Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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"Arbeiter sterben früher":
SCHWARZROTGOLDNE LEBENSQUALITÄT II
Als Arbeiter arbeitet man doch, um zu leben, und nicht umgekehrt.
Oder? Dazu ein paar Zahlen, die vor kurzem von der Bundesanstalt
für Arbeit erhoben worden sind:
Derzeit erreichen nur 30% der männlichen Arbeiter in der BRD ge-
sund mit 63 oder 65 Jahren das Rentenalter. Der andere Teil
stirbt früher oder bezieht frühzeitig Berufs- oder Erwerbsunfä-
higkeitsrente. Fast 20% der Männer des Jahrgangs 1920, die einer
unteren Einkommensschicht angehören, sind zwischen 1977 und 1985
bereits gestorben, also vor Erreichen des Rentenalters.
Das ist also die amtliche "Erfolgsbilanz", die 45 Jahre bundes-
deutschen Wirtschaftswachstums der heimischen Arbeiterbevölkerung
zu bieten hat: Die wenigsten haben die Aussicht, die Zeit ihrer
aktiven Lohnarbeiterschaft gesund zu überleben. 40 Jahre die Lei-
stungsanforderungen bundesdeutscher Fabrikarbeitsplätze auszuhal-
ten, das geht so gründlich auf Kosten von Gesundheit und Lebens-
kraft, daß die Mehrheit der Arbeiterbevölkerung von einem
"3. Lebensabschnitt" im Alter nur träumen kann: für 20% entfällt
das "3. Lebensalter" gleich ganz, weil sie vorzeitig sterben,
weitere 50% werden als Invaliden aus dem Arbeitsprozeß ausge-
schieden.
Lebensqualität "Marke BRD", das heißt für Arbeiter also: ihr Le-
ben geht so ziemlich ohne Rest darin auf, daß ein weltweit er-
folgreiches Kapital sie als Arbeitskraft vernutzt. Klar: Wer
"einen Arbeitsplatz hat", der genießt das Glück, die besten Jahre
seines Lebens an Hochleistungsarbeitsplätzen zu verbringen, wie
sie auf dem Boden des "Exportweltmeisters BRD" selbstverständlich
sind. Schichtarbeit, Überstunden und jede Menge Lärm, Dreck und
Gift inclusive. Da kann es unmöglich bloß das "3. Lebensalter"
sein, was für Lohnarbeiter in der BRD flachfällt!
In die Öffentlichkeit gebracht hat diese amtliche Statistik übri-
gens der Deutsche Gewerkschaftsbund. Sein Vize-Vorsitzender Muhr
beschwerte sich laut "Frankfurter Rundschau", daß "die Aussage:
'Wenn du Arbeiter bist, mußt du früher sterben.' nichts von ihrer
Gültigkeit verloren habe." Wahrlich eine Spitzenleistung bundes-
deutschen Gewerkschaftsprotests: Überall sind deutsche Gewerk-
schaften bekanntlich an vorderster Front dabei beteiligt, wenn es
um die Mitbestimmung der "Sachnotwendigkeiten" für einen
erfolgreichen "Kapitalstandort Bundesrepublik" geht. Da fallen
ihnen die ruinösen Arbeitsbedingungen ganz und gar nicht ein; an
deren Festlegung sind sie ja beteiligt! Die öffentlichen Kroko-
dilstränen des Herrn Muhr kommen auch bloß daher, daß der DGB
sich zu einer Stellungnahme zu den jüngsten Vorschlägen für eine
Rentenreform aufgefordert sah, die bekanntlich von einer ganz
großen Koalition aus "Rentenexperten" von CDU/CSU, FDP und SPD
vorgelegt worden sind. Gegenüber der dort formulierten Absicht,
das Rentenalter wieder auf 65 Jahre heraufzusetzen, gibt die
deutsche Arbeitervertretung zu bedenken, "ob ältere Arbeitnehmer
überhaupt gesundheitlich in der Lage sind, bis zum 65. Lebensjahr
im Beruf zu verbleiben". Ein Klasse-Einwand gegen die Bonner Ren-
tenpolitiker: Selbstverständlich hat die Arbeitskraft bis zu ih-
rem endgültigen Verschleiß dem Kapital zur Verfügung zu stehen;
es geht aber nicht, die Grenze auf 65 Jahre anzuheben, wo die
meisten es noch nicht mal bis 63 aushalten! Ein typischer Zynis-
mus Marke DGB.
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