Quelle: Archiv MG - BRD AUSSENPOLITIK ALLGEMEIN - Unterwegs in Sachen Frieden


       zurück

       Die "Kontinuität der bundesdeutschen Außenpolitik":
       Nach wie vor der Wahl
       

BETREUUNG VON HUNGER UND KRIEG WELTWEIT

Politiker und Geschäftsleute sind gewiß keine Engel. Ihre Ent- scheidungen sind nicht selten von Profitstreben und nationalem Egoismus beeinflußt. Dringt jedoch die Kunde von Hungerkatastro- phen und kriegerischen Schlächtereien in ihre Büros und Kontore, dann lassen sie sich nicht lange bitten. Für die entlegensten Weltgegenden erklären sie sich verantwortlich und greifen ein, so gut sie es verstehen, und mit allen Mitteln, die sie haben. Gegen den Hunger ---------------- kauft sich der normale Bürger eine Benefiz-Schallplatte, oder er spendet Herrn Böhm oder der Kirche 20 Mark. Politiker und Firmen- leiter begnügen sich mit so oberflächlichen Eingriffen nicht. Sie kennen gründlichere Rezepte als eine Geldspende und setzen sie in die Tat um. Wenn sie Geld exportieren, dann schenken sie den Empfängern gleich ein ganzes Produktionsverhältnis dazu. Sie schaffen Ar- beitsplätze: Farmen und Betriebe, in denen selbst völlig unge- schulte Arbeitskräfte etwas g u t V e r k ä u f l i c h e s herstellen können. Das Problem, daß es in den "Entwicklungs- ländern" k e i n e K a u f k r a f t für die hergestellten Güter gibt, sehen sie ein und lösen es auch. S i e s e l b s t kaufen Zinn und Baumwolle, Rosen aus Äthiopien und Jutetaschen aus Bangladesh. Das geht natürlich nur, wenn sie daraus in der Marktwirtschaft ein G e s c h ä f t machen können. Also setzen sie sich für den Exporterfolg der "Dritt-Welt-Lunder" ein und sorgen an Ort und Stelle für k o n k u r r e n z f ä h i g e P r o d u k t i o n s p r e i s e. Für Löhne bleibt selbstver- ständlich wenig Spielraum. Für überkommene Formen der Selbster- haltung bleibt neben der frisch eingeführten Geldwirtschaft erst recht kein Platz; immer mehr Leute b r a u c h e n eine Lohnar- beit, die es für sie n i c h t g i b t - also sind sie "zu viele". Überbevölkerung und Verarmung - das schafft neue Probleme - und schon wieder sind die Macher von Marktwirtschaft und Demo- kratie mit Rat und Hilfe zur Stelle. Mit der Schulung und Ausrü- stung von Polizei- und anderen Staatsbeamten sorgen sie für b ü r g e r l i c h e D i s z i p l i n unter den Exoten. Gleichzeitig müssen sie aufpassen, daß die Verwalter der Staats- gewalt vor Ort nicht übermütig werden und über ihre Verhältnisse leben. Man gibt ihnen Geld, aber nicht geschenkt. Der Zwang zum S c h u l d e n d i e n s t erzieht auswärtige Wirtschaftspoli- tiker zu Sparsamkeit und Vernunft. Für neuen Kredit bieten sie Land und Leute zu geschäftlicher Benutzung feil. Und wieder las- sen Bankiers, Industrielle und staatliche Entwicklungshelfer in Bonn und anderswo sich rühren und nehmen hier eine Erzgrube, dort einen Großgrundbesitz, da den Aufbau einer Chemiefabrik ohne Giftfilter in Kauf, um dem Schuldnerland seine Z a h l u n g s- b i l a n z zu verbessern. Und all das tun sie schon seit zwei bis drei Jahrzehnten; schon längst vor dem Aufschwung der mildtätigen Hungerhilfe sind "unsere" Geschäftsleute und Politiker aktiv geworden. Und sie lassen sich auch nicht täuschen, wenn es um den Hunger gerade mal wieder etwas stiller geworden ist. S i e s o r g e n d a f ü r, auch ohne es an die große Glocke zu hängen. Gegen die Kriege ---------------- in und zwischen "Dritt-Welt-Staaten" bleibt dem einfachen demo- kratischen Bürger als einzige Hilfe ein verständnisloses Kopf- schütteln. Ganz anders Politik und Geschäftswelt. Dort ist man sich der bundesdeutschen Mitverantwortung für den Frieden bewußt und greift ein. Die Hüter der Weltordnung sind keine Träumer. Sie wissen, daß zu einer souveränen Staatsgewalt ein Militär gehört. Sie haben Ver- ständnis für das Bedürfnis jedes Militärs, dem Nachbarn nicht hilflos, also lieber überlegen gegenüberzustehen. Sie stellen die globalstrategischen Berechnungen an, in denen für jede antisowje- tische Militärmacht auf der Welt eine sinnvolle Aufgabe vorgese- hen ist. Mit ihrer NATO haben es die Haupt-Aufpasser sogar dahin gebracht, daß ihre jeweiligen Weltmacht-Kalkulationen einander nicht feindlich gegenüberstehen, sondern auf denselben Feind be- rechnet sind und sich insoweit vertragen. Also kümmern sie sich in lebhafter Konkurrenz untereinander darum, daß nirgends auf der Welt ein "Machtvakuum" entsteht. Dabei verkaufen "unsere" Staatenlenker keineswegs blindlings alle Waffen an jedermann. Sie achten darauf, daß der militärische Ehr- geiz der belieferten Staatsgewalten die richtige Richtung nimmt. Sollen die nur danach streben, eine regionale "Führungsmacht" zu werden, vor der die Nachbarn Respekt haben! Wenn sie dazu Freunde der Sowjetunion fertigmachen - in Hinterindien, im Süden Afrikas, in Mittelamerika -, dann sind sie die richtige Kundschaft. Wenn sie sich den falschen Feind aussuchen - wie neulich Argentinien - , dann werden sie hart zurechtgestoßen. Wenn sie eigene weltpoli- tische Berechnungen anstellen - wie die "bösen" Araber, im Unter- schied zu "unseren" guten -, dann sorgt Israel für klare Verhält- nisse. Wenn sie mit ihrem falschen Ehrgeiz gegeneinander Schläch- tereien anzetteln - wie Irak und Iran -, dann ergreifen zivili- sierte Waffenlieferanten die Gelegenheit und heizen den Krieg an, bis beide Seiten einander ausgeblutet haben. Und wo eine falsche Regierung im Sattel sitzt - wie in Nicaragua und in Afghanistan - , da liefert die Freie Welt nicht bloß Waffen, sondern schafft auch noch Arbeitsplätze für die Bedienungsmannschaften, die dann "Freiheitskämpfer" heißen. Rund um den Globus gibt es v i e l z u t u n; und irgendeine demokratische Macht hat die Sache im- mer schon a n g e p a c k t. Um die Opfer der freiheitlichen Ordnungspolitik, die den heimatlichen Zuständen zu entgehen su- chen, wird sich auch noch gekümmert. Sie bilden die große "Asylantenflut", die es unbedingt in echte und falsche Anwärter zu sortieren und überhaupt "einzudämmen" gilt. "Unsere" Bonner Weltpolitiker leiden noch immer darunter, daß sie erst sehr spät in diesen politischen Geschäftszweig eingestiegen sind. Immerhin, sie holen auf. Es ist längst kein leeres diploma- tisches Gerede mehr, wenn sie sich bei jedem Gemetzel auf der Welt für z u s t ä n d i g erklären. Die V e r a n t w o r t u n g d a f ü r, die sie sich nicht nehmen lassen wollen, t r a g e n s i e t a t s ä c h l i c h. Bei Gelegenheit erfährt der Bürger daheim, wo weltweit deutsches Kriegsgerät und deutscher Einfluß am Werk ist - und daß "unsere" Politiker sich bei ihrer internationalen Friedensstiftung durch "Terroristen" nicht erpressen lassen. Nachwort gegen Weltverbesserungs-Illusionen ------------------------------------------- Warum nicht A b r ü s t u n g, wie Grüne und ein paar SPDler wünschen? - Weil Waffen nicht der Grund, sondern die Folge der herrschenden Interessen an einer gut kontrollierten, sicheren Weltfriedenswirtschaftsordnung sind. Warum nicht S c h u l d e n e r l a ß, wie fromme Internationa- listen vorgeschlagen haben? - Weil Kredit, solange es Geld und Marktwirtschaft gibt, kein Dienst am Kunden, sondern Bereiche- rungsmittel der Kreditgeber ist. Warum nicht mehr Entwicklungs- und Hungerhilfe-, wie Freunde der 3. Welt verlangen? - Weil die freiheitlichen Politiker und Ge- schäftsmänner damit ihren Einfluß und Reichtum entwickeln und die Folgen auch noch "humanitär" verwalten. zurück