Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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DIE BUNDESREPUBLIK
Politische Gruppen, die mit Einwänden gegen den Lauf der Welt
hervortreten, und die Menschen zu dessen Änderung zu bewegen
versuchen, begegnen - neben einem Desinteresse, das vor lauter
Einverständnis mit der Welt auf jedes Argument dafür verzichten
will - einem echten und einem geheuchelten Bedürfnis zu erfahren,
was sie denn eigentlich zur Weltlage zu sagen haben.
Dem echten Interesse an den Argumenten, die sie zu ihrer Kritik
an den gegebenen Verhältnissen bestimmen, entspricht die
MARXISIISCHE GRUPPE mit ihrer neuen Nr. 1 der RESULTATE-Reihe.
- Leser, die - unter den üblichen Vorbehalten und mit Hilfe des
Vergleichs zu vorstellbaren schlimmeren Zuständen mit der
bundesdeutschen Demokratie sympathisieren, werden in Teil I der
Schrift mit einer Analyse der demokratischen Verkehrsformen in
unserer Republik bekannt gemacht, die alle vertrauten -
affirmativen wie kritischen - Auffassungen darüber gründlich auf
den Kopf stellt. Während normalerweise jeder eine Vorstellung von
eigentlicher Demokratie im Kopf hat, in der alles für den Nutzen
des kleinen Mannes getan wird, und die bundesdeutsche Realität
mehr oder weniger kritisch an diesem Idealbild mißt, wird hier
umgekehrt aus der alltäglich praktizierten demokratischen
Anteilnahme und Teilhabe des Bundesbürgers an den politischen
Geschicken seines Staates gefolgert, daß es darin um freiwilligen
Verzicht und freiwillige Unterwerfung der 'kleinen Leute' unter
die reichlich rücksichtslosen Zwecke der politischen Herrschaft
geht. 'Politisierung' wird er als die schlechte Virtuosität, mit
der die bundesdeutschen Massen diese eigentümliche Bereitschaft,
sich als Mittel politischer Größe behandeln zu lassen, immerzu
hinkriegen also als die Grundlage dafür, daß die berufenen Führer
der Nation (die inzwischen nicht mehr die geringste Scheu haben,
sich unter diesem Titel zu empfehlen!) sich ihrem geführten Volk
gegenüber jede Freiheit herausnehmen können. Und folgerichtig
wird das Auftreten dieser Republik nach außen nicht als ein durch
Kompromisse beeinträchtigtes Eintreten für die höheren Werte
begutachtet, sondern als kompromißloser demokratischer
Imperialismus beurteilt: Statt ein Hindernis für die Ambitionen
der Regierung auf weltweite Zuständigkeit und Durchsetzung
deutscher Interessen zu sein, begründen die deutschen
'Arbeitnehmer' mit ihrem demokratischen Nationalismus genau die
Macht, mit der dieser Staat sehr aktiv, sehr gern und sehr
erfolgreich am Imperialismus der USA partizipiert.
- Daß es allerdings nicht die staatsfromme Einstellung der Bürger
ist, auf der die Macht der BRD beruht, sondern das Gelingen
ökonomischer Ausbeutung, die die deutsche Arbeitnehmerschaft sich
im Namen ihres Nationalismus gefallen läßt - das ist eine ebenso
völlig aus der Mode gekommene marxistische Einsicht wie die, daß
Ausbeutung und Armut zusammengehören. Umso ausführlicher geht die
Analyse der MARXISTISCHEN GRUPPE auf die Formen ein, in denen
beides den Alltag der arbeitenden Massen bestimmt. Leser, die die
bundesdeutsche Wirtschaft als Grundlage einer 'Leistungs-,
Industrie- oder Wohlstandsgesellschaft' schätzen oder kritisieren
gelernt haben, werden auf das Ideologische an dieser
Betrachtungsweise ebenso hingewiesen wie auf die Realität, aber
die diese Ideologien verkehrte Auskünfte geben. Für Mitleid mit
den Opfern, die die bundesdeutsche Ökonomie als Grundlage ihrer
'Stärke' erzwingt, gibt die Analyse allerdings erst recht keinen
Anhaltepunkt: Stattdessen werden die bundesdeutschen Arbeiter
dafür kritisiert, daß sie sich zum Fußvolk einer Einheits-
gewerkschaft machen, die die politische Mitverantwortung für
Armut und Ausbeutung ihrer Kundschaft zu ihrem obersten Anliegen
erkoren hat.
- An Leser, die sich als Intellektuelle die gesellschaftlichen
Verhältnisse zu ihrem theoretischen Problem machen, richtet sich
der Teil III der RESULTATE Nr. 1.
Hier wird nämlich über den aktuellen Stand der demokratisch-
philosophischen Verblödung des wissenschaftlichen Geistes in der
BRD berichtet und begründet, weshalb von der unter Akademikern
üblichen Manier, sich die Welt zum Problem zu machen, nichts
anderes als kunstvoll komplizierte Liebeserklärungen an die
Herrschaft zu erwarten sind, also nichts zu halten ist.
- Weshalb die MARXISTISCHE GRUPPE mit ihrer Kritik an der Welt
als eigener Verein auftritt und nicht in den Initiativen und
Gruppierungen der bundesdeutschen Linken mitmischt, wird in Teil
IV mit einer Analyse der linken Szene in der BRD, ihrer Politik
und ihrer jüngsten Entwicklung zur grünen Subkultur begründet.
Nicht nur falsch, sondern - erst recht heute in der BRD -
geradezu absurd ist es nämlich, als Gegner der bestehenden
Gesellschaft dem Glauben anzuhängen, man sei mit seiner
Gegnerschaft nicht mehr und nicht weniger als der (bewußte)
'Ausdruck' einer in der Gesellschaft selbst 'objektiven'
virulenten Sehnsucht nach prinzipiellen Alternativen,
revolutionärem Fortschritt und einer sozialistischen Zukunft.
Leser, die von einer 'Krise des Marxismus' haben läuten hören,
können hier erfahren, inwiefern es sich dabei um das
folgerichtige Endstadium einer Politik handelt, deren antikapi-
talistischer Inhalt mit der Absicht und den dieser Absicht gemäß
erfundenen Methoden der fiktiven Ineinssetzung mit den Massen
zusammenfällt.
- Die praktischen Konsequenzen aus den vorgetragenen Urteilen
sind keineswegs ein Geheimnis. Es erübrigt sich also in Teil V
ganz und gar, den Leser darauf aufmerksam zu machen, daß und wie
die Analyse der BRD die Grundlage unserer Politik ist.
Schließlich richtet das Heft sich nicht an Kinder, und die
kindischen Linken, die die Welt mit ihren alternativen Augen
sehen und gerade in Sachen Demokratie und Ausbeutung keines
objektiven Urteils fähig sind, brauchen ihr Bedürfnis nach
praktischen Alternativen also gar nicht erst zu heucheln. Sie
können sich getrost der Frage widmen: wie 'dem lustlosen
Weiterwurschteln und dem Aussteigen begegnen?' - sich also bis zu
ihrem glücklichen Ende mit s i c h befassen!!!
Ebenso wie dem echten Bedürfnis nach Auskunft darüber, was die
MARXISTISCHE GRUPPE 'denn eigentlich will', genügt die Neufassung
der alten PROGRAMMATISCHEN ERKLÄRUNG dem - viel üblicheren -
geheuchelten Interesse an dem politischen Standpunkt dieses
Vereins.
- Wer Auskunft wünscht über die Maßstäbe und die 'normativen
Leitkriterien' marxistischer Polemik gegen die herrschenden
Verhältnisse, der kann dem Heft entnehmen, daß dieser Wunsch eine
methodologische Ausflucht vor der Tatsache darstellt, daß der
bundesdeutsche Kapitalismus alle notwendigen und hinreichenden
Gründe für Gegnerschaft enthält. Die erkenntnistheoretische Lüge,
Urteile über die Wirklichkeit beträfen im Grunde nicht diese,
sondern waren allemal bloß die Emanationen eines ihr gegenüber
eingenommenen Standpunkts, wird ausführlich widerlegt und als
philosophische Selbstaufgabe des wissenschaftlichen Verstandes
kritisiert.
- Wer ein Vorbild und eine menschliche sozialistische Perspektive
und Alternative gewiesen haben möchte - so als fehlte ihm bloß
noch die Anregung seiner Vorstellungskraft, um sich zu
entschlossener Gegnerschaft zu entschließen -, der wird darüber
aufgeklärt, daß die MARXISTISCHE GRUPPE ihren politischen Zweck
nicht aus der Phantasie, sondern aus der Analyse der ziemlich
ärgerlichen Verhältnisse unserer Gesellschaft bezieht. Utopien
ebenso wie 'konkrete Vorbilder' haben nämlich nichts mit Kritik
und Gegnerschaft gegen die reale Herrschaft zu tun, sondern sind
Äußerungen einer Moral, die Kritik an der Herrschaft nur im Namen
einer Alternative oder eines Ideals der Herrschaft zuläßt, oder
darauf festlegen will - und gegen diese Moral richtet sich die
ganze Schrift.
- Die Frage nach 'Philosophie' und 'Menschenbild' schließlich
findet ebenfalls eine befriedigende Antwort: Erstens in der
Darlegung, welches Bild die bundesdeutschen Menschen heute
bieten; zweitens in den Darlegungen darüber, daß die
philosophische Zurückführung jeden Gedankens auf ein angeblich
zugrundeliegendes 'Menschenbild' für nichts anderes taugt und
nichts anderes bezweckt, als den Begriff einer Sache durch eine
Robinsonade und das Nachdenken durch freihindiges Spintisieren zu
ersetzen.
Die RESULTATE Nr. 1 unterscheiden sich also ziemlich stark von
den Analysen zur geistigen und sonstigen 'Situation der Zeit',
die den bundesdeutschen Meinungsmarkt in zunehmender Zahl
bevölkern. Dieser Unterschied ist beabsichtigt; das Risiko, dafür
als 'methodisch unreflektiert', 'von der realen Bewegung
abgehoben' und 'dogmatisch' verschrieen zu werden, wird dafür in
Kauf genommen, jeder entsprechende Vorwurf gern ignoriert. Das
Heft ist für Leute geschrieben, die auf ihr Urteil etwas geben
und deswegen Argumente als solche zu behandeln gewillt sind.
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