Quelle: Archiv MG - ASIEN PHILIPPINEN - US-Demokratie im Pazifik
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Duisburger Hochschulzeitung, 21.05.1984
Wochenschau
ÜBER WAHLEN AUF DEN PHILIPPINEN
dürfe sich "ein vernünftiger Mensch keine allzu großen Illusio-
nen" machen, bemerkt der Kommentator der FAZ durchaus repräsenta-
tiv für den zynischen Realimus demokratischer Begutachter der
Verhältnisse in den Satellitenstaaten des Imperialismus. Das ist
natürlich alles andere als eine Kritik an Staatswesen wie dem
philippinischen, wo die Macht für den sie besitzenden Clan unmit-
telbar mit persönlicher Bereicherung zusammenfällt. Erst recht
nicht am westlichen Interesse, das einen Ferdinand Marcos für
sehr brauchbar erachtet und entsprechend alimentiert - dafür, daß
er Land und Leute der profitablen Benutzung des internationalen
Kapitals zur Verfügung stellt. In Staaten wie den Philippinen
existiert die Trennung von Amt und Inhaber nicht, wie sie die
"funktionierenden" Demokratien auszeichnet, weswegen auch das in-
stitutionalisierte Wechselspiel von Regierung und Opposition
nicht klappen will. Der Verlust der politischen Macht trennt die
herrschende Clique auch von allen Pfründen der Bereicherung mit-
tels des Staates und wird deshalb auch mit allen Mitteln verhin-
dert. Wenn also ein Marcos gelegentlich 'Demokratie wagt', dann
hat diese seinen Grund nicht in seiner Sehnsucht nach Bestätigung
durchs Volk oder weil ihn die Opposition, deren Führer er unge-
straft umlegen lassen konnte, dazu zwingt: "Politische Beobachter
sagen, Marcos könnte davon profitieren, wenn die Opposition 70
Sitze gewonnen hätte. Dann könnte er das Ergebnis als Beweis an-
führen, sein Land sei demokratisch. Dies würde ihm helfen, aus-
ländische Hilfe, vor allem von den USA, zu bekommen, ohne daß
seine Macht ernsthaft bedroht sei."
Die imperialistischen Paten sorgen so nicht nur für die Schlach-
ter, sondern bescheren den Filipinos auch noch das Recht, sie
selber wählen zu dürfen. übers Ergebnis herrscht vorab Gewißheit:
Denn weder "schließen die Beobachter aus, daß Marcos hart gegen
die Opposition vorgeht, falls er seine Lage als bedroht erach-
tet", noch besteht Grund zur Sorge, daß bei einem Sturz der am-
tierenden Kreatur die Falschen ans Ruder kommen könnten: "Die Op-
position besteht gleichfalls aus machthungrigen Individuen."
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