Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht


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       Die allerbesten Finanzvorsätze der Regierung fürs neue Jahr:
       

DER MÜNDIGE STEUERZAHLER WIRD BEDIENT

Kaum ist die Wahl vorbei, diskutieren die Politiker über neue Steuern und Abgaben für das Volk - und die Öffentlichkeit disku- tiert aufgeregt mit: Höhere Telefongebühren; Autobahngebühr; Er- höhung der Mineralölsteuer; allgemeine Mehrwertsteuererhöhung; einige Milliarden aus der Rentenversicherung West für die Defi- zite im Osten; Übernahme der Knappschaftskasse mit ihren hohen Staatszuschüssen in die Rentenversicherung; Übertragung von 1 Prozentpunkt der Rentenkasse auf die Arbeitslosenversicherung; und/oder eine zusätzliche Erhöhung der Arbeitslosenversiche- rungsbeiträge; neue Zwangsbeiträge für eine Pflegeversicherung... Kurz und gut: Der Staat soll wieder einmal teurer werden. Sehen soll man das allerdings ganz anders. Angeblich sind diese staatlichen Hoheitsmaßnahmen nämlich ein unausweichlicher Sach- zwang, dem die Politiker nur schweren Herzens gehorchen, und ein leider notwendiger Preis für ihre guten Dienste am deutschen Volk. Äußerst gerecht verteilt sind die Opfer und notwendig für die Umwelt, die deutsche Einheit und für die notleidenden Kassen - und die Hauptschuld trifft wieder mal die vergangene 40ährige SED-Mißwirtschaft, die dem neuen Deutschland zuwenig Telefone und AKWs und zuviel Braunkohlestaub hinterlassen hat. So sagt die Re- gierung. Umgekehrt ist laut Opposition das Steuerpaket wieder einmal nicht gerecht und sachdienlich genug geplant, die Kassen werden nicht bedient, sondern geschädigt, und das ganze Vorhaben ist ein einziger Betrug am gutgläubigen, vertrauensseligen Wäh- ler. Damit soll natürlich nicht gesagt sein, man könnte ihm die neuen Lasten ersparen; er hätte sie nur rechtzeitig erfahren sol- len, dann wäre die Sache in Ordnung. Für die gewünschte Sicht der Dinge sorgen die Politiker also gleich selber, wenn sie über ihre Vorhaben diskutieren und diskutieren lassen. Gestritten wird näm- lich vor allem über die Titel, mit denen dem Volk die neuen La- sten verkauft werden sollen. Mit diesem öffentlichen Streit erweisen Koalition und Opposition dem Volk, das sie vermehrt zur Kasse bitten wollen, einen wert- vollen Dienst. Als S t e u e r z a h l e r kriegt der Bürger so rechtzeitig mit, daß einiges auf ihn zukommt. Und als mündiger Bürger kann er sich seelisch darauf einstellen. Er darf im Geiste mitstreiten, ob er nun gerecht bedient oder betrogen wird, und darf die Berechnungen der Politiker durchschauen. Das verschafft moralische Genugtuung. Denn zahlen muß man ja auf jeden Fall und hat das vor und nach der Wahl auch nicht anders erwartet. Oder? zurück