Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht


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       Deutschland feiert seine "unselige Vergangenheit"
       

DIE DEMOKRATIE IM ANGRIFF

Die Verantwortlichen der BRD nehmen die 50. Wiederkehr der Natio- nalsozialistischen "Machtergreifung" zum Anlaß, auf allen mögli- chen Feiern und in diversen Gedenkreden die V e r g a n- g e n h e i t am Dritten Reich herauszustellen. Das fällt dem vierten Reich überhaupt nicht schwer: 1. Politiker aller Parteien feiern die Güte, die Effektivität, die Entschlossenheit, die Stabilität der besten Demokratie auf deut- schem Boden und stellen am Dritten Reich den ungeheuren Mißstand fest, daß es das alles nicht war, was "wir" heute sind. Die Taten der Faschisten waren furchtbar, weil sie nicht in der Form des Rechts abgewickelt wurden; die politischen Führer waren unanstän- dig, weil sie durch Verführung und dann überhaupt nicht mehr auf die demokratische Tour sich ihre Zustimmung im Volk erschlichen; die Herrschaft war chaotisch, weil selbstherrliche Parteigrößen sich verantwortungslos Macht anmaßten; der Krieg war sinnlos, weil er verloren ging. Die BRD ist dagegen nur lobenswert: ihre Herrschaft ist legitim, ihre Taten sind rechtens, die allgemeine Zustimmung zu 2,5 Millionen Arbeitslosen und staatlich verordne- ten 'schweren Zeiten' spricht für sich. Diesem starken Staat soll man danken. 2. Politiker aller Parteien begrüßen sich und ihre BRD dafür, daß sie Feinden der Demokratie von links und rechts keine Chance las- sen, also alle Machtmittel installiert haben, die demokratische Herrschaft, die Freiheit der Macht vor oppositionellen Aufmüpfi- gen zu schützen. Was Weimar verpaßt haben soll, den Feind der Re- publik entschlossen zu schlagen, das hat die BRD mutig angepackt. Deshalb ist es heute schon "Nestbeschmutzung", als Antifaschist mit demokratischen Idealen an der Wirklichkeit der BRD herum- zunörgeln, statt mit Idealen von ordentlicher Herrschaft die Not- wendigkeit der Rüstungs- und Sparpolitik gehorsamst einzusehen. Deshalb machen sich Linke und Kommunisten von vornherein verdäch- tig, wenn sie über das Dritte Reich reden, weil sie es nicht für die umstandslose Feier des Staates heute benutzen. Sie werden von den Staatsakten mit dem Verweis auf den totalitären Bolschewismus drüben ausgeschlossen. Für die wehrhafte Demokratie und ihre ge- lungene Gleichschaltung hat man der freiheitlichen Ordnung zu danken. 3. Politiker aller Parteien loben sich dafür, daß Volkes Opfer, Ar- beitslosigkeit und Kriegsvorbereitung niemanden dazu verführen, die Treue zu diesem Leben in Freiheit aufzukündigen. Hitlers Anti-Materialismus war schlecht, weil er damit die Deutschen er- folglos mißbrauchte. Demokratische Maßnahmen und demokratische Propaganda gegen "Anspruchsdenken" und "fehlende Wehrwilligkeit" sind gut, weil die BRD so stark und stabil bleibt und für den Dritten Weltkrieg besser denn je gerüstet ist. Daß man der BRD Opfer bringen darf und für sie kämpfen wird, dafür soll man ihr danken, und dafür wird das deutsche Volk auch gelobt. 4. Politiker aller Parteien weisen also letztlich nur auf eines hin. Daß alles, was die Faschisten dem deutschen Volk zugemutet haben, eine knackige Ordnung, Opfer und Krieg, auf demokratisch die selbstverständlichste Pflicht ist, der nicht nachzukommen sich niemand erlauben soll. Der Faschismus ist überholt, weil die De- mokratie der BRD ihn in ihrer Stärke und Stabilität überflüssig gemacht hat. Für die Verteidigung dieser Freiheit gegen den bol- schewistischen Großraum im Osten, damit der Hauptfeind des We- stens verschwindet, stehen die Chancen um vieles besser, als Hit- ler sie je hatte. Für diese Sicherheit der Freiheit statt Sozia- lismus soll man "unserer" BRD danken. Die westdeutsche Herrschaft feiert ihr Gelingen, kündet den Bür- gern, was sie dafür zu tun haben und hat so das "unselige" Dritte Reich längst voll bewältigt. Ausgerechnet zu diesen gar nicht nur symbolträchtigen Staatsakten der Rechtsnachfolger des Dritten Reiches alternative Gedenk- demonstrationen in Hamburg, Köln, Frankfurt, München und Mössin- gen zu veranstalten, die vor Gefahren für die D e m o k r a- t i e warnen, anstatt den demokratisch Verantwortlichen und ihren Taten die Opposition aufzumachen, halten wir für einen schweren Fehler. zurück