Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht


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LANGER SAMSTAG FÜR DIE ZONIS

Unter Berufung auf den Paragraph 23 des Ladenschlußgesetzes, der bei einem Notstand der nationalen Versorgung Ausnahmen von den sonst üblichen Öffnungszeiten vorsieht, hat Wedemeier für die Samstage verlängerte Öffnungzeiten erlaubt. Und das, obwohl von Sturmflut, Erbeben oder sonstigen Katastrophen nichts zu spüren war. Nein, der Versorgungsnotstand, den Wedemeier ausgespäht hatte, war anderer Natur. Mit der Ausnahmeregelung will Wedemeier dem Übelstand abhelfen, daß wegen der starren Regeln des Ladenschlußgesetzes den Besuchs- bürgern aus der DDR ein elementares Freiheitsrecht vorenthalten wird. "Unsere Zonis" haben nämlich ein Recht darauf, an vollen Regalen vorbeizubummeln und die bunte Warenwelt zu bestaunen. Die Unzufriedenheit der DDRler mit ihrem heimischen Laden will schließlich geschürt sein! Die Geschäftswelt hat sich dieser nationalen Aufgabe in bekannter Selbstlosigkeit gestellt: Wer auf ein attraktives Umsatzplus spe- kuliert hat, hat einfach den Laden offen gelassen und den Zonis so die Gelegenheit gegeben, ihr Begrüßungsgeld gleich bei der richtigen Adresse abzuliefern. Die nationale Pflicht der Belegschaften stand damit auch schon fest: Einmal mehr war Antreten angesagt. Das sahen auch die beru- fenen Vertreter des Personals nicht viel anders. Zwar hatten die Gewerkschaften noch vorgestern einen Riesenzauber um den Dienst- leistungsabend abgezogen, der dem "völlig überlasteten Verkaufs- personal nicht zumuten" sei. - Aber wenn die Nation ruft! So waren die Aufgaben wie immer sehr gerecht verteilt: Die einen kriegen einen Anerkennungsblauen zugesteckt, damit sie sich zum lebenden Beweismaterial der Überlegenheit des westlichen Systems machen. Und damit die Botschaft auch sitzt, kriegen sie die Kauf- häuser auch samstags von innen zu sehen. Die anderen tun ihre nationale Pflicht wie immer dadurch, daß sie ihr Geschäft machen. Und für die dritten fällt auch noch was ab: Sie dürfen mehr arbeiten. *** Es lebe die Bananenrepublik! Bei uns futtern doch glatt ganz normale Normalos Exotisches aus Afri- und Amerika - und das fast jeden Tag! Und wissen sie es zu schätzen? Nein, achtlos stopfen sie die gelben Stopfer von Chi- quita und Bajellas in sich hinein und freuen sich weder über den fremden Geschmack noch über die gelbe Schale. Da mußten erst die Zonis kommen und uns daran erinnern, was für einen Luxus wir uns täglich leisten. Jetzt wissen wir wieder: Bananen sind keine billigen Stopfer, an die uns United Fruit und Brema gewöhnt haben. Sie sind ein Symbol, ja der treffendste Aus- druck dafür, wie gut wir es getroffen haben mit dieser Republik. Darauf pellen wir uns eine! zurück