Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht


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LOHNT ES SICH, EIN WESTDEUTSCHER ZU SEIN? ODER WAS IST DIE BRD:

zweitrangig? Kriegsschauplatz? makler? Wirtschaftsmacht? ohnmäch- tig? Friedensstaat? Front-Staat? Wohlfahrtsstaat? oder einfach imperialistisch? Ist die BRD noch tragbar? ------------------------- Es soll ja Leute geben, die interessieren sich offenbar mangels eigener Sorgen - brennend für die Frage, ob sie hierzulande in einem g u t e n oder in einem eher s c h l e c h t e n S t a a t leben. Diesen Leuten wird von den verantwortlichen Ma- chern der Republik wie von ihren oppositionellen Reserve-Führern eine insgesamt sehr beruhigende, ja erfreuliche Antwort zuteil: So schlimm ist die BRD gar nicht! Den Berliner Proleten der Jahr- hundertwende, den VW-Arbeitern in Brasilien, den Negern in der Sahel Zone ging bzw. geht es schlechter. Fremde Länder hält die BRD mit ihrer Wehrmacht nicht besetzt, noch nicht einmal "unsere lebenswichtigen Ölquellen", die blöderweise von fremdländischen Scheichs regiert werden. Noch nicht einmal den Ostblock hat die BRD angegriffen; stattdessen ist sie überall für Frieden, und wenn ferne Länder ökonomisch ausnutzt oder zur Ausnutzung vorbe- reitet, so heißt das "Kapital-", "Entwicklungs-" oder überhaupt bloß "Hilfe". Nichts als Wohltaten werden der Welt heutzutage von westdeutschem Boden aus zuteil; und die zuständige Regierung will in aller Bescheidenheit gar nicht mehr sein als ein moralischer Schiedsrichter über die Konflikte dieser Welt. Wirklich, sehr schön das Alles. Ein kleiner Haken ist aber doch daran an all den Komplimenten, die die Macher dieses Staates ihrem Machwerk ertei- len. Irgendwie ist ein Lob doch verdächtig, das mit dem Hinweis argumentiert, alles könnte ja noch weit schlimmer sein. Und wenn die weltpolitische Harmlosigkeit der BRD ausgerechnet damit be- wiesen wird, daß sie ja immerhin keine faschistische, eroberungs- lustige Weltmacht sei, dann ist das doch eher ein Grund zum Er- schrecken: Woran wird die westdeutsche Nation denn da g e m e s s e n?! Wir halten es jedenfalls für einen Fehler, sich damit zu trösten und eine gute Meinung über diesen Staat damit zu retten, daß er sich von einem f a s c h i s t i s c h e n Monstrum immerhin noch u n t e r s c h e i d e t. Man sollte sich stattdessen einfach mal anschauen, was bundesdeutsche Politiker in der Welt aus- und anrichten, was bundesdeutsche Geschäftemacher im eigenen Land und auswärts alles anstellen, was die bundesdeutsche Mili- tärmacht tatsächlich darstellt und für welchen "Weltfrieden" sie einsteht. Das alles langt nämlich längst - es langt, um sich mal ernsthaft die Frage vorzulegen: Ist diese Republik noch zu ertragen? ------------------------------------ Die bundesdeutsche Friedensarmee -------------------------------- hat tatsächlich noch noch keinen Krieg geführt; d e r große Krieg, für den sie ganz ausschließlich vorgesehen ist, hat eben noch nicht auf der Tagesordnung gestanden. Nutzlos war sie deswegen noch lange nicht. Mit ihrer Bedrohung der Sowjetunion hat sie ihren Verbündeten den Rücken freigehalten für Dutzende von Kriegen und "militärischen Interventionen" kleineren und mittleren Kalibers. So erfolgreich hat sie zur militärischen und politischen Einschüchterung der Sowjetunion beigetragen - die hat nämlich schon zehnmal mehr Beweise für ihre N a c h g i e b i g k e i t erbracht als für ihre "A g g r e s s i v i t ä t", und die westlichen Politiker wissen das auch sehr genau und rechnen damit! -, daß die bundesdeutsche Militärpolitik sich inzwischen höhere Ziele stecken kann. Ein richtiges nuklear-strategisches Erpressungsmittel gegen die Sowjetunion muß her - die alte Überlegenheit von Bundeswehr plus amerikanischen taktischen Atomwaffen genügt der militärischen Bedeutung des deutschen Frontstaats nicht mehr. Sicher, das alles vollbringt die BRD nicht allein und autonom, sondern als Mitglied im westlichen Militärbündnis. Soll man sie deswegen aber gleich für einen harmlosen Zwerg im militärischen Welttheater halten? Es ist doch umgekehrt: Durch seine Eingliederung in die NATO hat das bundesdeutsche Militär erst eine Wucht und eine strategische Bedeutung erlangt von der alle alten Wehrmachtsgeneräle noch nicht einmal träumen konnten! Die bundesdeutsche Wirtschaft ----------------------------- hat tatsächlich keine Kolonien - sie hat sie auch gar nicht nö- tig. Von Anfang an hat sie mitgemischt im großen Weltgeschäft, dem die USA rücksichtslos freie Bahn geschaffen haben. Ihre I n d u s t r i e l l e n haben von Anfang an so viel herausge- holt aus ihrem Arbeitsvolk und es dabei so erfolgreich knappge- halten, daß das eigene Land viel zu klein war für den Reichtum, den sie sich so haben schaffen lassen. Ihre K a u f l e u t e haben von Anfang an die ganze Welt einbezogen in ihre Geschäfte- macherei - da m u ß die munter voranschreitende Ausnutzung von Armut und Arbeitskraft der glücklichen "Arbeitsplatzbesitzer" sich ja ganz einfach l o h n e n. Und ihre A r b e i t e r haben sich an eine Kombination von Fleiß und Bravheit gewöhnt, die weltweit Maßstäbe setzt - was nicht zu Unrecht der DGB sich als "Verdienst" anrechnet. Jenes alte Programm, wonach "uns morgen die ganze Welt gehören" sollte, ist auf diese Weise mit einer Wucht und in einem Ausmaß in ökonomische Wirklichkeit umgesetzt worden, wie die faschisti- schen Eroberer von vorgestern es nie für möglich gehalten hätten. Selbst den bolschewistischen Osten brauchen heutzutage deutsche Truppen gar nicht erst zu besetzten, damit d a n n die dortigen "Naturreichtümer" nebst slawischem Personal dem Zugriff des deut- schen Kapitals zur Verfügung stehen. Umgekehrt: Mit ihren Erfol- gen im Ostgeschäft hat die bundesdeutsche Wirtschaftskraft die "Ostblock"-Staaten in eine Verschuldung hineingetrieben, die in Polen bereits bis zur ökonomischen Katastrophe gediehen ist. Noch ohne Truppenbewegung, rein nach den Gesetzen eines geordneten ka- pitalistischen Geschäftsgangs wird die Welt des "realen Sozialis- mus" in den Ruin getrieben. Ob d a s die Welt schöner macht - und für den braven, fleißigen Deutschen erträglicher? Sicher, das westdeutsche Kapital ist seit jeher auf den Spuren des amerikanischen Dollar gewandelt; und für die nötige Gewalt, ohne die ein Weltmarkt nicht zu machen ist, zeichnen erst einmal die lieben Verbündeten der BRD verantwortlich. Bloß: Soll man deswegen das weltweite westdeutsche Geschäftsinteresse gleich für einen selbstlosen Beitrag zum Gelingen von "Handel und Wandel" halten? Es ist doch umgekehrt: Gestützt auf eine prächtig funk- tionierende Ausbeutung und Reichtumsmehrung im Innern, im Bündnis mit den 6 bis 10 anderen "reichen Nationen", pflügt das westdeut- sche Kapital die ganze Welt nach seinen Erfordernissen und Inter- essen um wie noch nie - und pflügt dabei ganze Regionen und Völ- kerschaften mit unter. Vor den Erfolgen dieses B ü n d n i s - I m p e r i a l i s m u s müßte jeder alte Kolo- nialherr vor Neid erblassen! Die bundesdeutsche Weltpolitik ------------------------------ hat dank der Erfolge ihrer Militärmacht und ihrer nationalen Wirtschaft praktisch längst jede Bescheidenheit aufgegeben. Die sozialliberalen Macher der 2. Generation können sich auf den "sozialen Frieden" zu Hause so bombenfest verlassen, daß sie ih- ren friedens-politischen Tatendrang gleich bei allen möglichen auswärtigen Völkerschaften austoben. Sie entwerfen "Friedensordnungen" für das südliche Afrika und den Nahen Osten; im Rahmen der EG, wo sie erfolgreich den obersten Listenplatz be- anspruchen, "ordnen" die Zustände am Mittelmeer; chinesischen Na- tionalkommunisten verkaufen sie Stahlwerke und Völkerfreund- schaft; kommt Ägyptens Präsident ums Leben, so begutachtet ein Genscher den Nachfolger -- dann darf der sein Amt antreten, seine demokratische Wahl ist erklärtermaßen nur noch Formsache. Für die "Freiheit" in Afghanistan sind die deutschen Führer sowieso zu- ständig, denn bekanntlich verläuft die westdeutsche Ostgrenze un- gefähr bei Kabul; nach Polen wird mit "Hilfs"-Versprechen und Drohungen hineinregiert, als hätte man es dort mit dem ersten slawischen "Entwicklungsland" der BRD zu tun; der Oberhäuptling der feindlichen Weltmacht, von dessen SS-20-Raketen die bundes- deutsche Führung sich angeblich bedroht fühlt und in ihrer poli- tischen Handlungsfreiheit beeinträchtigt, wird in Bonn mit deut- scher Härte bekanntgemacht und mit der Lehre heimgeschickt, daß er allemal mehr Angst vor westdeutschen Erpressungskunststücken haben muß als die Bonner Regenten vor den seinen. Sicher, ganz autonom sind die stolzen Rechtsnachfolger Adolf Hit- lers bei alledem nicht: sie sind M i t macher der westlichen Weltherrschaft. Bloß: Sollen sie deswegen auch schon mehr die Mit m a c h e r der westlichen Weltherrschaft sein? Uns scheint es eher umgekehrt. An der selbstsicheren Arroganz, mit der Schmidt und Co überall auf der Welt auftreten, ist es doch zu merken: Als "bloßer" T e i l h a b e r des vereinigten Imperia- lismus der "freien Welt" praktiziert die BRD einen ganz eigenen w e s t d e u t s c h e n I m p e r i a l i s m u s, wie ihn in solcher Wucht und Universalität kein Bismarck und kein Hitler je zustandegebracht haben oder hätten. Der Schein nationaler Bescheidenheit der BRD -------------------------------------------- hat also nur einen Grund: Dank ihrer unentbehrlichen und macht- vollen Rolle im westlichen Bündnis wirkt diese Republik an einer militärischen, ökonomischen und politischen Weltherrschaft mit, die für sie allein eine viel zu gewaltige Angelegenheit wäre. In Wirklichkeit heißt das aber doch nur: Bescheiden wirkt der bun- desdeutsche Imperialismus allein im Vergleich mit seinen so au- ßerordentlich unbescheidenen Perspektiven und Zwecken. Und daß von denen ausgerechnet ein "Wohlstand" für den normalen Bürger abfiele, daß er davon etwas anderes hätte als viel Arbeit für "die" internationale Konkurrenz -, wenig Geld - mit dem er sich "immerhin Bananen" kaufen kann - und eine z a c k i g e K r i e g s v o r b e r e i t u n g - das sollte man sich von seinen Politikern doch mal erst beweisen lassen! zurück