapiert: Die DDR und ihre Bürger brauchen nichts dringender als Freiheit und DM. Erstere haben sie schon fast, aber offensichtlich wird Freiheit erst durch die DM wirklich schön. Das zeigt sich schon allein daran, welche große Mühe sich die gesamte westdeutsche Politikerschaft gibt, um denen drüben "unser gutes Geld" zu schenken. Und Leipziger Montagsde- monstranten bewundern den westdeutschen DM-Reichtum und machen sich ihren Reim darauf: "Kommt die DM, bleiben wir. Kommt sie nicht, gehn wir zu ihr!" Was die DM so stark macht ------------------------- In diesem Stück Freiheit namens DM werden weltweit lohnende Ge- schäfte abgewickelt. Die DM läßt den US-Dollar, den französischen Franc, das britische Pfund und überhaupt so ziemlich alle anderen Währungen immer wieder mal schlecht aussehen. Um dieses prächtige Geld beneiden " uns" bekanntlich alle anderen. Bundesdeutschen Politikern und Unternehmern hat es weltweit Respekt und Finanz- kraft eingebracht. Und selbst die Untertanen der Bundesrepublik sind an der DM-Freiheit automatisch beteiligt. Soweit sie nicht von vornherein zur besitzenden Klasse zählen, brauchen sie bloß einen jener Herren zu finden, der sie für sich arbeiten läßt. Und schon bekommen sie einen Lohn, und zwar nicht in diesem oder jenem Geld, sondern in DM. Damit eröffnet sich für sie die Frei- heit, die denen, die immer nur schlechtes Geld verdienen, ver- wehrt ist: Mit ihrem echten westdeutschen Geld haben sie Zugang zur ganzen internationalen Warenwelt und können so gut wie alles kaufen. Ob Bananen aus Kenia oder Blue Jeans aus den USA, ein ja- panisches Auto oder ein garantiert deutsches Bildzeitungsabo - es gibt nichts, was einem westdeutschen Arbeiter nicht angeboten wird. Und das nicht nur zuhause: Mit der harten deutschen Mark im Urlaub ist man doch fast überall ein feiner Maxe. Soweit die DM reicht, natürlich. Daß die am Monatsende notorisch knapp wird und man mit seiner Freiheit ziemlich blöde dasteht, wenn man nicht genug davon im Geldbeutel hat, ist kein Geheimnis. Dafür respektiert die DM einfach viel zu sehr die Gesetze der freien Marktwirtschaft. Und zu denen gehört, daß gutes hartes Geld nur dann zu haben ist, wenn es Unternehmer verstehen, Ar- beitskräfte kostengünstig einzusetzen. Daß die DM so stark ist, ist eine Leistung des westdeutschen Kapitals, in Sachen Ausbeu- tung weltweite Maßstäbe zu setzen. Das merken deutsche Wert- arbeiter nicht nur an den Leistungsanforderungen im Betrieb, son- dern auch an Schranken der Zahlungsfähigkeit mit ihrem guten DM- Lohn. Was die DDR-Mark so schlecht macht ---------------------------------- Das tut allerdings der Anziehungskraft, die das Weltgeld Marke BRD auf fremde Völkerschaften und derzeit ganz besonders auf un- sere Brüder und Schwestern von drüben ausübt, keinen Abbruch. De- ren Mark, vor der sie scharenweise davonlaufen und die sie in die Fänge der DM treibt, ist in doppelten Sinne unfrei. Erstens mer- ken DDR-Bürger sehr schnell, daß ihr auch nicht gerade leicht verdientes Geld nicht mehr viel wert ist, wenn sie damit im freien Westen einkaufen wollen. Die DDR-Mark ist nämlich gar kein internationales Geschäftsmittel und sie eröffnet ihren Besitzern deswegen auch keinen Zugang zur internationalen Warenwelt. Zwei- tens haben Ost-Mark-Besitzer auch im eigenen Land immer schon er- fahren können, daß sie kein richtiges Geld in der Hand haben. Sie haben eigentümlicherweise nämlich eher zu viel als zu wenig ge- habt, verglichen mit dem, was es dafür zu kaufen gibt. Seinen Grund hatte das in der Wirtschaftspolitik des SED-Staates. Der hat mit seiner Ostmark nämlich ein paar andere Zwecke verfolgt, die für ein freies Geld niemals in Frage kommen würden. Bürger der DDR mußten in einem System festgelegter Preise zurechtkommen. Die realsozialistische "Planung", betriebliches Gewinninteresse, staatliches Wirtschaftswachstum und soziale Absicherung per Preisregulierung unter einen Hut zu bringen, hatte zur Folge, daß einige Waren extrem billig, andere fruchtbar teuer und wieder an- dere gar nicht zu haben waren. Der DDR-Lohn war so berechnet und festgelegt, daß er für all das ausreichen sollte, was sich die regierenden realen Sozialisten als machbares Maß an sozialer Si- cherheit vorstellten. Daß sich dabei tatsächlich so etwas wie so- ziale Sicherheit für DDR-Bürger einstellte, war das eine Re- sultat. Ein anderes war der Beweis, daß die vielgepriesene so- ziale Sicherheit eine Errungenschaft für arme Leute ist. Die mit ein paar Ostmark, billigen Lebensmitteln und Mieten ausgestatte- ten DDR-Bürger konnten ansonsten keine großen Sprünge machen. Jetzt wird der von der SED bisher garantierte staatliche Rahmen, der diese Sorte Lebenssicherung bereitstellte, aufgelöst. Damit verliert auch die Ostmark ihre bisherigen Funktionen im Innern der DDR. Alle Lebensumstände, die vom Staat und seiner Wirt- schaftspolitik abhängig sind, werden in Frage gestellt, wenn der Staat seine bisherige Preispolitik als ein einziges untragbares System von Subventionen kritisiert; wenn er überall nur Ver- schwendung und keine Leistung, nur noch Schulden und kein bißchen echten Gewinn entdeckt. Dann hat er nämlich für sein Geld einen neuen Zweck entdeckt: Auch das Geld der DDR soll ein M i t t e l p r i v a t e r B e r e i c h e r u n g, also k a p i t a l i s t i s c h e s G e s c h ä f t s m i t t e l werden, mit allen Konsequenzen für die, die damit ihr Leben fri- sten müssen. DDR-Bürger bekommen schon einmal einen Vorgeschmack davon, was ihnen blüht, wenn demnächst die DM auch bei ihnen herrscht. Be- triebe, die auf Joint Ventures mit westdeutschen Unternehmen spe- kulieren, beginnen, ihre Lohnkosten neu zu kalkulieren, und in- zwischen stellt sich auch eine immer größere Zahl von Arbeitslo- sen ein. Die Ostmark wird also immer freier, solange es sie noch gibt, und die Leute entsprechend ein Stück ärmer. 2000 DDRler täglich ma- chen sich ihren verkehrten Vers darauf: Sie ziehen dorthin, wo sich "gutes Geld" verdienen läßt, nämlich einen "Lohn, der sich lohnt''. Sie verwechseln dabei ihre B e r e i t s c h a f t, hart zu arbeiten, mit einem in Mark und Pfennig zählbaren Erfolg in ihren Geldbeuteln. Denn erstens ist im Reich der DM mit der Bereitschaft allein noch nicht einmal gelaufen, daß ein Lohnabhängiger auch einen Geldbesitzer findet, für den sich seine Beschäftigung lohnt. Zwei Millionen Arbeitslose sprechen da eine deutliche Sprache. Und zweitens hat es das freie und soziale westdeutsche Unternehmertum schon längst soweit hingekriegt, daß von der Bereitschaft, am Arbeitsplatz hinzuklotzen, absolut nichts abhängt. Die ist sowieso vorgegeben, und zwar ganz objek- tiv in den Taktzeiten der Maschinen und der Bandgeschwindigkeit. Da unterscheidet sich ein rübergemachter DDRler keineswegs von einem bundesdeutschen Proleten oder türkischen Gastarbeiter, ganz gleich, welche Dummheiten er sich daneben einbilden mag. Die Freiheit, gutes Geld verdienen zu dürfen, hat eben ihren Preis, und den bestimmen allemal nicht die, die dafür arbeiten müssen, um es zu kriegen. zurück