Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht


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       Wochenschau
       

"SOZIALE GERECHTIGKEIT"

heißt die Parole, mit der Politiker in der BRD immer schon ans Schröpfen gingen. Im CDU-Staat hat die alte sozialdemokratische Masche, beim arbeitenden Volk zu k a s s i e r e n und dabei lautstark die F o r d e r u n g auszustoßen, man dürfe auch bei den "Besserverdienenden" nicht Halt machen, insofern eine Vollen- dung erfahren, als die Blüms und Geißlers gleich bei den "sozial Schwächsten" anfangen und jede neue Geldeintreibungsmaßnahme mit dem Elend derer begründen, die's noch härter trifft. Geschockt, wenn auch nicht verunsichert durchs Hamburger Wahlergebnis, haben die Unionsparteien jetzt eine "soziale Komponente" in ihr Wahl- programm eingebaut. Die Zwangsanleihe bei den Beziehern höherer Einkommen soll nun doch nicht, wie ursprünglich mit der FDP ver- einbart, irgendwann einmal zurückbezahlt werden. Worin der "soziale" Effekt für Rentner, Arbeiter, Angestellte, Schüler und Studenten allerdings bestehen soll, wenn andere, die es ver- kraften können, ein paar Mark demonstrativ auch nicht zurückkrie- gen sollen - die Nichtbeantwortung dieser Frage ist schon der ganze Trick des Beschlusses. Andererseits ist das seine Gerech- tigkeitsbotschaft: Schaden für jeden. Im staatspolitischen Sinne ist die angestrebte Gesetzesänderung ebenfalls sehr gerecht: Da die "Zwangsanleihe" Investitionen subventionieren soll, ist es volkswirtschaftlich auch vom Standpunkt der Christenunion zu ver- treten, daß die Nutznießer staatlicher Investitionsförderung das e i n m a l abgezogene Geld nicht gleich z w e i m a l zurück- kriegen sollen: als Investitionsbeihilfe u n d als Rückzahlung der "Zwangsanleihe". Daß mit dieser "sozialen Komponente" fürs Wahlvolk materiell nichts rüber kommt, die (wahl)moralische Wir- kung aber für CDU und CSU alleiniger Zweck ist, hat Franz Josef Strauß in seiner ehrlich unverschämten Art gleich ausgeplaudert: Er sei zwar in der Sache überhaupt gegen die Zwangsanleihe, weil sie d i e Bürger trifft, auf die es ankommt in der Wirtschaft und für den Staat; aber er habe jetzt der Nichtzurückzahlung zu- gestimmt, weil sie "unseren Freunden in den Betrieben" hilft bei der "Argumentation". Wie unverrückbar hierzulande die gerechten Maßstäbe von "Arbeitgeber" und "Arbeitnehmer" gelten, merkt man schon daran, wie selbstverständlich und flott die Sparmaßnahmen an "unproduktiven" Staatskosten über die Bühne gehen und wie heiß umstritten auf der anderen Seite der billige Einschnitt ins Por- temonnaie der Bürger ist, auf die es ankommt. Aber da geht es ja auch nur um demonstrative Beschlüsse zur sozialen Ausgewogenheit der Wählerstimmen. P.S. In Sachen "soziale Gerechtigkeit" wollen sich auch die "Grünen" nichts vormachen lassen. Daß sie begriffen haben, worum es dabei geht - den Schaden breiter zu streuen - und worum nicht - den Leuten was zukommen zu lassen -, zeigen die Beschlüsse ihres Parteitags in Sindelfingen: "Luxusgüter und Genußwaren sol- len teurer werden!" Daß die Wirkung solcher Maßnahmen einzig und allein darin be- steht, Rauchen, Alkohol, Videos u.ä. für Leute, die nicht von Lohnarbeit leben müssen, t e u r e r, für alle anderen allmäh- lich u n e r s c h w i n g l i c h zu machen, nicht diese al- ternativen Politiker nicht an: Für sie erhält die A r m u t der Leute den R e i c h t u m d e r N a t u r. Tatsächlich ist zwar genau das Gegenteil der Fall. Aber durch W a h r h e i t haben die verschiedenen V e r z i c h t s i d e o l o g i e n - die christliche vom vorbildlichen Christkind, die sozialdemokra- tische von den "leider unvermeidlichen Sachzwängen" oder jetzt auch noch die grüne vom Baumsterben durch's Anspruchsdenken - sich noch nie ausgezeichnet. Wie auch! Schließlich soll in ihrem Namen g e w ä h l t werden! zurück