Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
zurück
UNSERE MEINUNG
Zwei wichtige Einschnitte in unserer jüngeren Vergangenheit sind
dieser Tage bedacht worden. 35 Jahre ist es her, daß es mit Hit-
ler zu Ende ging und der Krieg aus ist. Vor 25 Jahren ist die
Bundesrepublik Deutschland richtig "selbständig", das heißt Be-
standteil des Nordatlantischen Bündnisses (NATO) geworden und be-
sitzt seitdem eine demokratische Wehrmacht. Das erste Jubiläum
wird nicht bei uns, wohl aber bei den Schwestern und Brüdern drü-
ben von Staats wegen mit großem antifaschistischen Pomp begangen.
Hierzulande ist es nie üblich gewesen, den Tag der Kapitulation
der deutschen Wehrmacht als Freudentag zu begehen. Der Grund
hierfür ist recht einfach. Der offizielle demokratische Antifa-
schismus kritisiert ja keineswegs das Tausendjährige Reich, son-
dern verlangt, es als das "dunkelste Kapitel" in der Geschichte
Deutschlands zu begreifen und aufzuarbeiten. Das antifaschisti-
sche Gewissen unserer Politiker von Carstens bis Brandt gestaltet
sich daher sehr einfach, so oft sie es zum Zweck des Lobs ihrer
selbst und ihrer so untadeligen politischen Betätigung heutzutage
zur Schau stellen. Von Hitler bleibt übrig, daß er das Recht miß-
braucht und vor allem Deutschland vergeigt hat (jedenfalls fast),
weil vor allem seine Kriege ob ihrer "größenwahnsinnigen Anlage"
nicht vom Erfolg gekrönt sein konnten. So gesehen bedeutet 35
Jahre Kriegsende für die BRD-Politiker schlicht die Erinnerung
daran, unter welch ungünstigen Voraussetzungen der deutsche Staat
neuaufgebaut werden mußte - nach innen einiges kaputt und Besat-
zungsgebiet, nach außen um etliches dezimiert. Diese Erinnerung
ist jedoch wenig schmerzlich. Denn wie wir heute alle wissen,
stellte sich bald heraus, daß die Bedingungen für den demokrati-
schen Neuaufbau äußerst günstig gewesen sind. Das gebeutelte Volk
hatte eben nicht die Nase von der Politik voll, unterstellte sich
bereitwillig den nun demokratischen Politikern, ließ auf die al-
ten deutschen Tugenden Arbeit und Fleiß nichts kommen und be-
scherte so der Bundesrepublik jene starke Stellung in der Welt,
bei deren Verteidigung die Politiker dem Volk die Mitteilung
nicht vorenthalten, daß der Frieden aufs äußerste gefährdet sei.
Wenn unsere demokratisch legitimierten Herrscher mit dem Slogan
vom "Frieden als dem höchsten Gut" der Politik agitieren gehen
(Schmidt: "Wir haben die Schnauze voll vom Krieg"), so sind sie
in einer Hinsicht ehrlich. Von dem was der deutsche demokratische
Staat in einer 35jährigen Friedensperiode erreicht hat, steht
tatsächlich viel auf dem Spiel: Eine wohlhabende Nation, die aus
einer florierenden Industrie und einer fleißigen wie bescheidenen
Arbeiterklasse besteht. Und zweitens haben die Staatsmänner, die
mit ihrem Wirken ständig die Kriegsgründe produzieren, allen
Grund für ihre Friedensbeteurungen. Was noch jeder Politiker sei-
nem Volk verspricht, alles zu tun, um den Krieg zu vermeiden, und
die immer wiederkehrende Warnung, der große Krieg werde sich
nicht vermeiden lassen, gehören ebenso zusammen, wie die Demon-
stration der Entschlossenheit, sich der militärischen Konfronta-
tion zu stellen, falls man sie für nötig hält: Demokratie und
Krieg gehören also zusammen und demokratische Politiker sprechen
dies auch offen aus. 25 Jahre NATO sind daher einen Feiertag
wert, der mit der Erinnerung daran begangen wird, daß die BRD
seit langem schon über alles Nötige für den Ernstfall verfügt:
Gerät, Soldaten und Bündnispartner - von der entsprechenden Moral
ganz zu schweigen. Der "Preis des Friedens" garantiert einen er-
folgreichen Krieg! Das kleine Nachkriegsproblem mit den schmerz-
lichen Erinnerungen an die Zeit, in der "das Volk zu den Waffen
gerufen" wurde, ist der vorkriegszeitlichen Selbstverständlich-
keit eines Volkes in Waffen - demokratisch: "Staatsbürger in Uni-
form" - gewichen.
Beide Feiertage sind für die Politiker Gelegenheit, der Nation
die Lage, so wie sie sie sehen, ungeschminkt vor Augen zu führen.
Die Zeichen der Zeit machen offensichtlich einen Fortschritt in
der demokratischen Logik der Friedenssicherung erforderlich: hieß
es einmal zur ideologischen Begründung der Aufrüstung, die Bun-
deswehr garantiere den Frieden, so wird jetzt ganz offen verkün-
det, daß auch die Demokratie ihre Armee nicht für die Kaserne un-
terhält, sondern fürs Kriegführen: Heute brauchen wir eine immer
s t ä r k e r e Armee, um den weltpolitischen Gegner, wo immer
er als störendes Element auftritt, erfolgreich in seine Schranken
zu weisen. Dafür sind gewaltige Anstrengungen notwendig und d.h.
materielle Opfer für die Bürger. Deshalb muß die Republik sauber
bleiben von Zweifeln an der Gleichung demokratischer Politiker:
Wer den Frieden will, darf sich für den Krieg nicht zu schade
sein. Daß diese Gleichung keinem der Betroffenen das Leben ret-
tet, ändert nichts an der Tatsache, daß sie für die Politik gilt.
Wer das nicht will, ist spätestens nach Bremen zum Feind der De-
mokratie und damit zum "kriminellen Verbrecher" erklärt worden.
zurück