Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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Der Dauerbrenner der bundesdeutschen Ostpolitik
"WIR HABEN NOCH KEINEN FRIEDENSVERTRAG"
Was geht uns da eigentlich ab? Haben wir denn etwa keinen Frieden
- den sichert doch nach offizieller Lesart seit 40 Jahren die
NATO. Die "Politik der Stärke" soll uns doch diese friedliche
Zeit beschert haben und nicht der "gute Glaube an diplomatische
Abkommen".
Wollen wir denn überhaupt einen Friedensvertrag? Hat jemals eine
Bundesregierung einen aufgesetzt und bei den Siegermächten um
Ratifizierung gebeten? Und was soll denn überhaupt drinstehen?
Friedensverträge kodifizieren Kriegsergebnisse
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So ist es jedenfalls völkerrechtlicher Brauch. So ist es in die-
sem Fall überhaupt nicht gemeint. Im Gegenteil. Die Bundesregie-
rung bittet doch nicht darum, die Siegermächte sollten das Ergeb-
nis des 2. Weltkrieges ein weiteres Mal, nämlich in Form des in
Potsdam erwähnten Friedensvertrages diktieren. Mit dem Verweis
auf den fehlenden Friedensvertrag meldet sie ihr Recht an, die
Ergebnisse des 2. Weltkriegs zu revidieren. Deswegen darf dieser
fehlende Friedensvertrag nie fehlen, wenn die BRD sich mal wieder
versöhnt, und sich bereit erklärt, irgendeine Grenze im Osten bis
auf weiteres zu respektieren. Nach allen Regeln der diplomati-
schen Höflichkeit ist damit klargestellt: Die BRD hält sich
strikt an alle "heute tatsächlich bestehenden Grenzen" - solange
sie bestehen.
Das "Projekt D e u t s c h l a n d" ist damit auf gar keinen
Fall abgeschlossen. Schon allein deswegen nicht, weil es nach
bundesdeutscher Logik erst die Wiederherstellung des ganzen,
großen Deutschland braucht, damit mit ihm überhaupt ein Frie-
densvertrag abgeschlossen werden kann.
Die BRD leistet sich diesen netten Widerspruch und macht mit ihm
Politik, weil sie mit ihren ökonomischen und politischen Gewalt-
mitteln schon längst nicht mehr als Kriegsverlierer dasteht, son-
dern als maßgebliche europäische Macht. Ihr Friedensver-
tragsvorbehalt ist nicht mehr der ohnmächtige Anspruch eines
"Provisoriums", sondern die Drohung einer aufstrebenden Welt-
macht, nicht eher F r i e d e n z u g e b e n, als bis der 2.
Weltkrieg doch noch gewonnen ist. Das ist der Geist der Versöh-
nung, mit dem die BRD den kompletten Ostflügel des "Gemeinsamen
europäischen Hauses" drangsaliert.
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