Quelle: Archiv MG - ASIEN PAKISTAN - Staat in Fernost
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Wiener Hochschulzeitung, 01.12.1987
Waldheim in Pakistan
ZU GAST BEI GUTEN FREUNDEN
So rundum pudelwohl wie als Gast bei Diktator Zia ul-Haq hat sich
unser Präsident schon lang' nicht mehr gefühlt. Zur Begrüßung
"eine donnernde Jet-Staffel über dem Flugfeld, Böller, Fahnen,
Musikkapellen, Tänzer und ein Himmel voller Luftballons. Selbst
die Wasserbüffel entlang der Strecke waren rot-weiß-rot ge-
schmückt", und überall "bis zu 40 Meter lange Spruchbänder
'Willkommen, geehrter Präsident Kurt Waldheim'". (Kurier) -
das hat er gerne, der alte Genießer von Staatskult und UNO-Folk-
lore. Fragt sich bloß: Wie kommt der Mann zu der Ehre?
"Waldheim ist bei unserem Volk beliebter als ich" (Zia ul-Haq)
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An diesem reichlich verlogenen Kompliment ist höchstens soviel
dran: Waldheim ist den 100 Millionen Pakistani so gut bekannt wie
etwa hierzulande Mohammed Khan Junejo, also durchaus nicht unbe-
liebt; und ein pakistanischer Staatschef setzt erst gar nicht auf
"Beliebtheit", sondern auf Militär und Polizei.
Aber wenn Staatsmänner die Zuneigungen ihrer Völker herbeizitie-
ren, dann haben sie ohnehin anderes im Sinn: sie geben zu Proto-
koll, was sie an ihren werten Kollegen haben, schätzen und von
ihnen wollen. Insofern ist folgende Lobeshymne Zias auf Waldheim
schon auflschußreicher:
"Es gibt eine böswillige, zionistische Propaganda gegen diesen
Gentleman, der überall einen sehr guten Ruf genoß. Ich habe Herrn
Waldbeim als UN-Generalsekretär kennengelernt, als er uns bei-
stand, wie Millionen afghanische Flüchtlinge ins Land strömten.
Ich schätze ihn als einen Mann mit Prinzipien, von denen es nicht
viele gibt." (zitiert nach profil 47/87)
Abgesehen vom kleinen Nebendienst, einmal aus solider Quelle be-
stätigt zu bekommen, daß der ehrenwerte "Gentleman" Opfer einer
zionistischen Verschwörung ist - auch sonst ist alles klar: Ein
Mann, ein Prinzip: 'Russen raus aus Afghanistan!'
Ein westlicher Frontstaat gibt sich die Ehre
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Pakistan ist die Bastion für die westliche Kriegsführung in
Afghanistan. Ein Eldorado für offizielle und inoffizielle Waffen-
händler, Agenten und Russenhetzer; Operations- und Rückzugsbasis
für die vom Westen finanzierten und aufgerüsteten afghanischen
Partisanen, denen die pakistanische Armee Rückendeckung gibt;
Verwalter riesiger Flüchtlingslager, deren Insassen, wenn man sie
nicht gerade verrecken läßt, als Rekruten für die afghanischen
NATO-Truppen und als Vorzeigeobjekte freiheitlicher Moral dienen.
Den nötigen "Beistand", sich zum Frontstaat gegen sowjetische Um-
triebe in Afghanistan auszubauen, bekam Zia freilich weniger vom
damaligen UNO-Chef denn von der anderen Weltorganisation mit drei
Buchstaben, den USA. Aber immerhin: wenn ein Teil dieses Pro-
gramms unter dem UNO-Titel "humanitäre Hilfe" abgewickelt wird,
dann zieht Pakistan nicht nur zusätzliche Gelder auf sich, son-
dern vor allem moralische Währung.
Und wenn ein "österreichisches Hilfskomitee für Afghanistan" ei-
nes der Auffang- und Rekrutierungslager zwar nicht finanziert,
aber offiziell "verwaltet", dann erhöht auch das den menschlichen
Gehalt dieser Militäreinrichtung. Also bekam Waldheim Gelegen-
heit, sich auch noch von afghanischen Moslems bejubeln zu lassen.
Bei diesem Anlaß wurden keine Wasserbüffel rot-weiß-rot gestri-
chen, sondern umgekehrt der rot-weiß-rote Häuptling mit
"Umhängen, handgemachten Glücksbringern und Kopfbedeckungen" aus-
staffiert. Damit jeder sehen konnte, welch freiheitsdurstiger
Afghane er im Grunde seines Herzens ist. Sein "alter Freund" Zia
sagte den Lagerkriegern seine "bedingungslose Unterstützung" zu,
Waldheim beglückwünschte die Flüchtlinge zu ihrem unbändigen
Drang, für "Unabhängigkeit und Freiheit" zu schießen, und die
versprachen ihm dafür, "um die Freiheit für ihr Land bis zuletzt
zu kämpfen". Freiheitshelden unter sich.
Daß diese antisowjetische Kundgebung an der afghanischen Grenze
"immer wieder von 'Allah ist groß'-Rufen unterbrochen" wurde,
machte gar nichts. Die Demokraten und ihre Öffentlichkeit unter-
scheiden traumhaft sicher zwischen "fanatischen, mittelalterli-
chen und blutrünstigen Moslems", die den Iran bevölkern, und ih-
ren Glaubensbrüdern in Afghanistan, die zweifelsfrei von abend-
ländisch-demokratischen Freiheitswerten beseelt sind. Schließlich
hat die einen der Westen zum Feind erklärt, wohingegen die ande-
ren den erklärten Feind des Westens bekriegen. Genausowenig scha-
dete es der Bombenstimmung im Freiheitslager und der pakista-
nisch-afghanisch-österreichischen Freundschaft, daß wohl die we-
nigsten der versammelten Stammeskrieger wußten, wer der große
weiße Mann mit den seltsamen Ohren war, der sie da wohlwollend
angrinste; wenn der Oberpakistani samt hohem Gast und Fernsehka-
meras auftaucht, wissen sie schon, was sie zu sagen haben. Im
Zweifelsfall bringt es ihnen die österreichische Lagerleitung
oder die CIA rechtzeitig bei.
Verglichen damit, daß sich Zia-al-Huq unsterbliche Verdienste da-
durch erworben hat, den Krieg in Afghanistan im Sinne des Westens
am Laufen zu halten; daß er "unserem" Präsidenten einen rauschen-
den Empfang bereitet und ihm vor Ort Gelegenheit gegeben hat,
s e i n e Verdienste in Sachen westliche Ansprüche gegen die So-
wjetunion gehörig herauszustreichen verglichen damit macht es
fast gar nichts, daß Zia seinen Vorgänger weggeputscht und auf-
hängen hat lassen.
Demokraten sind da überhaupt nicht zimperlich. Hauptsache, der
Mann sorgt seit zehn Jahren in einer Region, die dem Westen wich-
tig ist, für eine "Stabilität" in "unserem" Sinne, die in diesem
Fall auf eine leichenträchtige "Instabilität" beim feindlichen
Nachbam abzielt. Gewisse Methodenfragen der Herrschaftsausübung
entschuldigen sich damit von selbst: Land und Leute sind für die
hohe Kunst demokratischen Regiert-werdens einfach (noch) nicht
reif.
Mit seiner Freundschaft zu Zia-al-Huq befindet sich Waldheim also
in bester Gesellschaft; außer dem Vize-Chef der demokratischen
Führungsmacht, Bush, haben ihm "Konservative, Liberale und Sozi-
aldemokraten aus ganz Europa schon vor den Österreichern die Auf-
wartung gemacht" (Kurier). Die freie Welt weiß eben, was sie an
ihren Statthalter-Kreaturen hat.
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Bilderbuchkarriere eines begnadeten Freiheitsfreundes
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Zia ul-Huq (Sia ul-Hack (Pakistan). * 1924 im Punjab (Pandschab);
milit. Laufbann: mit brit. Truppen im II. Weltkrieg an d. Fronten
in Birma, Malaya\Indonesien; in d. Armee Pakistans 1964 Instruk-
teur am GenStabs-College in Quetta, 1966/68 Kommandeur e. Panzer-
regiments (Spezialausbildung in USA), 1965 im Kaschmirkrieg u.
1971 im Krieg mit Indien um Ostpakistan (Bangladesch) eingesetzt.
1972 Generalmajor, 1975 Generalleutnant, 1976 von Zulfikar Ali
Chan Bhutto zum Generalstabschef ernannt. Seit dem Staatsstreich
vom 5. Juli 1977 als "Oberster Kriegsrechtsadministrator" und
Oberbefehlshaber Inhaber der faktischen Macht Auflösung des Par-
laments, Einführung strenger Strafen nach islam. Recht. Seit
Sept. 1971 ohne Wahl StaatsPräs. Läßt Präs. Bhutto trotz Gna-
denersuchen westl. Staatsmänner hinrichten, wird aber durch Ver-
urteilung der sowjet. Intervention in Afghanistan im Westen und
in der VR China aufgewertet und empfängt Wirtschafts- und Mili-
tärhilfe von USA. Seit Aug. 1983 unter wachsendem Druck der Oppo-
sition, gegen die er mit aller Härte vorgeht Erklärt wiederholt,
Pakistan könne keine Demokratie westlichen Zuschnitts sein; im
Islam sei dafür kein Platz, das Islamisierungsprogramm müsse kon-
sequent fortgesetzt werden. Bei der Volksbefragung vom Dezember
1984 angeblich mit mehr als 98% der abgegebenen Stimmen als Prä-
sident für weitere 5 Jahre bestätigt. (aus Fischer Weltalmanach)
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Freiheit für Afghanistan!
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"Politführung: Hier ist zuletzt der afghanische Exkönig Zahir
Schah, seit vielen Jahren im römischen Exil, als mögliche Versöh-
nungsfigur genannt worden - akzeptabel für Volk, Widerstandskämp-
fer und Moskau. Ihn aber zu früh oder zu offen ins Spiel zu brin-
gen, hieße, ihn politisch zu vernichten. Hier scheinen gerade
jetzt die vertraulichen Dienste Österreichs gefragt zu sein, das
bei allen Konfliktparteien Ansehen besitzt. Wenn nicht alles
täuscht, stand der Staatsbesuch auch ein wenig in diesem Zei-
chen." (Kurier)
Dr. Waldheim, übemehmen Sie! Einen außer Landes gejagten afghani-
schen Exkönig im Geheimdienst aller Konfliktparteien "ins Spiel"
zu bringen - nicht "zu offen", sondern streng "vertraulich", ver-
steht sich -, das muß diesem 'geborenen Diplomaten' doch liegen.
Dann hätten die Afghanen endlich, was sie brauchen: Mullahs, ein
Königshaus, islamisches Recht und als Draufgabe - man wagt kaum
zu hoffen! vielleicht eine österreichische UNO-Truppe. Kurz:
Echte Freiheitsware made by Austria, "wenn nicht alles täuscht".
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