Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK ANSCHLUSS - Die Eroberung der DDR
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ENDLICH: DEUTSCHLAND! DAS BRINGT'S! FRAGT SICH NUR WAS?!
Die D-Mark,
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mit der man sich alles, alles kaufen kann. Genauer gesagt: kaufen
könnte, wenn man genügend davon hätte. Aber wer wird denn so
kleinlich sein und ans eigene Portemonnaie denken - bei so einem
guten Geld!
Endlich nur noch erstklassige Deutsche!
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Was haben DDR-Bürger bisher nicht alles ausstehen müssen - als
"arme Verwandte" im Vergleich mit den angeberischen DM-Onkels aus
der großen angeberischen Bundesrepublik. Jetzt werden sie endlich
selber so welche - das tut gut!
Arbeitsämter und Sozialhilfe,
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genauso wie im goldenen Westen. Denn wo Sozialfälle zum Normal-
fall werden, muß auch eine ordentliche Aufsicht und Betreuung
her. Die Vermeidung von Sozialfällen hat ja niemand verlangt.
Einen neuen Frieden für Europa.
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Nämlich einen, der vom deutschen Boden ausgeht. Und zu den Nach-
barn hingeht. Die haben ihn nämlich zu halten, den deutschen
Frieden. Darauf paßt das neue Deutschland gerne auf.
Demokratische Aufgaben für Stasi und Polizei.
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Denn die Zeiten sind vorbei, wo jeder Polizeiknüppel und jede Ge-
heimakte den politischen Zweck blamiert haben, dem damit gedient
wurde. In der Demokratie ist es umgekehrt: Die Allmacht der Ge-
wählten heiligt alle Mittel. Und wenn es Stasi-Mittel sind,
spricht das nur für die Demokratie: Die heiligt sogar so etwas!
Unverfälschte Preise.
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Nicht mehr diese menschenrechtswidrigen Zwangspreise, die alles
Nötige für jedermann erschwinglich machen und knappe Güter
furchtbar teuer. Freiheitliche Preise garantieren das Men-
schenrecht auf Gewinne bei Kaufleuten und Produzenten - und sor-
gen für Knappheit an der richtigen Stelle. Nämlich für Geldknapp-
heit bei den Kunden.
Eine neue Völkerfreundschaft,
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die von Wirtschaftspolitikern und Bankiers geschmiedet wird; die
auf einem soliden Fundament von Schulden, Devisenmangel und Bil-
ligexporten bei den auswärtigen Freunden aufbaut; die sogar Ar-
beitskräfte zum Exportartikel macht; die ganz nebenher für Hunge-
repidemien sorgt - also auch dem einfachen Bürger die Chance ver-
schafft, ein mitfühlendes Herz zu spüren.
Neue gute Gründe für Dreck, Gift, Gestank.
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Im neuen sauberen Deutschland gibt es davon nämlich nur noch so-
viel, wie wirklich unbedingt sein muß. Für die Konkurrenzfähig-
keit. Nämlich für konkurrenzfähige Gewinne.
Ein interessantes Privatleben.
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Denn wenn sich alles um die D-Mark dreht, ist der Lebenskünstler
in uns allen herausgefordert. Lebensversicherung oder Sparkonto;
Ratenkauf oder Überziehungskredit; Sonderangebote ja, aber auf
Ramsch nicht hereinfallen; immer auf der Suche nach einer schnel-
len Mark... So funktioniert sie: die Armut in der richtigen
Marktwirtschaft.
"Russen raus!"
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Denn Aufpasser aus dem Osten kann das neue große Deutschland
nicht gebrauchen. Es will selber zum Aufpasser werden. In Europa;
auch im Osten. "Der Russe" geht - "der Deutsche" folgt ihm auf
dem Fuß.
Mit der NATO im Rücken, das macht den Vormarsch sicher. Und wenn
die Russen sich das als "Einbindung der deutschen Macht" verkau-
fen lassen und als Garantie deutscher Harmlosigkeit - um so bes-
ser.
Für die deutsche Macht.
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Eine unteilbare freiheitliche politische Kultur.
Die unerträgliche Ideologie, wonach jeder Furz ein Beitrag zum
Sieg des Sozialismus war, ist endlich tot. Ab sofort ist jeder
Orgasmus ein Beitrag zur schwarz-rot-goldenen Volksnatur - "Bild"
ist dabei und hat schon ermittelt: "DDR-Frauen haben häufiger
einen Orgasmus". (Bild vom 30.5.)
Eine echt demokratische Parteienlandschaft.
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Dreieinhalb bis fünf Parteien nehmen den Bürgern das Nachdenken
ab, indem sie selber zu allen Großtaten der Nation die nötigen
konstruktiven Sorgen und Ansichten verbreiten. Sie ersparen ihrem
Volk jede Entscheidung, indem sie die allein entscheidungsbefug-
ten Macher stellen. Und sie muten dem Wähler zu, alle paar Jahre
einen Blankoscheck für die Macht zu unterschreiben - mit einem
Wahlkreuz für die Herren, denen er am liebsten gehorchen würde.
Gerechte Löhne.
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Denn ab jetzt wird gezahlt, was im Tarifvertrag steht und dem Un-
ternehmer recht ist. Gezahlt wird für eine Leistung, die der Un-
ternehmer vorgibt. Gezahlt wird so lange, wie es sich für den Un-
ternhemer lohnt. Das ist das gute Recht des Lohnarbeiters, also
gerecht.
H o h e Löhne und ein s i c h e r e s Leben: D a s hat ja
keiner verlangt.
Ehrliche, offene Ausländerverachtung -
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statt dem alten Schwindel mit dem "proletarischen Internationa-
lismus". Wenn D e u t s c h l a n d den ehemaligen Ostblock ka-
puttmacht und zum Hinterland für die D-Mark herrichtet, dann wird
d e r D e u t s c h e doch wohl gegen Polacken, Neger und an-
dere Slawen den DM-Besitzer und Herrenmenschen herauskehren dür-
fen. Und gerade wenn der brave Deutsche von seinem machtvollen
Deutschland sonst nichts hat: D i e s e n Lohn nimmt ihm kein
Kommunist mehr weg!
Richtigen Reichtum.
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Nicht bloß die paar ergaunerten Datschen von den alten realsozia-
listischen Bescheidenheitsaposteln. Sondern Privateigentum mit 8
und mehr Stellen vor dem Komma; nicht verheimlicht, sondern offen
vorgezeigt als Gütesiegel und Leistungsnachweis der absahnenden
Klasse. "Bild" und andere Volkszeitungen berichten gerne und aus-
führlich, damit auch die "kleinen Leute" Freude an dem Reichtum
haben, den sie schaffen.
Eine Zukunft.
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Die hat man zwar gar nicht im Griff, wenn man in der Marktwirt-
schaft die Rolle des "abhängig Beschäftigten" übernommen hat.
Denn da entscheiden im Ernstfall allemal die berühmten Sachzwänge
des Geldverdienens. Aber in der Demokratie hat jeder die Frei-
heit, das anders zu sehen. Nämlich als die Freiheit, sein Glück
zu schmieden. Da macht es doch gar nichts mehr, wenn die Zukunft
viel zu schön ist, um jemals Gegenwart zu werden.
Einen gesunden Nationalstolz.
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Denn wer nichts zu sagen hat, der braucht einen Kanzler, der sich
von niemandem etwas sagen läßt. Das ist das vornehmste Bürger-
recht. Das Recht des Tüchtigen - des tüchtigen Idioten einer
erfolgreichen Obrigkeit.
Das bringt's doch; oder?!
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