Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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WENN DIE RUSSEN KÄMEN...
"Schön ist es auf der Welt zu sein,
sagt die Biene zu dem Stachelschwein.
....
Das Schönste im Leben ist die Freiheit,
denn da rufen wir alle Hurrah!" (Deutscher Schlager)
Wenn die Russen kämen, wäre allen total anders. Bis auf die paar
verbohrten Freunde Moskaus würde kein westdeutscher Arbeiter mehr
arbeiten gehen. Niemand wäre bereit, in der Nachtschicht, am
Fließband, in Überstunden, an Samstagen, an staubigen, heißen,
kalten, asbestverseuchten Arbeitsplätzen seinen Lebensunterhalt
zu verdienen. Für Lohn, mit dem man nicht auskommt, würde sich
keiner mehr verdingen. Erhöhte Leistung oder heraufgesetzte Ar-
beitsnormen (wie das dann hieße) ließe sich kein Mensch gefallen.
Jede Preissteigerung ergäbe einen mittleren Aufstand.
Denn was fehlt den Russen und würde dann auch, wenn sie da sind,
den Deutschen fehlen - d i e F r e i h e i t!
Wenn die Russen kämen, wäre ganz Westdeutschland eine einzige
Freiheitsbewegung. Kohl, Genscher, Schmidt und Strauß würden an
der Seite ihres aufgeweckten Volkes ein Freiheitsrecht nach dem
anderen verteidigen. Täglich Aufstände. Würde in Hamburg einem
Journalisten ein Wort gestrichen, kämen Millionen Menschen auf
Straßen und Plätzen zusammen und würden machtvoll für das Recht
auf Meinungsfreiheit demonstrieren und sich um keine Auflagen
kümmern. In Wanne-Eickel ein Arbeitsloser aus politischen Gründen
- das Ruhrgebiet stände Kopf und würde das Recht auf Arbeit
durchsetzen. Abschaffung der Prostituierten in Frankfurt ergäbe
Volksbewegungen für die freie Liebe, Gewerbe- und Bewegungsfrei-
heit. Jede Art von ungerechter Umweltverschmutzung führte zu
machtvollen Streikbewegungen der wirklich freien deutschen Ge-
werkschaft. Und wehe, irgendwo wird ein Streik unterdrückt. Ein
Generalstreik wäre da und würde klarstellen, daß man sich das
Recht auf Streik von keinem, von den Russen schon gar nicht, neh-
men läßt.
Denn was den Deutschen abgeht, wenn die Russen da sind, ist -
d i e F r e i h e i t!
Wenn die Russen kämen, wäre Schluß mit der Zahlung von Steuern.
Keinen Pfennig, keinen Handschlag für die rote Führung. Aus wäre
es mit der Zustimmung zu und dankbaren Achtung vor den Politi-
kern. Die Wahlbeteiligung würde auf 0,9% herabsinken. Der Staat
könnte keinerlei Herabsetzung des Lebensstandards beschließen,
weil die Leute genau darauf achten würden, daß sie sich so viel
erlauben können, wie sie wollen. Für das dann sozialistisch ge-
nannte Vaterland zöge niemand mehr den Soldatenrock an: Aufrü-
stung wüßten die Leute zu verhindern. Für die Unfreiheit würde
sich kein braver Staatsbürger mehr finden lassen - denn allen
fehlte d i e F r e i h e i t.
Leider verlassen sich deutsche Politiker nicht darauf, daß ihr
Volk auf diese Weise mit den diktatorischen Gelüsten östlicher
Staatsmänner abrechnet. Da regieren sie lieber gleich auf Kosten
ihrer Untertanen daheim und in der Welt herum, stellen eine Wehr-
macht auf und lassen die Verteidigung der Freiheit in Form von
Befehl und Gehorsam vor sich gehen. Diejenigen, die das Hohelied
der Freiheit ihren Untertanen jeden Tag vorsingen, wollen die
guten Deutschen, die sich auch von anderen Führern deckeln las-
sen, ohne Aufstände zu veranstalten, ganz freiheitlich kommandie-
ren. Schließlich wurde die vielgepriesene Bereitschaft des deut-
schen Volkes, Opfer zu bringen, schon einmal von "unfähigen" Po-
litikern mißbraucht. Da ziehen es die Herren Demokraten heute
vor, selber den rechten Gebrauch von den Tugenden der Bürger zu
machen: Statt das Risiko einzugehen, daß ihr Volk, gegen russi-
sche Unfreiheit f ü r s i c h k ä m p f t, lassen sie es
f ü r d i e S a c h e d e r F r e i h e i t sterben.
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Die Sicherheit des sozialen Friedens
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Für die großangelegten Ziele "unserer" Verteidigungsanstrengungen
müssen selbstverständlich schon vor dem Eintreten des Ernstfalls
eine Menge Opfer gebracht werden. Jeder Fortschritt in der Aufrü-
stung ist für eine "Sparsamkeit" gut; auch die Gewerkschaft steu-
ert ihren Wunsch nach einem Notstandsprogramm bei. Wenn an Löhnen
und Renten, Preisen und Steuern, Arbeitslosenzahlen und Mieten
schließlich genügend vom sagenhaft guten Leben weggespart ist,
wenn wirklich keiner mehr auf den dummen Gedanken kommt, sein
Wohlstand würde verteidigt, dann kann jeder unbelastet den Ver-
teidigungskrieg führen.
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