Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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Der Dritte Weltkrieg (III)
KLARSTELLUNGEN ZUR BETEILIGUNG DER BUNDESREPUBLIK DEUTSCHLAND
AN DER VORBEREITUNG DES DRITTEN WELTKRIEGES
Die militärischen Bemühungen der Bundesregierung, mit denen sie
im Rahmen der NATO die Verteidigung der Freiheit wahrnimmt, wer-
den in der Öffentlichkeit ausgiebig verhandelt. Die Notwendigkeit
sämtlicher Maßnahmen wird tagtäglich erneut bewiesen, und die
Bürger der Republik kommen dabei in den zweifelhaften Genuß, an-
dauernd "den Ernstfall denken" zu dürfen. Unter Titeln wie
"Gleichgewicht", "Abschreckung" und "Nachrüstung" werden sie mit
kriegstechnischen Kalkulationen vertraut gemacht, die ihren
Staatsmännern zumindest eines nahelegen: Auf westeuropäischem Bo-
den muß ein atomares Heerlager der NATO errichtet werden, das -
weil es zur Vernichtung der Sowjetunion taugt - den Frieden si-
chern soll.
Eifer und Inhalt der Rechtfertigungen, die für diese Sorte Si-
cherheitspolitik gegeben werden, verraten wenig über Schwierig-
keiten, welche ein vielgescholtener Pazifismus, angeheizt durch
den Widerstand einer Friedensbewegung, den Regierenden in Bonn
bereiten könnte. Eher verweisen sie schon auf die
"Schwierigkeiten", die den Regierten bereits jetzt und erst recht
im "Ernstfall" zugemutet werden. Die fälligen Opfer erfahren ihre
Würdigung, die ihnen in einer Demokratie zusteht. Sie müssen
sein, die verantwortungsvolle Sorge um unser aller Wohl und Frei-
heit gebietet sie...
Die Rechnung, die den Betroffenen im Namen der höchsten Ideale
aufgemacht wird, deutet dabei nicht im geringsten auf eine Not-
lage, der sich die Politiker in Bonn anbequemen müßten. Ihre Ab-
sichtserklärungen, mit denen sie sagen, was sie vorhaben und wel-
che Mittel sie einsetzen, stellen vielmehr handfeste Beweise für
die Freiheit dar, die sich eine demokratische Regierung heraus-
nimmt, sobald sie eine "Kriegsgefahr" ausgemacht hat und daraus
ihre außen- wie innenpolitischen Beschlüsse ableitet. Was da al-
les aus "Verantwortung für die Erhaltung des Friedens" unternom-
men wird! Und wieder in den USA noch in Westdeutschland die Spur
einer Verlegenheit, in die "Afghanistan" die Herren Volksvertre-
ter gestürzt hätte, so daß sie nun mit lauter unliebsamen Ent-
scheidungen und einem bescheidenen "leider" ihrem Volk gegenüber-
treten müßten.
Das Vertrauen in die Politik ist nicht einmal bei jener Minder-
heit erschüttert, die als Friedensbewegung bescheidenen Protest
gegen die Linie des "Totrüstens" anmeldet; die Ideologie, das
"Wettrüsten" und die "Waffenarsenale" würden den Frieden so unsi-
cher machen, steht viel höher im Kurs als der Verdacht, "unsere"
demokratischen Führer hätten vielleicht anderes im Sinn als
"unser aller Wohl", wenn sie Waffen bestellen. Als Beitrag zur
Zerstörung dieses Vertrauens in die Politik - für die auch der
Kreml bislang weder Geld noch Ideen bereitstellt veröffentlichen
wir die folgenden Klarstellungen über die Anliegen einer Frie-
denspolitik, die so forsch mit dem Krieg kalkuliert.
1. Was einem bei der Rede von "Friedenspolitik" auffallen könnte
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Wenn Politiker "Frieden" und "Entspannung" als die brennendsten
und höchsten Anliegen ihrer Politik herausstellen, so geben sie
immerhin eines zu Protokoll: Sie wissen Gründe, aus denen ihre
Gegner, ihre Verbündeten oder sie selbst bereit sind, die außen-
politischen Ziele für gescheitert zu erklären und sich der für
diesen Fall vorgesehenen Waffen zu bedienen. An Freund, Feind und
das eigene, regierte Volk ergeht die freimütige Mitteilung, man
könne sich ganz gut vorstellen, daß nicht mehr ge- und verhandelt
werden müsse, sondern geschossen. Deshalb hätte jeder außenpoli-
tische Schritt die unabweisbare Bedeutung, eine Maßnahme der
"Friedenssicherung" zu sein. Und die Last, die auf den geplagten
Politikern ruhe, sei eben die: Sie fürchten, daß ihnen die
V e r h i n d e r u n g des Krieges m i ß l i n g t.
Die selbstgerechten Politiker, von denen die Rede ist, regieren
die B u n d e s r e p u b l i k. Sie ringen mit der
"Kriegsgefahr", verdienen entsprechend ihren hausgemachten
Sprachregelungen dabei rückhaltlose Unterstützung - und wer im-
mer, im Innern der Nation wie im Ausland, sie kritisiert und
stört, vergeht sich an ihrem Auftrag, den sie mit enorm viel
"Verantwortung" durchführen. Mit dem Etikett, das sie ihren eige-
nen außenpolitischen Werken verpaßt haben, ist ihnen - und zwar
ohne die Nennung eines bestimmten Kriegsgrundes oder namentlichen
Feindes, den ohnehin jeder kennt - die Klärung der Schuldfrage
gelungen. Wenn sie ihr ganzes "politisches Gewicht" für die
"Friedenssicherung" verwenden, dann sind an ihrem Scheitern an-
dere schuld: Der Mißerfolg von "Friedenspolitikern" wird konse-
quent und von vornherein als Erfolg von "Machtpolitikern" ver-
bucht, die ersteren aus lauter Feindseligkeit in die Quere kom-
men.
Daneben ist zwar immer auch von "u n s e r e n I n t e r e s-
s e n" - und damit auch vom tatsächlichen Inhalt deutscher
Außenpolitik - einiges zu hören. Doch ganz gleich, ob die gerade
durch die Beipflichtung zu einer Kampfansage der US-Regierung an
den Osten gewahrt werden, oder durch die gedeihliche
Zusammenarbeit mit einem ansonsten geschmähten kommunistischen
"Regime", die ein ganzes Volk in Not bringt und den Gestaltern
des Osthandels lohnende Abschlüsse; ob der Kredit an eine fremde
Regierung unter dem Titel "Entwicklungshilfe" fürs Volk abgewic-
kelt wird oder ein Waffengeschäft mit einer NATO-freundlichen Mi-
litärregierung - die bundesrepublikanische Lesart entlockt noch
dem rücksichtslosesten Auftreten eines bundesdeutschen Kanzlers
oder Außenministers einen "B e i t r a g z u r E n t s p a n-
n u n g".
Die harte Wahrheit eines außenpolitischen Kurses, der jedes Vor-
haben mit der Lüge inszeniert, es diene letztlich und allein dem
friedlichen Einvernehmen zwischen Staaten, ist nun zum Motto der
"schwierigen 80er Jahre" geworden. Die verzinkte diplomatische
Kampfansage: "Wer sich unseren Interessen widersetzt, nur weil
sie auf seine Kosten gehen, gefährdet den Frieden" ist dem unbe-
dingten Anspruch auf die Räumung sowjetischer Positionen gewichen
- und dieser Anspruch wird mit den Erfolgen aus der "Periode der
Entspannung" untermauert: mit dem Schaden, den der Osthandel an-
gerichtet hat, und der Wucht des angehäuften militärischen Arsen-
als.
2. Vom Umgang der Bundesrepublik mit der Weltmacht Sowjetunion
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Die aktuelle Vervollständigung des Kriegsgeräts auf deutschem Bo-
den, die gemäß dem "Nachrüstungsbeschluß" der NATO vorgenommen
wird, pflegt von deutschen Politikern aller Fraktionen mit dem
Hinweis auf die "E r p r e ß b a r k e i t" Westeuropas durch
sowjetische Raketen gerechtfertigt zu werden.
Auch diese Attitüde des hilflosen Opfers einer benachbarten und
aggressiven Großmacht, die auf den traditionellen Antikommunismus
ebenso spekuliert wie auf die Vorstellung, die BRD sei eben von
der bescheidenen Rolle der Nachkriegsjahre nicht losgekommen, da
sie schließlich auch im freien Westen stets "nur" zur zweiten
Garnitur zählte - auch dieses Kokettieren mit einer Gefährdung
unserer kleinen Republik gehört zu den im wahrsten Sinne des Wor-
tes e i n g e b ü r g e r t e n Lügen der Friedenspolitik. Von
welcher Drohung der Sowjetunion lassen sich denn deutsche Demo-
kraten in Bonn eigentlich beeindrucken? Allesamt glühende Ver-
fechter einer "Politik der Stärke" - die im übrigen für die Kon-
tinuität deutscher Außenpolitik beim nächsten Regierungswechsel
ebenso garantiert wie bei allen bisherigen - lassen sie sich noch
nicht einmal dazu "erpressen", den sowjetischen Vorschlag eines
Päuschens in der Aufrüstung mit Raketen gnädig aufzunehmen. Nir-
gendwo erblicken sie ein Zugeständnis, das sie der Sowjetunion
machen könnten, geschweige denn müßten - ausgenommen vielleicht
ein dickes Erdgas-Röhren-Geschäft des westdeutschen Kapitals und
auf den ökonomischen und politischen Zerfall des Ostblocks ge-
richtete Abkommen mit den "Regimes" der armen "Satelliten". Da-
neben erwärmen sie sich höchstens noch für den verstärkten Aus-
tausch von Dissidenten und Balletteusen gegen Menschenrechtspro-
paganda made in Germany. Sehr gekonnt aber können deutsche Poli-
tiker zu jeder Tages- und Nachtzeit die Zugeständnisse aufsagen,
die die Großmacht Sowjetunion zu erfüllen hat, will sie in den
Genuß der Fortführung einmal hergestellter "Beziehungen" kommen:
Afghanistan an den Westen herausrücken, Polen an den Vatikan, und
die SS 20 wegschmeißen! Und wenn die sowjetische Führung sich
enttäuscht zeigt über solch harte Gangart, so wird das öffentlich
unter "Verschiedenes" abgebucht und mit dem Hinweis beschieden,
daß jede andere diplomatische Geste ein "Ausbruch" aus dem
"Bündnis" wäre und sowas käme ja wohl überhaupt nicht in die
Tüte!
S o dokumentiert die sozialliberale "Führung" den E r f o l g -
und mit dem Erfolg auch den Z w e c k ihrer "Entspannungs-
politik": über die "Aussöhnung mit dem Osten" ist der Großmacht
Sowjetunion in der BRD ein ernstzunehmender Kontrahent mit eigens
zu berücksichtigenden Anliegen wie Mitteln erwachsen. Mit KSZE,
Deutschlandverträgen und Osthandel hat die Bundesrepublik der
östlichen Weltmacht eine stattliche Liste von Positionen
präsentiert, die die Sowjetunion nur unter Hinnahme erheblicher
Nachteile ignorieren kann: das Interesse an ökonomischer
Benutzung der Ostblockländer, die inzwischen für das "Funktio-
nieren" manches, Fünfjahresplans unerläßlich ist und den poli-
tischen Zusammenhalt so nachhaltig aufweicht; das Interesse an
weltweiter Ausdehnung deutschen Geschäfts und politischen Ein-
flusses, was sich mit der Völkerfreundschaft sowjetischer Bauart
nicht verträgt; das Interesse daran, daß sich die Sowjetunion
selber in zunehmendem Maße der ökonomischen Kalkulation zur Ver-
fügung stellt und sich entsprechend "politisch öffnet"! Kein Wun-
der, daß sich kein führender Politiker der BRD über die
"Bündnisverpflichtungen" in der NATO beklagt, sondern sich zu ih-
nen b e k e n n t.
3. Unter dem "atomaren Schutzschirm" der NATO
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ist nämlich aus der BRD die G r o ß m a c h t geworden, die
heute in Europa, in der "Dritten Welt" und eben gegenüber den
Russen soviel "politisches Gewicht" in die Waagschale zu werfen
hat. Die Männer der "ersten Stunde" haben wie die ihnen nachfol-
genden regierungsfreudigen Karrieristen den amerikanischen Be-
schluß, aus Westeuropa einschließlich des freiheitlich besetzten
Teils des besiegten Reiches potente Bündnispartner herzurichten
für die Auseinandersetzung mit der Sowjetunion, begrüßt und ge-
nutzt. In der Kreditierung eines frischen und mit einem in Fa-
schismus und Krieg bescheiden gemachten Volk versehenen Kapita-
lismus ist ihnen eine zum "Wirtschaftswunder" verfabelte ökonomi-
sche Geschäftsgrundlage erwachsen; und in der Rolle eines Vorpo-
stens im "containment", die heute ihre logische Ausgestaltung er-
fährt - die BRD ist ein Mittel der militärischen Bedrohung der
Sowjetunion -, konnte der westdeutsche Staat seine Chance für
eine autonome Weltpolitik wahrnehmen.
Der "Preis" dafür war für die Politiker von Adenauer bis Schmidt
nie der Rede wert bzw. höchstens Anlaß zur gebetsmühlenhaften Be-
teuerung, daß "wir" die Freiheit der Nation den USA verdanken:
Das Mitmachen in der NATO, deren Strategie Land und Leute in der
BRD als Schlachtfeld und Reservoir von Kanonenfutter vorsieht,
erscheint eben Leuten, die ihre Staatsgeschäfte als Lebenschance
für die Untertanen definieren, nicht als Not - stattdessen be-
fleißigen sie sich der T u g e n d d e r e x t r e m s t e n
B ü n d n i s t r e u e. Deshalb ist die Geschichte der bundesre-
publikanischen Aufrüstung eine Serie von Maßnahmen, durch die mit
dem NATO-Kalkül e i n v e r s t a n d e n e Bundesregierungen
immerzu auf eine außerordentliche Nützlichkeit für das antisowje-
tische Militärbündnis drängten. Die Phase der "Entspannung" - in
der per Osthandel die B e n ü t z u n g des Ostblocks wirt-
schaftlich so große Fortschritte zu verzeichnen hatte - ist
zugleich die Periode eines fröhlichen Hochrüstens der deutschen
Bundeswehrmacht gewesen, denn die B e k ä m p f u n g des
"menschenfeindlichen" Systems drüben verschwand zu keiner Stunde
von der Tagesordnung. Daß die deutschen Führungsdemokraten mit
ihren Generälen 150%ige NATO-Partner sind, folgt aus ihrer Sorge
um den Bestand der Nation, die sie immer in der NATO-Strategie
beheimatet wissen wollten: Für den Fall des Ernstfalles sollte
das westeuropäische Potential der NATO, insbesondere den USA-
Freunden also, so wichtig sein, daß "das Bündnis" auf die
R e t t u n g der Weltgegend setzt, über die Christ-, Frei- und
Sozialdemokraten so gerne regieren. Wenn aus der U n t e r a b-
t e i l u n g europäischer NATO-Truppen und -arsenale eine
selbständig zum Bedrohen und Besiegen der Sowjetunion befähigte
strategische Größe würde - so die auch von Helmut Schmidt schon
1962 angestellte Rechnung -, dann wäre das "geostrategische
Dilemma" gelöst, Und die "Vorneverteidigung", jene schöne per
Erstschlag vollzogene Verlagerung des Kriegsschauplatzes Europa
zählt seither zu den festen Bestandteilen einer glaubwürdigen
"Friedens- und Sicherheitspolitik".
S o entdeckten bundesdeutsche Liebhaber der Größe ihrer deut-
schen Nation, daß in Mitteleuropa qualitativ neu = aufgerüstet
werden muß. Und weil man in den USA von den eigensüchtigen Kalku-
lationen der Partner zwar nur bedingt etwas hält, den Gedanken
einer zusätzlichen Bedrohung des Hauptfeindes aber faszinierend
findet, weil sie Sieg verspricht, ist
4. Die "eurostrategische Raketenlücke" -
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eine doppelt beschlossene Sache
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Ein bundesdeutscher Kanzler und seine Strategen ermitteln nämli-
che Lücken, weil sie ein extra "Gleichgewicht" zwischen Westeu-
ropa und der SU für nötig befinden. Ganz Friedenspolitiker, wol-
len sie von der Bundesrepublik aus den T e s t a u f d i e
N a c h g i e b i g k e i t der Sowjetunion bestreiten. Mit der
albernen Addition von Raketen und Sprengköpfen mittlerer Reich-
weite hüben und drüben teilen sie dem Kreml mit, daß sie der un-
geliebten Weltmacht auch militärisch genauso viel Dampf von deut-
schem Boden aus machen können wie die geliebte Weltmacht der
freien Welt. Daß in dieser Gleichgewichtsrechnung das übrige
NATO-Zeug, das "globale Gleichgewicht", erst einmal ganz verges-
sen wird, erscheint ihnen nur gerecht: Speziell von Westeuropa
muß den Russen ebenso viel angetan werden können, wie die im
Ernstfall "uns" anzutun vermögen. Jedem von der Sowjetunion an-
greifbaren NATO-Partner sein eigenes siegesfähiges Gerät! - lau-
tet die Parole, und die "Kriegsgefahr" Sowjetunion ist gebannt!
Mit dieser überlegenen "Nachrüstung" könnten dann "sinnvolle"
Verhandlungen angezettelt werden, die den Russen zu denken geben.
Selten ist der erpresserische Charakter imperialistischer Diplo-
matie so banal kundgetan worden wie in den bundesdeutschen Inter-
pretationen zum "Nachrüstungsbeschluß": Verhandeln ist synonym
mit "Nachgeben" - der anderen Seite, deren SS 20 natürlich schuld
sind. Sicher - die russischen Raketen sind kein umwelt- und kin-
derfreundliches Spielzeug des "realen Sozialismus", sondern die
Drohung einer Weltmacht, der seit ewigen Zeiten ihre "Realität"
streitig gemacht wird und die sich ausgerechnet durch die Imita-
tion imperialistischer Strategie behaupten will. Dank seiner
weltherrschaftlichen Rechnung hat der freie Westen darüber aber
ein ganz anderes Urteil gefällt. Er hat in der schieren Tatsache,
daß auch dieser Staat Waffen besitzt, die zum Gewinn
"befreundeter Nationen" und zum Verteidigen seiner Sorte Herr-
schaft taugen, d a s Verbrechen ausgemacht, gegen das
j e d e s Mittel recht ist. Die realsozialistische Ausnahme ei-
nes ansonsten in jeder Hinsicht verfügbaren Globus wird eben
nicht geduldet! Und darin sind die alten und neuen Haudegen auf
amerikanischer Seite ehrlicher: Daß die "Nachrüstung", mit der
die Bundespolitiker auf die Nachgiebigkeit der Russen und neues
"deutsches Gewicht" im Prozeß der friedlichen Nutzbarmachung der
Welt spekulieren, Verhandlungen überflüssig macht, sagen sie of-
fen heraus. Das ist es ja, was ihnen an der Beseitigung jener
"eurostrategischen Raketenlücke" so behagt - und die Friedens-
geier in Bonn wissen das auch.
Womit das "Doppelte" am Beschluß hinreichend klargestellt wäre:
Den sozialliberalen "Politikern der Stärke" bleibt die Heuchelei
anvertraut, schon wieder nur "unser Bestes" gewollt zu haben,
zähneknirschend demonstrativ "Verhandlung" zu sagen und zugleich
den Russen die V e r h a n d l u n g s u n w ü r d i g k e i t
zu bescheinigen: Afghanistan, Polen, SS 20!
5. Die regierungsamtliche deutsche Friedensliebe
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besteht seit dem Aufrüstungsbeschluß in nichts anderem mehr als
in Maßnahmen der Kriegsvorbereitung, garniert mit diplomatischen
Botschaften an Freund und Feind, die alle denselben Inhalt haben:
Von den Zugeständnissen der Sowjetunion hängt die Erhaltung des
Friedens ab. Der freie Westen definiert die Erfüllung
s e i n e r Bedingungen durch den Gegner als Voraussetzung des
Friedens, und bei dieser Praxis der Friedenspolitik in ihrer Ele-
mentarform scheut man sich nicht, "realistisch" zu sein: Man
rechnet durchaus mit der Unnachgiebigkeit der anderen Seite und
setzt eine Drohung nach der anderen in die Welt. Dabei wird ohne
Umschweife die Vermehrung des militärischen Potentials zum Mittel
der Politik, zumal eine ganze Abteilung der sowjetischen Zuge-
ständnisse ohnehin auf dem Gebiet der Rüstung liegt: So hat die
NATO die "Weltlage" zugespitzt, daß per A u f r ü s t u n g
eine A b r ü s t u n g erpreßt werden soll!
Angesichts der unverhohlenen Programmatik des Totrüstens, die von
den Freunden in den USA täglich in neuen Kraftsprüchen und
Sprachregelungen verkündet wird - ganz nebenbei geht auch die
Herstellung der Neutronenbombe voran -, versteht man sich in Bonn
erstens aufs Akklamieren und Sekundieren, zweitens auf die Ima-
gepflege der sozialliberalen Tradition. Bundeskanzler und Außen-
minister wollen, auf die offensiven Erklärungen von US-Regieren-
den angesprochen, die eindeutigen Zitate nicht einmal dann
"kennen", wenn sie in jeder deutschen Zeitung stehen. Daß sie
aber als NATO-Verbündete gute Kenntnis von der neuen alten Linie
besitzen, die Russen fertigzumachen, und ihren "Beitrag" als
Scharfmacher der europäischen Abteilung dieses "Verteidigungs-
konzeptes" namens NATO leisten wollen, bekennen sie inzwischen
schon stündlich. Daß "wir" "unsere Sicherheit" nicht anderen
aufbürden können, ist die von Adenauer bis heute gültige Parole
einer Nation, die sich bewähren und durchsetzen will und deswegen
ein unveräußerliches Recht auf die diesbezüglichen Opfer ihres
Volkes hat.
So inszenieren Bonner Demokraten drittens eine neue Wirtschafts-
politik unter dem Titel "Sparhaushalt", der das Schröpfen der
Bürger zum Zweck des Sozialstaats erklärt. Und da die Aufwendun-
gen fürs Militärische ein bißchen mehr ausmachen als die Summen,
die aus Renten-, Arbeitslosen- und Krankenversicherung nebst Kin-
dergeld "geschöpft" werden können, gibt es Steuererhöhungen und
zusätzliche Staatsschulden, was wiederum den unbedingten Anspruch
auf die Leistungen der Wirtschaft - im Klartext: Viel Arbeit für
wenig Lohn! - nach sich zieht. "Das deutsche Volk ist verwöhnt!",
meint der Kanzler, und er wird schon wissen, was er mit diesem
Volk vorhat!
Weil dies alles, gemäß sozialdemokratischer Sitte, nicht wie in
den USA unter dem Motto "Zwingen wir die Russen in die Knie!" ab-
läuft, sondern als bedingungsloser Einsatz einer Nation für den
F r i e d e n gelten soll, bedarf es noch einiger flankierender
Regelungen im Umgang mit den Bürgern, die a n d e n F r i e-
d e n a l s Z w e c k d e r P o l i t i k g l a u b e n und
sich deshalb einige Zweifel leisten am aktuellen Kurs. Also
lautet der Beschluß aus Bonn: Pazifismus ist gefährlich und muß,
wie wenig verbreitet er auch sein mag, aufhören. Die einzig
gebotene Friedensinitiative ist diejenige, die in Bonn mit
demokratischem Mandat und im Rahmen des Bündnisses abgewickelt
wird.
6. Die Verläßlichkeit des braven Nationalismus
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ist angesichts der Überzeugungskraft, die den unter die Leute ge-
brachten Argumenten zukommt, wichtiger als je zuvor. Wenn es
wirklich davon abhinge, das Vertrauen in die Regierenden, was
diese in Sachen Krieg, Soldatenehre, Rüstungsdiplomatie, gezähl-
ten und interpretierten Raketen sowie über "unsere" Interessen so
kundtun, so wäre die Glaubwürdigkeit der Entspannungs-Strategen
schnell dahin. Aber auch in einer Demokratie, in der die disku-
tierende Öffentlichkeit für den Schein "sachlich" und im Inter-
esse aller Betroffenen getroffener Entscheidungen geradesteht,
ist der zwischen Journalisten und Politikern verabredete Quark
nicht die Quelle für die Bereitschaft, den nationalen Führern
beizupflichten und zu gehorchen. Da hätte das Volk auch zu tun,
wollte es jedes erfundene "Dilemma" im Konkurrenzkampf der Par-
teien und jede fristgemäße Neufassung "seiner" Interessen und
"seiner" Freiheit auf ihre Stichhaltigkeit überprüfen. Gerade in
der besten Staatsform verlassen sich die Führer auf die sicheren
Grundbestände des Nationalismus, die jedermann in ihren fachmän-
nischen Kommentaren und Predigten wiederentdecken kann, wenn er
sie sich einmal zueigen gemacht hat. Das nationale "w i r" tut
da noch allemal seine Dienste, wenn zur Verteidigung unserer ge-
liebten Staats- und freiheitlichen Lebensform mit den Waffen auf-
gerufen wird. Jedem fremden Staatsmann genau das Mißtrauen entge-
genzubringen, vor dem man die Mächtigen in Bonn gegen jeden Kri-
tiker in Schutz nimmt, ist üblich - so als wäre die
A b h ä n g i g k e i t von dem, was der eigene Staat mit einem
so anstellt, gleich ein Grund dafür, zu ihm zu halten. Werden Wo-
che um Woche neue Opfer für nötig befunden - inzwischen bedienen
sich die Herrschaften in Bonn bereits der Parole "Blut, Schweiß
und Tränen" aus dem II. Weltkrieg -, so hat ein anständiger Deut-
scher zuzuhören, wenn ihm gesagt wird, er sei zu "Opfern bereit";
ganz als ob er endgültig davon überzeugt sei, es gehe ihm "zu
gut". Ob sich seine Anstrengungen in der "freiheitlichen Lebens-
form" l o h n e n, ist ebensowenig eine Frage wie die, ob sich
ein Atomkrieg mit dem Osten lohnt. Wer diese Frage aufwirft,
k a p i t u l i e r t - so der unter allen demokratischen Par-
teien unstrittige Befund - vor den Russen.
Die S o w j e t u n i o n ist - jenseits all dessen, was sie
tatsächlich anstellt und was man ihr vorwerfen kann - eine Bedro-
hung, denn von Kommunisten wollen freiheitsliebende Deutsche
nicht regiert werden. Der Feind ist eben u n t e r a l l e r
Kritik, so daß schon die Raketen der Russen als Beleg dafür hin-
reichen, daß diese Nation böse ist. Niemand will diesen Maßstab -
Rüstung und zur Knechtschaft entmündigte Untertanen - ernsthaft
auf irgend einen anderen Staat der Erde anwenden. Schon gar nicht
auf die Leistungen der USA auf diesem Gebiet will man eine An-
spielung zulassen - am Ende käme da noch heraus, daß die eigene
Vaterlandsliebe wegen der Leichen, die die freiheitlichen Demo-
kratien des Westens bei sich und auf der ganzen Welt täglich zu-
standebringen, in Frage gestellt würde - und das ausgerechnet in
einem Augenblick, wo diese Vaterlandsliebe in ihrer ganzen Be-
reitschaft verlangt ist. In der Pflege der Russenhetze hat die
bundesdeutsche Demokratie wenigstens einen Posten aus dem außen-
politischen Archiv des Faschismus gerettet, der über die "Periode
der Entspannung" recht gut erhalten blieb. Heute, da man in einer
demokratischen, also antifaschistischen Nation seine Dienste tut,
sollte man nach dem Ratschluß weiser Männer in Washington und
Bonn mit umso b e s s e r e m G e w i s s e n den aggressiven
Charakter des Iwan und dessen Menschenrechtsverletzungen verab-
scheuen. Und zwar so gründlich, daß man dafür auch einsteht, wenn
die NATO den Brüdern das Handwerk zu legen beschlossen hat. Wo
der E r f o l g d e r e i g e n e n N a t i o n zum allge-
meingültigen Maßstab geworden ist, hat die Kalkulation der Bürger
mit i h r e m Erfolg ein Ende - da ist es verboten, die Kosten
an Geld und Leben als Bedenken ins Feld zu führen. Der Spruch
"Lieber rot als tot!" ist nicht von Millionen Wählern als Pro-
testparole gegen die Kriegsvorbereitungen anläßlich von Rekruten-
vereidigungen wieder entdeckt worden - nein, die Herrschaften vom
NATO-Hauptquartier haben ihn ausgegraben, um klarzustellen, daß
es umgekehrt heißen muß! Bisher mit Erfolg.
Und falls tatsächlich einmal Zweifel daran angemeldet werden, daß
"die Soffjets" alle Menschen knechten wollen, werden "Beweise"
geliefert: Ungarn, Tschechoslowakei, Afghanistan werden da aufge-
zählt von Leuten, die mit der größten Selbstverständlichkeit jede
Aktion der westlichen Großmacht billigen, wenn sie nur das Argu-
ment der "v e r l e t z t e n I n t e r e s s e n", eben der
"unseren", für sich in Anspruch nehmen kann. Denn die lassen
keine Kritik zu, und wenn doch welche laut wird, so hält man der
eigenen Regierungsmannschaft erstens vor, sie hätte besagte In-
teressen s c h l e c h t vertreten, und ihr zugute, daß sie im-
merhin die eigenen Heucheleien von Freiheit bis Menschenwürde auf
ihrer Seite habe; dagegen ist man mit der Entlarvung feindlicher
Werte und Ideale so schnell fertig, daß man von den Zwecken des
ungeliebten Auslands schon gar nichts mehr wissen will. Das ist
eben der Unterschied zwischen Freund und Feind, was zu einer of-
fiziellen Stellungnahme der christlichen Parteien Deutschlands
Anlaß gegeben hat: Nein, die Bergpredigt ist kein hilfreicher
Text für strategische Kalkulationen - das wurde den Christen im
Lande gesagt, die wegen ihres Glaubens Zweifel an der Gutmütig-
keit ihrer eigenen Volksvertreter anmelden und deswegen nicht um-
standslos dafür sind. So ist auch bis auf weiteres das allerein-
fachste "Argument" für den gegenwärtigen Kurs der Bundes-NATO in
Kraft: "Wir" brauchen eine schlagkräftige Wehrmacht, damit wir
uns - wie der Name schon sagt - wehren können.
Zwar gibt es kaum etwas Weltfremderes als die Vorstellung, ein
Staat wie die BRD würde schweren Herzens militärische Gewalt be-
schaffen und einsetzen, weil sich anders der treue und fürsorgli-
che Schutz seines Volkes nicht bewerkstelligen ließe. Aber für
den Entschluß, dem eigenen Staat zu vertrauen, auf den man nun
einmal angewiesen weil ihm unterworfen ist, taugt diese Vorstel-
lung allemal - auch außerhalb des Prüfungsverfahrens für Kriegs-
dienstverweigerer. Der Irrwitz solchen Vertrauens scheint leicht
zu erschüttern zu sein durch ein paar ganz banale Wahrheiten über
Staat und Krieg: Beruht nicht schon die Rüstung für einen
"möglichen" und "möglichst zu vermeidenden" Krieg auf einigen Op-
fern? Was lassen denn Rekruten über sich ergehen, wenn sie das
militärische Handwerk erlernen? Woher kommt der Reichtum für die
Tornados, wo fehlt er deswegen, wie sieht die Fabrikarbeit für
diesen Schutz der Freiheit aus, wie der Lohn und der Dank der Na-
tion? Was treibt ein Volk eigentlich im Krieg? Stellen sich Herr
Bundestag und Frau NATO hin und kämpfen für das lebenswürdige Le-
ben von lauter Familien, also gesunden "Keimzellen des Staates",
die währenddessen ihr Mittagessen vermehren? Oder setzen ganz ge-
wöhnliche Leute ihr Leben für den Staat ein, der seiner Interes-
sen wegen gerade beschlossen hat, zur "ultima ratio" seiner Si-
cherheitspolitik zu schreiten? Gegen diese Hinweise, gegen die
Zweifel an der Beschützerrolle des Gemeinwesens, dem es immerzu
nur auf das freie Individuum ankommt, lassen sich Verteidiger der
nationalen Verteidigung einen R e a l i s m u s ganz eigener
Art einfallen - und das nur, um ihrem Irrwitz zu friedenspoliti-
scher Ehre zu verhelfen: "Krieg lohnt sich nicht!", lautet ihr
Einfall, mit dem sie bekunden, von der kapitalistischen Welt im-
merhin soviel mitbekommen zu haben, daß es in ihr um Geschäfte
geht und ein zerbombtes Land nebst Millionen von Leichen unmög-
lich dem ansonsten, üblichen Materialismus selbst ihrer Staats-
männer und Wirtschaftsträger eine Geschäftsgrundlage bietet. "Das
kann also niemand wollen!" ist allerdings ein verkehrter Schluß
aus der richtigen Feststellung, daß sich das Anliegen einer Na-
tion, die andere zum Abdanken zu bewegen, mit ansehnlichen Han-
delsgewinnen nicht verträgt - und zwar genauso verkehrt wie die
Beweisführung, daß "die Großen" per Krieg wunder was für Profite
einstreichen. Denn im Krieg wird militärisch auf die Vernichtung
des Feindes hin kalkuliert und nicht den Umsatz. G e w o l l t
und beabsichtigt wird Krieg tatsächlich nur von Eroberern und Fa-
schisten - von deutschen z.B., aber auch von israelischen -, De-
mokraten sehen und bereiten ihn "nur" vor für den Fall, daß ihre
außenpolitischen Gegner die "nationalen Interessen" über Gebühr
stören und immerzu nicht nachgeben: Dann ist auch der Erstschlag,
präventiv und zur Verteidigung, fällig! Mit dem Ziel der
K a p i t u l a t i o n! Leider ist diese Wahrheit, daß Kriege
n i e Z w e c k, wohl aber i m m e r v e r f ü g b a r e s
M i t t e l des demokratischen Imperialismus sind, nicht im
Sinne derer, die sich "nicht vorstellen können", daß ihrer Regie-
rung am Krieg etwas gelegen sei, und die deswegen der Idiotie
glauben, Waffen seien das einzige Mittel auf der Welt, das nicht
seinem Zweck entsprechend eingesetzt werde. Sie haben sich mit
der Aussage, daß Krieg und seine Wirkung selbst nach den Maßstä-
ben ihrer Herren "Wahnsinn" sei, ein letztes, aber beruhigendes
Argument für ihr Zutrauen zur Nation verschafft, der sie angehö-
ren und deren Führern sie allemal lieber gehorchen und dienen als
anderen.
7. Die Illusionen der geächteten Friedensbewegung
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Der Protest, der sich in der Bundesrepublik seit der Absegnung
des "NATO-Nachrüstungs-Doppelbeschlusses" durch die SPD regt,
nimmt in aller Form Bezug auf die d e u t s c h e
I d e o l o g i e, die zur Rechtfertigung der Kriegsvorbereitung
dargereicht wird. Leider nicht, um die lügnerischen Ideale der
deutschen Aufrüstung zu kritisieren und die imperialistischen
Zielsetzungen der nationalen Außenpolitik anzugreifen. Die Frie-
densbewegung gründet ihren Protest auf den Vorwurf gegen die Re-
gierung, sich nicht (mehr) um die e c h t e n A n l i e g e n
d e r N a t i o n zu kümmern, die sie in den programmatischen
Erklärungen zur deutschen Friedens- und Entspannungspolitik einst
selbst formuliert habe. Der
Glaube an die Politik
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als ein für die S i c h e r u n g d e s F r i e d e n s zu-
ständiges Gewerbe bestimmt die Diskussion und die Argumente, mit
denen um Unterstützung geworben wird. Keine Beschwerde und kein
Appell versäumt es, die für die kritisierte Aufrüstung verant-
wortliche Regierung bei ihrer V e r a n t w o r t u n g f ü r
d e n F r i e d e n und das Wohlergehen des Volkes zu packen;
ob aus christlicher Weltanschauung oder aufgrund von Argumenten
aus der veröffentlichten Rüstungsdiplomatie und Strategie zum
Gegner des gegenwärtigen Bonner Kurses geworden - stets weigern
sich die Pazifisten, den Z w e c k d e r d e u t s c h e n
A u ß e n p o l i t i k zur Kenntnis zu nehmen. Tagtäglich wird
ihnen aus Bonn die F e i n d s c h a f t erklärt, werden in
brutalen Tönen ihre Interpretationen der diplomatischen Sprachre-
gelungen "richtiggestellt", wird ihnen gesagt, wie die
"Entspannung" gemeint ist - und dennoch hält die deutsche Frie-
densbewegung bei ihren Demonstrationen, Kongressen, Unterschrif-
tensammlungen und Kirchentagen daran fest, in der Bundesregierung
einen Ansprechpartner zu sehen, der zur Zeit nur dem Irrtum un-
terliegt, den
Verteidigungsauftrag
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verkehrt aufzufassen und wahrzunehmen. Der alten Friedensbewegung
war bei ihrem Protest gegen die atomare Rüstung die "Theorie der
Abschreckung" präsentiert und so die "stabilisierende" Wirkung
von Kriegsgerät auf den Frieden gepriesen worden; heute
b e r u f e n sich die Menschen, die immer hin erschrocken sind
über die kaltschnäuzigen Berechnungen der Strategen, auf den Se-
gen der "Abschreckung" und des "Gleichgewichts". Die "Nach-
rüstung" erscheint ihnen ü b e r f l ü s s i g, und so konse-
quent legen sie den Maßstab der Kriegsverhinderung an den Ausbau
der Streitkräfte an, daß sie darüber ganz vergessen, einmal die
Frage zu stellen, warum es ihrer Regierung - der sie denselben
Maßstab zubilligen, genauso wie das moralische Recht, die
"Verteidigung unserer Interessen" zu besorgen - n i c h t
überflüssig erscheint! Eifrig beteiligt man sich am Z ä h l e n
von Raketen; ganz als ob die Gefahr von den Mitteln der Politik
ausginge, gelangt man sogar zu dem betrüblichen Schluß, daß
zuviele Todesmaschinen herumstehen. Eines der beliebtesten
Argumente lautet, die angesammelten Waffen reichten längst aus,
um die feindliche Bevölkerung auf beiden Seiten gleich ein paar
Mal um die Ecke zu bringen - und dieses Argument steht nicht für
die Einsicht in die kriegstechnischen Kalkulationen der
Strategen, denen die Vernichtung von Menschenleben eine
Selbstverständlichkeit ist, die hinter der Planung des
S i e g e s zurücksteht, welcher viel mehr erforderlich macht,
als zum Umbringen der Leute nötig ist! Der Hinweis auf
"überflüssiges" Tötungsgerät meldet die Frage an: "Ist denn der
Verteidigungsauftrag nicht längst auch in Eurem Sinne erfüllt,
liebe Sicherheitsbeauftragte der Nation?"
Auch in der Friedensbewegung ist man mit dem Zweifel beschäftigt,
ob die unsägliche Vernichtung von Land und Leuten überhaupt je-
mand wollen kann, und mit dem "sinnlosen Atomkrieg" kommt man so-
gar denen, die schon in einem ausgeklügelten Hin und Her von
Erst- und Zweitschlägen denken und ihre diesbezüglichen Rechener-
gebnisse eines gewonnenen Krieges als Beweis ihrer "Entspannungs-
und Sicherheitsabsichten" anführen!
Sogar dazu hat sich die deutsche Friedensbewegung verstiegen,
strategische Erwägungen
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unter kundiger Anleitung von Militärs und anderen "Fachleuten"
anzustellen, aber immer nur um der Überzeugung zum Durchbruch zu
verhelfen, daß mit d i e s e n M i t t e l n, wie sie
j e t z t verfügbar sind, der Z w e c k e i n e s
K r i e g e s unmöglich zu erreichen sei. Zu der Vorstellung vom
"Wahnsinn" atomarer Vernichtung - wenn das ein Hindernis für den
Krieg wäre, hätten die bisherigen Weltkriege im übrigen auch
nicht stattgefunden - gesellt sich da die Vorteilsrechnung mili-
tärischer Planspiele; und da man d e n Zweck eines Krieges: die
Vernichtung des Feindes, nicht wahrhaben will - dabei ist der
Reichtum und das Volk der eigenen Nation immer als Manövriermasse
vorgesehen, die weitgehend zu Bruch gehen kann -, gelangt man zu
dem fatalen Schluß, e i g e n t l i c h habe der Krieg ausge-
dient als Mittel einer Politik, die einen den eigenen Interessen
hinderlichen Staat auslöschen will! Und d a s ist immer noch
der "Verteidigungsauftrag" auch einer demokratischen Wehrmacht,
die Interessen der eigenen Nation zu schützen - und das ist er-
stens nicht friedlich und zweitens nicht gut für die Bürger die-
ser Nation. An den Waffen, dem W e r k z e u g der staatlichen
Gewalt, ausgerechnet die Unmöglichkeit zu entdecken, diese
M i t t e l a u c h e i n z u s e t z e n, ist ein ernster
Fehler. Als das "atomare Patt" einmal ungefähr bestand, war es
doch für die Führer des freien Westens ein einziges, Ärgernis -
denn nicht der K r i e g, sondern der S i e g war ihnen ver-
unmöglicht worden. Heute, da sie dieses "Problem" durch Aufrü-
stung zielstrebig überwunden haben, kommt eine Friedensbewegung
daher und leitet aus der Vision einer totalen wechselseitigen
Zerstörung ihre Hoffnung ab: Sie gibt die Ideologie des großen
Krachs, von dem kein Mensch nichts hat, ausgerechnet d e n e n
zu bedenken, die sie w i d e r l e g e n. Wer freilich nicht
einsehen will, was die M i t t e l des Krieges über die
Z w e c k e e i n e r R e g i e r u n g aussagen, die sie sich
hinstellt, der ist imstande und w a r n t seine Politiker vor
den Wirkungen ihrer Waffen, von denen schließlich auch noch die
"Kriegsgefahr" ausgehen soll...
Richtig d e u t s c h aber wird der Protest gegen die aktuelle
Rüstungspolitik erst durch die Betonung der b e s o n d e r e n
Gefahr, die auf den
Kriegsschauplatz Deutschland
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zukommt. Es ist schon einigermaßen ärgerlich, wenn die Strategie
der NATO, zu der sich ein SPD-Kanzler vierzigmal am Tage bekennt,
Land und Leute in der Bundesrepublik für die europäische Front
verplant. Trostlos aber ist es, daß eine oppositionelle Bewegung
dies, ganz im Sinne strategischer Betrachtungen, als ein
P r o b l e m akzeptiert, das aus "u n s e r e r L a g e" er-
wächst und auf das man wiederum warnend diejenigen aufmerksam
macht, die besagte Strategie zur unverrückbaren Grundlage
"unserer Sicherheitspolitik" erklären! Nicht nur die Würdigung
der ganz speziellen d e u t s c h e n B e t r o f f e n h e i t
i m E r n s t f a l l, die hier das Argument für den Frieden
ausmacht, fällt auf - fast möchte man fragen, wo die Friedens-
freunde denn den Kriegsschauplatz hinhaben wollen! Daß "w i r"
uns Krieg mit der Sowjetunion n i c h t l e i s t e n
k ö n n e n, ist schon ein starker Gedanke für einen Menschen,
der so tut, als würde er von der Kriegsangst gebeutelt! Wer diese
Logik beherrscht, will eben von den Zielsetzungen seiner demokra-
tisch ermächtigten Herrschaft genauso wenig wissen wie vom Grund
der anonymen "Kriegsgefahr", die er - wenn er sich auch noch die
"S c h u l d f r a g e" stellt - mindestens fifty-fifty aus Rea-
gan und Afghanistan beantwortet. Da wird von den maßgeblichen
deutschen Politikern die Geschichte mit dem Kriegsschauplatz
Deutschland, von dem so wenig zum Regieren übrigbleiben könnte,
ganz souverän durch die Aufrüstung entschieden, die einen sieg-
reichen Schlag v o n h i e r a u s erlaubt - und eine Frie-
densbewegung rät zu V e r h a n d l u n g e n und zur
"Rückkehr" zu den ach so friedlichen Tagen der "Entspannungs-
politik". Was haben denn westliche Politiker in den
"Abrüstungsverhandlungen" mit der Sowjetunion alles an Aufrüstung
durchgesetzt? Haben denn nicht die E r f o l g e jener Periode
nicht erst die Perspektive einer sowjetischen Kapitulation wieder
spruchreif gemacht? Ist es wirklich so schwer zu begreifen, daß
der Handel mit Polen - der so schaurige Formen des Elends unter
kommunistischer Herrschaft stiftet - nicht um des lieben Friedens
willen stattgefunden hat?
Aber bevor Pazifisten sich eingestehen, von wem sie sich regieren
lassen, halten sie sich lieber an das Ideal der Friedenspolitiker
und nicht an die Gewalt, die hinter ihm lauert. Für die Werbung
mit dem Friedensversprechen bei der letzten Wahl danken sie der
Regierung und wollen ihr sogar "den Rücken stärken" bei der
Einlösung des Doppelbeschlusses! Derweilen beschimpft ein So-
zialliberaler nach dem anderen die Friedensbewegung, und die
Christen in ihr werden nicht nur von Christdemokraten ausgerech-
net dafür gerügt, daß sie die moralischen Maßstäbe ihres Glaubens
an ihre Herren anlegen; wo doch der Glaube eine Sache der Erdul-
dung von Gewalt und des Gehorsams zu sein hat, nicht aber eine
des Aufbegehrens gegen unangenehme strategische Entscheidungen...
Doch selbst für die mangelnde Bereitschaft in Bonn, dem Protest
Gehör zu schenken, hat sich die Bewegung eine Ideologie der Re-
gierung zu Herzen genommen. Sie läßt die Fabel gelten, der Bun-
desrepublik fehle die
echte Unabhängigkeit
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Das Wettrüsten der "Supermächte" hat da plötzlich unsere arrogan-
ten Machthaber in die Zwickmühle gebracht, denen es an Handlungs-
freiheit gebricht. Die uralte Entschuldigung derjenigen, die ihre
B e t e i l i g u n g am Imperialismus mit ihrem "Knechtsdasein"
bescheiden ausmalen, wird von der Friedensbewegung akzeptiert
u n d anti-amerikanisch vorgetragen. So zieht man aus dem deut-
schen B ü n d n i s n a t i o n a l i s m u s den zweifelhaften
Vorteil, die Proteste gegen Kriegsvorbereitungen ganz im Sinne
guter deutscher Politik loszuwerden: Die zu geringe Macht der ei-
genen Nation versöhnt einen Friedensfreund mit seinen Machern -
auch wenn diese Macht inzwischen so groß ist, daß die nationale
Rüstungsindustrie Verbündete mit Waffen jeder Güte versorgt, daß
der Kanzler in Moskau auftritt als einer, der die böse unter den
Weltmächten bremst und ihr jedes amerikanische Ultimatum auf
deutsch nochmals unterbreitet.
Ganz als ob die Widersprüche, die eine deutsche Regierung gele-
gentlich noch mit der amerikanischen austrägt, etwas mit dem An-
liegen der Friedensbewegung zu tun hätten, wird das Märchen von
der Ohnmacht eines deutschen Kanzlers also auch noch zum festen
Bestandteil der um Frieden bemühten Nationalisten: Jede Lüge und
Rechtfertigung ihrer Regierung nehmen sie als Diagnose der "Lage"
und reinigen die, gegen die sie protestieren, von jedem Verdacht,
es ginge ihnen um etwas anderes als um den Frieden. Wogegen pro-
testieren sie denn noch, wenn die eigene Regierung längst nur
Gutes will, aber nicht anders kann?
8. Das Plädoyer für einen alternativen Imperialismus
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hat daher nicht zufällig seinen festen Platz im Spektrum der
neuen westdeutschen Friedensbewegung. Denn wer schon die eigenen
Politiker wegen ihrer angeblichen Ohnmacht bedauert oder kriti-
siert, dem leuchtet natürlich die Forderung ein, die sollten doch
die Macht, die das deutsche Volk ihnen immerhin gegeben hat,
a n d e r s, und zwar b e s s e r gebrauchen.
Großer Beliebtheit erfreut sich so die Vorstellung eines block-
freien Europas, rund um Deutschland herum, am besten von der Maas
bis in die Memelgegend, das - womöglich mit lauter arabischen und
afrikanischen "Freunden" als Hinterland - aus der "Konkurrenz der
Supermächte" a u s s t e i g e n könnte. Realisten wollen sie
schon sein, diese Friedensfreunde, und auf ein paar Kriterien po-
litischer "Eigenständigkeit" im Imperialismus verstehen sie sich
in der Tat - ohne allerdings von ihrer großen Illusion zu lassen:
Wenigstens von i h r e m, alternativ gemeinten deutschen Frie-
densimperialismus wollen sie glauben, er wäre o h n e K r i e g
zu machen - und zwar ohne g e n a u d e n K r i e g, den die
tatsächlichen Führer der Nation gerade vorbereiten.
Teile der Friedensbewegung sind allerdings auch in dieser Frage
längt sehr kompromißbereit. Ex-Generäle, Obristen und Zivilstra-
tegen finden jedenfalls offene Ohren und großen Zuspruch, wenn
sie der Bewegung ihre staatstreue Friedensliebe als alternatives
V e r t e i d i g u n g s k o n z e p t vorbuchstabieren gerade
so, als hätte der Krieg schon viel von seinem "Wahnsinn" verlo-
ren, wenn er in der guten alten Weltkrieg II-Manier ausgetragen
würde oder auch bloß die geplanten Atomraketen von Schiffen aus
in Marsch gesetzt würden.
Was will man denn da eigentlich: den Beweis, daß ein Krieg - par-
don: die selbstverständlich nötige Verteidigung der Nation auch
b i l l i g e r zu haben wäre, ein alternativ geführter Krieg
gegen die Russen sich vielleicht doch w i e d e r l o h n e n
könnte?
Zwar gelten in der BRD von heute sogar solche alternativen Stra-
tegiedebatten als oppositionell - ein Oppositionsgeist gegen die
nationale Politik, die die Alternativen erfolgreicher Kriegsfüh-
rung praktisch vorbereitet, ist darin allerdings nicht zu finden.
Eher schon ein Nationalismus, der der Bundesregierung unter dem
Obertitel "Friedenspolitik" mit dem Vorwurf kommen will, sie
hätte den Welterfolg der BRD als subimperialistische NATO-Macht
noch viel zu wenig ausgenutzt, um aus dem "Sub" herauszukommen!
Und deswegen wundert einen an dieser Friedensbewegung inzwischen
schon gar nichts mehr:
- weder die G e m e i n h e i t e n kleineren und größeren Ka-
libers, mit denen die P r o f i s der Bewegung bei ihren Kund-
gebungen, Tagungen und Versammlungen dafür sorgen, daß a l l e
u n d n u r d i e f a l s c h e n Argumente unter die Leute
kommen: Da stellt sich dann plötzlich heraus, daß die Bundesre-
gierung Respekt verdient und in Schutz genommen werden muß, wenn
welche kommen und keinerlei Glauben, an die guten Werke der Poli-
tik erkennen lassen. Denn die muß schließlich um des lieben Frie-
dens willen gemacht werden.
- noch die Leichtigkeit, mit der die Friedensbewegung zur Domäne
aller jener s o z i a l- u n d f r e i d e m o k r a t i-
s c h e n Karrieristen gemacht worden ist, die den Erfolg ihrer
Parteien demnächst wieder aus der Opposition heraus bewerk-
stelligen wollen.
Den sozialen Frieden, der den regierenden Strategen des Welt-
markts, der Diplomatie und des Militärs die Freiheit gibt, von
deren Segnungen sie singen und sagen, den scheint diese Friedens-
bewegung nicht aufkündigen zu wollen.
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