Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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Wie gut es die DDR-Übersiedler getroffen haben:
SCHWARZROTGOLDNE LEBENSQUALITÄT I
Hallo Rübermacher, jetzt habt ihr's also geschafft und seid im
freien Westen gelandet. Da wolltet ihr ja hin, von wegen dem
'besseren Leben', den 'Chancen, es mit seiner Leistung zu etwas
zu bringen' usw. Was euch in puncto bundesdeutsche Lebensqualität
so bevorsteht, daraus wird in der freiheitlichen Öffentlichkeit
übrigens gar kein Geheimnis gemacht. Im deutschen Fernsehen, das
ihr ja auch drüben empfangen konntet, kamen da die letzten Tage
ein paar ganz aufschlußreiche Meldungen:
- Im letzten "Politbarometer" des ZDF wurden die Bundesbürger
diesmal nicht bloß danach gefragt, was sie von den Einseifer-
qualitäten, pardon: von den "Wahlchancen" ihrer politischen Füh-
rer halten, sondern auch danach, ob sie schon im Urlaub waren.
Das Ergebnis: obwohl "die Haupturlaubszeit schon vorbei ist", wa-
ren nur 39% der Befragten verreist. Die übrigen 61%, so der Mo-
derator, "genießen ihren Urlaub auf dem Balkon, oder sie mußten
arbeiten". Na, das ist doch mal ganz was anderes: Daß der Rei-
selust des bundesdeutschen Normalmenschen ja bloß sein be-
schränkter Geldbeutel im Wege steht. Oder sein Arbeitgeber, des-
sen Geschäfte so gut gehen, daß er seiner Belegschaft kurzerhand
den Sommerurlaub streicht. BRD-Lebensqualität 89!
- Kürzlich war Sommerschlußverkauf. Die Handelskapitalisten zeig-
ten sich im wesentlichen zufrieden darüber, wie es ihnen wieder
einmal gelungen ist, den Leuten mit Billigware ihr knappes Geld
aus der Tasche zu ziehen. Und das Fernsehen vermeldet ergänzend,
es habe sich heuer verstärkt eine "Käuferschicht" bemerkbar ge-
macht, die sich dadurch auszeichnet, daß sie "ihren ganzen Bedarf
für ein volles Jahr aus den billigen Angeboten des Schlußverkaufs
bestreitet. Die meisten sind Arbeitslose oder Aussiedler." Wieder
ein Stück ganz gewöhnlicher Kapitalismus: die Normalverdiener
hierzulande kriegen so viel Geld nachgeschmissen, daß sie bloß
zweimal im Jahr froh sein müssen, ihren Bedarf an Klamotten per
Billigangebot decken zu können. Und dann gibt es noch eine Menge
Leute, die man noch weniger oder gar kein Geld verdienen läßt;
für die ist dann der typisch kapitalistische Konsumrausch gleich
im Juli fürs ganze restliche Jahr erledigt. BRD-Lebensqualität
89!
- Um die DDR-Aussiedler wird sich in ihrer neuen Heimat wirklich
schwer gekümmert. Da zeigt das Fernsehen, daß für diese Leute ei-
gens Kurse abgehalten werden, in denen sie irgendwelche Handwer-
kereien ausführen müssen. Und zwar nicht etwa, damit sie dieses
Handwerk lernen, sondern, so der TV-Kommentar, damit sie sich "an
die Arbeitsmoral gewöhnen", die man im freien Westen unbedingt
braucht. "Es klingt für Bundesdeutsche seltsam", aber die Ex-DDR-
ler müssen erst mal so Sachen wie "Pünktlichkeit" lernen, oder
"daß man sich bei uns nicht einfach von der Arbeit entfernen
kann, um zwischendurch Privatgeschäfte zu erledigen". Denn im
Arbeiterparadies BRD gehört nun mal die Arbeitszeit von A bis Z
dem G e s c h ä f t, und die Geschäftemacher packen sie von der
ersten bis zur letzten Minute mit Leistung voll, die sich lohnt -
natürlich für die Unternehmer! Das ist im Kapitalismus die größte
Selbstverständlichkeit. Aber wer den nicht von Kindesbeinen an
gewöhnt ist, der muß dieses Stück BRD-Lebensqualität natürlich
erst noch eigens eingebimst kriegen. Schon gleich die Leute, die
von "drüben" kommen, wo es in Sachen Arbeitshetze geradezu gemüt-
lich zugeht.
Na, für so viel Lebensqualität hat sich das Rübermachen doch
wirklich gelohnt, nicht wahr, liebe "Brüder und Schwestern"!
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