Quelle: Archiv MG - BRD ALLGEMEIN - Auf dem Weg zur Weltmacht
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IST DIESE REPUBLIK VERTEIDIGENSWÜRDIG?
Dazu hat sich jüngst auch der Wehrbeauftragte des deutschen Bun-
destages Berkhahn geäußert. Nicht, daß er eine Antwort oder gar
gute Gründe für ein Ja hätte liefern wollen. Darüber ist der par-
lamentarische Wächter über die Moral der Truppe erhaben. Seine
Sorge gilt der Schwierigkeit mancher dienender Bundesbürger, die
Frage erst gar nicht aufkommen zu lassen:
"Ich sehe vor mir den jungen Gefreiten, der achselzuckend zu mir
sagt: 'Was hab' ich denn zu verteidigen? Als ich kam, war ich ar-
beitslos, und wenn ich gehe, bin ich wieder arbeitslos. Ich habe
doch eigentlich gar nichts zu verteidigen!'"
Sehr verständnisvoll, wie sich Berkhahn hier der Nöte annimmt,
die diese Republik ihrem Verteidigungsmaterial aufbürdet. Behin-
dern sie vielleicht den Verteidigungswillen, lautet das Problem.
Allenfalls einem Dauerarbeitslosen mag Berkhahn zugestehen, er
könne den Dienst an der Waffe eventuell nicht gleich für die
höchste und selbstverständlichste Aufgabe halten. Diejenigen, die
zu den "Arbeitsplatzbesitzern" gehören, sortiert er von vornher-
ein unter die Sorgenfreien, von der Republik Beglückten, weil sie
sich ihren Lebensunterhalt verdienen dürfen und trotz aller
staatlichen Sparmaßnahmen immer noch irgendwie leben können. Die
gehören also auch von vornherein nicht zu denjenigen, denen Berk-
hahn gewisse Schwierigkeiten zugesteht:
"Es ist schwer einzusehen für einen jungen Menschen, daß Recht
und Freiheit verteidigungswürdig sind, auch in einer Situation,
wo soziale, ökonomische Schwierigkeiten sich für ihn persönlich
auftürmen."
Und? Will Berkhahn vielleicht den "jungen Menschen" zur
"Einsicht" verhelfen - etwa dadurch, daß er dem Staat empfiehlt,
den Turm an Schwierigkeiten etwas abzutragen; oder wenigstens da-
durch, daß er sie davon zu überzeugen versucht, daß sich Freiheit
und Recht trotzdem zu verteidigen lohnen. Keineswegs! Da hört
sich das geheuchelte Verständnis des politischen Truppenbetreuers
auf, und der kritische Klartext folgt auf dem Fuße:
"Wenn die Bürger eines freien demokratischen Staates alles nur
tun, weil es im Gesetz steht und weil man es von ihnen erwartet,
dann ist die Gefahr groß, daß der gleiche Bürger sich einer ande-
ren Staatsform genauso anpassen und einpassen würde, daß der Wert
der Freiheit nicht ausreichend erfahren, begriffen und gewertet
ist."
Ein sauberes Argument für den Wert der Freiheit: Die Frage, was
man von einem Leben in Freiheit hat, ist staatsgefährdend. Noch
dem letzten arbeitslosen Jugendlichen hat die Verteidigung der
Republik ein Herzensanliegen zu sein. Erstens wird er sowieso
dazu gezwungen, "weil das im Gesetz steht". Zweitens aber heißt
der aktuelle Tagesbefehl: Kriegsdienst ist Ehrensache! Und zwar
auch und gerade dann, wenn man persönlich ganz und gar nichts zu
verteidigen hat.
Politiker, die dermaßen anspruchsvolle Forderungen an ihre Unter-
tanen stellen, wollen sie offensichtlich noch auf ganz andere
"Schwierigkeiten" vorbereiten, die unser freiheitlicher Rechts-
staat ihnen aufbürden wird für seine Verteidigung.
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