Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht


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       Regierung und Opposition streiten, wie es sich gehört. Es geht um
       die Steuererhöhungen.  Die banale  Sache interessiert  keinen und
       ist längst  gegessen. Interessant  dagegen ist  der Vorwurf,  der
       Kanzler habe  die Wahl  mit einer Steuerlüge gewonnen. Lafontaine
       will nachträglich Recht und eigentlich die Kanzlerwürde zugespro-
       chen bekommen.  War es  Lüge oder bloß Irrtum, der von Unkenntnis
       zeugt? Der  Kanzler jedenfalls ist beim Volk vorerst unten durch,
       weil es  keiner gerne hat, wenn er zugeben muß, daß er beschissen
       worden und darauf reingefallen ist. Die SPD will nichts als Recht
       gehabt haben,  daß die  Steuern erhöht  gehören - sie sagt das ja
       schon immer. Die Regierung gibt's endlich zu; die Medien befassen
       sich mit  der Frage,  wer daraus  mehr Punkte macht. Das Volk er-
       freut sich  an diesem  Schauspiel. Und  zahlt. Denn die Sache, um
       die es hinter all den Ablenkungsmanövern geht, ist simpel:
       

DER STAAT KASSIERT AB

Deutscher sein wird teurer. Der Durchschnittsverdiener bekommt 1991 etwa 1000 DM mehr abgenommen als bisher. Wofür? ------ Kein Rätsel. Der Schwindel, Steuern würden eingetrieben, damit der Staat seinen Bürgern Krankenhäuser, Schulen und Schwimmbäder hinstellen kann, kommt gleich gar nicht auf. Mehr Geld braucht der Staat heuer für deutsche Großmachtprojekte. Das hat der Bür- ger vom Aufstieg seines Staates zur europäischen Zentralmacht. - Ein Krieg will bezahlt werden, damit die BRD wenigstens ein bißchen am Siegertisch mitreden kann. Das muß einem Arbeitnehmer doch das halbe Urlaubsgeld wert sein. - Und dann wird Deutschland ja größer: Der Anschluß der Zone und die Einführung eines ordentlichen Geschäftslebens drüben kostet eben etwas mehr. Wer hat das eigentlich verlangt? Vor ca. 2 Jahren verspürte kein Mensch das Bedürfnis nach Republikausweitung. Abgesehen von Kohl, seiner Partei und dem Grundgesetz natürlich, die seit 1949 nichts Wichtigeres wissen als die Heimholung ihrer Provinzen Nr. 12\-16 und die Ausdehnung der Landesgrenzen bis an die Oder. Den Bürgern der Ex-DDR jedenfalls tat man mit der Annexion ihres Staates kei- nen Gefallen. Wie die dank westdeutscher Marktwirtschaft jetzt dastehen, sieht man ja. - Dann warten da noch Polen, die Tschechei und Sowjetunion auf kapitalistische Kolonisation durch Deutschland; auch das kostet natürlich. Woher nehmen? ------------- Der Kanzler weiß Rat: "Wir können uns das leisten. Wir sind eines der reichsten Länder der Welt. Nach 8 Jahren Aufschwung und immer noch guten Wachs- tumschancen könnte kein Land diese Summen so leicht aufbringen wie wir." Ihm ist ganz klar, daß der Reichtum seines Landes nur einen Sinn hat und nur einen Zweck kennt: Macht und Einfluß Deutschlands auf andere Nationen zu vergrößern. Der wirtschaftliche Erfolg der BRD führt nicht etwa dazu, daß es endlich einmal genug U-Bahnen und Wohnungen gibt, die Löhne steigen und die Arbeit weniger wird. Der Reichtum des Landes ist nur dazu da, daß sich sein Staat im- mer gigantischere imperialistische Projekte vornehmen kann. Noch ehe der "Aufschwung" von den Gewerkschaften zum Anlaß fühl- barer Lohnerhöhungen genommen würde, hat schon der Staat ent- deckt, daß "wir reich sind", es also bei den einfachen Leuten mit weniger auch geht. Natürlich zahlen den größten Teil der neuen wie der alten Steuern die normalen Löhne, die von Reichtum nichts merken und vom Jahr- zehnt des Aufschwungs nur einen stets sinkenden Anteil an ihrem Wertprodukt mitbekommen haben: Wenn die Lohnbezieher zahlen, dann tut es der Nation nicht weh, wenn es ihnen weh tut; sie hätten ihr Geld sowieso nur für Konsum verbraucht: Tabak, Benzin usw. kann für sie ruhig teurer werden, die Lohn- und Einkommensteuer auch. Den Reichen, den Geldbesitzern und Wirtschaftsleuten muß der Staat nämlich Steuern erlassen (Vermögensteuer und Gewerbekapi- talsteuer entfallen), damit sie ihr Geld in Deutschland anlegen, "arbeiten lassen" und der Nation weiterhin das Wirtschaftswachs- tum bescheren, das sie so reich macht. So wird Deutschland immer reicher und deshalb größer, und größer und deshalb reicher - und die normalen Arbeitsleute bleiben immer gleich arm und arbeiten immer weiter. zurück