Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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Wochenschau
ZU BESUCH IN BONN
waren letzte Woche der
- togolesische Staatspräsident Eyadema. Ihm sagte Bundespräsident
Carstens "bei einem Essen die Bereitschaft der Bundesrepublik zu,
Togo auch in Zukunft Hilfe zu leisten. Togo erfülle als ein
friedliebendes und stabiles Land im Gegensatz zu manchen anderen
Staaten eine wichtige Voraussetzung für eine positive wirtschaft-
liche Entwicklung". Zwar ist M. Eyadema dadurch an die Spitze
seines friedliebenden Landes aufgerückt, daß er seinen Amtsvor-
gänger, M. Olympio, umbringen ließ, den hinwiederum ein Amtsvor-
gänger Carstens, Heinrich Lübke, bei einem Staatsbesuch als über-
aus sympathischen, weil deutsch erzogenen Neger schätzen gelernt
hatte, aber dies war weder der Stabilität noch der positiven
wirtschaftlichen Entwicklung der Republique Togolaise abträglich,
die als assoziiertes EG-Mitglied knappe 2 Mio. Menschen samt Ka-
kao, Kaffee, Ölpalmprodukte, Baumwolle und Erdnüsse zur Benutzung
und Weiterverarbeitung über alle Machtwechsel hinweg zur Verfü-
gung stellt. Das hat den Einwohnern das stattliche Jahrespro-
kopfeinkommen von DM 700,- eingebracht, ihrem Generalpräsidenten
ein freies Essen in der Villa Hammerschmidt neben Bundesver-
dienstkreuz Sonderklasse und die zwar wenig zur Kenntnis genom-
mene aber dennoch beruhigende 10-Zeilen-Meldung in der FAZ vom 9.
Februar, daß zumindest auf 56.000 qkm in Westafrika die Welt in
Ordnung ist.
- ägyptischer Staatspräsident Mubarak, der laut FAZ vom 9. Fe-
bruar eine "ausführliche Lagedarstellung" ablieferte. Die Lage im
Nahen Osten sieht für den Sadat-Nachfolger so aus: Schmidt sei
"ein Staatsmann von großer Weisheit", der "Wille zur deutsch-
ägyptischen Zusammenarbeit" bestehe weiterhin, die "Bedeutung
Ägyptens und dessen Schlüsselposition für die Stabilität im Nahen
Osten" wurde bekräftigt und seine "wichtige Rolle bei der Siche-
rung der Rohstoffversorgung der Bundesrepublik" wurde bekräftigt.
Unter die Rubrik protokollarische Höflichkeiten fiel Mubaraks
"Anerkennung des Rechts des palästinensischen Volkes auf Selbst-
bestimmung", zumal er sie in der "Bildung einer selbstverantwort-
lichen Exekutive für das Westjordanland und den Gaza-Streifen in
Übereinstimmung mit den Vereinbarungen von Camp David" für er-
füllt sieht und dazu auch gleich das "Recht Israels, in Frieden
und Sicherheit zu leben" ausdrücklich anerkannte. Fazit: "Es
herrsche kein Zweifel, daß Mubarak die Öffnung nach Westen beibe-
halten wolle." Gleichwohl ist nicht zu übersehen, daß sich in der
Wertschätzung Ägyptens durch den Westen bereits etwas gegenüber
den Zeiten Sadats geändert hat. Sorgfältig ist registriert wor-
den, daß Mubarak der Sowjetunion gestatten will, ihre Botschaft
am Nil wieder auf einen normalen Bestand zu bringen. Diese Ankün-
digung ist für den Westen Beweis genug, daß Ägypten schon wieder
eine "Politik der Blockfreiheit" anstrebe. So leicht geht die
einst vom Westen so mißbrauchte Politik eines "dritten Weges"
1982: ein Sowjetbotschafter in der Hauptstadt und eine amerikani-
sche Expeditionsschar am Suez-Kanal.
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