Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht


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       Der Atomstrom  fließt immer  üppiger -  Die Raketen  kommen immer
       zahlreicher -  Rüstungsgegner und  Umweltverbesserer werden immer
       zufriedener:
       

SCHÖNE HEIMAT BRD!

Mündige Bürger nehmen Anteil ---------------------------- Ein gebildeter Mensch macht sich kundig über die Welt der Poli- tik. Eine Meinung haben, mitreden können: das sind auch Abituri- enten und Studenten sich schuldig, trotz und neben allen Studien- und Prüfungssorgen. An bequemen Hilfsmitteln dafür fehlt es nicht. Jeden Morgen gibt ein kluges Weltblatt, jeden Montag der "Spiegel" bekannt, welches "Problem" gerade aktuell ist und welches "Problembewußtsein" zur Mindestausstattung der geistigen Elite gehört. Ist Atomstrom für konkurrenzlos billig zu erachten? Oder für zu teuer, weil man ei- gentlich die Krebsrate in D-Mark um- und mit einrechnen muß? Oder vor allem für ein Thema, das den Wahlchancen von Johannes Rau schadet? War der "Fehlschlag von Reykjavik" einer oder keiner? Sind Reagans Sternenkriegs-"Phantasien" daran schuld, oder die Hinterlist der Russen, oder beide? Soll man mit Präsident Weiz- säcker "enttäuscht" oder mit Kanzler Kohl ungebrochen "optimistisch" oder beides sein? Mit solchen Fragen liegt man so richtig, daß man mit den einen oder anderen Antworten gar nicht mehr danebenliegen kann. Sie demonstrieren nämlich auf alle Fälle das Maß an Kennerschaft bezüglich der Intimitäten der Macht, ohne die ein Student sich glatt vorwerfen lassen müßte, ein desinter- essierter, bloß passiver, fremdbestimmter Untertan der großen Po- litik zu sein. M i t seinem Problembewußtsein und einer kritisch abgewogenen Meinung ist der interessierte, aktive, selbstbestimmte Student also statt dessen ein mündiger Bürger, dem die M a c h e r der Politik nichts vormachen können. Das ist nicht wenig; das ist sogar allerhand. Die Macher der Po- litik freut es jedenfalls. Denn auf diese Weise haben sie es bei den Intellektuellen der Nation mit Leuten zu tun, die erstens wohl zu unterscheiden wissen zwischen der politischen Praxis, die ganz unabhängig von ihrem Urteil ihren Gang geht, und der eigenen teilnahmsvollen Beobachtung, die sich auf alles einen selbstbe- wußten Vers macht. Und zweitens reimt dieser Vers sich allemal auf das, was die Politiker von ihrem Standpunkt aus als Problem und verbindliche Sorge vorgeben: Wie sichern "wir" für Deutsch- land die Vorteile der Atomkraft ohne ihre Nachteile? Wie bringen "wir" Deutschland in den "Machtpoker" der Weltmächte ein und er- gattern "uns" alle Vorteile der NATO-Rüstung ohne ihre Nachteile? Wie machen "wir" dabei eine gute Figur vor dem nationalen und in- ternationalen Publikumsgeschmack? Nichts ist bequemer für regie- rende Herrschaften (und Damen) als eine geistige Elite, die sich in ihrer verantwortungs- und selbstbewußten Phantasie an solchen Sorgen beteiligt. Der braucht kein Polizei- und Informationsmini- ster politisches Stillhalten und affirmatives Denken vorzuschrei- ben die erledigt beides schon von ganz allein! Oppositionelle "Bewegungen" üben sich ------------------------------------- in patriotisch-demokratischer Zucht ----------------------------------- Mancher, natürlich, "tut auch was"; gerade unter Studenten ist diese eigentümliche Beschäftigung verbreitet. Immerhin haben 150.000 oder sogar 200.000 mündige Bürger neulich erst ihre Ab- neigung gegen atomare Aufrüstung in der BRD mit einer Demonstra- tion im Hunsrück zum Ausdruck gebracht. Und am Tag danach haben immerhin fast eine halbe Million Bayern ihrem Protest gegen Atom- wirtschaft und Naturzerstörung Luft gemacht und die grüne Opposi- tion mit Fraktionsstärke in den Landtag des schwarzen Freistaats hineingewählt. Zwei Erfolge für die "oppositionelle Bewegung" in der BRD! -?- Es ist schon etwas seltsam, was sich ausgerechnet Gegner der NATO-Atomkriegsvorbereitung als Gegenmittel dagegen ausgedacht haben. Wo ihr Staat zeigt, was in ihm steckt, an Gewalttätigkeit für den "Ernstfall" nämlich, um den sich schon im Frieden fast alles dreht, da möchten sie sich zu Abertausenden an den Händen fassen und einen Ring wehrloser Menschlichkeit um Raketenstand- orte legen. Friedliche Gesinnung sollen ihre Aktionen symbolisie- ren - als hätten sie es nötig und als käme es darauf an klarzu- stellen, daß so mörderische Instrumente wie punktgenau treffende Pershings und Cruise Missiles i h r e t w e g e n n i c h t n ö t i g wären. Damit wollen sie einer Regierung Eindruck ma- chen, die hunderte Milliarden D-Mark ins Militär steckt, weil da- von die Weltgeltung ihrer Nation abhängt, und die für den Ernst- fall die fälligen Opfer nach Millionen kalkuliert. Ein interessantes Verhältnis: Politiker rüsten mit dem besten Ge- wissen, nach eigener Heuchelei aus purem Verantwortungsbewußt- sein, für den Krieg, in dem bekanntlich "alle Mittel erlaubt" sind und die Kriegsgegner möchten mit ihrer zwischenmenschlichen Friedfertigkeit der Politik ein gutes Beispiel geben! Die Scheiße ist die: Ein einigermaßen absurdes Mißverhältnis ist das nur gemessen an dem Willen, eine nationale Politik zu verhin- dern, die solche militärische Gewalt zu ihren unverzichtbaren, also bestens gerechtfertigten Mitteln zählt. Ernst genommen, schließt dieses Ziel nämlich den gründlichsten Gegensatz gegen das politische Bemühen um nationalen Welterfolg ein; mit morali- scher Anbiederei an die Macher und Bettelei um Verständnis der Obrigkeit für "unsere Ängste" hat es jedenfalls nichts zu tun. Außerordentlich passend ist es dagegen für die "nationale Sache" mitsamt ihren atomkriegerischen Perspektiven, wenn die Anti- kriegs-"Opposition" sich in Protestmärschen guter Menschen er- schöpft, die sich selber als friedfertige O p f e r verstehen und aus ihrer anerkannten O h n m a c h t moralisches Kapital schlagen wollen. Da können die Befehlshaber ungestört weiterma- chen - und sich zugleich mit ihrer "Opposition" darüber einig werden, daß sie natürlich alle, auf beiden Seiten, gute Menschen sind und "letztlich", wenn auch "auf verschiedenen Wegen", das- selbe wollen: "Frieden" nämlich! Und offenbar sind leider auch die Rüstungsgegner darauf scharf, in ihren Protesten k e i n e n G e g e n s a t z zu einer Na- tion aufkommen zu lassen, die sich nur m i t Atomwaffen und ei- ner Mordsarmee sicher und wohl fühlt. Sie scheinen den gar nicht oppositionellen K o n t r a s t zwischen harten Atomraketen und weichen Menschenmauern höchst erbaulich zu finden. So sehr, daß sie es für einen nimmerhin E r f o l g halten, wenn ihnen die Inszenierung einer massenhaften "Umarmung" des Hunsrücker Cruise- Missile-Stützpunkts gelungen ist - auch wenn sie tags darauf zu Hause wieder ihren Pflichten nachgehen und die Atomraketen pflichtgemäß in Stellung bleiben. Wenn die Friedens-"Bewegung" dieses moralische Schauspiel als Erfolg verbucht, dann haben ihre Ziele eben auch nichts mit den kriegsträchtigen weltpolitischen Daseinszwecken der BRD zu tun. Dann e r g ä n z e n sie diese monströse Nation bloß um den Glauben an die "eigentliche" Harmlo- sigkeit ihres Heimatlandes, machen sich also zu idealistischen Aposteln der Unschuldsheuchelei, die die bundesdeutsche Politik fast noch besser als die aller anderen imperialistischen Staaten beherrscht. Als G e g n e r einer imperialistischen Staatsge- walt, die wissen, warum und wogegen sie anzutreten haben, wären die 150.000 eine Macht, die die Bonner Regierung zu fürchten hätte. Als b e s s e r e P a t r i o t e n sind sie... eine Bereicherung der moralischen Subkultur der Wende-Republik, und ein Hoffnungsschimmer, ausgerechnet, für die Wahlkampfstrategen des Schmidt-Nachfolgers Johannes Rau. Und was für eine Macht wären 450.000 Bayern, die einem Staatswe- sen ihre Pflichten aufkündigen, dessen Regierung es für ihre Pflicht hält, Wachstum und Welterfolg der nationalen Geschäftema- cherei unter anderem mit Atomstrom und einer Plutoniumfabrik in der Oberpfalz zu befördern! Statt einer Kündigung haben diese vielen braven Wähler aber nur ihre Stimme abgegeben. Und zwar an 15 Parlamentarier, die noch nicht einmal ehrlich genug oder sogar unfähig sind, das wirkliche Ergebnis der Bayernwahl auch nur zu benennen. Die Grünen schwärmen von einem Erfolg der "Anti-AKW-Be- wegung", nachdem das Wählervolk gerade mit einer 56%-Mehrheit die schrankenlose Ermächtigung der christlichen Staatspartei und ihres Führers mitsamt sämtlichen Atom- und Wirtschaftswachs- tumsplänen erneuert hat. Immerhin ist damit aller Protest dagegen demokratisch neutralisiert: Die Wahl hat den G e g e n s a t z der AKW-Gegner gegen die Atompolitik der CSU in die harmlose Rolle einer anerkannten parlamentarischen 7,5-Prozent- M i n d e r h e i t übergeführt und so bis auf weiteres r e c h t m ä ß i g e O h n m a c h t festgelegt. Die Grüne Partei sieht dieses Ergebnis ganz anders. Für sie ist der Protest schon deswegen ziemlich erfolgreich, - weil sie jetzt im Parlament eine Fraktion aufmachen darf. Wozu? Um "dem Rechts- außen der Republik, FJS, Zunder zu geben", melden erfreut ihre Sprecher/innen - wie bequem, daß die deutsche Sprache für jede Gelegenheit eine nichtssagende, aber radikal klingende Phrase be- reitstellt. Und: um "konstruktive Opposition" zu machen. Darunter verstehen die Grünen z.B. den Antrag, mit dem sie ihre Parla- ments-"Arbeit" aufnehmen wollen: Der CSU-Umweltminister soll dop- pelt so viel Geld bekommen wie bisher. Und was, wenn der den Za- ster in die Luftfilter der Wackersdorfer WAA steckt? Dann zufrie- den? S a u m ä ß i g l e i c h t macht es die Grüne Partei den "etablierten" Interessen und Machthabern hierzulande: Was immer sich rührt an Protest und Ärger, wird nutzbar gemacht für das schöne Ziel, p a r l a m e n t a r i s c h r e s p e k t a- b e l zu werden; und die Umweltverbesserer verbuchen es als E r f o l g, wenn das abgeschmetterte Anliegen fortan als ehrenwertes parlamentarisches Minderheitsvotum weiterexistiert! D a f ü r haben die knapp eine halbe Million bayerische "Protestwähler" ihre Stimme abgegeben - buchstäblich. Das ist konstruktiv! Destruktiv führt sich nurmehr eine Minderheit aus der Anti-Atom- "Bewegung" auf, die schon mal Barrikaden baut, Steine wirft und neuerdings fleißig an unbewachten ländlichen Starkstrommasten sägt. In diesen schwarzgewandeten Kreisen führt man einen "Kampf", der von vornherein gar nicht von dem Ziel bestimmt ist, in einer wichtigen Angelegenheit gegen die Staatsgewalt zu gewin- nen. Das steht nämlich in den Schlägereien mit Polizeieinheiten - die je nach innenpolitischer Berechnung der Befehlshaber so oder so eingesetzt werden! - oder bei ihren Sabotageaktionen nicht im entferntesten zur Entscheidung. Die militanten Aktionen sind ge- nauso symbolisch wie die betont harmlosen Demonstrationen der bisweilen zum Protest eilenden Mehrheit. Diese will sich und den Rest der Republik mit ihrer Opfergesinnung beeindrucken; die Mi- litanten sind auf den genauso albernen Beweis scharf, daß sie vor "der Unterdrückung" trotz allem nicht kapitulieren, sondern über eine unverwüstliche Kampf m o r a l verfügen. Es ist sehr zu be- zweifeln, ob sie damit überhaupt noch jemand anderem als sich selbst Eindruck machen. Und selbst das wäre etwas gründlich an- deres als eine Opposition gegen das bundesdeutsche Staatswesen und dessen geschäftlichen und militärischen Ehrgeiz, die das Nö- tige ändern will. Geschäftswelt und Wirtschaftspolitik ------------------------------------ sind zu jedem Risiko bereit --------------------------- Die bundesdeutsche Atomwirtschaftspolitik gefällt sich in der wi- derlichsten Verantwortungsheuchelei, auf die sich auch sämtliche "Kritiker" gern haben festlegen lassen. Da wird so getan, als hätten sich alle Zuständigen vorurteilsfrei zusammen gesetzt, ge- danklich furchtbar ins Zeug gelegt und mühsam zu dem Ergebnis vorgearbeitet: Ohne Atomkraftwerke geht es (noch) nicht. Denn ohne diese blitzsauberen Fabriken, so berichten halbseitige Zei- tungsannoncen, müßten erstens die Strompreise für die so prächtig ausgestatteten privaten Haushalte der Nation steigen - als wäre das ein Problem für eine Elektrizitätswirtschaft, der jeder Anlaß recht ist, um verbrauchte wie nicht verbrauchte, aber bereit- (und deswegen in Rechnung) gestellte Kilowattstunden immer teurer bezahlen zu lassen, aber mit Unterschieden; denn sie hat sich ex- tra ein ganzes Tarifsystem mit extra-hohen Kosten für die Privat- haushalte und Spezial-Billigtarifen für kommerzielle Großabnehmer ausgetüftelt und von den staatlichen Aufsichtsbehörden absegnen lassen. Zweitens, so die christlichen Regierungspropheten, steht und fällt mit der Atomtechnologie nichts geringeres als die "Zukunft". Darunter darf der tiefbeeindruckte Gegenwartswurm sich alles mögliche vorstellen, Hauptsache "groß" und "wichtig". Dabei ist, andererseits, gar keine große Täuschung darüber möglich, welches banale, aber maßgebliche Anliegen in diese beiden men- schenfreundlichen Ideale eingewickelt daherkommt: Die bundesdeut- sche Elektrizitätswirtschaft soll üppig verdienen können; bei Strompreisen, mit denen die stromverbrauchenden Firmen konkur- renzlos günstig dastehen auf ihrem Weltmarkt; und der Weltmarkt für Stromerzeugungsanlagen soll außerdem eine bundesdeutsche Ge- schäftsdomäne bleiben. Klar ist dabei auch, daß das gewünschte Geldverdienen mit einigen Schäden und Risiken für die Leute einhergeht, die die Benutzung ihres Elektroherdes sowieso schon teuer genug zu bezahlen haben. Das weiß niemand besser als die AKW-Betreiber selbst und deren politische Betreuer. Die pflegen nämlich ihrer Ideologie, die das Geschäftsinteresse an Atomstrom in einen futurologischen Sach- zwang umfärbt, eine entlarvende Lüge hinterherzuschicken: Natür- lich hätten Gesundheit und Sicherheit allemal Vorrang vor dem Ge- schäft. Diese Versicherung, wahrgemacht in zahllosen Notventilen und Evakuierungsplänen, zeugt von einem Risikobewußtsein ganz ei- gener Art. Bis hinauf zum Bundeskanzler kennt inzwischen jeder Machthaber die widersprüchliche Eigenart der mit Atomenergie han- tierenden Elektrizitätspioduktion: Den Gesundheitsschäden aus konventionellen Schornsteinen wird nicht bloß ein weiterer hin- zugefügt, sondern außerdem eine Katastrophengefahr, die gar nicht so 100-prozentig sicher auszuschalten ist, wie ihre Größe es ei- gentlich verlangt. Der nötige "Mut zum Risiko" - das deswegen "Restrisiko" heißt und im Vergleich mit dem ewigen Leben ganz klein ist -, der Mut zum Risiko für das Standortgebundene Volk nämlich, ist nichts Unkon- ventionelles für Leute, die sowieso ein ganzes sozialstaatliches Verelendungswesen und eine leistungsfähige Krüppelbetreuung orga- nisieren, weil Kranke, Einkommenslose und ähnliches Gesindel zu den normalen und selbstverständlichen "Begleiterscheinungen" ei- nes konkurrenzlos "zukunfts"-trächtigen nationalen Geschäftsle- bens gehören. "Es" m u ß eben klappen - lautet die Maxime ehr- geiziger Weltwirtschaftspolitiker; um eine Nation, die nicht so konkurrenzfähig funktioniert, wäre es, historisch gesehen, letzt- lich auch nicht besonders schade. Das wußte schon jener Reichs- kanzler, dem seine selbstbewußten "Urenkel" bis heute die Nieder- lage vor Moskau nicht verzeihen... Und mit solchen Leuten soll man - sowieso bestenfalls in Gedanken oder akademischen Diskussionen - über die "ethische Verantwort- barkeit" eines sofortigen, baldigen oder späteren "Ausstiegs aus der Kernenergie" rechten, so als wäre das nationale Geschäft eine Frage der Moral und in Moralfragen jede Stimme gleichermaßen ge- wichtig? - Solche Leute will man mit der sentimentalen Vorführung "unserer Ängste" beeindrucken?! Die NATO ist den unentschiedenen Weltfrieden leid ------------------------------------------------- Die "Risikobereitschaft", die ehrgeizige nationale Machthaber schon mitten im friedlichsten Elektrizitätsgeschäft an den Tag legen, wirft einiges Licht auf die Prinzipien, nach denen sie den weniger gewaltfreien "Erfordernissen des Weltfriedens" nachkom- men. Da hält sich ja hartnäckig das Gerücht, ausgerechnet der Krieg, für den die BRD sich mit einer milliardenschweren Bundes- wehr ausstattet, der gegen den Osten, wäre ganz undenkbar, weil doch auch die eigene Seite davon nur Schaden hätte. Diese be- schwichtigende Vorstellung überlebt ungerührt alle Aufs und Abs der Rüstungsdiplomatie, alle Raketenstationierungen und Atombom- benversuche der USA, alle Stellvertreterkriege des Westens gegen wirkliche oder angebliche "Sowjet-Vasallen"; sogar nach dem Gip- fel von Reykjavik wird weltweit und vor allem hierzulande die Lüge gepflegt, zum "Weiterverhandeln" und Friedenhalten gäbe es "keine Alternative". Als gäbe nicht schon der weltfriedensmäßige Konkurrenzkampf, zu dem die maßgeblichen Machthaber ihre Nationen antreten lassen, mit seinen Brutalitäten hinreichende Auskunft über das "Gesetz", dem sie da gehorchen, also zur Geltung verhel- fen: "Es" muß eben klappen; E r f o l g muß her gerade weil sonst einiges an nationalem R u i n fällig wird. Wie sehr genau diese Maxime erst recht für das militärische Kräf- temessen des Westens mit dem "Sozialistischen Lager" gilt, kann "nach Reykjavik" eigentlich selbst dem mündigsten Bürger kein Ge- heimnis mehr sein. Schließlich sind dort die äußersten Versuche der Sowjetunion, durch Waffenabbau Reagans "Strategische Vertei- digungs-Initiative" zu stoppen, also die bislang gültigen Ver- hältnisse wechselseitiger Respektierung der Weltmächte fortzu- schreiben, frank und frei zurückgewiesen worden. Warum wohl? Prä- sident Reagan hat sein Volk mit der interessanten Aufklärung be- ruhigt, "SDI" müßte realisiert werden, damit man die Sowjets zur Einhaltung etwaiger Abrüstungsvereinbarungen z w i n g e n könne, falls sie sich doch nicht daran halten wollten. Diese Bot- schaft ist in zwei Hinsichten bemerkenswert. Erstens formuliert sie ungeschminkt den amerikanischen Anspruch, aus eigener Macht- vollkommenheit, quasi als tatsächlicher höchster Schiedsrichter des Weltgeschehens und nicht bloß Partei, dem sowjetischen Feind seine Entwaffnung d i k t i e r e n zu können; also den Willen zu fragloser Überlegenheit. Und zweitens spricht aus der Selbst- verständlichkeit, mit der Reagan diesen Anspruch als gerechte Si- cherheitsforderung der USA hinstellt und die Nation ihn so akzep- tiert, die gewalttätige Bedenkenlosigkeit, mit der die USA ihre Anerkennung als konkurrenz l o s e Garantiemacht des Weltfrie- dens einfordern und an die D u r c h s e t z u n g der nötigen Überlegenheit herangehen. zurück