Quelle: Archiv MG - ASIEN PHILIPPINEN - US-Demokratie im Pazifik


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       Bremer Hochschulzeitung, 03.02.1987
       

DER PUTSCH VON MANILA

den zweihundert Angehörige der "Neuen Streitkräfte der Philippi- nen" unter Anleitung des Obristen Oscar Canlas angezettelt hat- ten, ging zu Ende, wie es alten Kameraden geziemt. Unter großem Hallo der umstehenden Berufsgenossen wurden die Abweichler, noch bewaffnet, dorthin gebracht, wo sie sich am wohlsten fühlen dürf- ten - in eine Armeekaserne. Putschisten wie Wachmannschaften ta- ten alles, den Eindruck zu vermeiden, hier seien Staatsverbrecher zur Strecke gebracht worden. Oberst Canlas erklärte auf einer Pressekonferenz im Verteidigungsministerium - wo sonst? -, von einer Kapitulation seinerseits könne keine Rede sein; General- stabschef Fidel Ramos lehnte jeden Gedanken an eine Bestrafung von Canlas und Konsorten kategorisch ab. Das uniformierte Pack war wieder vereint. Zuvor hatten philippinische Offiziere, sonst treffsicher und geradlinig im Aufspüren und Liquidieren von (vermeintlichen) Staatsfeinden, ernsthafte Skrupel hinsichtlich ihrer Lieblingsbeschäftigung bekommen. Die Fernsehstation "Kanal 7", in der sich die Abtrünnigen verschanzt hatten, wollten sie nicht stürmen. "Sie hatten drei Stunden mit dem Generalstabschef in dessen Amts- sitz diskutiert und ihm mit Massenaustritten aus der Armee ge- droht, falls er nicht aufhöre, gegen Kameraden Gewalt anzuwen- den." (SZ, 30.1.) Die Solidarität der Waffenbrüder kommt nicht von ungefähr, wissen sie sich doch alle dem Kampfauftrag Nr. 1 der alten wie neuen philippinischen Streitkräfte verpflichtet: stabile amerikanische Verhältnisse auf den Philippinen, also Liquidation der Kommuni- sten und anderer Rebellen. Darin sind sich übrigens Aquino und Armee völlig einig. Nicht einmal die Methoden sind strittig: Ge- walt, was denn sonst! Uneinigkeit herrscht höchstens in einer Frage: Wo ist sie in welchem Umfang am Platze? Canlas brauchte sich nicht zu verstellen, als er die lauteren Motive seines kurz- fristigen Abweichlertums erläuterte. "Canlas dementierte entschieden, daß die Meuterei uon Marcos-An- hängern als Putschversuch inszeniert worden sei. Vielmehr sei es um eine Aktion gegen die Unterwanderung der Regierung durch Kom- munisten gegangen. (... ) Ein Mitverschwörer Canlas' sagte: 'Wir wollten den Menschen zeigen, daß die Armee nicht aufgehört hat, die Kommunisten zu bekämpfen.' (...) Canlas ließ sich später zu- sammen mit seiner Truppe fortbringen. Er rief Zuschauern zu: 'Dies ist nicht das Ende unseres Kampfes - wir werden weiter für wahre Demokratie kämpfen'." (SZ, 30.1.) Dieses Versprechen fanden seine Vorgesetzten überzeugend. Aller- dings nicht als Tat eines Einzelgängers, sondern als Gemein- schaftsleistung. "Unterhändler Brigadegeneral Bianzon sagte, er hoffe Canlas dem- nächst auf seiner Seite zu sehen, 'um den Kommunisten entgegenzu- treten'." (SZ, 30.1.) Die Hatz auf die mittlerweile in den Untergrund abgedrängte kom- munistische Nationaldemokratischen Front (NDF) wird sich der alte Haudegen nicht eotgehen lassen. Die Sache mit der "wahren Demo- kratie" haben die Burschen irgendwie richtig verstanden. zurück