Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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DEUTSCHE ÜBERALL AUF DER WELT
Vorbildliches, schlechtes und unmögliches Benehmen nationaler Re-
präsentanten
Daß gutes Benehmen Glückssache ist, mag für die einfachen Leute
gelten, die nichts Besseres gelernt haben und aus denen deshalb
auch nicht viel geworden ist. Das Führungspersonal der Nation
hingegen r e p r ä s e n t i e r t, auch wenn es sich bei-
spielsweise nur mal so eben schneuzt. Deshalb beachtet das Volk
bei der Elite in Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport jeden
Furz. Nicht w a s sie so tun und auch lassen, sondern w i e -
das ist die heiße Frage. So kommt ein Bundespräsident, der nichts
anderes treibt als die beinhärteste Reklame für den ganz normalen
BRD-Imperialismus, in den Ruch, ein hochsensibler Schöngeist und
Menschenfreund in diesem Staatsamt zu sein, während sich ein Fuß-
balltrainer, ausgerechnet, vorhalten lassen muß, er sei eine
untragbare Belastung für die internationalen Beziehungen der Na-
tion. Im folgenden drei aktuelle Beispiele.
1.Der Edelmann bei den Henkern:
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In die Türkei ist Bundespräsident Richard von Weizsäcker als
"erstes westliches Staatsoberhaupt" seit dem Militärputsch gefah-
ren. Keineswegs t r o t z d e m, sondern erklärtermaßen
d e s h a l b: "Der Bundespräsident hat sich gegen die Ansicht
gewandt, daß sein Staatsbesuch wegen der noch nicht abgeschlosse-
nen Demokratisierung in dem Land verfrüht sei. 'Ich finde, die
Zeit ist reif, hinzufahren. Die Türkei muß ermutigt werden, den
begonnenen Weg der Demokratisierung fortzusetzen.'" (Süddeutsche
Zeitung, 24.5.) Dieser W e g sah und sieht auch in der Türkei
so aus, daß alle echten, potentiellen oder auch nur vermeintli-
chen Störer weggeräumt werden: alle Linken, ein paar extreme
Rechte und auch gleich eine ganze Völkerschaft, die Kurden, weil
sie nicht ins Staatsprogramm passen bzw. sich nicht einpassen
(lassen) wollen. Diese Säuberung des türkischen Staatswesens hat
den Westen nicht gestört. Im Gegenteil: Gerade Bonn hat dabei
tatkräftig mitgeholfen, vom Verbot türkischer Organisationen in
der BRD wie der kommunistischen Dev Sol bis zur Auslieferung von
Regimegegnern an die Türkei mit den echt rechtsstaatlichen Argu-
menten, dort hinten sei erstens die Folter landesübliche Ermitt-
lungspraxis und Widerstand gegen die Staatsgewalt verstoße zwei-
tens auch in der Bundesrepublik gegen das Strafgesetzbuch. Der-
gleichen ist inzwischen höchstrichterlich bestätigt. Der Freiherr
muß nicht einmal lügen, wenn er zynisch meint: "Kein Türke wird
von uns gedrängt, die Bundesrepublik zu verlassen." Kemal Altun
ist schließlich freiwillig aus dem Fenster der Abschiebebehörde
gesprungen...
Gemeint hat er nämlich den einzigen Punkt der Kritik seiner Re-
gierung an den Türken: Es hängen zu viele davon in Deutschland
herum, die "wir" nicht ( mehr) brauchen, und die EG-
"Freizügigkeiten" sollen sie, Beitritt hin oder her, keinesfalls
bekommen.
Wie bringt man als oberster BRD-Staatshänger die Botschaft völ-
kerfreundlich an den Mann: "Die Bundesrepublik ist kein Einwande-
rungsland." (Bis hierher wie die ganz ordinären Lummermanns. Dann
aber weizsäckerisch weiter:) "Die Bundesrepublik ist auch gegen-
über den hier lebenden Türken verpflichtet. Beim gegenwärtigen
Stand der Arbeitslosigkeit würden bei einem starken Zustrom nicht
nur die neuen türkischen Einwanderer von vornherein in eine
schwierige Lage gebracht. Auch ihre eigenen Landsleute würden
darüber nicht besonders glücklich sein." (SZ) Elegant den bundes-
deutschen Staatsrassismus zugrundegelegt - Arbeitslosigkeit
trifft zuerst das Türkengesocks -, und dann den Spaltpilz in die
anatolische Mischpoke getrieben: Deutsches Türk' nix wollen neues
Zustrom! In der "Menschenrechtsfrage" hingegen alles paletti:
Zwar hatte der Edle vom Rhein ein paar "einzelne Fälle, von denen
ich weiß und die mir am Herzen liegen", in Ankara "in angemesse-
ner Weise zur Sprache zu bringen" versprochen. Weil es sich dabei
ausnahmslos um die immer wieder mal anfallenden "Härtefälle" han-
delt, garantiert "Unschuldige" also, die den befreundeten Henkern
quasi "aus Versehen" untergekommen sind, scheinen diese
"Mißverständnisse" ausgeräumt worden zu sein. Am Schluß nur noch
Komplimente: "Großer Respekt", "beachtliche Fortschritte" usw. So
sind die deutsch-türkischen Beziehungen schwer in Ordnung:
"Anteilnahme, auch wenn sie kritische Elemente enthält, ist immer
ein Zeichen von Sympathie." (SZ, 27.5.)
Damit gab der Bundespräsident seinem türkischen Kollegen Evren
ausdrücklich recht, der sich darüber beschwert hatte, daß es im-
mer noch "Störversuche" aus "gewissen Kreisen" in der BRD gebe:
"Es sind diejenigen, die mich als Diktator bezeichnen und als
Führer einer Militärjunta." (FAZ, 22.5.)
Wenn ein gebildeter deutscher Politiker am NATO-Partner Türkei
etwas zu kritisieren hat, dann doch nie und nimmer dessen Umgang
mit seinem Volk, sondern seine unangemessenen Ansprüche an den
deutschen Staat.
2. Der Zimmermann gegen Österreich
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Ohnehin schon gereizt durch das öffentliche Gemeckere über sein
Krisenmanagement nach Tschernobyl ist dem Bundesinnenminister
schließlich kontrolliert der Kragen geplatzt, als sich aus der
Ostmark nicht nur notorische Krawallanten, sondern von Kirch-
schläger bis Karajan auch ihm vom Wiener Opernball persönlich
bekannte Prominenz gegen die zu Wackersdorf geplante Plutoniumfa-
brik aussprachen. Was erlauben die sich eigentlich? fragte der
Minister aus dem Altreich und kam zu dem Urteil, daß die gar
nicht d ü r f e n, weil sie sich Kritik an der Macht an Rhein
und Isar nicht l e i s t e n können: "Zimmermann hatte in Wien
auf die enge Verflechtung von Wirtschaft und Tourismus hingewie-
sen. Österreich hat enge Wirtschaftsbeziehungen zur Bundesrepu-
blik, aus der auch die meisten Touristen kommen." Dies wurde in
Wien als "versuchte Erpressung" und als "unverhüllte Drohung"
aufgenommen (SZ, 2.6.). Zimmermanns nachgereichte "Interpreta-
tion" -
"Ich habe keinen Grund, Österreich zu kritisieren, weil ich in
der Alpenrepublik einen Zweitwohnsitz habe." -
ging dann unbeanstandet durch, obwohl sie doch nichts anderes
kundgibt als die Selbstzufriedenheit des Eigentümers, der ver-
spricht, seinen Besitz zu behalten. Das schlechte Benehmen des
Atomministers liegt in der schnörkellosen Aussprache von ein paar
Grundsätzen der Bonner Politik:
"Bonn und München werden sich auf keinen Fall von dem Bau der An-
lage abbringen lassen."
Hier fehlt ein bißchen geheucheltes Verständnis für die "Sorgen
unserer Nachbarn". Im übrigen erteilte Zimmermann den Österrei-
chern den Rat, doch "bitteschön für sicher zu halten, was die
Bundesrepublik und Bayern auch auf ihrem eigenen Boden für sicher
halten." Da hätte der deutsche Innenminister doch auch ohne Ge-
hässigkeiten schlicht auf den "weltweit einzigartigen Sicher-
heitsstandard" von Made in Germany bei Strahlenfabriken hinweisen
können. Da hätte man vielleicht noch dezent "Einmischung in
innere Angelegenheiten" abweisen, aber dennoch ein "erneute,
sorgfältige Prüfung..." versprechen können. Nein, der Zimmermann
kann die Axt nicht zuhause lassen. Jetzt wurde er auf seinem
"Lieblingsbetätigungsfeld" durch den Wallmann ausgetauscht. Der
wirds den Österreichern schon in n e t t e r e r F o r m be-
sorgen.
3. Der Bundesfußballmannschaftschef in Mexiko
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Der Teufel hat ihn geritten, den Beckenbauer Franz im hohen und
heißen Mexiko. So sehr, daß vor dem ersten Einsatz seiner GSG-11-
Truppe in der Heimat ernste Zweifel aufkamen, ob dieser Mensch
noch länger tragbar sei als "Teamchef" unserer fußballerischen
Hoffnungen auf dem Weltmarkt. Zuerst verbreitet er unverantwort-
lichen Defaitismus und spricht offen aus, daß die deutschen Ball-
treter reichlich plumpe Bolzer sind und - wenn es nur ums Fuß-
ballspielen ginge - gerechterweise unter den letzten Vier nichts
mehr zu suchen hätten. Das interpretierten wohlmeinende
"Experten" noch als "psychologischen Trick" des Kaisers: Negativ-
motivierung. Oder wollte er nur die Schuldfrage zu seinen Gunsten
vorentscheiden?
"Bild" witterte natürlich gleich vorsätzliche Spielkraftzerset-
zung, und Strauß verkündete demonstrativ aus der bayerischen
Staatskanzlei seinen Siegeswillen: "Ich glaube, daß Deutschland
Weltmeister wird!" Kaum ist die Aufregung etwas rum, attackiert
Beckenbauer im Sportstudio einen völlig belanglosen mexikamischen
Journalisten namens Hirsch: "Da braucht man nur kurz zu drücken,
dann gibt's den nicht mehr." Die "Süddeutsche Zeitung" vom 2.
Juni meldete "lähmendes Entsetzen unter allen, die Zeuge waren."
Der Franz wollte "natürlich nur einen Spaß" machen. Vergriffen
hat er sich bei seinem Sprachbild zu seinem Pech an einem
Z e i t u n g s m a n n. Das verzeihen dessen Kollegen nicht.
Tags drauf im ZDF-Spätbericht aus dem "Hauptquartier" der deut-
schen Mannschaft verkündete er freundlich grinsend, daß "wir den
Francescoli sofort i n d i e Z a n g e nehmen und a u s-
s c h a l t e n werden, wenn er in unsere Z o n e e i n-
d r i n g t." Lähmendes Entsetzen? Aber nein: "Der Franz hat
seine Gelassenheit wieder gefunden." (Dieter Kürten dazu)
*
"Die F o r m, mit der die Individuen Umgang miteinander pfle-
gen, namentlich die Begegnung in den höheren Sphären, bei Hofe
und zwischen den Staaten selbst, verdient zurecht die Beachtung,
die ihr geschenkt wird. Mittels der Etikette lassen sich die
wirkliche Stellung zueinander und das wahre Bewußtsein vom ande-
ren sowohl vornehm kaschieren als auch ehrenhaft zum Ausdruck
bringen. Es kommt aber darauf an, an passender Stelle und zur ge-
gebenen Zeit das Rechte zu wählen. Im einen Falle gewinnet man
die Menschen, im anderen verliert man die C o n t e n a n c e."
(Adolf Freiherr von Knigge, Über den Umgang mit Menschen)
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