Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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"Standort Bundesrepublik":
DIE HEIMAT DES KAPITALS
Eigentlich hätte man ja meinen können, daß einem normalen Lohn-
empfänger, der brav und zunehmend flexibel seine täglichen Ar-
beitstunden abliefert, der Börsenkrach und der gefallene Dollar-
kurs herzlich gleichgültig sein könnten. Da wird man aber von Ka-
pital und Staat eines besseren belehrt. Denen fällt daran schon
wieder und zum x-ten Male ein, daß es die deutsche Wirtschaft
schwer hat. Schon wieder steht die "Überlebensfähigkeit des Pro-
duktionsstandortes Bundesrepublik" auf dem Spiel. "Die Wirt-
schaft" steckt nämlich in schweren Nöten:
Der "teuerste Standort der Welt"...
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Einerseits soll die BRD "der teuerste Standort der Welt", mit den
"höchsten Unternehmenssteuern", den "höchsten Löhnen" sein, von
den "überzogenen Lohnnebenkosten" ganz zu schweigen; mit Arbei-
tern zudem, die "Weltmeister in der Freizeit" seien. Dazu hohe
Energiekosten und natürlich die "kostentreibenden Umweltschutz-
auflagen". Ein Wunder, daß überhaupt noch Kapitalisten in diesem
Land den letzten "Arbeitsplatzbesitzern" die Gnade der Ausbeutung
gewähren.
Für den kleinen Blödman auf der Straße, der bekanntlich nur an
Fußball und Schifahren denkt, statt sich die Sorgen der Unterneh-
mer zu machen, sagt es der Präsident des "Bundesverbandes der
Deutschen Industrie" deshalb nochmal ganz deutlich: "Niemand käme
auf die Idee, die deutsche Fußballnationalmannschaft mit Skistie-
feln in ein Länderspiel zu schicken. Doch deutsche Unternehmen
sollen mit schweren Klötzen an den Beinen im internationalen
Wettbewerb bestehen." Kein Wunder, daß die steigenden Exportüber-
schüsse der BRD seit Jahrzehnten gefährdet sind.
...eine Goldgrube?
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Andererseits machen diese armen Schlucker auch wieder kein Ge-
heimnis daraus, warum sie gerne hierbleiben. Es gibt nämlich auch
allerlei "nach wie vor existierende Standortvorteile", allen
voran - welcher wohl? Genau, der höchstbezahlte "Freizeit-Welt-
meister", der deutsche Arbeiter. Mit "unseren qualifizierten Mit-
arbeitern" läßt sich nicht nur die "nach wie vor höchste Produk-
tivität" realisieren, was sich in niedrigeren Lohnstückkosten als
bei den meisten Konkurrenten ausdrückt. Sie stecken auch alle
staatlichen Angriffe auf ihre Lebensbedingungen locker weg, -
"große politische Stabilität" nennt man diesen "Standortvorteil".
Und ihre unbedingte Bereitschaft, sich für "unsere Wirtschaft"
jede denkbare Zumutung am Arbeitsplatz abverlangen zu lassen,
macht uns so leicht kein sogenanntes "Billiglohnland" nach.
"Wille zum sozialen Konsens" heißt das in den lobenden Worten des
Industrieverbands-Chefs Necker. Für den Ex-Kanzler Helmut Schmidt
(SPD) schließlich sind vor allem "die deutschen Gewerkschaften
ein wesentlicher internationaler Wettbewerbsvorteil der deutschen
Wirtschaft". Schließlich haben sie gerade erst wieder durch die
"maßvolle Lohnpolitik der letzten Jahre", sprich, durch 5 Jahre
tariflich vereinbarter Reallohnsenkungen, einen "wichtigen Bei-
trag zur Wiedergewinnung der wirtschaftlichen Wettbewerbsfähig-
keit der Bundesrepublik geleistet".
Wirklich eine wunderbare Heimat für das Kapital, wo für jeder-
mann, für die Arbeiter und die Gewerkschaften wie für Staat und
Politik, die Schaffung bestmöglicher "Lebens" -, d.h.
Geschäftsbedingungen für Unternehmen das höchste Ziel ist.
Es ist denn auch der Standpunkt einer unendlichen Zufriedenheit
mit dem Gang des Gewinnemachens hierzulande, von dem aus Kapita-
listen den "Standort Bundesrepublik" besichtigen und feststellen,
daß nichts so gut ist, als daß es nicht noch besser, sprich bil-
liger zu haben wäre.
Da diskutieren die Nutznießer des Standorts BRD, ob sie ihre Hei-
mat noch lieben können. Der Rest fragt sich: Was soll aus unserer
Heimat werden, wenn unser Kapital sie nicht mehr mag? Die Antwort
liegt auf der Hand: Alle Heimatverbundenen müssen billiger wer-
den.
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