Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht


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       Beitrag der  Marxistischen Gruppe  zur Städtepartnerschaft Braun-
       schweig/Magdeburg
       
       Liebe Leute!
       
       Daß DDR-Bürger hierher kommen, um einzukaufen und sich zu vergnü-
       gen -  kein Einwand dagegen. Ärgerlich aber ist, zu welchen Zwec-
       ken die  BRD und  ihre maßgeblichen Politiker das DDR-Volk so de-
       monstrativ umarmen.  Menschenfreundlichkeit gegenüber  Leuten  in
       einer materiellen  Notlage ist  da sicher  nicht am Werk: Tamilen
       und andere Asylsuchende werden von der BRD auch dann abgeschoben,
       wenn sie  in ihrer Heimat den Kerker oder Schlimmeres zu erwarten
       haben; in  diesen Fällen  gilt das  Bemühen um materielle Besser-
       stellung geradezu  als Schwerstverbrechen und Abschiebegrund, wie
       der Vorwurf des "Wirtschaftsasylanten" beweist. Auch die Vorliebe
       der Bonner Macher für demonstrierende DDRler ist eine berechnende
       Heuchelei: Während  hierzulande der friedensbewegte Protest gegen
       Raketen  als   unerträglicher  "Druck   der  Straße"  (Kohl)  zu-
       rückgewiesen und  WAA-Gegner in Wackersdorf mit Polizeigewalt ab-
       geräumt wurden,  schätzen die  Bonner Parteien auf einmal das De-
       monstrieren über  alle Maßen - dann nämlich, wenn es  d r ü b e n
       stattfindet und  einem mißliebigen  System das  Überleben  schwer
       macht.
       Die geheuchelte  Sympathie der  Bonner Parteien  gegenüber Leuten
       von drüben  dient  nur  einem  Zweck:  Der  bundesdeutsche  Groß-
       machtanspruch namens  Wiedervereinigung beruft  sich auf das öst-
       liche Menschenmaterial,  damit er  als Dienst  am Humanismus  da-
       steht. Mit  einem Nutzen  für die Menschen ist es überhaupt nicht
       zu verwechseln,  wenn der  Bonner Regierungsbezirk  künftig  auch
       noch bis  Magdeburg und  anderswo reicht.  Dann werden Kernkraft-
       werke den  Leuten drüben  nicht von einem Honecker, sondern einem
       Kohl oder  Vogel verordnet. Dann leiden die Menschen nicht länger
       unter leeren  Regalen und gesicherten Arbeitsplätzen, sondern be-
       kommen die  kapitalistische Marktwirtschaft zu spüren. Die bringt
       es zu  vollen Kaufhäusern,  macht Staaten  wie die BRD zu Export-
       weltmeistern -  und produziert gleichzeitig 6 Millionen Menschen,
       die unter dem Sozialhilfesatz leben müssen, 60% Frührentner unter
       der arbeitenden  Bevölkerung und  einen Mietwucher,  der auch für
       Besserverdienende die  Wohnungsfrage zu  einem Problem macht. Das
       alles soll  den Leuten in der DDR gefehlt haben? Dafür sollen die
       Grenzen fallen,  damit der  Ostteil der  BRD  einverleibt  werden
       kann? Dieses  Programm hat  mit Imperialismus viel mit Humanismus
       gar nichts zu tun.
       Noch ein Wort an die Magdeburger Gäste:
       In diesen  Tagen ist viel von Bestechung und Amtsmißbrauch zu hö-
       ren, und  eine regelrechte  Verfolgungsjagd gegen SED-Funktionäre
       hat eingesetzt.  Das findet  wieder viel Beifall in der BRD. Aber
       Vorsicht! Wer schon diesen Maßstab der Korruption und des Betrugs
       an die Führerfiguren anlegt, der sollte sich auch klarmachen, daß
       mit dieser  Verurteilung des SED-Staates eine Parteinahme für den
       BRD-Staat  nie  und  nimmer  zu  begründen  geht.  Oder  ist  die
       Steuerhinterziehung von  Graf  Lambsdorff  schon  vergessen,  die
       Parteispendenamnestie der  CDU verziehen? Im übrigen: Wer den mä-
       ßig gehobenen Wohnkomfort in Wandlitz Typen wie Krenz zum Vorwurf
       macht, sollte  die Diäten  und Villen  der Bonner Regierungselite
       nicht aus dem Auge verlieren.
       Bloß: Vernünftig  ist eine solche Kritik nicht. Der miese Lebens-
       standard der  DDR-Bewohner kommt  nämlich gar  nicht  daher,  daß
       Krenz und  Co. zuviel  Champus gesoffen  und in die eigene Tasche
       gewirtschaftet haben.  D a s  hätten sie viel leichter haben kön-
       nen -  durch eine  Karriere bei  der Deutschen  Bank oder Daimler
       Benz. Dafür  muß man keinen ganzen Staat aufziehen mit einem rie-
       sigen Wirtschaftsapparat  und  seinen  tausend  Kennziffern.  Der
       wahre Grund für die ungemütlichen Lebensumstände der Leute drüben
       liegt in dem Prinzip des Wirtschaftens, das der reale Sozialismus
       kommandiert: Auch  drüben gehorcht  die Planwirtschaft  nicht dem
       schlichten Zweck,  alles Nützliche für den Bedarf den Produzenten
       herzustellen.   G e w i n n e   sollen die Betriebe im Staatsauf-
       trag machen, also eine Geldvermehrung betreiben - und das bekommt
       der Versorgung der Leute nicht gut, auch wenn der Staat mit einem
       Recht auf  Arbeit und staatlicher Preisfestsetzung manches unter-
       bindet: Löhne  sind auch  drüben    A b z u g    vom  zu  erwirt-
       schaftenden Produktionsergebnis, weil Kosten - entsprechend kärg-
       lich fallen  sie aus.  Und wo  die Geldvermehrung  auch  noch  in
       weltmarktfähigen Devisen wie DM anfallen soll, werden die DDR-Ar-
       beiter mit  einem Paradox  der ärgerlichen  Art konfrontiert: Die
       Kühlschränke und  Sitzmöbel, die  sie selber  zusammenbauen, sind
       drüben kaum  zu erwerben, weil sie sich in westdeutschen Kaufhäu-
       sern bei Quelle und Ikea türmen - Export für DM!
       D a s  wäre der SED vorzuwerfen: der Gewinnauftrag geht gegen die
       Versorgung. Zu  hören ist  aber drüben  nur die  ganz  umgekehrte
       falsche Kritik: Eine effiziente Gewinnproduktion hat die SED ver-
       säumt,  viel  zu  viel  unökonomische  Rücksichtnahmen  wie  sub-
       ventionierte Lebensmittelpreise und Mieten! Jetzt soll der Gewinn
       nach kapitalistischem  Vorbild endlich  freie Bahn bekommen - als
       wären 2 Millionen Arbeitslose und Neue Armut in der BRD der beste
       Beweis, daß  Marktwirtschaft und Demokratie die besten Lebensmit-
       tel für die Massen sind!

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