Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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DIE DÜMMSTEN ARGUMENTE GEGEN DEN EISENBAHNERSTREIK
So einig, wie sich die deutsche Öffentlichkeit bei der Verurtei-
lung dieses Streiks war, ist sie sich sonst nur, wenn sie Terro-
risten, Saddam Hussein und hausbesetzende Straßenkämpfer als
Staatsfeinde entlarvt. Die Argumente, mit denen sie gegen den
Streik gehetzt hat, sind dementsprechend einfallsreich:
Streik ja - aber nur, wenn er nicht geht ...
"Da hätten wirklich andere mehr Anlaß zum Streik in der einstigen
DDR als die Reichsbahner, die ihren Arbeitsplatz behalten haben.
Doch die Reichsbahner, die sich ihren Ausstand dreimal überlegen
würden, arbeiteten sie in einem der vielen desolaten Betriebe der
früheren DDR, glauben, nicht rechnen zu müssen." (Südd. Zeitung,
27.11.)
Also: Streiken nur dann, wenn der Betrieb dicht gemacht hat.
...und nur, wenn es keiner merkt...
"...In Dresden irrten Reisende auf dem Bahnhof umher ... Gerste,
Kohle, Erz, alles bleibt liegen ... Ich muß zu meiner Schwester
nach Berlin, die denkt, mir ist was passiert ... Ihr wollt uns
als Geiseln nehmen ... Im Westteil Berlins stauten sich die
Güterwagen auf den Gleisen ... Berlin ist völlig abgeschnitten
... Der miese Streik der Reichsbahn" (Bild, 27.11.)
So hätten sie es am liebsten: Eisenbahner streiken, und die Züge
kommen pünktlich wie gewohnt.
...erst recht nicht im Winter...
"500 Menschen standen mit gepackten Koffern frierend auf dem
Bahnhof ... Zehntausende frieren auf den Bahnhöfen ... Endstation
für 150.000 Reisende. Alte, Kranke und Familien mußten auf zugi-
gen Bahnhöfen übernachten. (Bild, 27.11.)
Also dasselbe nochmal im Juli, liebe "Bild"?
...und schon gar nicht für richtiges Geld...
"Bloß sollten sie wissen: Das wertvolle Geld, das heute alle Bür-
ger in den neuen Bundesländern erhalten, unterscheidet sich von
jenen wertlosen Scheinen aus der Notenpresse der früheren DDR da-
durch, daß es vom Bürger erarbeitet und damit nicht beliebig ver-
mehrbar ist." (Südd. Zeitung, 27.11.)
Unser Geld ist viel zu wertvoll für die Zonis. Da kennt sich der
Experte aus, der sein Geld mit ehrlicher Arbeit verdient: Z.B.
unsere Bundesregierung, die in den nächsten Jahren ein paar hun-
dert Milliarden Schulden macht, vermehrt ihre Scheine erstens
nicht "beliebig" (so wie der Zoni), sondern entschlossen und par-
lamentarisch. Zweitens benutzt sie dazu nicht die "Notenpresse
der früheren DDR" (so wie der Zoni), sondern ihre eigene. Und
drittens hat sie sich dieses gute Geld ehrlich "erarbeitet", näm-
lich mit ihren Finanzämtern, anstatt es (wie der Zoni) einfach
haben zu wollen.
...aber bitte nicht auf Kosten der Reisefreiheit...
"Daß das erste Erleben dieses Teils der sozialen Wirklichkeit ein
Jahr nach der Erlangung der Reisefreiheit in einer Beschränkung
dieser Bewegungsfreiheit besteht, ist allerdings nicht nur ein
zeitgeschichtliches Kuriosum. Der erste große Streik im geeinten
Deutschland findet auf dem falschen Felde statt." (Tagesspiegel,
27.11.)
Auf welchem Felde hätten Sie's denn gern, Herr Kommentator? Wie
denn, wenn das erste Erleben ein Jahr nach der Erlangung der
Pressefreiheit in einer Beschränkung dieser Hetzfreiheit bestünde
und Kommentatoren ihren abgrundtiefen Blödsinn nicht mehr unters
Volk bringen könnten, weil die Drucker streiken? Wäre Ihnen das
lieber, Herr Kommentator?
...also am besten gar nicht!
"Die Züge rollen wieder, Reichsbahn und Gewerkschaft sitzen am
Verhandlungstisch. Es geht also doch ..." (Bild, 30.11.)
Na also!
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