Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht


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       Bremer Hochschulzeitung Nr. 46, 08.12.1981
       

UNSER KANZLER, UNSER KANZLER, BESTES REDNER VON DIE WELT!

Make-up, versilberte Schmalzlocke, steifer Kragen und die be- rühmte 'Schnauze' halb offen! Nein, diesmal keinem Heiligenposter nachempfunden, das auf den Kanzler den üblen Verdacht der Blasphemie lenken würde - schließ- lich ist er u n s e r Kanzler. Was kann er denn? "Auch wer das, was er sagt, nicht schätzt, wird zugeben müssen, daß die Reden von Schmidt-Schnauze von großer Klarheit sind." Zum Beispiel: "Wenn ein Abkommen trotz aller Anstrengungen nicht erreicht werden sollte, so wird mein Land seine Verpflichtungen aus der anderen Hälfte des Doppelbeschlusses im Sicherheitsinteresse meines Landes und des gemeinsamen Bündnisses erfüllen." (Schmidts Tischrede in der Godesberger Redoute, 24.11.81) Klar. Die Parteilichkeit eines BRD-Nationalisten kann die ultima- tiv auftretende Kriegsbereitschaft als "Klarheit der Rede" schät- zen, die einem Breschnew keineswegs als P l u s p u n k t zu- gute gehalten, sondern als U n v e r s c h ä m t h e i t ange- kreidet würde. Zwar gibt es keine Rede ohne Inhalt, aber wer sich von vornherein als Untertan seiner Führer aufführen will, für den reichen schon zurechtgebürstete Geschmacksurteile über Rhetorik und Jackett, um zu bedeuten, für wen er Bewunderung und gegen wen er die herzlichste Abneigung hegt. Was kann er denn noch, der Kanzler? "Er vermittelt das Gefühl, daß er selbst keine Schuld hat, wenn er nicht verstanden wird." Der Kanzler vermittelt ein Gefühl? Und das ist schon wieder ein Pluspunkt? Ist nicht haargenau dasselbe Urteil über einen Kreml- Redner stets der Auftakt für das Argument, Gefühl sei ja wohl nicht Ratio, also könne es sich bei solcher Rhetorik nur um Sug- gestion, demagogische Vereinnahmung etc. handeln? Aber klar! Nur: W a s da vermittelt wird, ist für diesen Afterwissenschaftler gar nicht von Belang, weil sein Urteil durch den Blick auf das 'wer' schon feststeht. Er redet nämlich über s e i n Gefühl, das in seiner verrückten Untertänigkeit gleich soweit geht, die Schuldfrage in Sachen Weltfrieden mit dem H e r z e n längst entschieden zu haben. Allzeit bereit! zurück