Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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Ideologie der Woche:
"DEUTSCHLAND IST UNTEILBAR"
35 Jahre 17. Juni - und immer wieder und speziell an diesem schö-
nen Feiertag soll "unser Vaterland" einfach nicht zu teilen sein.
Wieso eigentlich nicht?
Erstens eignen sich Landstriche ganz hervorragend zum Aufteilen -
ein paar Grenzlinien dazwischen, und schon ist die Sache
gelaufen. Nähere Auskünfte erteilen Experten für Flurbereinigung.
Zweitens ist die Gegend zwischen Maas und Memel in der Zeitspanne
von Karl dem Großen bis zur Regentschaft Helmut Kohls oft genug
neu sortiert worden. Genaueres können die Herren vom Fachbereich
Geschichte erzählen, soweit sie nicht die ganze deutsche Ge-
schichte für unteilbar halten. Drittens ist Deutschland längst
vielfältig geteilt. "Unsere" BRD besteht allein schon aus 9 Bun-
desländern, einem Freistaat und einer geteilten unteilbaren
Stadt. Diese Aufteilung hat allerdings absolut nichts mit der
"Unteilbarkeit der Nation" zu tun. Ganz im Gegensatz zu dem ganz
"anderen Teil Deutschlands": An der Existenz der DDR, von den ab-
geteilten "Ostgebieten" ganz zu schweigen, müssen "wir alle" be-
kanntlich laufend schmerzlich feststellen, daß die BRD nur ein
ziemlich unfertiges Teil-Stück eines viel größeren nationalen
Ganzen ist.
In ihrer Eigenschaft als Teil eines unteilbaren Ganzen hat die
BRD von Anfang an Beachtliches geleistet. Seit ihrer Gründung -
und das war immerhin direkt nach einem aus deutscher Sicht total
mißlungenen Krieg - treten ihre herrschenden Figuren offensiv mit
dem Selbstbewußtsein an, daß die BRD als "legitimer Rechtsnach-
folger des letzten Groß-Deutschland" nur einen Auftrag kennt: Sie
muß wieder größer werden.
In welchem Sinn dieser nationale Auftrag verfolgt werden muß, ist
sowieso klar. Denn schließlich ist die BRD auch noch Teil eines
ganz anderen Ganzen, das sogar wirklich existiert: der NATO. Die
aktive Teilhaberschaft am Kriegsbündnis des freien Westens gegen
den Hauptfeind im Osten hat das kleine Deutschland-West zu einem
so anspruchsvollen "unfertigen nationalen Ganzen" gemacht. Für
die Befriedigung deutschnationaler Wiedervereinigungswünsche ist
die Bundeswehr als NATO-Teilstreitkraft zwar wirklich nicht da.
Aber nur in der gerne übernommenen Funktion eines NATO-Frontab-
schnitts kann das "schmale Handtuch BRD" eine nicht zu ver-
achtende miltärische Teil-Bedrohung gegen den Ostblock darstel-
len. So halten die bundesdeutschen Politiker "die deutsche Frage
offen", die sie mit ihrer West-Integration selber aufgeworfen ha-
ben. Die NATO-Mitgliedschaft, der dieser "Teil-Staat" überhaupt
seine Existenz verdankt, ist so in das ganz spezielle bundesdeut-
sche Recht übersetzt, endlich wieder eine "ganze Nation" sein zu
wollen.
Ein "geeintes Vaterland" mit einem Honecker statt Kohl an der
Spitze - nein, das wäre ganz und gar kein "unteilbares Deutsch-
land". Das berühmte "Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes"
heißt, daß die "Brüder und Schwestern da drüben" sich gefälligst
von "uns" zu unseren freiheitlich-demokratischen Bedingungen
"befreien" lassen. Die "Unteilbarkeit der deutschen Nation" ist
eben nichts anderes als die schwarz-rot-goldene Einfärbung des
NATO-Programms, die Welt von dem Übel des sozialistischen Staa-
tenblocks zu befreien. So klingt das natürlich überhaupt nicht
nett. Aber dafür haben wir ja Weizsäcker und ähnliche Glanzlich-
ter der Nation. In ihren salbungsvollen Reden teilen sie der Na-
tion zu jedem Feiertag mit, daß sie einem Subjekt namens
"deutscher Geschichte" den immer gleichen Auftrag abgelauscht ha-
ben wollen, die "Einheit unserer unteilbaren Nation" herzustel-
len. Die Geschichte kann wirklich nichts dafür, sie wurde schon
immer gemacht und hatte noch nie irgendwelche Aufträge an Politi-
ker zu vergeben. Wehren kann sie sich deshalb aber auch nicht,
wenn Politiker so tun, als wäre die Verfolgung ihrer politischen
Kalkulationen und nationalen Interessen nichts anderes als der
Dienst an einem höheren, alle politischen Zwecke und Ansprüche
überstrahlenden Auftrag.
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