Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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Der Kanzler redet Klartext:
DIE DEUTSCHEN - EIN VOLK ÜBERBEZAHLTER FAULENZER
"30 Jahre Ausbildung, 30 Jahre Ertrag im Berufsleben, 16 Jahre in
Pension. Wie soll eigentlich eine solche volkswirtschaftliche
Rechnung aufgehen?"
Pfui Teufel, eine Saubande, Herr Dr. Kohl, gell? Kaum sind sie
halbwegs trocken den Ohren, machen sie Abitur und ihren Doktor,
beschließen, Politiker zu werden, kassieren reichlich Einkommen
aus Steuergeldern, und genießen dann, ohne jemals gearbeitet zu
haben, als Ex-Bundeskanzler eine satte Pension.
Das ist unerträglich.
Aber diese Sorte hat Kohl natürlich nicht gemeint: Bei einer Rede
anläßlich der 125-Jahr-Feier des Chemiekonzerns Hoechst hat unser
Bundeskanzler s e i n e m V o l k einmal in aller Deutlichkeit
die Leviten gelesen.
Das Ergebnis war - niederschmetternd: Die Deutschen sind ein Volk
von leistungsfeindlichen, überbezahlten und freizeithungrigen
Schmarotzern, die ihm, Kohl, die volkswirtschaftliche Rechnung
versauen. Sein Befund: "Der Lohn ist zu hoch", galt selbstver-
ständlich nicht dem Einkommen der im Publikum anwesenden Top-Ma-
nager - die kriegen nämlich gar keinen Lohn, sondern leben von
der Arbeit der Lohnbezieher, und das nicht schlecht. Aber die
leisten ja etwas, und das hat der Bundeskanzler ausdrücklich ge-
lobt: Schließlich tragen sie die Verantwortung, daß die anderen
genug leisten. Im Unterschied zum normalen Menschen, die bloß in
die Fabrik läuft und dafür zu hohe Löhne kassiert. Der ist lei-
stungsfeindlich.
Unser Bundeskanzler meint das ernst, wenn sagt, was gelten muß:
"Zukunft ist wichtiger als Freizeit." Recht hat er, der Mann.
Schließlich verwaltet er Deutschlands Zukunft. Und dafür können
die Ansprüche ans Arbeitsvolk gar nicht hoch genug sein. Da hat
das sachverständige Publikum eifrig genickt, als es von Kohl
daran erinnert wurde, daß "die durchschnittliche Wochenarbeits-
zeit 1863, im Gründungsjahr von Hoechst 78 Stunden betragen hat".
Und das hat Hoechst groß gemacht, und IG-Farben und Deutschland.
Dagegen ist ja die heutige durchschnittliche Wochenarbeitszeit
geradezu eine Stippvisite - auch wenn und gerade weil heute weit
mehr produziert wird. So sind sie, die Herren Arbeitnehmer von
heute: Mal kurz im Betrieb vorbeischauen, die höchsten Löhne mit
in die Freizeit nehmen, und glauben, daß so dem Kohl seine
"volkswirtschaftliche Rechnung aufgeht". Ein solches Volk ist be-
schissen, und ein Kanzler, der mit einem solchen Volk Staat ma-
chen muß, ist beschissen dran. Das ist nicht erst Kohl aufgefal-
len. Auch sein Vorgänger, der Helmut Schmidt von der SPD, hat es
schon gewußt: "Das deutsche Volk ist verwöhnt", hat er gesagt und
hat sich zielstrebig daran gemacht, es zu entwöhnen.
Und was der eine Helmut konnte, kann der andere schon lange. Das
ist nämlich das Bequeme an dieser Sorte Volksbeschimpfung: Den
Leuten mit ihrem Anspruchsdenken ist es schließlich von den ver-
sammelten Managern und Politikern noch nie zugestanden worden zu
bestimmen, wieviel sie arbeiten müssen und was sie dafür an Lohn
kriegen. Sonst wäre "Deutschland die größte Exportnation der
Welt" nie geworden. Und so soll es schließlich auch bleiben. Für
diesen A n s p r u c h ist einem deutschen Kanzler keine Über-
stunde und kein Arbeitsessen zuviel.
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