Quelle: Archiv MG - ASIEN CHINA - Wie tot ist Mao?
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Marxistische Studentenzeitung 1/82
CHINAS POLITIK DER "OFFENEN TÜR":
DER WEG ZUM ENTWICKLUNGSLAND AUS EIGENER KRAFT
"Das chinesische Volk kann weiterleben, ohne von den Imperiali-
sten Almosen erbetteln zu müssen, es wird sogar ein noch besseres
Leben führen können als die imperialistischen Länder...
Worauf soll unsere Politik beruhen? Auf unseren eigenen Kräften,
und das heißt, sich aus eigener Kraft emporarbeiten,.. China ist
nun ein Staat frei von jeglichen Schulden... Das hat kraftvoll
bewiesen, daß es einem Land wie unserem möglich ist, das arme,
rückständige Antlitz durch eigene Kraft allmählich zu verändern
und sich Schritt für Schritt zu einem mächtigen sozialistischen
Staat aufzubauen, nur wenn man das große rote Banner der Maotse-
tungideen hochhält... 'Der Feind verfault mit jedem Tag, während
es uns täglich besser geht.' Das ist die lebendigste, tiefgrün-
digste und umfassendste wissenschaftliche These des Vorsitzenden
Mao über die internationale Situation unserer Zeit... In den Hän-
den der Ausbeuterklasse, wie Lenin sagte, ist 'Geld ein Titel auf
den Empfang eines Tributs von allen Werktätigen' und 'jeder Dol-
lar trägt Blutspuren',... Die sowjetische Renegatenclique scheute
nicht vor dem Verkauf von Naturressourcen des Landes zurück, um
von den internationalen monopolkapitalistischen Cliquen Almosen
zu erbetteln... Heute kann man sehen, dar unsere Renminbi, wäh-
rend der Sturm von Finanz-und Währungskrisen über die ganze kapi-
talistische Welt hinwegfegt und die Wirtschaft in den von den mo-
dernen Revisionisten beherrschten Ländern in ernste Schwierigkei-
ten gerät, als eine unabhängige, einheitliche und stabile sozia-
listische Währung felsenfest in der Welt dasteht." ("Sieg der
großen Richtlinie des Vorsitzenden Mao: Unabhängigkeit und Selb-
ständigkeit, Vertrauen auf die eigene Kraft - Jubel über das so-
zialistische China, ein Land ohne in- und ausländische Schulden"
und "Großer Sieg der Maotsetungideen an der Finanz- und Währungs-
front - Jubel über Chinas Renminbi als eine äußerst stabile Wäh-
rung auf der Welt", Peking 1969)
"Hauptsächlich Vertrauen auf die eigene Kraft, aber keine Politik
der verschlossenen Tür!" (Jahresbericht von Yao Yibin, Vizemini-
sterpräsident und Vorsitzender der staatlichen Planungskommis-
sion; Beijing Rundschau Nr. 11, 81)
"Wir vertreten: 'Sich in erster Linie auf die eigene Kraft stüt-
zen, zu deren Ergänzung aber auch Hilfe von außen annehmen'...
Wir nehmen auch ausländische Hilfe an. Dadurch kann unser Mangel
an Geldmittel innerhalb einer bestimmten Periode ausgeglichen und
das Tempo des Wirtschaftsaufbaus beschleunigt werden. Um das
Tempo der vier sozialistischen Modernisierungen zu beschleunigen,
muß Chinas Außenhandel ein großes Wachstum erleben. Geringes oder
mittleres Wachstum reicht nicht aus. Wir müssen lernen und uns
damit vertraut machen, wie man auf dem Weltmarkt Geschäfte be-
treibt, und wir müssen es erfolgreich und kraftvoll tun..., indem
wir den Außenhandel kraftvoll entwickeln, die international übli-
chen Handelspraktiken flexibel anwenden, ausländische Kredite
nutzen und fortschrittliche Technologien importieren...
Import- und Exporthandel sind unerläßlich für alle Länder der
Welt. Kein modernes Land hat sich durch Isolation oder Verschlie-
ßung von der Welt entwickelt... Wir müssen das Prinzip des Ver-
trauens auf die eigene Kraft wahren. Die Entwicklung des Außen-
handels verstößt nicht gegen dieses Prinzip. Vielmehr ist sie
genau das, was wir erreichen müssen, um dieses Prinzip umfassend
zu verwirklichen... Wir müssen unser Denken weiter befreien und
uns nicht länger an Händen und Füßen fesseln..." ("Über die Mo-
dernisierung der Industrie", Beijing Rundschau Nr. 12, 1979; "Im
Außenhandel muß es eine große Entwicklung geben", Renmin Ribao,
4. Dez. 1978; so wie Xinhua, 2. Juli 1978)
I. Der Imperialismus des Eintritts in den Welthandel
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Vom Vertrauen auf die eigene Kraft...
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Die chinesische Führung hat seit 1978 mit allen Prinzipien natio-
naler Entwicklung gebrochen, welche die ökonomische Unabhängig-
keit Chinas vom Weltmarkt und vom sozialistischen Wirtschafts-
block sowie den Einsatz der chinesischen Massen zum alleinigen
Garanten eines ökonomischen Aufschwungs der Volksrepublik erklär-
ten. Zu Zeiten der Kulturrevolution zeugte das Ideal einer ein-
vernehmlichen Mobilisierung der Volksmoral für einen ökonomischen
Aufbau gegen alle politisch beseitigten Abhängigkeiten wenigstens
von einer Ahnung bei den leitenden Nationalkommunisten davon, daß
Schulden nach innen ein Mittel der Ruinierung des Volkes und nach
außen ein Hebel der Erpressung des Staates sind; daß der Verfall
der Währung (und seine staatlich organisierten Folgen, die Verar-
mung der Massen) für ein Land wie China der Ausdruck der Unter-
ordnung unter die ökonomische Potenz kapitalistischer National-
ökonomien ist; daß Produktion für den Weltmarkt das arbeitende
Volk dem von vornherein entschiedenen Vergleich mit der Produkti-
vität kapitalistischer Reichtumsvermehrung aussetzt und daß die
Exploitation der Bodenschätze zur Devisenbeschaffung nicht der
Entwicklung des Landes, sondern der Akkumulation in den kapitali-
stischen Industrienationen zugutekommt und deswegen auch keine
eigene Reichtumsproduktion in Gang setzt.
Der verrückte Stolz, in der puren Begeisterung des größten Volks
der Erde die nationale Kraft zu besitzen, die jedes Almosen über-
flüssig macht, den faulenden Imperialismus übertrumpft und aus
den nationalen Naturquellen einen Reichtum macht, mit dem sich
der Staat sehen lassen kann, sorgt allerdings dafür, daß es trotz
bzw. wegen aller wirklich durchgesetzten Unabhängigkeit nur eine
trübe Ahnung ist. Denn dieser Stolz speist sich ja aus dem
A n s p r u c h, auch ökonomisch die Dritte Macht zu werden, und
zugleich aus der G e n ü g s a m k e i t, dies durch die Mas-
senkraft zu werden, die unabhängig von jeder Entwicklung der Pro-
duktivkräfte die eigentliche Produktivkraft sei. Beides mußte in
zunehmenden Widerspruch zueinander treten in dem Maße, wie trotz
aller Mobilisierungskampagnen die Versorgung der Bevölkerung nur
mühsam und alle darüberhinausgehenden Fortschritte so gut wie gar
nicht zustandekamen; in dem Maße, wie die Zufriedenheit des vom
gröbsten Elend und von dauernder Unterdrückung befreiten Volkes
sich in den gegebenen Schranken der Produktion einrichtete und in
die jeweils vorgegebene Richtung unter immer neuen blumigen Kam-
pagnennamen und dem allzeit wehenden Banner der Maotsetungideen
recht und schlecht zuwerkelte; und in dem Maße, wie zugleich der
Imperialismus in der Ersten und Dritten Welt immer neue weiterge-
hende Maßstäbe für einen "proletarischen Internationalismus" Chi-
nas aufmachte.
Der große Steuermann bewältigte diesen Widerspruch dadurch, daß
er nach innen sein Volk ermunterte, in seinen Anstrengungen nicht
nachzulassen, und nach außen die Alternative zur SU bis zur Er-
öffnung normaler diplomatischer Beziehungen zu den USA voran-
trieb.
...zur Politik der offenen Tür
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Seit einigen Jahren dagegen hat die chinesische Führung das Prin-
zip der "eigenen Kraft" schöpferisch erweitert um das Bauen auf
"ausländische Hilfe", und eine "Politik der offenen Tür" einge-
leitet. Was im Westen als neuer Pragmatismus gelobt wird, ist von
chinesischer Seite eine radikale Kritik an der bisherigen selbst-
genügsamen Weise, staatliche Stärke zu definieren und ökonomisch
zu begründen. Das politisch genügsam gewordene Staatswesen gibt
seine wirtschaftliche Selbstgenügsamkeit auf und kritisiert den
bisherigen Weg der Selbständigkeit als einen ververhängnisvollen
Idealismus. Der habe all die Möglichkeiten nicht genutzt, die
Land und Leute böten, wenn - ja wenn - man sie als Mittel für
eine Benutzung ausländischer "Hilfen" und des Weltmarkts ansieht
und diese umgekehrt als Mittel, den eigenen Fortschritt voranzu-
bringen. Der "Pragmatismus" der chinesischen Wirtschaftspolitik
seit 78, der im Westen die schönsten Hoffnungen genährt hat über
eine endlich willig und berechenbar gewordene Geschäftssphäre mit
rosiger Zukunft, basiert damit nicht auf einer richtigen Ein-
schätzung der Rückständigkeit der eigenen Produktivkraftentfal-
tung, bedeutet also nicht die Absage an das von oben inszenierte
Herumwerkeln mal unter dem Firmenschild des "Lernens vom Westen",
mal unter der Absage an "kapitalistische Methoden" und "westliche
und östliche Ausbeuterpraktiken".
Der Fortschrittsidealismus wird vielmehr auf die Spitze getrieben
im doppelten Sinn. Einmal dadurch, daß die neue Führung des chi-
nesischen Volkes ernst macht mit der Vorstellung vom Staatsreich-
tum, ohne den China seine selbstgewählte Rolle als blockfreie an-
tisowjetische Großmacht nicht zur eigenen Zufriedenheit erfüllen
kann; sie befreit also die Politik von der Selbstverpflichtung,
die staatliche Entwicklung auf die Versorgung der und das Einver-
nehmen mit den Massen zu gründen, reiht das Volk unter die Poten-
zen des Staates ein, die er für seine ökonomische Stärkung ein-
setzen kann, wenn es politisch dekretiert und organisiert wird.
Deswegen klingt auf der anderen Seite die Uminterpretation der
"eigenen Kraft" zu einem bisher noch gar nicht ausgeschöpften
E n t w i c k l u n g s p o t e n t i a l nicht zufällig wie
eine idealistische kapitalistische Begutachtung, die zum gewohn-
heitsmäßigen Umgang mit der ganzen Staatenwelt als Mittel der ei-
genen Profitproduktion dazugehört:
"China verfügt bei einer Ausdehnung von 9,6 Millionen qkm und ei-
nem Markt mit fast einer Milliarde Menschen über genügend Ar-
beitskräfte und Ressourcen von Rohstoffen und Energie. Lagerungen
von 132 verschiedenen Bodenschätzen sind bereits festgestellt
worden."
Denn die chinesischen Staatsplaner haben sich aus lauter Unzu-
friedenheit über die Resultate des 30jährigen Aufbaus einer unab-
hängigen Weltmacht zu der Auffassung bequemt, den ökonomischen
Erfolg des Imperialismus und seine Kriterien anzuerkennen und für
sich selbst als Möglichkeit vorzustellen. Und daran ist nicht nur
das geläufige quid pro quo eine Lüge: daß nämlich Kapitalismus -
Entwicklung der Produktivkräfte nach Maßgabe des Profits, Einsatz
von Lohnarbeit für die private Aneignung von möglichst viel unbe-
zahlter Mehrarbeit, Produktion nicht für die Befriedigung der Be-
dürfnisse, sondern Beschränkung der Massenbedürfnisse im Dienste
von Kapital und Staat also - dasselbe sei wie Entfaltung der Pro-
duktivkräfte, Industrialisierung und überhaupt "Entwicklung".
Kapitalismus als staatliche Entwicklungsmethode
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Die höhere Idiotie und praktische Härte liegt vielmehr in der Il-
lusion, man müßte nur die Leistungen kapitalistischer Produkti-
onsweise als staatlich brauchbare Technik des Fortschritts ganz
methodisch auf das eigene Land ü b e r t r a g e n, man müßte
nur in der eigenen Größe, den eigenen Massen und Naturschätzen
die Möglichkeit für ein solch progressives Geschäftsgebaren
sehen, dann wäre man auch schon auf dem besten Wege, aus diesen
Möglichkeiten Wirklichkeit zu machen. Als ob sie nicht die ganze
Latte der an Fläche, Menschenmasse und Bodenschätzen wirklich
nicht armen "Entwicklungsländer" vor Augen hätten, die es dank
ihrer Beziehung auf den kapitalistischen Weltmarkt weder zu einem
Markt noch zu einem geregelten Lohnarbeiterdasein ihrer Be-
völkerung, also ganz und gar nicht zu einer nationalen Reich-
tumsproduktion gebracht haben, sondern zum Lieferanten von be-
stimmten Agrarprodukten oder Rohstoffen für die Akkumulation in
den entwickelten kapitalistischen Nationen oder zur Anlagesphäre
ausländischen Kapitals, dem auf Kosten der staatlichen Teilnahme
an seinen Gewinnen lauter Extra-Konditionen gewährt werden müs-
sen! Als ob sich also die "eigenständige Entwicklung" mit
"westlicher Hilfe" nicht schon längst als der sicherste Weg er-
wiesen hätte, den Staat nicht auf eine eigene - und schon gar
nicht auf eine fortschrittliche ökonomische Grundlage zu stellen!
Ungerührt behauptet die jetzige Führungsmannschaft in China, zur
Entfaltung ihrer nationalökonomischen Voraussetzungen fehle ihnen
nur eins - Technologie und Devisen -, und in ihren Voraussetzun-
gen hätten sie andererseits genau die Mittel, sich auf dem Welt-
markt und mit westlicher Hilfe eben diese zu verschaffen.
Das Verhältnis zum Westen, dem man nicht mehr nur mit Handwerks-
arbeiten, Kladden, Chinoiserien und ein paar Rohstoffen für unum-
gängliche Importe kommen will, wird unter dem Ideal eines nützli-
chen Außenhandels mit einer e r h o f f t e n Wirkung auf den
ökonomischen Fortschritt im Innern betrachtet, den man nun nach
denselben Kriterien von Rentabilität und Weltmarktfähigkeit zu
gestalten gedenkt. Die idealistische Phrase vom "wechselseitigen
Nutzen", vom "Import- und Exporthandel" ist dabei schon deswegen
obsolet, weil auf der Seite dessen, was man benötigt, all die Er-
rungenschaften und Mittel westlichen Kapitals stehen, ohne die
eine Bewährung auf dem Weltmarkt nicht zu haben ist: fortge-
schrittene Technologie, das monopolisierte naturwissenschaftliche
Wissen und die effektive Organisation seiner Anwendung in einer
profitablen Produktion; gewohnheitsmäßige Rationalität eines Ge-
schäfts, bei dem alles unter dem Zwang der Konkurrenz nach Kosten
und Ertrag kalkuliert und eingerichtet wird; sowie die privaten
und staatlichen Mittel dieser Konkurrenz, die Verfügung über die
Geld- und Kreditmittel, mit denen sich jedes lohnende Geschäft in
Gang bringen läßt. Auf der Seite des Angebots aber stehen die
"Potenzen" für ein solches Geschäft, denen gerade all diese not-
wendigen Mittel abgehen. Sie taugen also nur soweit, wie sie zum
Geschäftsmittel der a n d e r e n S e i t e gemacht werden.
Der Idealismus einer Benutzung des Weltmarkts aus eigener und für
die eigene Kraft stellt also die Verhältnisse auf den Kopf: Um
s i c h zu entwickeln, entwickelt sich China zur Anlagesphäre,
stellt Zug um Zug die ökonomische Abhängigkeit von kapitalkräfti-
gen Interessen her.
Die Garantie dafür ist die Radikalität, mit der diese politökono-
mische Kehrtwendung in Angriff genommen worden ist und mit der
die "eigene Kraft", auf die man sich zu stützen gedenkt, an den
neuen Maßstäben gemessen, praktisch kritisiert und in die ökono-
mische Pflicht genommen wird.
"Spezielle Betriebe und Gebiete sollten planmäßig errichtet wer-
den, um sich vorrangig mit Exportwaren zu beschäftigen. ... Da
die Konkurrenz auf dem internationalen Markt scharf ist und täg-
lich neue Erzeugnisse auf den Markt kommen, müssen unsere Export-
waren von guter Qualität verkaufbar und den Marktanforderungen
entsprechend sein. Dies ist nicht nur eine Frage des wirtschaft-
lichen Gewinns durch mehr Deviseneinnahmen, sondern auch eine po-
litische Sache der Ehre unseres Landes."
"Es gibt keine andere Möglichkeit, als uns etwas einzuengen. Ins-
besondere im Hinblick auf solche Waren, die nicht essentiell für
das Leben der Bevölkerung sind, müssen wir uns entschlossen darum
bemühen, ihren Binnenverbrauch einzuschränken und sie für den Ex-
port verfügbar zu machen." (Xinhua, 2. Juli 1978; "Im Außenhandel
muß es eine große Entwicklung geben", in Renmin Ribao, 4. Dezem-
ber 1978)
Nationalökonomische Orientierung am W e l t m a r k t s t a n-
d a r d und S p a r s a m k e i t d e r M a s s e n heißt
die Devise, so als könnten die Massen mit ein bißchen gutem
Willen sich weltmarktfähige Überschüsse abknapsen und als könnte
die chinesische Ökonomie mit noch ein bißchen mehr gutem Willen
flott das rentable und qualitätsbewußte Produzieren für den
Weltmarkt lernen, um dadurch dem Staat zu ermöglichen, die
industrielle Entwicklung vom Westen zu erwerben, die es für
dieses Produzieren nach eigenen Aussagen allererst braucht.
Eigendefinition nach fremden Maßstäben
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Das Prinzip eines nationalen Aufschwungs durch den staatlich in-
szenierten Eintritt in die Geschäftswelt des internationalen Ka-
pitals und der kapitalistischen Nationalökonomien bedeutet also
die Absage an eine ökonomische Unabhängigkeit und darauf gegrün-
dete politische Souveränität, mit der sich China jahrzehntelang
wirklich als nicht erpreßbare Macht behauptet hat. Daß sich China
nicht nur als das selbstbewußte Subjekt dieser Kehrtwende
g e r i e r t, sondern es wirklich i s t, macht die Besonder-
heit dieser "Entwicklung" aus. Denn der Grund dieser Entwicklung
liegt ganz im W i l l e n der politischen Führung, die kapita-
listischen Praktiken der Bereicherung als überlegene Methoden der
Akkumulation von Staatsreichtum zu interpretieren und ihre staat-
lich organisierte Produktion daran auszurichten. Damit liefert
Chinas Ökonomie allerdings keinen entsprechenden Reichtum, son-
dern wird nur als das M i t t e l behandelt, sich in Besitz all
der Bedingungen zu bringen, die diese Methoden erfordern. Der
chinesische Staat macht Land und Leute damit zu einem einzigen
Angebot an diejenigen, die es schon "gelernt" haben, "wie man auf
dem Weltmarkt Geschäfte betreibt". Und die Konsequenzen für den
nationalen Aufschwung ziehen wiederum politökonomische Übergänge
nach sich, die gar nicht mehr so frei gewählt sind.
Ohne die ökonomische Notwendigkeit eines Entwicklungslandes, das
dank seiner kolonialen und kolonialwirtschaftlichen Vorgeschichte
mit und wegen der Erlangung seiner Souveränität nie die Entschei-
dungsfreiheit gehabt hat, sich für einen "eigenen Weg" zu ent-
scheiden, also durch den p o l i t i s c h e n B e s c h l u ß,
sich von Staats wegen der eigenen Ökonomie zu b e d i e n e n,
und dafür allerdings im Westen ein Vorbild und den potenten Hel-
fer zu erblicken, hat sich China also selbst zum "Entwicklungs-
land" erklärt, das sich dem Westen "öffnet" und sich "auf den
Weltmarkt begibt", um "bis zum Jahr 2000 ein moderner Industrie-
staat zu werden".
Damit unterscheidet es sich allerdings nicht nur von der übrigen
"Dritten Welt", sondern auch von den diversen Staaten des Realen
Sozialismus, die den Westhandel zur Beförderung ihrer Wirtschaft
betreiben und in dessen Gefolge manchen hehren Grundsatz ihrer
Staatsökonomie politisch außer Kraft gesetzt haben. Die RGW-Län-
der praktizieren das Ideal, durch Geschäfte mit dem Westen sich
fehlende Voraussetzungen für ihre geplante Akkumulation zu ver-
schaffen und auftretende Planmängel im Bereich Technologie, Land-
wirtschaft usw. zu kompensieren, Ihr Warenangebot und die Preise
müssen sie dabei nach den Bedingungen richten, die auf den west-
lichen Märkten gelten, für die begehrten Devisen ihrer eigenen
Produktion immer mehr im Westen absetzbare Mittel entziehen, sich
zunehmend verschulden und ihre Planziele deshalb laufend korri-
gieren und auf diese wachsende Abhängigkeit und Erpressungsmög-
lichkeiten einrichten, All das heißt ja, daß sie mit einer funk-
tionierenden Reichtumsproduktion, mit einem werktätigen Volk und
Ergebnissen und Voraussetzungen von dessen Arbeit kalkulieren,
also über nationale Reichtumsquellen verfügen und sie nach ihren
eigenen politischen Entscheidungen benutzen. Das chinesische Be-
mühen dagegen richtet sich darauf, die ökonomische Potenz des We-
stens generell und rückhaltlos zum Aufbau ihrer "sozialistischen
Ökonomie" benutzen zu wollen, also eingestandenermaßen die vorge-
stellten Reichtumsquellen gar nicht ausnutzen zu können. Die chi-
nesische Planung besteht daher auch allein darin, staatlicher-
seits alles zu tun, damit ein "Geschäft" mit dem Westen überhaupt
zustandekommt: Die heimischen Verhältnisse dem harten Anspruch
der Rentabilität und Exportfähigkeit zu unterwerfen und unter An-
wendung der "guten Seiten" des Kapitalismus eine Generalkritik
der bisherigen Produktionsweise und damit ein Generalangebot an
profitinteressierte "Partner" zu machen. Vom revisionistischen
Prinzip, die Betriebe nach staatlichen Vorgaben für den Staats-
reichtum produzieren und konkurrieren zu lassen, bleibt nur noch
das formelle übrig, daß eine Umwälzung der Produktionsverhält-
nisse von oben; durch die politisch und gesellschaftlich bestim-
mende Macht in Gang gesetzt wird, während sich dem
ö k o n o m i s c h e n I n h a l t nach der Staat immer mehr
zum politischen Garanten von Geschäften derjenigen ausländischen
"Helfer" macht, die er benutzen will.
Mit der eifrigen Verabschiedung von "Wirtschaftsgesetzen" westli-
chen Zuschnitts, die gar keinem Bedürfnis der chinesischen Wirt-
schaft entspringen, sondern kapitalistischen Anforderungen an
einen Weltmarktpartner Rechnung tragen -
"Regelung über die Registrierung von Joint-ventures",
"Handelsgesetz", "Devisenkontrollgesetz", "Gesellschaftsgesetz",
"Arbeitsgesetz", "Kartell- und Energieversorgungsgesetz",
"Körperschaftssteuergesetz", "Patentrecht", Übernahme von "DIN-
Normen" usw. usw. -,
stellt der chinesische Staat das Verhältnis von Staat und Ökono-
mie schlicht auf den Kopf. Während in kapitalistischen Staaten
solche Gesetze schon bestehende ökonomische Ansprüche
r e g e l n und zufriedenstellen, sollen die chinesischen Wirt-
schaftsgesetze die materielle Grundlage einer entsprechenden Öko-
nomie selber s c h a f f e n. Nach innen stoßen sie dabei auf
die Schranke, daß zu ihrer Durchsetzung so ziemlich jede Voraus-
setzung fehlt. Nach außen aber garantieren sie ein Zugeständnis
nach dem anderen und gewähren damit doch nur die F r e i h e i t
für westliche Unternehmer, mit den ökonomischen G e g e b e n-
h e i t e n in China für i h r Geschäft zu k a l k u l i e-
r e n. Westlicherseits ist die Revision der "Tatsache, daß China
eine zeitlang ohne Gesetze ausgekommen ist" und in einem
"gesetzlosen Zustand" lebte (so sehen das westliche Demokraten!),
bestenfalls ein Beweis für den guten Willen Chinas. Aus dieser
für das Privateigentum neuen "Tatsache kann man schließen, daß
China ein guter Wirtschaftspartner auf lange Sicht sein kann.".
Deswegen ist es nur konsequent, daß der Aufbruchsidealismus des
wechselseitigen Nutzens im Westen wie in China selbst verflogen
ist. Im Westen sowieso immer sehr einseitig verstanden und nur
Ausdruck der Zufriedenheit, mit China ökonomisch kalkulieren zu
können, ist er dem Alltag dieser Kalkulation zum Opfer gefallen.
Auf chinesischer Seite ist er den praktischen Anstrengungen gewi-
chen, die Konsequenzen der Öffnung zu verkraften und mit dem Wi-
derspruch fertigzuwerden, daß das Westgeschäft nicht der vorge-
stellte Aufbaumotor ist und umgekehrt Land, Leute und Natur-
schätze nicht die vorgestellten Garanten zur Aneignung westlichen
Produktionsfortschritts sind. So marschiert China - bisher jeden-
falls - den Weg zu einem Entwicklungsland mit Schwellenlandmög-
lichkeiten sehr konsequent, und zwar genau in umgekehrter Reihen-
folge wie ein normales Entwicklungsland. Die Zerstörung der hei-
mischen Ökonomie, die praktische Aufgabe des Entwicklungsstand-
punkts unter munterer Beibehaltung und gerade durch die Beibehal-
tung des Entwicklungsideals geht dabei im Hin und Her chinesi-
scher Wirtschaftspolitik rascher vonstatten, als es irgendein
westlicher Beobachter ausspricht. Die stört nämlich immer und vor
allem, daß die chinesischen Politiker überhaupt noch Bedingungen
ihrer Entwicklung geltend zu machen suchen, statt für den Westen
entwickelt zu sein.
II. Die Fortschritte der selbstgewählten Abhängigkeit
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Politische Vorleistungen mit einseitigen Erfolgsgarantien
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Am Ausgangspunkt für die "freundschaftliche und harmonische Zu-
sammenarbeit" stand der Beitritt Chinas zum IWF, nebst Anerken-
nung alter ausländischer Schuldforderungen, sowie die A n e r-
k e n n u n g Chinas als gleichberechtigter "Wirtschafts- und
Handelspartner" durch diverse Handelsabkommen. Für EG, USA und
Japan bedeutete das die Beseitigung lästiger Handelsschranken
durch das frühere Außenhandelsmonopol. Dafür räumte man im
berechtigten Vertrauen auf die eigene Konkurrenzfähigkeit und auf
die Kontingentierungsschranken bezüglich Textilien und anderen
Billigwaren, die Hongkong und Taiwan Konkurrenz machen, China die
Meistbegünstigung ein und versprach "weitgehende Liberalisierung
der Einfuhren aus der VR China". Als "Eckpfeiler in der
Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EG und China
auf der Grundlage gegenseitiger Vorteile" gilt dann z.B.:
"getreten, das eine Erhöhung der Kontingente bei gleichzeitiger
praktischer Selbstbeschränkung Chinas sowie bestimmte Lieferver-
sprechen der Volksrepublik für Rohmaterialien für die europäische
Textilindustrie vorsieht (unter Einhaltung einer Effektivpreis-
klausel)." "Der VR China konnten deshalb keine Zollpräferenzen
bei den hochsensiblen, durch Gemeinschaftskontingente überwachten
Erzeugnisse (z.B. Leder, Ledererzeugnisse, Schuhe, Möbel) und bei
einigen quasi-sensiblen Waren (z.B. Porzellan, Flechtwaren, NE-
Metallwaren, Obst- und Gemüsekonserven) gewährt werden", kurz:
bei all den Produkten, mit denen China am ehesten ein Geschäft
machen könnte.
Was von dieser Seite also ganz normale Handelspraxis ist, war für
China nicht weniger als die generelle V o r leistung, den
staatlich organisierten, kontrollierten und getätigten Handel aus
der Hand zu geben und sich mit den eigenen Außenhandels-
gesellschaften auf die Rolle eines V e r m i t t l e r s be-
trieblicher Geschäftsfreiheiten zurückzuziehen. China honorierte
das "nicht-präferentielle Handelsabkommen" mit der EG mit der
sehr präferentiellen Erlaubnis, daß sich Exporteure aus der EG
"in vollem Umfang an den Möglichkeiten des Handels mit China"
beteiligen können. Ferner trat an die Stelle des staatlichen
Außenhandelsmonopols durch die 7 Außenhandelsgesellschaften - der
Staat verkaufte aus seinem Warenfundus, was er für günstig hielt
und zu von ihm festgesetzten Preisen der Grundsatz "Vier zusammen
und zwei offen":
"Außenhandelsgesellschaften und Endverbraucher sollen gemeinsame
Geschäfte, gemeinsame Produktionsplanung, gemeinsame Verhandlun-
gen und gemeinsame Auslandsbesuche durchführen. Dagegen soll der
Betrieb bei der Gestaltung seiner Exportpreise sowie bei der Be-
rechnung der Produktionskosten von den Außenhandelsgesellschaften
unbeeinflußt bleiben."
Dadurch kam es nicht nur zu einer "Inflation von Außenhandels-,
Dienstleistungs- sowie Treuhand- und Investitionsgesellschaften
", sondern zu einer "überraschenden Wettbewerbssituation":
"Die Provinzen treten gegen die Zentrale, die Sonderzonen gegen
die Provinzen und diese wiederum gegen einzelne Städte an. Als
besonders aggressiv in der Betonung seiner Eigenständigkeit
erweist sich Shanghai... Angesichts dieser Konkurrenzsituation
ist der Ausländer durchaus in der Lage, Wettbewerbsvorteile
herauszuholen."
Die neuen Freiheiten, unabhängig von staatlicher Mittelverteilung
und inländischem Warenbedürfnis um Exporte und Devisen zu konkur-
rieren, hat inzwischen den "traditionellen chinesischen Ge-
schäftssinn" besonders in den begünstigten Gegenden Shanghai und
Guangdong - das sich immer schon durch gute Beziehungen und regen
Schwarzhandel mit Hongkong auszeichnete - so angestachelt, daß
westliche Handelspartner anläßlich der Kanton-Messe den guten al-
ten Zeiten eines soliden Staatshandels nachtrauern:
"Insbesondere hat die 'Öffnung' für 'ausländische Wirtschaftstä-
tigkeit' bei der chinesischen Verwandtschaft in Hongkong und Ma-
cau sowie der auslandschinesischen Geschäftswelt kommerzielle,
ethnische und patriotische Anziehungskräfte freigesetzt... Ab-
schlüsse im Familienkreise eines Abendessens... Die Praxis ist
durch den Zwang oder auch nur das freiwillige Streben vieler chi-
nesischer Außenhandelsdelegationen nach Abschlüssen und der Er-
zielung von Devisenerlösen gekennzeichnet... Unterbietung von Wa-
ren mit Weltmarktpreisen, Umgehung traditioneller Absatzwege,
Einräumung von Nachlässen und unterschiedlichen Provisionen,
Qualitätsmängel, Liefenerzögerungen... die früher sprichwörtliche
Zuverlässigkeit und Loyalität der chinesischen Geschäftspartner
hat unter dem Einfluß der partiellen Delegation von Außenhan-
delsentscheidungen auf die der Zentrale nachgeordneten Ebenen und
Einheiten an Glaubwürdigkeit verloren... Die AHG-Zentralen schei-
nen gegenwärtig jede Kontrolle über ihre Zweigniederlassungen und
Außenstellen weitgehend verloren zu haben... an Desorganisation
grenzende Situation... Chinesische Besucher monopolisierten die-
ses Mal auch das Dong-Fong-Hotel, das bisher immer als Zentrum
der westlichen Messekundschaft gegolten hatte (sowas!)."
Der chinesische Staat stimmt etwas weniger blauäugig in die Kla-
gen ein:
"Einige örtliche Einheiten handeln nicht im Interesse der Allge-
meinheit und versuchen, auf Biegen und Brechen an mehr Devisen
heranzukommen... Das Ergebnis ist Chaos auf dem Weltmarkt (na,
na!) und Deviseneinbußen für den Staat, ganz abgesehen von den
großen Verlusten für die (traditionellen) Verteiler."
Andererseits befördert er nach Kräften dieses "Chaos": Bau eines
Außenhandelszentrums für ausländische Firmen in Beijing, für 1
Mrd. Bau eines Patentamtes, Bau einer Autobahn Hongkong-Guang-
dong-Macau, an der der Finanzier aus Hongkong zehn Jahre lang Ge-
bühren kassieren darf, Eröffnung immer neuer Fluglinien, Ausbau
des Telekommunikationsnetzes, Reise- und Eigentumsfreiheiten usw.
sind die eine Seite. Mehr Freiheiten für die Betriebe - Verfü-
gungsrecht über einen Teil der Devisen und Erlaubnis zur Gründung
eigenständiger Außenhandelsgesellschaften - die andere. Das Er-
gebnis des "wechselseitigen Nutzens" ist nicht überraschend:
"Die Struktur des Handels mit den wichtigsten westlichen Partnern
zeigt noch deutlich das Bild eines Warenaustausches zwischen ei-
nem Entwicklungsland mit stark diversifizierter (?) Exportstruk-
tur und hauptsächlich Technologie bzw. Produktionsmittel liefern-
den Industrieländern."
So lautet es für die "Warenstruktur" - und für die "Handels-
bilanz":
"Mit den westlichen Industrieländern allein ergab sich seit 1978
ein kumulativer (negativer) Saldo von fast 16 Mrd. US-Dollar. Al-
lerdings wurden die Defizite in den vergangenen Jahren ganz oder
teilweise ausgeglichen durch Überschüsse im Handel mit den Ent-
wicklungsländern, und zwar überwiegend mit Hongkong und Singa-
pur..."
Auch auf dem Felde der
"Wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit"
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macht China mit dem Standpunkt "Vom Westen lernen" ernst. In ent-
sprechenden Abkommen wird das Eingeständnis Chinas festgeschrie-
ben, daß die zur materiellen Gewalt gewordene Ideologie von der
Schöpferkraft der Massen kein Ersatz ist für die wissenschaftli-
chen und technologischen Kenntnisse zur Beherrschung der Produk-
tion. Das allerdings so gründlich, daß China gleich "Energie-
erschließung und -gewinnung, Prospektion und Gewinnung von Erdöl,
Erdgas und Kohle, Erzen und anderen Mineralien, Werkstoffkunde,
Luftfahrt- und Weltraumforschung und -technik" usw. von den
naturwissenschaftlichen Agenten kapitalistischer Produktion lernt
- zur Beförderung oder in Erwartung entsprechender Geschäfte, Der
VDI gibt deshalb nicht nur ein Sonderblatt "China im Blick des
Ingenieurs" heraus, wo es wie im Handelsblatt zugeht; er
berichtet nicht nur über die spontane kostenlose Wertanalyse des
chinesischen Lastenfahrrads "Wu Yang", dessen Materialgewicht in
drei Arbeitssitzungen theoretisch von seinem Gewicht von 26kg auf
16 reduziert werden konnte. Er beschwert sich vor allem auch,
neben positiven Berichten über schon laufende joint-ventures,
darüber, daß die Chinesen deutschen Firmen keine Beteiligungsga-
rantien für Erschließung und Förderung prospektierter Rohstoffe
vorweg geben wollen. Deutscher Ingenieursfleiß soll sich ja nicht
für den Westen überhaupt, sondern für Deutschland lohnen.
Geschäftsabteilung Nr. 1: Unbrauchbare "Hennen statt Eier"
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Getreu der Devise, mit Hilfe "westlicher Technologie" die "vier
Modernisierungen" von Landwirtschaft, Industrie, Verteidigung und
Wissenschaft voranzutreiben, begannen die Geschäfte zum
"wechselseitigen Nutzen" in der chinesischen Proklamation von 120
Großprojekten, v.a. in den Bereichen Rohstoffgewinnung, Stahler-
zeugung und Petrochemie. Und der Verkündigung folgten die Auf-
träge im Westen auf dem Fuße. Das neue Chinageschäft nahm für den
Westen seinen Anfang im Anlagenbau; und während westliche Auguren
den Kapitalbedarf Chinas auf 875 Mrd. schätzen, schlossen japani-
sche, deutsche und andere Großfirmen Milliardenverträge ab. Was
Entwicklungsländer im Gefolge der laufenden Rohstoffgeschäfte und
bei genügender Kreditwürdigkeit immer wieder einmal als Versuch
zu eigener industrieller Entwicklung starten (den Bau von indu-
striellen Großanlagen, der sich immer dann als reines
"Prestigeobjekt" herausstellt, wenn sie sich nicht unter westli-
cher Anleitung auf die Zwischenverarbeitung vorhandener Rohstoffe
konzentrieren), das war Chinas erste welthandelspolitische Groß-
tat und erstes Ergebnis seines Idealismus, eine nationale Großin-
dustrie aufzubauen, Die Ergebnisse waren entsprechend. Und zwar
nicht allein und so sehr wegen "Planungsmängel", die von hiesiger
Seite aus am Paradestreitobjekt, dem geplanten 25 Mrd. Riesen-
stahlwerk in Baoshan, exemplarisch besserwisserisch moniert wer-
den:
"Ein guter Teil dieses Geldes wurde inzwischen unter Anleitung
japanischer Firmen" (deutsche sind nur "beteiligt") "im wahrsten
Sinne des Wortes in den Sand gesetzt. Verschiebungen... Explodie-
rende Kosten... durch den zu flachen und von Schwemmsand gefähr-
deten Hafen, nicht gesicherte Erzanlieferung... weder Energie
noch das Rohmaterial ausreichend, um die vorgesehene Produktions-
kapazität zu erreichen."
Daß sich in solchen "Irrationalismen" zeigt, daß hier gar nicht
im Sinne eines eigenen ökonomischen Bedarfs und entsprechend den
eigenen infrastrukturellen und sonstigen Voraussetzungen geplant
und kalkuliert worden ist, diese Tatsache beflügelt höchstens
deutsche Ingenieure und Manager zu heuchlerischen Beschwerden:
"Deutsche Ingenieure haben rechtzeitig gewarnt."
"Im nachhinein hat man diese Phase in China als eine Euphorie be-
zeichnet, teilweise sogar mit dem Unterton, die ausländischen
Firmen hätten wissen müssen, daß die Pläne der Chinesen zu ehr-
geizig waren. So etwas ist leicht gesagt, aber falsch... Sollten
die Firmenvertreter nach Peking reisen, um den Chinesen zu erklä-
ren, daß China sich übernehmen würde und seine Pläne undurchführ-
bar seien? Und das angesichts einer Bereitschaft zu ernsthaften
Verhandlungen über die Projekte des Kohlebergbaus, der Chemie,
der Energie und Metallurgie. Solche Hinweise hätten sich die Chi-
nesen mit Recht - verbeten."
Die Deutschen auch, denn wegen der "chinesischen Vernunft", in
zwei Wellen einen Großteil der Projekte rückgängig zu machen,
bzw. dann zu stornieren, verzichtet man mitnichten aufs Geschäft.
Der eigentliche Grund dafür, daß sich China schon Ende 78 und vor
allem Anfang 1980 im Zuge seiner beschlossenen "Readjustie-
rungsphase" zu dem "einmaligen Ereignis" entschloß, "daß ein
totalitärer Staat sich radikal und unter Opfern für beide Seiten
von seinen ausländischen Engagements trennt", lag nicht in der
von ihrer Seite immer wieder behaupteten Einsicht, für einen
n a t i o n a l e n Aufbau müßten erst Landwirtschaft,
Leichtindustrie, Management und Infrastruktur entwickelt werden.
Vielmehr basierte ihr gravierender Entschluß auf der praktischen
Erfahrung, daß die vorgestellte Tauglichkeit ihrer Wirtschaft für
die F i n a n z i e r u n g solcher Großprojekte gar nicht
gegeben war.
"Die vor Jahren erhofften Einnahmen aus Erdölexporten stehen aber
nicht ins Haus."
"Nach einer Mitteilung japanischer Erdölimportfirmen hat die VR
China die Unternehmen über weitere für 1981 vorgesehene Kürzungen
ihrer Erdöllieferungen an Japan unterrichtet." "Förder- und
Transportschwierigkeiten",
lauten die einschlägigen Meldungen dazu lapidar.
Die chinesischen Fortschrittsplaner haben sich also in zwei Jah-
ren in die nur scheinbar paradoxe Lage manövriert, Schwerindu-
strieausbau und Rohstofförderung mit Milliarden zu fördern und
gleichzeitig auf so ziemlich allen Gebieten der Rohstofförderung
und der Schwerindustrie, mit denen sie diese Milliarden finanzie-
ren wollten, Produktionsrückgänge zu verzeichnen.
Der Staat ist also in atemberaubend kurzer Zeit an die Grenzen
seiner Finanzierungsmöglichkeiten gestoßen und mußte sich ent-
scheiden, welche der vielen geplanten "Modernisierungen" er sich
zuvörderst leisten kann. Die Entscheidung für Infrastruktur und
Leichtindustrie, die westlicherseits manchen Stoßseufzer hervor-
rief -
"Ein weiterer Milliardentraum der deutschen Industrie dürfte aus-
geträumt sein." -,
fiel dann allerdings nach ganz anderen Kriterien des "nationalen
Aufbaus", und das nicht zuletzt deswegen, weil der Westen die
eingegangenen Verpflichtungen keineswegs als "Träume" ad acta
legte. Was am Jahresanfang 81 noch als "China-Schock" und rigoro-
ser Versuch Chinas beklagt wurde, "in diesem Jahr einen ausgegli-
chenen Etat zu erreichen" -
"Yao sagte, Anlageprojekte, die nicht lebensnotwendig für die
chinesische Wirtschaft seien, würden annulliert." -,
das las sich am Jahresende anders:
"Mit den Chinesen ist man (Schloemann), bis auf die Unterschrif-
ten, einig. Der Auftrag zum Bau eines Kaltwalzwerkes in der Nähe
von Shanghai ist nur zum Teil für drei Jahre verschoben worden.
Für das von SMS geführte Konsortium handelt es sich um 500 Mill.
DM. Gleich große Aufträge werden planmäßig abgewickelt."
Die Stornierung von Aufträgen im Wert von 1,5 Mrd. US-Dollar
reichten hin, von japanischer Seite aus im Laufe des Jahres China
neue Bedingungen für weitere Kredite aufzunötigen. Denn als For-
derung nach zinsgünstigen neuen Krediten hatte sich die chinesi-
sche "Erpressungsaktion" schnell herausgestellt. Erst verhandel-
ten Tokios Vertreter mit China über einen niedrigeren Preis für
die chinesischen Öllieferungen, dann drohten sie China im Falle
von japanischen Ersatzzahlungen für die Verluste die Feststellung
der Zahlungsunfähigkeit an, dann boten sie ihm die für Infra-
strukturmaßnahmen vorgesehenen Gelder für die Fortführung der Ge-
schäfte an, und Ende des Jahres betonte man beiderseits die
"positive Entwicklung der zweiseitigen Beziehungen". Und China
hatte 3,1 Mrd. langfristige Kredite für die Fortsetzung der
"unvernünftigen" Großprojekte in Form von Waren-, Regierungs- und
Bankkrediten, und darüber hinaus noch weitere 415 Mill. "für
Kohle- und Ölprojekte, Hafenbau und die Ausweitung des Straßen-
und Eisenbahnnetzes". Daß diese "Infrastrukturentwicklung", die
den Chinesen selber so am Herzen liegt, inzwischen auf eine
schlichte Absage an die Vorstellung von einem Aufschwung der Bin-
nenwirtschaft hinausläuft, dafür sorgt der "ökonomische Hebel",
mit dem die chinesischen Wirtschaftsplaner Land, Leute und Natur-
kräfte für sich brauchbar machen wollen: die
(un)geplante Verschuldung durch Kredit
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Die naive Erwartung, daß der Westen in Anbetracht des chinesi-
schen "Entwicklungspotentials" die Kredite auch nach ihren Wün-
schen vergibt und daß sich die Geschäfte zur Zurückzahlung - un-
ter anderem dadurch schon einstellen werden, spätestens wenn die
benötigte industrielle Produktion erstellt ist, hat China nämlich
schnell die unliebsame Erfahrung beschert, daß Verschuldung ein
Mittel der Kapitalakkumulation, also desjenigen ist, der sie
macht oder der als politisches Subjekt an ihr partizipiert und
für sie kreditiert. Die sehr methodische Vorstellung der Chine-
sen, daß ausländische Kredite die schlagartige Potenzierung ihrer
"ökonomischen Möglichkeiten" sei, ist innerhalb von 2 Jahren dem
Umgang mit der Schwierigkeit gewichen, seine Ansprüche an dieses
"Entwicklungspotential" mit seinen Möglichkeiten und vor allem
mit den westlichen Ansprüchen unter einen Hut bringen zu müssen.
Und das bei einer Verschuldung von ein paar Milliarden und
eingeräumten Kredittranchen über 60 Milliarden schon im Jahre 79!
Der scheinbare Widerspruch, daß im Sommer vermeldet wird: "China
ist pleite", und zugleich berichtet wird, daß China einen
Großteil der nationalen Kreditangebote wegen der hohen Zinsen und
sonstigen Auflagen nicht in Anspruch genommen hat, löst sich
durch den zweiten Widerspruch praktisch auf, daß China das ganze
Jahr über verkündet hat, seinen defizitären Haushalt radikal zu
sanieren, und zugleich 2 Mrd. IWF-Kredite zur Erfüllung seiner
Zahlungsverpflichtungen gezogen sowie weitere Weltbankkredite
über 6 Mrd. Dollar beantragt und von Japan und anderen Ländern
einige Milliardenkredite erhalten hat - und zwar keineswegs zu
den erwünschten günstigeren Weltbankbedingungen und zur freien
Verfügung, 60 Milliarden, das ist der ideelle Ausdruck westlichen
Finanzierungswillens, wenn und soweit sich damit lohnende Betei-
ligungen an Rohstoffen und sonstigen Geschäften in China sichern
oder dafür Voraussetzungen herstellen lassen, die für die heimi-
sche Industrie ein Geschäft sind. Die "Zurückhaltung" Chinas in
der Inanspruchnahme dieser Kredite, die Zahlungsbilanzschwierig-
keiten dagegen sind das gar nicht ideelle Ergebnis der chinesi-
schen Aufbauhoffnungen und des Versuchs, im Vertrauen auf die
Kraft der eigenen Möglichkeiten sich nicht gleich ganz und gar
auf teure projektgebundene und an billige Rohstofflieferungen
usw. gebundene Kredite einzulassen. Über die Differenz der chine-
sischen Kredit- und Rückzahlungserwartungen und der tatsächlichen
Zahlungsfähigkeit und westlichen Kreditangebote wurde dem selbst-
ernannten und anerkannten Entwicklungsland seine "Euphorie des
Chinageschäfts" zurechtgestutzt.
In weniger als zwei Jahren ist China an die Grenzen seiner all-
seitig geschätzten Kreditwürdigkeit gestoßen und bekommt jetzt
die erpresserische Qualität gewährter und nichtgewährter interna-
tionaler Hilfen zu spüren. Den 6-Milliarden-Kredit, den es sich
zur Vermeidung teurerer und mit härteren Auflagen versehener na-
tionaler Kredite versprochen hatte, bekommt es nach "Abschätzung
der Realisierungschancen der einzelnen Hilfsprojekte" (IWF)
nicht. Und zwar nicht deswegen, weil es sie nicht wie vorge-
schrieben für die "Erschließung der Energieressourcen", zur
"Entwicklung des Verkehrs- und Transportwesens" benutzen wollte,
sondern weil der IWF angesichts der kargen
"entwicklungspolitischen Landschaft" und der Finanzschwierigkei-
ten und zugleich "überzogenen Erwartungen" Chinas es nicht für
opportun hielt, dem Entwicklungsland mit dem größten Kreditvolu-
men dessen vollständige Inanspruchnahme zuzugestehen. Die Förde-
rung der diversen Projekte überantwortete er lieber seinen Haupt-
mitgliedern, den "Industrieländern", die die Geschäftsmöglichkei-
ten besser einschätzen und die entsprechenden Bedingungen setzen.
Die führten dann angesichts des chinesischen Versuchs, wenigstens
bestimmte ihren Erwartungen nicht mehr entsprechende Vorhaben er-
lassen zu bekommen, den besagten Grundsatzstreit - mit dem wenig
überraschenden Ergebnis, daß die chinesische Haushaltssanierung
in der vermehrten und zugleich an neue zusätzliche Konditionen
gebundenen Neuverschuldung bestand. Das praktische Eingeständnis,
daß die vielbeschworenen nationalen Möglichkeiten Hemmnisse der
Benutzung ausländischer Finanzkraft sind, also auch nur von die-
ser lukrativ zu benutzen sind, nahm nur deshalb nicht die offi-
zielle Form der Kapitulation an, weil die chinesischen Schnell-
Lerner sich längst selbst zu der Einsicht bequemt hatten, mit
neuen Krediten zufrieden zu sein, und die veränderten Bedingungen
durchaus in etwa auf der Linie der eigenen fortschreitenden Wirt-
schaftsplanung liegen. Denn mit jedem neuen Maßstab der Verschul-
dung machte sich das schöne Prinzip -
"Die Höhe unserer Verschuldung muß innerhalb unserer Rückzah-
lungsfähigkeit bleiben. Das ist ein sehr wichtiger Punkt." -
vermehrt geltend. Und zwar als Problem des Devisenmangels, dem
deshalb Zug um Zug all die Entwicklungsvorstellungen und
-bemühungen zum Opfer fallen, für die dem Ideal nach die Devisen
eigentlich da sein sollten. Aus der schon etwas
wirklichkeitsnäheren ideologischen Devise -
"Nur wenn wir unsere Ausfuhren kraftvoll ausdehnen, um Devisen zu
verdienen, können wir auch unsere internationale Zahlungsfähig-
keit kontinuierlich verbessern." -
erklären sich die Fortschritte in der Unterordnung der Wirt-
schaftsentwicklung unter den E x p o r t, die hierzulande als
bloßes Hin und Her chinesischer Wirtschaftspolitik und Streit
zwischen Dogmatikern und Pragmatikern in der Partei kolportiert
werden.
Geschäftsabteilung Nr. 2: Billiger Export für teuren Import
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Der "warme Westwind", mit dessen Hilfe sich China zum exportfähi-
gen Land entwickeln wollte, hat also zu keinem "warmen Regen" an
Devisen geführt, sondern ganz im Gegenteil - trotz aller staatli-
chen Devisengesetze zur Verlagerung der betrieblichen Devisenkon-
ten im Ausland auf die Bank of China - eine wachsende Devisennot
des Staates zur Folge. Das hat den Staat zu immer neuen wirt-
schaftspolitischen Anstrengungen zur Exportförderung und Import-
drosselung bewogen, mit der immer deutlicheren Umkehrung der Aus-
gangsabsicht: Export für Import. Hatten sich die chinesischen
"Modernisierungs"-Idealisten am Anfang noch gedacht, mit Krediten
und flotten Rohstoff- und Leichtindustrieexporten all die Importe
der "schwachen Kettenglieder" zustandezubringen, die schlagartig
ihre Exportkraft steigern würden, also Industrieanlagen, Maschi-
nen, Technologie usw., so haben sie inzwischen halb willig, halb
unwillig vom Westen gelernt, wie ihre Geschäfte auf dem Weltmarkt
aussehen. Das Desaster der 120 Anfangsgroßprojekte widerlegte ja
nicht nur die Vorstellung einer flotten Rohstoff- und Schwerindu-
strieentwicklung für eigene Bedürfnisse, es fielen damit auch die
hochgeschraubten Rohstoffexportvorstellungen flach, obwohl Erdöl-
, Kohle- und sonstige brauchbare "Naturschätze" in Hülle und
Fülle prospektiert worden sind. Erdölvorkommen in Milliardengröße
sind eben etwas anderes als funktionierende Förderanlagen mit
entsprechender Infrastruktur und Verarbeitungsindustrie. Also
setzten die chinesischen Planer auf die Leichtindustrie, sprich
die vorgestellte Leistungskraft und Billigkeit ihrer Massen, för-
derten ein Jahr lang die "Konsumgüterindustrie" wie Kameras,
Fernseher, Fahrräder, Textilien usw... - und zwar nicht in erster
Linie für die Versorgung ihres "riesigen inneren Marktes", auf
dem angeblich "100 DM" mehr für jeden Chinesen einen Kaufkraftzu-
wachs von 100 Mrd. bewirken, sondern für einen flotten Export.
"Modernisierung der bestehenden Betriebe" hieß die entsprechende
Korrekturlinie.
"Xue Muquiao erklärte, China wolle sich in den nächsten drei bis
fünf Jahren vornehmlich auf Produktionen konzentrieren, die nur
geringe Investitionen erfordern, schnelle Resultate bringen und
Güter für den Export erzeugen, der Chinas Deviseneinnahmen ver-
größert."
"Ferner soll die noch rückständige Infrastruktur verbessert wer-
den, was den Ausbau der Eisenbahn, den Bau von Häfen, die Anlage
von Wasser- und Wärmekraftwerken sowie die Entwicklung des Kohle-
bergbaus und die Ausbeutung der Ölvorkommen einschließt. Stahl-
werke und petrochemische Anlagen sollen dagegen vorläufig nicht
mehr gebaut werden."
Das "readjustierte" Ideal, es gäbe mit Chinas Billigproduktion
"schnelle Resultate", hatte zur Folge, daß nicht nur die Rohstof-
förderung stagnierte, sondern auch ein kräftiges Minus in den
"Investitionsgüterabteilungen" Bergbaumaschinen, Kraftwerksausrü-
stung, Traktoren, Güterwagen eintrat. Es hielt daher nur ein
Jahr, weil die erhofften Erfolge mit Textilien und sonstigen ty-
pischen Hongkong-Waren an der Unrentabilität chinesischer Produk-
tionsmethoden ihre Schranken haben und sich die vielen "schwachen
Kettenglieder" unliebsam bemerkbar machten.
Seit neuestem heißt es daher von chinesischer Seite wieder, daß
man
"zu weit gegangen ist und das Pendel jetzt nun zur Schwerindu-
strie hin ausschlägt. Die Leichtindustrie sei darauf angewiesen,
daß die Schwerindustrie bessere und technisch fortschrittliche
Ausrüstungen bereitstelle. Die Schwerindustrie werde auch benö-
tigt, um die reichen Naturschätze Chinas wie Kohle, Öl und Was-
serkraft zu entwickeln. ... Durch die allgemeine Beschneidung der
Schwerindustrie neigten auch jene Bereiche innerhalb des Investi-
tionsgütersektors unverhofft zur Stagnation, denen man für das
Modernisierungsprogramm eigentlich eine Schlüsselrolle zuerkannt
hatte und die man beschleunigt zu entwickeln gedachte, Gemeint
sind vor allem die Energieproduktion sowie das Verkehrs- und Kom-
munikationswesen."
So liest sich Chinas Eingeständnis, daß der devisenbringende Ex-
port durch beide "Abteilungen" nicht zustandekommt. Das Pendel
schlug deshalb schon im Laufe des Jahres auch ganz woanders hin
aus:
Im Bereich der Landwirtschaft ruinierte die Umstellung auf Ex-
portprodukte die Versorgung u n d kostet Devisen:
"Getreideabkommen China-Amerika": "Der beträchtlich höhere Im-
portbedarf Chinas geht auf die neue Landwirtschaftspolitik der
Pekinger Führung zurück, die es den Kommunebauern erlaubt, in
größerem Umfang als bisher gewinnintensive Erzeugnisse wie Ge-
müse, Ölfrüchte und Baumwolle anzubauen. Dadurch haben sich die
Getreideanbauflächen verringert... zusätzlich dadurch gefördert,
daß Peking durch die Einfuhr über See seine eigenen viel zu teu-
ren Transportkapazitäten über Land entlasten kann."
Im Bereich der Energie- und Rohstofförderung gibt man inzwischen
hehre Pläne wie "ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Abbau und
Reserven" und die Absicht, die Rohstoffe selbst zu gebrauchen,
auf. Inzwischen exportiert man, was man hat, selbst, wenn man es
selber braucht, und das zu Vorzugspreisen und mit Verzicht auf
die eigene "Industrialisierung". Beim Öl sieht inzwischen der
Austausch von "Rohstoffen gegen Technologie", für den sich Wirt-
schaftsgraf Lambsdorff schon seit längerem ausspricht, entspre-
chend aus:
"Wie aus Kreisen der japanischen Ölindustrie verlautet, hat China
nun zugestimmt, den Preis für das nach China exportierte Öl zu
senken."
"China wird zum Öl-Importeur."
China fordert von Japan, "daß das Inselreich China beim Import
von Erdöl aus Drittländern unterstütze, da ohne solche Einfuhren
die geplanten Anlagen" (die ursprünglich stornierten petrochemi-
schen nämlich) "nicht betrieben werden können... Japanische Indu-
striekreise sind... überrascht, weil die chinesische Seite be-
reits 1978 einen entsprechenden Vorschlag abgelehnt hatte. Damals
hatten japanische Experten errechnet, daß es wesentlich billiger
sei, für die damals von China gekauften beiden Chemiewerke aus-
ländisches Erdöl zu verwenden als einheimisches, weil die ent-
sprechende Infrastruktur im Land nicht vorhanden war. Die Trans-
port- und Veredelungsanlagen zu bauen - so damals die japanischen
Fachleute - sei etwa um das Doppelte teurer als die Verwendung
von Importerdöl."
Die "überlasteten" Transportwege und Energie werden deshalb auch
nur noch dort ausgebaut, wo es den laufenden oder zu erwartenden
Außengeschäften dient.
"Gu Mu sagte, daß große Investitionen erforderlich sein werden,
um die Eisenbahnen und Häfen in der nordwestlichen Provinz Shaxi
für den Transport der Kohle zu bauen. In der Südwestprovinz Guiz-
hou besitzt China 14 Mrd. Tonnen Kohlereserven und will diese
ebenso erschließen, wie es die Eisenbahn- und Hafenanlagen zur
Verschiffung der Kohle in der Nachbarprovinz Guandong auf- und
ausbauen will."
So wird mit dem immer nicht ausreichenden Verkauf auch der ei-
gentlich selbst benötigten Rohstoffe eine Entwicklung finanziert,
die dieses segenreiche Verhältnis potenziert. Und weil die Ver-
käufe auch für diese vorgestellten Entwicklungsprojekte in Rich-
tung auf ein Rohstoff- und Billigwarenland nicht ausreichen, wird
dieser Fortschritt gleich ganz im Verein mit westlichen Kreditge-
bern und damit ganz in derem Sinne geplant und durchgeführt. Die
Erfahrung nämlich, daß "Schwer- und Leichtindustrie",
"Rohstoffvorkommen" und "ein Volk von 1 Milliarde" kein Staats-
reichtum sind, wenn man sie nicht kapitalistisch dazu zu machen
in der Lage ist, hat die chinesischen Bewunderer schon frühzeitig
dazu bewogen, ihre "Potenzen" mit der westlichen Ge-
schäftsfähigkeit zum "wechselseitigen Nutzen" schöpferisch zu
verbinden. Die Bereitschaft, sich zur A n l a g e sphäre aus-
ländischen Kapitals zu machen und dadurch den Weltmarkt o h n e
Devisen zum eigenen Aufbau zu nutzen, indem man an den Kapital-
Geschäften mit den eigenen Mitteln staatlich partizipiert, hat
deshalb einige recht einseitige übergänge von Seiten Chinas zu-
standegebracht in der
Geschäftsabteilung Nr. 3:
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Gemeinschaftsunternehmen Entwicklung ausländischer Profite
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Ganz in der Pose eines Wirtschaftspartners mit westlichen Manie-
ren führt der chinesische Staat dem "ausländischen Investor" seit
einigen Jahren dessen Nutzen im Handel mit China vor:
"Erweiterung seines Investitionsgebietes - Vergrößerung des Mark-
tes für Konsumgüter - Ausnutzung von fremden Rohstoffen und Ar-
beitspotential - Gewinnerzielung",
und vergißt nicht, seine frommen Wünsche bezüglich seines
"Modernisierungsprogramms" zu betonen:
"Überbrückung des Mangels an Technologie und know-how - Ausbil-
dung von Technikern, Vermittlung wissenschaftlicher Management-
kenntnisse - Förderung der chinesischen Wirtschaft."
Was mit diesen Versprechungen in Gang gesetzt wurde, ist nichts
weniger als die chinesische Absage an eine Staatswirtschaft, und
zwar nicht nur bezüglich der Angebote an die Investoren, sondern
auch bezüglich der beteiligten chinesischen Stellen. Die Zufrie-
denheit eines Vorreiters eines solchen joint ventures, des
Schweizer Aufzugsunternehmen Schindler, ist verständlich:
"Es galt, in eine Planwirtschaft, die überdies kein Privateigen-
tum an den Produktionsmitteln kennt, ein an sich systemwidriges
Ding einzupassen: ein sich teilweise in ausländischem Besitz be-
findliches, gewinnstrebendes Unternehmen... Unsere chinesischen
Partner zeigten eine angesichts dieser Umstände erstaunliche Fle-
xibilität."
Denn aus lauter Interesse an solchen Unternehmungen hat der chi-
nesische Staat Bedingungen geschaffen, damit westliche Anleger,
wo sie sich ein Geschäft versprechen, auf keinerlei "planwirt-
schaftliche" Hindernisse stoßen. "Staatseinmischung" findet nur
noch in der Weise statt, daß er zugunsten der nützlichen
Kooperation alle notwendigen Eigentums- und Gewinngarantien
bietet und seinen Anteil auf ein Minimum reduziert. Was die Zu-
sammenarbeit in der Erschließung "des potentiell unermeßlichen
Reichtums des Landes an mineralischen Ressourcen aller Art" an-
geht, verlangen die westlichen "Helfer" nicht nur immer lautstar-
ker nach Liefergarantien der prospektierten Vorkommen. Sie sorgen
gleich dafür, daß nur die erschlossen werden, die ihnen rentabel
erscheinen und daß sie aus der Förderung ein Geschäft machen, an
dem der chinesische Staat bestenfalls beteiligt ist. Mehrere
westliche Ölfirmen konkurrieren im Aufbau der "offshore"-Ölpro-
duktion:
"Chinesische" (und natürlich auch westliche) "Vorarbeiten könnten
in alle zustandekommenden Gemeinschaftsgründungen als kapitali-
stische Beteiligung eingebracht werden und in gewisser Hinsicht"
(das ist gut!) "die Hauptlast der Finanzierung bei tendenzieller
Minderung des Fremdkapitalanteils auf den ausländischen Partner
verlagern."
Nicht einmal ein normales Ölförderland mit formell staatlichem
Besitz der Förderanlagen wird das vormals so verschlossene Land
der Mitte also, und die mangelnde Bereitschaft, das rechtzeitig
vor der Förderung einzusehen, wird den Chinesen jetzt hämisch als
ihr Schaden vorgerechnet:
"Die chinesischen Instanzen könnten angesichts der abnehmenden
Zuwachsrate des Energie- bzw. Ölverbrauchs und der damit einher-
gehenden Schwäche des Ölpreises bereits den günstigsten Zeitpunkt
verpaßt haben, um vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Konjunk-
turschwäche gegenüber den internationalen Ölgesellschaften Bedin-
gungen stellen zu können, wie sie bei den ersten Verhandlungen
über gemeinschaftliche Exploration mit den japanischen und fran-
zösischen Gesellschaften noch hätten durchgesetzt werden können."
Ähnlich freigiebig verhält sich China in Fragen der Ausbeutung
seiner Arbeitskraft bei Zusammenarbeit im industriellen Bereich.
In aller Regel ist den Vertragspartnern ein Entscheidungsrecht in
allen Fragen der Betriebsführung, Produktauswahl, Produktionsab-
lauf und Einstellung und Auswahl der Arbeiter zugestanden. Eine
Einkommenssteuer von 30-35%, 10% Steuer für ins Ausland überwie-
sene Gewinne, billige Mieten und ein Lohnniveau von 25% unter
Hongkong-Niveau, aber als Prämienlohn ein Gutteil über dem chine-
sischen Normallohn sorgen für die Möglichkeit, die Unternehmens-
freiheit gebührend auszunutzen. Für großzügige Reinvestitionsvor-
schriften und Auflagen, die Produkte zu festen Preisen zu expor-
tieren, falls nicht für den chinesischen Markt selbst produziert
wird, entschädigt der Staat mit einer 15%-Gewinngarantie (die
Einlagen von Schindler von 9 Mill Sfr brachten es immerhin in ei-
nem Jahr auf 2 Mill Gewinn). Verluste "werden in nationaler Wäh-
rung finanziert" und Exportverluste durch überhöhte Inlandspreis-
festsetzungen, die die Staatsbetriebe zu zahlen haben,
"ausgeglichen". Für die unternehmerische Kalkulation mit Kosten
und Märkten sind also einige Freiheiten eröffnet. Und wer nicht
gleich so weitgehende "Verpflichtungen " eingehen möchte, weil er
in Hongkong, Singapur und Taiwan dasselbe mit weniger engen For-
men der "Kooperation" haben kann, dem bietet der chinesische
Staat "Lizenz- und knowhow-Verträge", Konsignationshandel,
"Kompensationsverträge" mit der "weichen" Kompensationsklausel,
daß für nicht absetzbare "Qualitätsware" auf dem Weltmarkt China
geradesteht, "Kooperationsverträge" sowie "Lohnveredelungs-
geschäfte". Also baut Schloemann Spritzgußmaschinen in Lizenz-
fertigung "40% unter dem deutschen Selbstkostenpreis", die "sogar
auf dem japanischen Markt konkurrenzfähig sind"; Wella gründet
ein Kosmetik-Gemeinschaftsunternehmen für den japanischen Markt,
und der Inbegriff dieser Sorte "Beginn einer langfristigen
Zusammenarbeit" sieht so aus:
"Der im Oktober in Peking unterzeichnete Vertrag sieht vor, daß
Telefunken zunächst komplette Bausätze für Farbgeräte mit 51-er
Bildschirmen liefert. Im ersten Jahr der Zusammenarbeit dürften
rund 100 Millionen Mark aus diesem Geschäft in die Kassen des
Elektrokonzerns fließen. Mit Peking wurde Barzahlung in Devisen
vereinbart. Der Auftrag erlaubt es Telefunken, die Kapazitäten
besser auszulasten... Die Bausätze werden in einer Fabrik in der
Nähe von Peking, die sich voll in chinesischer Hand befindet,
montiert. Die Chinesen haben sich ausbedungen, daß nach und nach
Teile aus ihrer eigenen Fertigung in die Geräte einbezogen wer-
den. Anfangs wird es sich hierbei lediglich um Gehäuse han-
deln..."
Das ist devisensparender Aufbau einer chinesischen Exportproduk-
tion für staatliche Deviseneinnahmen! Politisch und ökonomisch
gibt der Staat sein Anliegen, seine "Reichtumsquellen" zu nutzen,
auf und macht sich zum bescheidenen Teilhaber an der Exploration
seiner Bodenschätze und der Ausbeutung seiner blauen Ameisen.
Dafür verschuldet er sich nach Kräften und schafft, soweit es
geht, die Vorbedingungen. Und die erwarteten und unerwarteten
Ergebnisse dieser Öffnung zum Westen - spärliche Exploration gün-
stig gelegener Bodenschätze für die westliche Geschäftswelt und
bisher mäßige Ausnutzung des chinesischen Investitionsangebots in
den küstennahen und schon entwickelteren Gebieten vor allem durch
westliches Kapital aus Hongkong und anderen Billiglohnfilialen
der Weltmarktnationen in Ostasien - beflügeln China noch dazu,
die Trennung zwischen Exportgeschäft und Produktion im und für
das eigene Land, die Entwicklungsländer auszeichnet, an sich sel-
ber zu vollziehen. Es hat seine bisher für die eigenen Produkti-
onsbedürfnisse industrialisierten Gebiete Beijing, Tianjin,
Shanghai und die Nachbargebiete von Hongkong zu quasi exterrito-
rialen "Experimentierfeldern" gemacht und damit die
Geschäftsabteilung Nr. 4:
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Sonderwirtschaftszonen - Das bedingungslose Angebot
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eröffnet. Hier gewährt er nicht nur den eigenen Betrieben die
freie Kosten- und Gewinnkalkulation, sondern faßt für ausländi-
sche Interessenten alles, was er an Geschäftsmöglichkeiten zu
bieten hat, ohne jegliche staatliche Schranke zusammen: Trans-
portmöglichkeiten, billigere Energieversorgung als in Hongkong,
um das Zehnfache billigere Verfügung über Grund und Boden, Zoll-
freiheit seewärts, einen Steuersatz von 15% oder weniger oder be-
fristete Steuerbefreiung bei "entwicklungspolitisch" nützlichen
Investitionen, Privateigentum an Grund und Boden, Kapital und
Baulichkeiten, Recht zur fristlosen Entlassung von Arbeitern; und
das alles mit nur einer einzigen Auflage:
"Die in diesem Gebiet hergestellten Produkte müssen exportiert
werden. Falls es einen Bedarf gibt, die Produkte auf dem heimi-
schen Markt zu verkaufen, würden die Anträge der Bestätigung Chi-
nas unterliegen. Auf die Produkte würde Zoll erhoben werden. Sie
würden als Importe gelten."
Dieses staatliche Eingeständnis, daß die selbstinstallierte aus-
ländische Konkurrenz auf chinesischem Boden mit Sonderkonditionen
die eigene Produktion nicht fördert, sondern - frei zugelassen -
zerstören würde, stößt den chinesischen Eigenentwicklungspoliti-
kern weniger auf als der mangelnde Erfolg ihrer Angebote. Daß
sich das "Problem des Schmuggels und anderer 'grenzüber-
schreitender' illegaler Aktivitäten an die innerchinesischen
Grenzen zwischen den Zonen und dem Hinterland verlagert" hat, daß
sich "der Hongkong-Dollar neben den chinesischen Renminbi-
Zertifikaten zur eigentlichen Leitwährung aufgeschwungen" hat,
stört sie wenig.
"Sorge bereitet der Umstand, daß es bisher nicht gelungen ist, in
breiterem Umfang westliche Investoren anzulocken. Nach offiziel-
len Schätzungen stammen 90 Prozent des bereits angelegten Kapi-
tals aus Hongkong und Macao... Deshalb beschlossen Pekings zen-
trale Planungsbehörden jetzt, die Vorzugsbedingungen für auslän-
dische Investoren weiter auszubauen."
Deswegen erlaubten sie eine regelrechte Konkurrenz der wachsenden
Anzahl von Zonen. Die jüngste Sonderzone, die Insel Hainan, bie-
tet für die Erzeugung von Kautschuk, Kaffee und Kakao usw. neben
noch niedrigeren Arbeitslöhnen und Pachten für Gemeinschaftsun-
ternehmen auch an, daß "der einheimische chinesische Partner
nicht einen gleich hohen Gewinnanteil wie der ausländische Inve-
stor beanspruchen" kann. Auch wenn die Deng-Bande solche Angebote
von sich aus macht, sie machen doch zunehmend gewisse Kapitali-
stensorgen gegenstandslos:
"Da ausländisches Kapital dafür benutzt wird, Unternehmen zu fi-
nanzieren, die ihrer Natur nach kapitalistisch sind, müssen die
Investoren Profite machen. Ist es möglich, daß nach einiger Zeit
die Investoren wegen Ausbeutung angeklagt werden? Mit anderen
Worten: Ist es möglich, daß die Politik der Förderung ökonomi-
scher Kooperation mit ausländischem Kapital bald wieder ins Ge-
genteil umschlägt?
Das ist eine sehr interessante Frage!"
Keine Frage: Gegenwärtig befördert jede chinesische Enttäuschung
nur weitergehende Formen "ökonomischer Kooperation". Und die ent-
wickeln dann auch ihre "Eigengesetzlichkeit". Sie machen eine Um-
kehr politisch und ökonomisch zu einer Frage einer neuerlichen
Revolution, allerdings einer, bei der der Staat noch weniger pro-
fitiert als bei den jetzigen "Entwicklungsfortschritten". Und
welcher chinesische Staatsmann wollte das schon!
III. Entwicklungslandperspektiven
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Auch das hat also China vom Westen schon ganz selbständig ge-
lernt, daß die politische Macht, die Boden und Arbeit als devi-
senträchtiges Mittel benutzen will, weil es ihn nichts kostet,
dafür dennoch einiges bezahlen muß: Soweit er überhaupt entwic-
kelte Produktionsvoraussetzungen vorzuweisen hat, muß er sie auf
Kosten seiner Devisenerwartungen zur Verfügung stellen, sie dafür
ausbauen und sich das Devisen kosten lassen. Soweit nicht, werden
Land und Leute für uninteressant erklärt und dem eigenstaatlichen
Belieben überlassen. Wie das aussieht, dafür ist damit allerdings
dann auch schon einiges entschieden. In dem Maße, wie China
"seine Außenwirtschaft" zu entwickeln sucht, je mehr Projekte es
unter dem Stichwort "Entwicklung" in Gang setzt, umso unabweisba-
rer setzt sich der chinesische Staat damit in Gegensatz zu den
bisherigen Formen seiner nationalen Ökonomie. Ganze Abteilungen
seines Landes - und zwar ausgerechnet die, auf deren beschränkte
industrielle Leistungsfähigkeit sich die Staatswirtschaft ge-
stützt hat - werden auf den "Export" konzentriert, indem der
Staat sie aus seiner Verfügung entläßt, ohne daß also eine
"Außenwirtschaft" für ihn zustandekommt; er macht seine Ressour-
cen zum Geschäftsartikel ausländischen Kapitals und entzieht sie
damit jeder auch nur potentiellen eigenen Erschließung und Benut-
zung wie im bisherigen beschränkten Maßstab, ohne dadurch in den
Besitz auch nur der finanziellen Mittel zu kommen, im beschei-
denen Maße "zum Industrieland " zu werden; verschuldet sich zu-
nehmend zu immer schlechteren Konditionen und mit immer weniger
Möglichkeiten, sie zur Finanzierung industrieller Aufbauprojekte
zu verwenden; kauft Großanlagen schon mit dem Eingeständnis, daß
er sie gar nicht produktiv nutzen kann; kurz: verhält sich ge-
nauso "irrational", wie es jedes ambitioniertes Entwicklungsland
macht - und zwar aus freien Stücken. Also trennt es auch aus
freien Stücken die ehemals so geförderte Staatsgrundlage - die
eigene Massenkraft - von dieser neuen Grundlage staatlicher Be-
reicherung ab und setzt sich zu ihr in Gegensatz. Gerade weil der
Standpunkt einer zunächst notwendigen Versorgung, als Ausgangs-
punkt staatlichen Aufschwungs, dem des Geschäfts gewichen ist und
weil dieses Geschäft mit und ohne Versorgung nicht mit der 1 Mrd.
Chinesen gemacht wird, also auch der Staat nicht reich wird,
wirkt jeder Fortschritt gen Westen doppelt zerstörerisch nach in-
nen: Der Massenproduktion und Reproduktion werden im Gegensatz
zum alten Ideal der staatlichen Zentralzuteilung und Kompensation
zwischen den Provinzen immer mehr elementare Voraussetzungen ent-
zogen, zugleich werden sie selbst immer mehr unter die Kriterien
vorgestellter Geschäfte subsumiert. Dabei machen sich die chine-
sischen Besonderheiten nicht mäßigend, sondern verschärfend gel-
tend. Zum einen die Tatsache, daß China im Kreise der Zuliefer-
staaten des Imperialismus eine zuspätgekommene Nation ist. Die
Selbstverständlichkeit eingerichteter Drittweltverhältnisse, die
billige Erledigung der "Ressourcenknappheitsprobleme", überhaupt
die immer stärkere entwicklungspolitische Sparsamkeit des Westens
beflügelt die chinesische Enthaltsamkeit und Gelehrsamkeit in
Fragen Angebote, und macht doch aus ihm bestenfalls nur eine
schlechtere Ausgabe von Hongkong und Nigeria. Zum anderen die
Tatsache, daß China den Weg in den Drittweltstatus mit einer Mil-
liarde Chinesen antritt, die verhältnismäßig zufrieden und ein-
vernehmlich mit und in ihrem Staat zugewerkelt und zum größeren
Teil auch politisiert haben. Das ergibt ein reges wirtschaftli-
ches und politisches Leben nach innen, das in der nächsten MSZ
behandelt wird.
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