Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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DÜRFEN MALAIEN EINEN DEUTSCHEN AUFHÄNGEN?
Mit Leuten, die sich mit Rauschgift erwischen lassen, macht der
malaysische Staat- kurzen Prozeß. Er läßt sie aufknüpfen: Solche
Informationen über fernöstliche Varianten der Rechtspflege fielen
bis vor kurzem unter die Rubrik "nützliche Tips für Fernost-
Reisende".
Der normale deutsche Zeitungsleser kommt zwar immer noch relativ
selten durch Malaysia durch, wird aber seit Sommer diesen Jahres
über die Feinheiten der malaysischen "Drogen-Problem-Lösung" auf
dem laufenden gehalten. Unsere freiheitliche Öffentlichkeit fand
es schon vor ein paar Monaten zumindest höchst ungewöhnlich, daß
diese Asiaten einfach so mir nichts dir nichts einen Engländer
und einen Australier hingerichtet hatten - immerhin Staatsbürger
aus westlichen, zivilisierten Ländern. Und jetzt machen "die da
unten" doch wahrhaftig einem waschechten Frankfurter den Prozeß.
Dem "sympathischen, jungen Frank Förster" droht ebenfalls der
Galgen, wenn seine Anwälte und bundesdeutsche Diplomaten nicht
noch einen Dreh finden, wie sein Kopf aus der Schlinge gezogen
werden kann, ohne daß dadurch der malaysische Rechtsstaat zu sehr
blamiert wird.
Der Prozeßverlauf wird von der hiesigen Öffentlichkeit liebevoll
kommentiert: "Welchen Eindruck macht der Angeklagte im Kreuzver-
hör? Was haben die deutschen Zeugen noch Entlastendes auszusa-
gen?..." Insgesamt lautet die Botschaft: Daumenhalten für den An-
geklagten. Denn darin sind sich sämtliche Berichterstatter von
"Bild" bis "Spiegel" einig: Einfach Rübe ab - das geht zu weit!"
Fragt sich bloß, wieso alle ehrenwerten Demokraten in diesem Fall
so milde gestimmt sind.
- Sind sie gegen harte Verfolgung von Rauschgiftdelikten?
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Gott bewahre, wenn verantwortliche westliche Politiker einen gna-
denlosen Kampf gegen Drogenhandel und -Konsum ankündigen und
durchziehen, trifft das auf tiefstes Verständnis. Im jeweiligen
Inland muß sowieso hart durchgegriffen werden - sei es im Frank-
furter Bahnhofsviertel oder in Harlem und Florida. Letzteres bie-
tet jede Menge Stoff für so hervorragende Fernsehserien wie
"Miami Vice". Aber auch beim Überschreiten von Staatsgrenzen ver-
bietet sich jede falsche Zurückhaltung. Daß die USA mit speziel-
len Eingreiftruppen in Bolivien eine großangelegte "Rauschgift-
Razzia" nach der anderen durchziehen, wird als längst überfäl-
lige, mutige Aktion begrüßt. Wieviele Köpfe dabei rollen, tut
nichts zur Sache. Der gute Zweck ist schon durch Nancy Reagan als
Vorsitzende des Vereins "Mütter gegen Drogen" verbürgt.
- Sind sie Gegner der etwas drastischen
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Strafverfolgung in exotischen Weltgegenden?
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Weit gefehlt - Folter und andere Ungemütlichkeiten gehören in der
Türkei, in Neger- und Araberstaaten doch irgendwie schon fast zur
Folklore. Angesehene bundesdeutsche Volljuristen haben dieses Ur-
teil jedenfalls x-mal zu Protokoll gegeben, wenn es um die Ableh-
nung von Anträgen auf poltisches Asyl in unserem bundesdeutschen
Musterländle ging. Und was der malaysische Staat mit seinen eige-
nen Untertanen anstellt, juckt ja auch keine Sau.
- Sind sie strikte Gegner der Todesstrafe?
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Da hätten sie viel zu tun. Diese altehrwürdige Todesart wurde bei
"unseren" französischen Freunden nie aus dem offiziellen Strafka-
talog gestrichen. In England läßt Maggie Thatcher ihre Par-
teifreunde immer mal wieder darüber debattieren, daß man sie end-
lich wieder einführen sollte. Und "unsere" Freunde in USA debat-
tieren gar nicht erst lange - sie vollstrecken: "66 zum Tode ver-
urteilte Personen sind in den USA seit der Wiedereinführung der
Todesstrafe im Jahre 1977 hingerichtet worden, achtzehn davon
1985 und sechzehn seit Jahresbeginn." (FAZ, 4.11.86)
- Sind sie dagegen, daß deutsche Bürger
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für die Staatsräson draufgehen?
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Wo kämen wir denn da hin? Recht und Ordnung müssen sein, dafür
muß auch der eine oder andere über die Klinge springen. Das gilt
im Kleinen - neulich wurde in München ein durchgedrehter verlas-
sener Liebhaber durch einen "finalen Rettungsschuß" schlagartig
von seiner Eifersucht befreit. Die großen Anliegen der Weltpoli-
tik erfordern erst recht die Durchsetzung von Recht und freiheit-
licher Ordnung. Dafür haben "wir" die Bundeswehr samt ihren Hel-
denverdienstkreuzen.
Wogegen sind sie dann eigentlich, die sensiblen Herrschaften
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von Presse und Fernsehen, die um das Leben von Frank Förster
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bangen?
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Ganz einfach - sie haben eine riesengroße politische Ungeheuer-
lichkeit entdeckt. Da maßt sich so ein Micker-Staat wie dieses
Malaysia an, über Tod oder Leben eines Menschen zu entscheiden,
der eindeutig zum bundesdeutschen Menschenmaterial zählt. Daß das
irgendwie zu weit geht, haben auch die Herren im Auswärtigen Amt
in Bonn gemeint und ein paar diplomatische Signale nach Fernost
geschickt. Eine Weltmacht vom Kaliber der BRD läßt sich eben
nicht so ohne weiteres ihr Recht bestreiten, über Tod und Leben
ihrer Untertanen nach ganz eigenen, urdeutschen politischen
Erwägungen zu entscheiden. Und falls die malaysischen Politiker
sich wider Erwarten stur stellen und Frank Förster trotzdem auf-
gehängt wird, dann muß ein guter Deutscher sich Sorgen machen -
um den Einfluß seiner Nation hinter dem hinteren Indischen Ozean.
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