Quelle: Archiv MG - ASIEN CHINA - Wie tot ist Mao?


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       Marxistische Studentenzeitung 1/82
       

CHINAS POLITIK DER "OFFENEN TÜR": DER WEG ZUM ENTWICKLUNGSLAND AUS EIGENER KRAFT

"Das chinesische Volk kann weiterleben, ohne von den Imperiali- sten Almosen erbetteln zu müssen, es wird sogar ein noch besseres Leben führen können als die imperialistischen Länder... Worauf soll unsere Politik beruhen? Auf unseren eigenen Kräften, und das heißt, sich aus eigener Kraft emporarbeiten,.. China ist nun ein Staat frei von jeglichen Schulden... Das hat kraftvoll bewiesen, daß es einem Land wie unserem möglich ist, das arme, rückständige Antlitz durch eigene Kraft allmählich zu verändern und sich Schritt für Schritt zu einem mächtigen sozialistischen Staat aufzubauen, nur wenn man das große rote Banner der Maotse- tungideen hochhält... 'Der Feind verfault mit jedem Tag, während es uns täglich besser geht.' Das ist die lebendigste, tiefgrün- digste und umfassendste wissenschaftliche These des Vorsitzenden Mao über die internationale Situation unserer Zeit... In den Hän- den der Ausbeuterklasse, wie Lenin sagte, ist 'Geld ein Titel auf den Empfang eines Tributs von allen Werktätigen' und 'jeder Dol- lar trägt Blutspuren',... Die sowjetische Renegatenclique scheute nicht vor dem Verkauf von Naturressourcen des Landes zurück, um von den internationalen monopolkapitalistischen Cliquen Almosen zu erbetteln... Heute kann man sehen, dar unsere Renminbi, wäh- rend der Sturm von Finanz-und Währungskrisen über die ganze kapi- talistische Welt hinwegfegt und die Wirtschaft in den von den mo- dernen Revisionisten beherrschten Ländern in ernste Schwierigkei- ten gerät, als eine unabhängige, einheitliche und stabile sozia- listische Währung felsenfest in der Welt dasteht." ("Sieg der großen Richtlinie des Vorsitzenden Mao: Unabhängigkeit und Selb- ständigkeit, Vertrauen auf die eigene Kraft - Jubel über das so- zialistische China, ein Land ohne in- und ausländische Schulden" und "Großer Sieg der Maotsetungideen an der Finanz- und Währungs- front - Jubel über Chinas Renminbi als eine äußerst stabile Wäh- rung auf der Welt", Peking 1969) "Hauptsächlich Vertrauen auf die eigene Kraft, aber keine Politik der verschlossenen Tür!" (Jahresbericht von Yao Yibin, Vizemini- sterpräsident und Vorsitzender der staatlichen Planungskommis- sion; Beijing Rundschau Nr. 11, 81) "Wir vertreten: 'Sich in erster Linie auf die eigene Kraft stüt- zen, zu deren Ergänzung aber auch Hilfe von außen annehmen'... Wir nehmen auch ausländische Hilfe an. Dadurch kann unser Mangel an Geldmittel innerhalb einer bestimmten Periode ausgeglichen und das Tempo des Wirtschaftsaufbaus beschleunigt werden. Um das Tempo der vier sozialistischen Modernisierungen zu beschleunigen, muß Chinas Außenhandel ein großes Wachstum erleben. Geringes oder mittleres Wachstum reicht nicht aus. Wir müssen lernen und uns damit vertraut machen, wie man auf dem Weltmarkt Geschäfte be- treibt, und wir müssen es erfolgreich und kraftvoll tun..., indem wir den Außenhandel kraftvoll entwickeln, die international übli- chen Handelspraktiken flexibel anwenden, ausländische Kredite nutzen und fortschrittliche Technologien importieren... Import- und Exporthandel sind unerläßlich für alle Länder der Welt. Kein modernes Land hat sich durch Isolation oder Verschlie- ßung von der Welt entwickelt... Wir müssen das Prinzip des Ver- trauens auf die eigene Kraft wahren. Die Entwicklung des Außen- handels verstößt nicht gegen dieses Prinzip. Vielmehr ist sie genau das, was wir erreichen müssen, um dieses Prinzip umfassend zu verwirklichen... Wir müssen unser Denken weiter befreien und uns nicht länger an Händen und Füßen fesseln..." ("Über die Mo- dernisierung der Industrie", Beijing Rundschau Nr. 12, 1979; "Im Außenhandel muß es eine große Entwicklung geben", Renmin Ribao, 4. Dez. 1978; so wie Xinhua, 2. Juli 1978) I. Der Imperialismus des Eintritts in den Welthandel ---------------------------------------------------- Vom Vertrauen auf die eigene Kraft... ------------------------------------- Die chinesische Führung hat seit 1978 mit allen Prinzipien natio- naler Entwicklung gebrochen, welche die ökonomische Unabhängig- keit Chinas vom Weltmarkt und vom sozialistischen Wirtschafts- block sowie den Einsatz der chinesischen Massen zum alleinigen Garanten eines ökonomischen Aufschwungs der Volksrepublik erklär- ten. Zu Zeiten der Kulturrevolution zeugte das Ideal einer ein- vernehmlichen Mobilisierung der Volksmoral für einen ökonomischen Aufbau gegen alle politisch beseitigten Abhängigkeiten wenigstens von einer Ahnung bei den leitenden Nationalkommunisten davon, daß Schulden nach innen ein Mittel der Ruinierung des Volkes und nach außen ein Hebel der Erpressung des Staates sind; daß der Verfall der Währung (und seine staatlich organisierten Folgen, die Verar- mung der Massen) für ein Land wie China der Ausdruck der Unter- ordnung unter die ökonomische Potenz kapitalistischer National- ökonomien ist; daß Produktion für den Weltmarkt das arbeitende Volk dem von vornherein entschiedenen Vergleich mit der Produkti- vität kapitalistischer Reichtumsvermehrung aussetzt und daß die Exploitation der Bodenschätze zur Devisenbeschaffung nicht der Entwicklung des Landes, sondern der Akkumulation in den kapitali- stischen Industrienationen zugutekommt und deswegen auch keine eigene Reichtumsproduktion in Gang setzt. Der verrückte Stolz, in der puren Begeisterung des größten Volks der Erde die nationale Kraft zu besitzen, die jedes Almosen über- flüssig macht, den faulenden Imperialismus übertrumpft und aus den nationalen Naturquellen einen Reichtum macht, mit dem sich der Staat sehen lassen kann, sorgt allerdings dafür, daß es trotz bzw. wegen aller wirklich durchgesetzten Unabhängigkeit nur eine trübe Ahnung ist. Denn dieser Stolz speist sich ja aus dem A n s p r u c h, auch ökonomisch die Dritte Macht zu werden, und zugleich aus der G e n ü g s a m k e i t, dies durch die Mas- senkraft zu werden, die unabhängig von jeder Entwicklung der Pro- duktivkräfte die eigentliche Produktivkraft sei. Beides mußte in zunehmenden Widerspruch zueinander treten in dem Maße, wie trotz aller Mobilisierungskampagnen die Versorgung der Bevölkerung nur mühsam und alle darüberhinausgehenden Fortschritte so gut wie gar nicht zustandekamen; in dem Maße, wie die Zufriedenheit des vom gröbsten Elend und von dauernder Unterdrückung befreiten Volkes sich in den gegebenen Schranken der Produktion einrichtete und in die jeweils vorgegebene Richtung unter immer neuen blumigen Kam- pagnennamen und dem allzeit wehenden Banner der Maotsetungideen recht und schlecht zuwerkelte; und in dem Maße, wie zugleich der Imperialismus in der Ersten und Dritten Welt immer neue weiterge- hende Maßstäbe für einen "proletarischen Internationalismus" Chi- nas aufmachte. Der große Steuermann bewältigte diesen Widerspruch dadurch, daß er nach innen sein Volk ermunterte, in seinen Anstrengungen nicht nachzulassen, und nach außen die Alternative zur SU bis zur Er- öffnung normaler diplomatischer Beziehungen zu den USA voran- trieb. ...zur Politik der offenen Tür ------------------------------ Seit einigen Jahren dagegen hat die chinesische Führung das Prin- zip der "eigenen Kraft" schöpferisch erweitert um das Bauen auf "ausländische Hilfe", und eine "Politik der offenen Tür" einge- leitet. Was im Westen als neuer Pragmatismus gelobt wird, ist von chinesischer Seite eine radikale Kritik an der bisherigen selbst- genügsamen Weise, staatliche Stärke zu definieren und ökonomisch zu begründen. Das politisch genügsam gewordene Staatswesen gibt seine wirtschaftliche Selbstgenügsamkeit auf und kritisiert den bisherigen Weg der Selbständigkeit als einen ververhängnisvollen Idealismus. Der habe all die Möglichkeiten nicht genutzt, die Land und Leute böten, wenn - ja wenn - man sie als Mittel für eine Benutzung ausländischer "Hilfen" und des Weltmarkts ansieht und diese umgekehrt als Mittel, den eigenen Fortschritt voranzu- bringen. Der "Pragmatismus" der chinesischen Wirtschaftspolitik seit 78, der im Westen die schönsten Hoffnungen genährt hat über eine endlich willig und berechenbar gewordene Geschäftssphäre mit rosiger Zukunft, basiert damit nicht auf einer richtigen Ein- schätzung der Rückständigkeit der eigenen Produktivkraftentfal- tung, bedeutet also nicht die Absage an das von oben inszenierte Herumwerkeln mal unter dem Firmenschild des "Lernens vom Westen", mal unter der Absage an "kapitalistische Methoden" und "westliche und östliche Ausbeuterpraktiken". Der Fortschrittsidealismus wird vielmehr auf die Spitze getrieben im doppelten Sinn. Einmal dadurch, daß die neue Führung des chi- nesischen Volkes ernst macht mit der Vorstellung vom Staatsreich- tum, ohne den China seine selbstgewählte Rolle als blockfreie an- tisowjetische Großmacht nicht zur eigenen Zufriedenheit erfüllen kann; sie befreit also die Politik von der Selbstverpflichtung, die staatliche Entwicklung auf die Versorgung der und das Einver- nehmen mit den Massen zu gründen, reiht das Volk unter die Poten- zen des Staates ein, die er für seine ökonomische Stärkung ein- setzen kann, wenn es politisch dekretiert und organisiert wird. Deswegen klingt auf der anderen Seite die Uminterpretation der "eigenen Kraft" zu einem bisher noch gar nicht ausgeschöpften E n t w i c k l u n g s p o t e n t i a l nicht zufällig wie eine idealistische kapitalistische Begutachtung, die zum gewohn- heitsmäßigen Umgang mit der ganzen Staatenwelt als Mittel der ei- genen Profitproduktion dazugehört: "China verfügt bei einer Ausdehnung von 9,6 Millionen qkm und ei- nem Markt mit fast einer Milliarde Menschen über genügend Ar- beitskräfte und Ressourcen von Rohstoffen und Energie. Lagerungen von 132 verschiedenen Bodenschätzen sind bereits festgestellt worden." Denn die chinesischen Staatsplaner haben sich aus lauter Unzu- friedenheit über die Resultate des 30jährigen Aufbaus einer unab- hängigen Weltmacht zu der Auffassung bequemt, den ökonomischen Erfolg des Imperialismus und seine Kriterien anzuerkennen und für sich selbst als Möglichkeit vorzustellen. Und daran ist nicht nur das geläufige quid pro quo eine Lüge: daß nämlich Kapitalismus - Entwicklung der Produktivkräfte nach Maßgabe des Profits, Einsatz von Lohnarbeit für die private Aneignung von möglichst viel unbe- zahlter Mehrarbeit, Produktion nicht für die Befriedigung der Be- dürfnisse, sondern Beschränkung der Massenbedürfnisse im Dienste von Kapital und Staat also - dasselbe sei wie Entfaltung der Pro- duktivkräfte, Industrialisierung und überhaupt "Entwicklung". Kapitalismus als staatliche Entwicklungsmethode ----------------------------------------------- Die höhere Idiotie und praktische Härte liegt vielmehr in der Il- lusion, man müßte nur die Leistungen kapitalistischer Produkti- onsweise als staatlich brauchbare Technik des Fortschritts ganz methodisch auf das eigene Land ü b e r t r a g e n, man müßte nur in der eigenen Größe, den eigenen Massen und Naturschätzen die Möglichkeit für ein solch progressives Geschäftsgebaren sehen, dann wäre man auch schon auf dem besten Wege, aus diesen Möglichkeiten Wirklichkeit zu machen. Als ob sie nicht die ganze Latte der an Fläche, Menschenmasse und Bodenschätzen wirklich nicht armen "Entwicklungsländer" vor Augen hätten, die es dank ihrer Beziehung auf den kapitalistischen Weltmarkt weder zu einem Markt noch zu einem geregelten Lohnarbeiterdasein ihrer Be- völkerung, also ganz und gar nicht zu einer nationalen Reich- tumsproduktion gebracht haben, sondern zum Lieferanten von be- stimmten Agrarprodukten oder Rohstoffen für die Akkumulation in den entwickelten kapitalistischen Nationen oder zur Anlagesphäre ausländischen Kapitals, dem auf Kosten der staatlichen Teilnahme an seinen Gewinnen lauter Extra-Konditionen gewährt werden müs- sen! Als ob sich also die "eigenständige Entwicklung" mit "westlicher Hilfe" nicht schon längst als der sicherste Weg er- wiesen hätte, den Staat nicht auf eine eigene - und schon gar nicht auf eine fortschrittliche ökonomische Grundlage zu stellen! Ungerührt behauptet die jetzige Führungsmannschaft in China, zur Entfaltung ihrer nationalökonomischen Voraussetzungen fehle ihnen nur eins - Technologie und Devisen -, und in ihren Voraussetzun- gen hätten sie andererseits genau die Mittel, sich auf dem Welt- markt und mit westlicher Hilfe eben diese zu verschaffen. Das Verhältnis zum Westen, dem man nicht mehr nur mit Handwerks- arbeiten, Kladden, Chinoiserien und ein paar Rohstoffen für unum- gängliche Importe kommen will, wird unter dem Ideal eines nützli- chen Außenhandels mit einer e r h o f f t e n Wirkung auf den ökonomischen Fortschritt im Innern betrachtet, den man nun nach denselben Kriterien von Rentabilität und Weltmarktfähigkeit zu gestalten gedenkt. Die idealistische Phrase vom "wechselseitigen Nutzen", vom "Import- und Exporthandel" ist dabei schon deswegen obsolet, weil auf der Seite dessen, was man benötigt, all die Er- rungenschaften und Mittel westlichen Kapitals stehen, ohne die eine Bewährung auf dem Weltmarkt nicht zu haben ist: fortge- schrittene Technologie, das monopolisierte naturwissenschaftliche Wissen und die effektive Organisation seiner Anwendung in einer profitablen Produktion; gewohnheitsmäßige Rationalität eines Ge- schäfts, bei dem alles unter dem Zwang der Konkurrenz nach Kosten und Ertrag kalkuliert und eingerichtet wird; sowie die privaten und staatlichen Mittel dieser Konkurrenz, die Verfügung über die Geld- und Kreditmittel, mit denen sich jedes lohnende Geschäft in Gang bringen läßt. Auf der Seite des Angebots aber stehen die "Potenzen" für ein solches Geschäft, denen gerade all diese not- wendigen Mittel abgehen. Sie taugen also nur soweit, wie sie zum Geschäftsmittel der a n d e r e n S e i t e gemacht werden. Der Idealismus einer Benutzung des Weltmarkts aus eigener und für die eigene Kraft stellt also die Verhältnisse auf den Kopf: Um s i c h zu entwickeln, entwickelt sich China zur Anlagesphäre, stellt Zug um Zug die ökonomische Abhängigkeit von kapitalkräfti- gen Interessen her. Die Garantie dafür ist die Radikalität, mit der diese politökono- mische Kehrtwendung in Angriff genommen worden ist und mit der die "eigene Kraft", auf die man sich zu stützen gedenkt, an den neuen Maßstäben gemessen, praktisch kritisiert und in die ökono- mische Pflicht genommen wird. "Spezielle Betriebe und Gebiete sollten planmäßig errichtet wer- den, um sich vorrangig mit Exportwaren zu beschäftigen. ... Da die Konkurrenz auf dem internationalen Markt scharf ist und täg- lich neue Erzeugnisse auf den Markt kommen, müssen unsere Export- waren von guter Qualität verkaufbar und den Marktanforderungen entsprechend sein. Dies ist nicht nur eine Frage des wirtschaft- lichen Gewinns durch mehr Deviseneinnahmen, sondern auch eine po- litische Sache der Ehre unseres Landes." "Es gibt keine andere Möglichkeit, als uns etwas einzuengen. Ins- besondere im Hinblick auf solche Waren, die nicht essentiell für das Leben der Bevölkerung sind, müssen wir uns entschlossen darum bemühen, ihren Binnenverbrauch einzuschränken und sie für den Ex- port verfügbar zu machen." (Xinhua, 2. Juli 1978; "Im Außenhandel muß es eine große Entwicklung geben", in Renmin Ribao, 4. Dezem- ber 1978) Nationalökonomische Orientierung am W e l t m a r k t s t a n- d a r d und S p a r s a m k e i t d e r M a s s e n heißt die Devise, so als könnten die Massen mit ein bißchen gutem Willen sich weltmarktfähige Überschüsse abknapsen und als könnte die chinesische Ökonomie mit noch ein bißchen mehr gutem Willen flott das rentable und qualitätsbewußte Produzieren für den Weltmarkt lernen, um dadurch dem Staat zu ermöglichen, die industrielle Entwicklung vom Westen zu erwerben, die es für dieses Produzieren nach eigenen Aussagen allererst braucht. Eigendefinition nach fremden Maßstäben -------------------------------------- Das Prinzip eines nationalen Aufschwungs durch den staatlich in- szenierten Eintritt in die Geschäftswelt des internationalen Ka- pitals und der kapitalistischen Nationalökonomien bedeutet also die Absage an eine ökonomische Unabhängigkeit und darauf gegrün- dete politische Souveränität, mit der sich China jahrzehntelang wirklich als nicht erpreßbare Macht behauptet hat. Daß sich China nicht nur als das selbstbewußte Subjekt dieser Kehrtwende g e r i e r t, sondern es wirklich i s t, macht die Besonder- heit dieser "Entwicklung" aus. Denn der Grund dieser Entwicklung liegt ganz im W i l l e n der politischen Führung, die kapita- listischen Praktiken der Bereicherung als überlegene Methoden der Akkumulation von Staatsreichtum zu interpretieren und ihre staat- lich organisierte Produktion daran auszurichten. Damit liefert Chinas Ökonomie allerdings keinen entsprechenden Reichtum, son- dern wird nur als das M i t t e l behandelt, sich in Besitz all der Bedingungen zu bringen, die diese Methoden erfordern. Der chinesische Staat macht Land und Leute damit zu einem einzigen Angebot an diejenigen, die es schon "gelernt" haben, "wie man auf dem Weltmarkt Geschäfte betreibt". Und die Konsequenzen für den nationalen Aufschwung ziehen wiederum politökonomische Übergänge nach sich, die gar nicht mehr so frei gewählt sind. Ohne die ökonomische Notwendigkeit eines Entwicklungslandes, das dank seiner kolonialen und kolonialwirtschaftlichen Vorgeschichte mit und wegen der Erlangung seiner Souveränität nie die Entschei- dungsfreiheit gehabt hat, sich für einen "eigenen Weg" zu ent- scheiden, also durch den p o l i t i s c h e n B e s c h l u ß, sich von Staats wegen der eigenen Ökonomie zu b e d i e n e n, und dafür allerdings im Westen ein Vorbild und den potenten Hel- fer zu erblicken, hat sich China also selbst zum "Entwicklungs- land" erklärt, das sich dem Westen "öffnet" und sich "auf den Weltmarkt begibt", um "bis zum Jahr 2000 ein moderner Industrie- staat zu werden". Damit unterscheidet es sich allerdings nicht nur von der übrigen "Dritten Welt", sondern auch von den diversen Staaten des Realen Sozialismus, die den Westhandel zur Beförderung ihrer Wirtschaft betreiben und in dessen Gefolge manchen hehren Grundsatz ihrer Staatsökonomie politisch außer Kraft gesetzt haben. Die RGW-Län- der praktizieren das Ideal, durch Geschäfte mit dem Westen sich fehlende Voraussetzungen für ihre geplante Akkumulation zu ver- schaffen und auftretende Planmängel im Bereich Technologie, Land- wirtschaft usw. zu kompensieren, Ihr Warenangebot und die Preise müssen sie dabei nach den Bedingungen richten, die auf den west- lichen Märkten gelten, für die begehrten Devisen ihrer eigenen Produktion immer mehr im Westen absetzbare Mittel entziehen, sich zunehmend verschulden und ihre Planziele deshalb laufend korri- gieren und auf diese wachsende Abhängigkeit und Erpressungsmög- lichkeiten einrichten, All das heißt ja, daß sie mit einer funk- tionierenden Reichtumsproduktion, mit einem werktätigen Volk und Ergebnissen und Voraussetzungen von dessen Arbeit kalkulieren, also über nationale Reichtumsquellen verfügen und sie nach ihren eigenen politischen Entscheidungen benutzen. Das chinesische Be- mühen dagegen richtet sich darauf, die ökonomische Potenz des We- stens generell und rückhaltlos zum Aufbau ihrer "sozialistischen Ökonomie" benutzen zu wollen, also eingestandenermaßen die vorge- stellten Reichtumsquellen gar nicht ausnutzen zu können. Die chi- nesische Planung besteht daher auch allein darin, staatlicher- seits alles zu tun, damit ein "Geschäft" mit dem Westen überhaupt zustandekommt: Die heimischen Verhältnisse dem harten Anspruch der Rentabilität und Exportfähigkeit zu unterwerfen und unter An- wendung der "guten Seiten" des Kapitalismus eine Generalkritik der bisherigen Produktionsweise und damit ein Generalangebot an profitinteressierte "Partner" zu machen. Vom revisionistischen Prinzip, die Betriebe nach staatlichen Vorgaben für den Staats- reichtum produzieren und konkurrieren zu lassen, bleibt nur noch das formelle übrig, daß eine Umwälzung der Produktionsverhält- nisse von oben; durch die politisch und gesellschaftlich bestim- mende Macht in Gang gesetzt wird, während sich dem ö k o n o m i s c h e n I n h a l t nach der Staat immer mehr zum politischen Garanten von Geschäften derjenigen ausländischen "Helfer" macht, die er benutzen will. Mit der eifrigen Verabschiedung von "Wirtschaftsgesetzen" westli- chen Zuschnitts, die gar keinem Bedürfnis der chinesischen Wirt- schaft entspringen, sondern kapitalistischen Anforderungen an einen Weltmarktpartner Rechnung tragen - "Regelung über die Registrierung von Joint-ventures", "Handelsgesetz", "Devisenkontrollgesetz", "Gesellschaftsgesetz", "Arbeitsgesetz", "Kartell- und Energieversorgungsgesetz", "Körperschaftssteuergesetz", "Patentrecht", Übernahme von "DIN- Normen" usw. usw. -, stellt der chinesische Staat das Verhältnis von Staat und Ökono- mie schlicht auf den Kopf. Während in kapitalistischen Staaten solche Gesetze schon bestehende ökonomische Ansprüche r e g e l n und zufriedenstellen, sollen die chinesischen Wirt- schaftsgesetze die materielle Grundlage einer entsprechenden Öko- nomie selber s c h a f f e n. Nach innen stoßen sie dabei auf die Schranke, daß zu ihrer Durchsetzung so ziemlich jede Voraus- setzung fehlt. Nach außen aber garantieren sie ein Zugeständnis nach dem anderen und gewähren damit doch nur die F r e i h e i t für westliche Unternehmer, mit den ökonomischen G e g e b e n- h e i t e n in China für i h r Geschäft zu k a l k u l i e- r e n. Westlicherseits ist die Revision der "Tatsache, daß China eine zeitlang ohne Gesetze ausgekommen ist" und in einem "gesetzlosen Zustand" lebte (so sehen das westliche Demokraten!), bestenfalls ein Beweis für den guten Willen Chinas. Aus dieser für das Privateigentum neuen "Tatsache kann man schließen, daß China ein guter Wirtschaftspartner auf lange Sicht sein kann.". Deswegen ist es nur konsequent, daß der Aufbruchsidealismus des wechselseitigen Nutzens im Westen wie in China selbst verflogen ist. Im Westen sowieso immer sehr einseitig verstanden und nur Ausdruck der Zufriedenheit, mit China ökonomisch kalkulieren zu können, ist er dem Alltag dieser Kalkulation zum Opfer gefallen. Auf chinesischer Seite ist er den praktischen Anstrengungen gewi- chen, die Konsequenzen der Öffnung zu verkraften und mit dem Wi- derspruch fertigzuwerden, daß das Westgeschäft nicht der vorge- stellte Aufbaumotor ist und umgekehrt Land, Leute und Natur- schätze nicht die vorgestellten Garanten zur Aneignung westlichen Produktionsfortschritts sind. So marschiert China - bisher jeden- falls - den Weg zu einem Entwicklungsland mit Schwellenlandmög- lichkeiten sehr konsequent, und zwar genau in umgekehrter Reihen- folge wie ein normales Entwicklungsland. Die Zerstörung der hei- mischen Ökonomie, die praktische Aufgabe des Entwicklungsstand- punkts unter munterer Beibehaltung und gerade durch die Beibehal- tung des Entwicklungsideals geht dabei im Hin und Her chinesi- scher Wirtschaftspolitik rascher vonstatten, als es irgendein westlicher Beobachter ausspricht. Die stört nämlich immer und vor allem, daß die chinesischen Politiker überhaupt noch Bedingungen ihrer Entwicklung geltend zu machen suchen, statt für den Westen entwickelt zu sein. II. Die Fortschritte der selbstgewählten Abhängigkeit ----------------------------------------------------- Politische Vorleistungen mit einseitigen Erfolgsgarantien --------------------------------------------------------- Am Ausgangspunkt für die "freundschaftliche und harmonische Zu- sammenarbeit" stand der Beitritt Chinas zum IWF, nebst Anerken- nung alter ausländischer Schuldforderungen, sowie die A n e r- k e n n u n g Chinas als gleichberechtigter "Wirtschafts- und Handelspartner" durch diverse Handelsabkommen. Für EG, USA und Japan bedeutete das die Beseitigung lästiger Handelsschranken durch das frühere Außenhandelsmonopol. Dafür räumte man im berechtigten Vertrauen auf die eigene Konkurrenzfähigkeit und auf die Kontingentierungsschranken bezüglich Textilien und anderen Billigwaren, die Hongkong und Taiwan Konkurrenz machen, China die Meistbegünstigung ein und versprach "weitgehende Liberalisierung der Einfuhren aus der VR China". Als "Eckpfeiler in der Entwicklung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EG und China auf der Grundlage gegenseitiger Vorteile" gilt dann z.B.: "getreten, das eine Erhöhung der Kontingente bei gleichzeitiger praktischer Selbstbeschränkung Chinas sowie bestimmte Lieferver- sprechen der Volksrepublik für Rohmaterialien für die europäische Textilindustrie vorsieht (unter Einhaltung einer Effektivpreis- klausel)." "Der VR China konnten deshalb keine Zollpräferenzen bei den hochsensiblen, durch Gemeinschaftskontingente überwachten Erzeugnisse (z.B. Leder, Ledererzeugnisse, Schuhe, Möbel) und bei einigen quasi-sensiblen Waren (z.B. Porzellan, Flechtwaren, NE- Metallwaren, Obst- und Gemüsekonserven) gewährt werden", kurz: bei all den Produkten, mit denen China am ehesten ein Geschäft machen könnte. Was von dieser Seite also ganz normale Handelspraxis ist, war für China nicht weniger als die generelle V o r leistung, den staatlich organisierten, kontrollierten und getätigten Handel aus der Hand zu geben und sich mit den eigenen Außenhandels- gesellschaften auf die Rolle eines V e r m i t t l e r s be- trieblicher Geschäftsfreiheiten zurückzuziehen. China honorierte das "nicht-präferentielle Handelsabkommen" mit der EG mit der sehr präferentiellen Erlaubnis, daß sich Exporteure aus der EG "in vollem Umfang an den Möglichkeiten des Handels mit China" beteiligen können. Ferner trat an die Stelle des staatlichen Außenhandelsmonopols durch die 7 Außenhandelsgesellschaften - der Staat verkaufte aus seinem Warenfundus, was er für günstig hielt und zu von ihm festgesetzten Preisen der Grundsatz "Vier zusammen und zwei offen": "Außenhandelsgesellschaften und Endverbraucher sollen gemeinsame Geschäfte, gemeinsame Produktionsplanung, gemeinsame Verhandlun- gen und gemeinsame Auslandsbesuche durchführen. Dagegen soll der Betrieb bei der Gestaltung seiner Exportpreise sowie bei der Be- rechnung der Produktionskosten von den Außenhandelsgesellschaften unbeeinflußt bleiben." Dadurch kam es nicht nur zu einer "Inflation von Außenhandels-, Dienstleistungs- sowie Treuhand- und Investitionsgesellschaften ", sondern zu einer "überraschenden Wettbewerbssituation": "Die Provinzen treten gegen die Zentrale, die Sonderzonen gegen die Provinzen und diese wiederum gegen einzelne Städte an. Als besonders aggressiv in der Betonung seiner Eigenständigkeit erweist sich Shanghai... Angesichts dieser Konkurrenzsituation ist der Ausländer durchaus in der Lage, Wettbewerbsvorteile herauszuholen." Die neuen Freiheiten, unabhängig von staatlicher Mittelverteilung und inländischem Warenbedürfnis um Exporte und Devisen zu konkur- rieren, hat inzwischen den "traditionellen chinesischen Ge- schäftssinn" besonders in den begünstigten Gegenden Shanghai und Guangdong - das sich immer schon durch gute Beziehungen und regen Schwarzhandel mit Hongkong auszeichnete - so angestachelt, daß westliche Handelspartner anläßlich der Kanton-Messe den guten al- ten Zeiten eines soliden Staatshandels nachtrauern: "Insbesondere hat die 'Öffnung' für 'ausländische Wirtschaftstä- tigkeit' bei der chinesischen Verwandtschaft in Hongkong und Ma- cau sowie der auslandschinesischen Geschäftswelt kommerzielle, ethnische und patriotische Anziehungskräfte freigesetzt... Ab- schlüsse im Familienkreise eines Abendessens... Die Praxis ist durch den Zwang oder auch nur das freiwillige Streben vieler chi- nesischer Außenhandelsdelegationen nach Abschlüssen und der Er- zielung von Devisenerlösen gekennzeichnet... Unterbietung von Wa- ren mit Weltmarktpreisen, Umgehung traditioneller Absatzwege, Einräumung von Nachlässen und unterschiedlichen Provisionen, Qualitätsmängel, Liefenerzögerungen... die früher sprichwörtliche Zuverlässigkeit und Loyalität der chinesischen Geschäftspartner hat unter dem Einfluß der partiellen Delegation von Außenhan- delsentscheidungen auf die der Zentrale nachgeordneten Ebenen und Einheiten an Glaubwürdigkeit verloren... Die AHG-Zentralen schei- nen gegenwärtig jede Kontrolle über ihre Zweigniederlassungen und Außenstellen weitgehend verloren zu haben... an Desorganisation grenzende Situation... Chinesische Besucher monopolisierten die- ses Mal auch das Dong-Fong-Hotel, das bisher immer als Zentrum der westlichen Messekundschaft gegolten hatte (sowas!)." Der chinesische Staat stimmt etwas weniger blauäugig in die Kla- gen ein: "Einige örtliche Einheiten handeln nicht im Interesse der Allge- meinheit und versuchen, auf Biegen und Brechen an mehr Devisen heranzukommen... Das Ergebnis ist Chaos auf dem Weltmarkt (na, na!) und Deviseneinbußen für den Staat, ganz abgesehen von den großen Verlusten für die (traditionellen) Verteiler." Andererseits befördert er nach Kräften dieses "Chaos": Bau eines Außenhandelszentrums für ausländische Firmen in Beijing, für 1 Mrd. Bau eines Patentamtes, Bau einer Autobahn Hongkong-Guang- dong-Macau, an der der Finanzier aus Hongkong zehn Jahre lang Ge- bühren kassieren darf, Eröffnung immer neuer Fluglinien, Ausbau des Telekommunikationsnetzes, Reise- und Eigentumsfreiheiten usw. sind die eine Seite. Mehr Freiheiten für die Betriebe - Verfü- gungsrecht über einen Teil der Devisen und Erlaubnis zur Gründung eigenständiger Außenhandelsgesellschaften - die andere. Das Er- gebnis des "wechselseitigen Nutzens" ist nicht überraschend: "Die Struktur des Handels mit den wichtigsten westlichen Partnern zeigt noch deutlich das Bild eines Warenaustausches zwischen ei- nem Entwicklungsland mit stark diversifizierter (?) Exportstruk- tur und hauptsächlich Technologie bzw. Produktionsmittel liefern- den Industrieländern." So lautet es für die "Warenstruktur" - und für die "Handels- bilanz": "Mit den westlichen Industrieländern allein ergab sich seit 1978 ein kumulativer (negativer) Saldo von fast 16 Mrd. US-Dollar. Al- lerdings wurden die Defizite in den vergangenen Jahren ganz oder teilweise ausgeglichen durch Überschüsse im Handel mit den Ent- wicklungsländern, und zwar überwiegend mit Hongkong und Singa- pur..." Auch auf dem Felde der "Wissenschaftlich-technologischen Zusammenarbeit" ------------------------------------------------- macht China mit dem Standpunkt "Vom Westen lernen" ernst. In ent- sprechenden Abkommen wird das Eingeständnis Chinas festgeschrie- ben, daß die zur materiellen Gewalt gewordene Ideologie von der Schöpferkraft der Massen kein Ersatz ist für die wissenschaftli- chen und technologischen Kenntnisse zur Beherrschung der Produk- tion. Das allerdings so gründlich, daß China gleich "Energie- erschließung und -gewinnung, Prospektion und Gewinnung von Erdöl, Erdgas und Kohle, Erzen und anderen Mineralien, Werkstoffkunde, Luftfahrt- und Weltraumforschung und -technik" usw. von den naturwissenschaftlichen Agenten kapitalistischer Produktion lernt - zur Beförderung oder in Erwartung entsprechender Geschäfte, Der VDI gibt deshalb nicht nur ein Sonderblatt "China im Blick des Ingenieurs" heraus, wo es wie im Handelsblatt zugeht; er berichtet nicht nur über die spontane kostenlose Wertanalyse des chinesischen Lastenfahrrads "Wu Yang", dessen Materialgewicht in drei Arbeitssitzungen theoretisch von seinem Gewicht von 26kg auf 16 reduziert werden konnte. Er beschwert sich vor allem auch, neben positiven Berichten über schon laufende joint-ventures, darüber, daß die Chinesen deutschen Firmen keine Beteiligungsga- rantien für Erschließung und Förderung prospektierter Rohstoffe vorweg geben wollen. Deutscher Ingenieursfleiß soll sich ja nicht für den Westen überhaupt, sondern für Deutschland lohnen. Geschäftsabteilung Nr. 1: Unbrauchbare "Hennen statt Eier" ---------------------------------------------------------- Getreu der Devise, mit Hilfe "westlicher Technologie" die "vier Modernisierungen" von Landwirtschaft, Industrie, Verteidigung und Wissenschaft voranzutreiben, begannen die Geschäfte zum "wechselseitigen Nutzen" in der chinesischen Proklamation von 120 Großprojekten, v.a. in den Bereichen Rohstoffgewinnung, Stahler- zeugung und Petrochemie. Und der Verkündigung folgten die Auf- träge im Westen auf dem Fuße. Das neue Chinageschäft nahm für den Westen seinen Anfang im Anlagenbau; und während westliche Auguren den Kapitalbedarf Chinas auf 875 Mrd. schätzen, schlossen japani- sche, deutsche und andere Großfirmen Milliardenverträge ab. Was Entwicklungsländer im Gefolge der laufenden Rohstoffgeschäfte und bei genügender Kreditwürdigkeit immer wieder einmal als Versuch zu eigener industrieller Entwicklung starten (den Bau von indu- striellen Großanlagen, der sich immer dann als reines "Prestigeobjekt" herausstellt, wenn sie sich nicht unter westli- cher Anleitung auf die Zwischenverarbeitung vorhandener Rohstoffe konzentrieren), das war Chinas erste welthandelspolitische Groß- tat und erstes Ergebnis seines Idealismus, eine nationale Großin- dustrie aufzubauen, Die Ergebnisse waren entsprechend. Und zwar nicht allein und so sehr wegen "Planungsmängel", die von hiesiger Seite aus am Paradestreitobjekt, dem geplanten 25 Mrd. Riesen- stahlwerk in Baoshan, exemplarisch besserwisserisch moniert wer- den: "Ein guter Teil dieses Geldes wurde inzwischen unter Anleitung japanischer Firmen" (deutsche sind nur "beteiligt") "im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt. Verschiebungen... Explodie- rende Kosten... durch den zu flachen und von Schwemmsand gefähr- deten Hafen, nicht gesicherte Erzanlieferung... weder Energie noch das Rohmaterial ausreichend, um die vorgesehene Produktions- kapazität zu erreichen." Daß sich in solchen "Irrationalismen" zeigt, daß hier gar nicht im Sinne eines eigenen ökonomischen Bedarfs und entsprechend den eigenen infrastrukturellen und sonstigen Voraussetzungen geplant und kalkuliert worden ist, diese Tatsache beflügelt höchstens deutsche Ingenieure und Manager zu heuchlerischen Beschwerden: "Deutsche Ingenieure haben rechtzeitig gewarnt." "Im nachhinein hat man diese Phase in China als eine Euphorie be- zeichnet, teilweise sogar mit dem Unterton, die ausländischen Firmen hätten wissen müssen, daß die Pläne der Chinesen zu ehr- geizig waren. So etwas ist leicht gesagt, aber falsch... Sollten die Firmenvertreter nach Peking reisen, um den Chinesen zu erklä- ren, daß China sich übernehmen würde und seine Pläne undurchführ- bar seien? Und das angesichts einer Bereitschaft zu ernsthaften Verhandlungen über die Projekte des Kohlebergbaus, der Chemie, der Energie und Metallurgie. Solche Hinweise hätten sich die Chi- nesen mit Recht - verbeten." Die Deutschen auch, denn wegen der "chinesischen Vernunft", in zwei Wellen einen Großteil der Projekte rückgängig zu machen, bzw. dann zu stornieren, verzichtet man mitnichten aufs Geschäft. Der eigentliche Grund dafür, daß sich China schon Ende 78 und vor allem Anfang 1980 im Zuge seiner beschlossenen "Readjustie- rungsphase" zu dem "einmaligen Ereignis" entschloß, "daß ein totalitärer Staat sich radikal und unter Opfern für beide Seiten von seinen ausländischen Engagements trennt", lag nicht in der von ihrer Seite immer wieder behaupteten Einsicht, für einen n a t i o n a l e n Aufbau müßten erst Landwirtschaft, Leichtindustrie, Management und Infrastruktur entwickelt werden. Vielmehr basierte ihr gravierender Entschluß auf der praktischen Erfahrung, daß die vorgestellte Tauglichkeit ihrer Wirtschaft für die F i n a n z i e r u n g solcher Großprojekte gar nicht gegeben war. "Die vor Jahren erhofften Einnahmen aus Erdölexporten stehen aber nicht ins Haus." "Nach einer Mitteilung japanischer Erdölimportfirmen hat die VR China die Unternehmen über weitere für 1981 vorgesehene Kürzungen ihrer Erdöllieferungen an Japan unterrichtet." "Förder- und Transportschwierigkeiten", lauten die einschlägigen Meldungen dazu lapidar. Die chinesischen Fortschrittsplaner haben sich also in zwei Jah- ren in die nur scheinbar paradoxe Lage manövriert, Schwerindu- strieausbau und Rohstofförderung mit Milliarden zu fördern und gleichzeitig auf so ziemlich allen Gebieten der Rohstofförderung und der Schwerindustrie, mit denen sie diese Milliarden finanzie- ren wollten, Produktionsrückgänge zu verzeichnen. Der Staat ist also in atemberaubend kurzer Zeit an die Grenzen seiner Finanzierungsmöglichkeiten gestoßen und mußte sich ent- scheiden, welche der vielen geplanten "Modernisierungen" er sich zuvörderst leisten kann. Die Entscheidung für Infrastruktur und Leichtindustrie, die westlicherseits manchen Stoßseufzer hervor- rief - "Ein weiterer Milliardentraum der deutschen Industrie dürfte aus- geträumt sein." -, fiel dann allerdings nach ganz anderen Kriterien des "nationalen Aufbaus", und das nicht zuletzt deswegen, weil der Westen die eingegangenen Verpflichtungen keineswegs als "Träume" ad acta legte. Was am Jahresanfang 81 noch als "China-Schock" und rigoro- ser Versuch Chinas beklagt wurde, "in diesem Jahr einen ausgegli- chenen Etat zu erreichen" - "Yao sagte, Anlageprojekte, die nicht lebensnotwendig für die chinesische Wirtschaft seien, würden annulliert." -, das las sich am Jahresende anders: "Mit den Chinesen ist man (Schloemann), bis auf die Unterschrif- ten, einig. Der Auftrag zum Bau eines Kaltwalzwerkes in der Nähe von Shanghai ist nur zum Teil für drei Jahre verschoben worden. Für das von SMS geführte Konsortium handelt es sich um 500 Mill. DM. Gleich große Aufträge werden planmäßig abgewickelt." Die Stornierung von Aufträgen im Wert von 1,5 Mrd. US-Dollar reichten hin, von japanischer Seite aus im Laufe des Jahres China neue Bedingungen für weitere Kredite aufzunötigen. Denn als For- derung nach zinsgünstigen neuen Krediten hatte sich die chinesi- sche "Erpressungsaktion" schnell herausgestellt. Erst verhandel- ten Tokios Vertreter mit China über einen niedrigeren Preis für die chinesischen Öllieferungen, dann drohten sie China im Falle von japanischen Ersatzzahlungen für die Verluste die Feststellung der Zahlungsunfähigkeit an, dann boten sie ihm die für Infra- strukturmaßnahmen vorgesehenen Gelder für die Fortführung der Ge- schäfte an, und Ende des Jahres betonte man beiderseits die "positive Entwicklung der zweiseitigen Beziehungen". Und China hatte 3,1 Mrd. langfristige Kredite für die Fortsetzung der "unvernünftigen" Großprojekte in Form von Waren-, Regierungs- und Bankkrediten, und darüber hinaus noch weitere 415 Mill. "für Kohle- und Ölprojekte, Hafenbau und die Ausweitung des Straßen- und Eisenbahnnetzes". Daß diese "Infrastrukturentwicklung", die den Chinesen selber so am Herzen liegt, inzwischen auf eine schlichte Absage an die Vorstellung von einem Aufschwung der Bin- nenwirtschaft hinausläuft, dafür sorgt der "ökonomische Hebel", mit dem die chinesischen Wirtschaftsplaner Land, Leute und Natur- kräfte für sich brauchbar machen wollen: die (un)geplante Verschuldung durch Kredit -------------------------------------- Die naive Erwartung, daß der Westen in Anbetracht des chinesi- schen "Entwicklungspotentials" die Kredite auch nach ihren Wün- schen vergibt und daß sich die Geschäfte zur Zurückzahlung - un- ter anderem dadurch schon einstellen werden, spätestens wenn die benötigte industrielle Produktion erstellt ist, hat China nämlich schnell die unliebsame Erfahrung beschert, daß Verschuldung ein Mittel der Kapitalakkumulation, also desjenigen ist, der sie macht oder der als politisches Subjekt an ihr partizipiert und für sie kreditiert. Die sehr methodische Vorstellung der Chine- sen, daß ausländische Kredite die schlagartige Potenzierung ihrer "ökonomischen Möglichkeiten" sei, ist innerhalb von 2 Jahren dem Umgang mit der Schwierigkeit gewichen, seine Ansprüche an dieses "Entwicklungspotential" mit seinen Möglichkeiten und vor allem mit den westlichen Ansprüchen unter einen Hut bringen zu müssen. Und das bei einer Verschuldung von ein paar Milliarden und eingeräumten Kredittranchen über 60 Milliarden schon im Jahre 79! Der scheinbare Widerspruch, daß im Sommer vermeldet wird: "China ist pleite", und zugleich berichtet wird, daß China einen Großteil der nationalen Kreditangebote wegen der hohen Zinsen und sonstigen Auflagen nicht in Anspruch genommen hat, löst sich durch den zweiten Widerspruch praktisch auf, daß China das ganze Jahr über verkündet hat, seinen defizitären Haushalt radikal zu sanieren, und zugleich 2 Mrd. IWF-Kredite zur Erfüllung seiner Zahlungsverpflichtungen gezogen sowie weitere Weltbankkredite über 6 Mrd. Dollar beantragt und von Japan und anderen Ländern einige Milliardenkredite erhalten hat - und zwar keineswegs zu den erwünschten günstigeren Weltbankbedingungen und zur freien Verfügung, 60 Milliarden, das ist der ideelle Ausdruck westlichen Finanzierungswillens, wenn und soweit sich damit lohnende Betei- ligungen an Rohstoffen und sonstigen Geschäften in China sichern oder dafür Voraussetzungen herstellen lassen, die für die heimi- sche Industrie ein Geschäft sind. Die "Zurückhaltung" Chinas in der Inanspruchnahme dieser Kredite, die Zahlungsbilanzschwierig- keiten dagegen sind das gar nicht ideelle Ergebnis der chinesi- schen Aufbauhoffnungen und des Versuchs, im Vertrauen auf die Kraft der eigenen Möglichkeiten sich nicht gleich ganz und gar auf teure projektgebundene und an billige Rohstofflieferungen usw. gebundene Kredite einzulassen. Über die Differenz der chine- sischen Kredit- und Rückzahlungserwartungen und der tatsächlichen Zahlungsfähigkeit und westlichen Kreditangebote wurde dem selbst- ernannten und anerkannten Entwicklungsland seine "Euphorie des Chinageschäfts" zurechtgestutzt. In weniger als zwei Jahren ist China an die Grenzen seiner all- seitig geschätzten Kreditwürdigkeit gestoßen und bekommt jetzt die erpresserische Qualität gewährter und nichtgewährter interna- tionaler Hilfen zu spüren. Den 6-Milliarden-Kredit, den es sich zur Vermeidung teurerer und mit härteren Auflagen versehener na- tionaler Kredite versprochen hatte, bekommt es nach "Abschätzung der Realisierungschancen der einzelnen Hilfsprojekte" (IWF) nicht. Und zwar nicht deswegen, weil es sie nicht wie vorge- schrieben für die "Erschließung der Energieressourcen", zur "Entwicklung des Verkehrs- und Transportwesens" benutzen wollte, sondern weil der IWF angesichts der kargen "entwicklungspolitischen Landschaft" und der Finanzschwierigkei- ten und zugleich "überzogenen Erwartungen" Chinas es nicht für opportun hielt, dem Entwicklungsland mit dem größten Kreditvolu- men dessen vollständige Inanspruchnahme zuzugestehen. Die Förde- rung der diversen Projekte überantwortete er lieber seinen Haupt- mitgliedern, den "Industrieländern", die die Geschäftsmöglichkei- ten besser einschätzen und die entsprechenden Bedingungen setzen. Die führten dann angesichts des chinesischen Versuchs, wenigstens bestimmte ihren Erwartungen nicht mehr entsprechende Vorhaben er- lassen zu bekommen, den besagten Grundsatzstreit - mit dem wenig überraschenden Ergebnis, daß die chinesische Haushaltssanierung in der vermehrten und zugleich an neue zusätzliche Konditionen gebundenen Neuverschuldung bestand. Das praktische Eingeständnis, daß die vielbeschworenen nationalen Möglichkeiten Hemmnisse der Benutzung ausländischer Finanzkraft sind, also auch nur von die- ser lukrativ zu benutzen sind, nahm nur deshalb nicht die offi- zielle Form der Kapitulation an, weil die chinesischen Schnell- Lerner sich längst selbst zu der Einsicht bequemt hatten, mit neuen Krediten zufrieden zu sein, und die veränderten Bedingungen durchaus in etwa auf der Linie der eigenen fortschreitenden Wirt- schaftsplanung liegen. Denn mit jedem neuen Maßstab der Verschul- dung machte sich das schöne Prinzip - "Die Höhe unserer Verschuldung muß innerhalb unserer Rückzah- lungsfähigkeit bleiben. Das ist ein sehr wichtiger Punkt." - vermehrt geltend. Und zwar als Problem des Devisenmangels, dem deshalb Zug um Zug all die Entwicklungsvorstellungen und -bemühungen zum Opfer fallen, für die dem Ideal nach die Devisen eigentlich da sein sollten. Aus der schon etwas wirklichkeitsnäheren ideologischen Devise - "Nur wenn wir unsere Ausfuhren kraftvoll ausdehnen, um Devisen zu verdienen, können wir auch unsere internationale Zahlungsfähig- keit kontinuierlich verbessern." - erklären sich die Fortschritte in der Unterordnung der Wirt- schaftsentwicklung unter den E x p o r t, die hierzulande als bloßes Hin und Her chinesischer Wirtschaftspolitik und Streit zwischen Dogmatikern und Pragmatikern in der Partei kolportiert werden. Geschäftsabteilung Nr. 2: Billiger Export für teuren Import ----------------------------------------------------------- Der "warme Westwind", mit dessen Hilfe sich China zum exportfähi- gen Land entwickeln wollte, hat also zu keinem "warmen Regen" an Devisen geführt, sondern ganz im Gegenteil - trotz aller staatli- chen Devisengesetze zur Verlagerung der betrieblichen Devisenkon- ten im Ausland auf die Bank of China - eine wachsende Devisennot des Staates zur Folge. Das hat den Staat zu immer neuen wirt- schaftspolitischen Anstrengungen zur Exportförderung und Import- drosselung bewogen, mit der immer deutlicheren Umkehrung der Aus- gangsabsicht: Export für Import. Hatten sich die chinesischen "Modernisierungs"-Idealisten am Anfang noch gedacht, mit Krediten und flotten Rohstoff- und Leichtindustrieexporten all die Importe der "schwachen Kettenglieder" zustandezubringen, die schlagartig ihre Exportkraft steigern würden, also Industrieanlagen, Maschi- nen, Technologie usw., so haben sie inzwischen halb willig, halb unwillig vom Westen gelernt, wie ihre Geschäfte auf dem Weltmarkt aussehen. Das Desaster der 120 Anfangsgroßprojekte widerlegte ja nicht nur die Vorstellung einer flotten Rohstoff- und Schwerindu- strieentwicklung für eigene Bedürfnisse, es fielen damit auch die hochgeschraubten Rohstoffexportvorstellungen flach, obwohl Erdöl- , Kohle- und sonstige brauchbare "Naturschätze" in Hülle und Fülle prospektiert worden sind. Erdölvorkommen in Milliardengröße sind eben etwas anderes als funktionierende Förderanlagen mit entsprechender Infrastruktur und Verarbeitungsindustrie. Also setzten die chinesischen Planer auf die Leichtindustrie, sprich die vorgestellte Leistungskraft und Billigkeit ihrer Massen, för- derten ein Jahr lang die "Konsumgüterindustrie" wie Kameras, Fernseher, Fahrräder, Textilien usw... - und zwar nicht in erster Linie für die Versorgung ihres "riesigen inneren Marktes", auf dem angeblich "100 DM" mehr für jeden Chinesen einen Kaufkraftzu- wachs von 100 Mrd. bewirken, sondern für einen flotten Export. "Modernisierung der bestehenden Betriebe" hieß die entsprechende Korrekturlinie. "Xue Muquiao erklärte, China wolle sich in den nächsten drei bis fünf Jahren vornehmlich auf Produktionen konzentrieren, die nur geringe Investitionen erfordern, schnelle Resultate bringen und Güter für den Export erzeugen, der Chinas Deviseneinnahmen ver- größert." "Ferner soll die noch rückständige Infrastruktur verbessert wer- den, was den Ausbau der Eisenbahn, den Bau von Häfen, die Anlage von Wasser- und Wärmekraftwerken sowie die Entwicklung des Kohle- bergbaus und die Ausbeutung der Ölvorkommen einschließt. Stahl- werke und petrochemische Anlagen sollen dagegen vorläufig nicht mehr gebaut werden." Das "readjustierte" Ideal, es gäbe mit Chinas Billigproduktion "schnelle Resultate", hatte zur Folge, daß nicht nur die Rohstof- förderung stagnierte, sondern auch ein kräftiges Minus in den "Investitionsgüterabteilungen" Bergbaumaschinen, Kraftwerksausrü- stung, Traktoren, Güterwagen eintrat. Es hielt daher nur ein Jahr, weil die erhofften Erfolge mit Textilien und sonstigen ty- pischen Hongkong-Waren an der Unrentabilität chinesischer Produk- tionsmethoden ihre Schranken haben und sich die vielen "schwachen Kettenglieder" unliebsam bemerkbar machten. Seit neuestem heißt es daher von chinesischer Seite wieder, daß man "zu weit gegangen ist und das Pendel jetzt nun zur Schwerindu- strie hin ausschlägt. Die Leichtindustrie sei darauf angewiesen, daß die Schwerindustrie bessere und technisch fortschrittliche Ausrüstungen bereitstelle. Die Schwerindustrie werde auch benö- tigt, um die reichen Naturschätze Chinas wie Kohle, Öl und Was- serkraft zu entwickeln. ... Durch die allgemeine Beschneidung der Schwerindustrie neigten auch jene Bereiche innerhalb des Investi- tionsgütersektors unverhofft zur Stagnation, denen man für das Modernisierungsprogramm eigentlich eine Schlüsselrolle zuerkannt hatte und die man beschleunigt zu entwickeln gedachte, Gemeint sind vor allem die Energieproduktion sowie das Verkehrs- und Kom- munikationswesen." So liest sich Chinas Eingeständnis, daß der devisenbringende Ex- port durch beide "Abteilungen" nicht zustandekommt. Das Pendel schlug deshalb schon im Laufe des Jahres auch ganz woanders hin aus: Im Bereich der Landwirtschaft ruinierte die Umstellung auf Ex- portprodukte die Versorgung u n d kostet Devisen: "Getreideabkommen China-Amerika": "Der beträchtlich höhere Im- portbedarf Chinas geht auf die neue Landwirtschaftspolitik der Pekinger Führung zurück, die es den Kommunebauern erlaubt, in größerem Umfang als bisher gewinnintensive Erzeugnisse wie Ge- müse, Ölfrüchte und Baumwolle anzubauen. Dadurch haben sich die Getreideanbauflächen verringert... zusätzlich dadurch gefördert, daß Peking durch die Einfuhr über See seine eigenen viel zu teu- ren Transportkapazitäten über Land entlasten kann." Im Bereich der Energie- und Rohstofförderung gibt man inzwischen hehre Pläne wie "ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Abbau und Reserven" und die Absicht, die Rohstoffe selbst zu gebrauchen, auf. Inzwischen exportiert man, was man hat, selbst, wenn man es selber braucht, und das zu Vorzugspreisen und mit Verzicht auf die eigene "Industrialisierung". Beim Öl sieht inzwischen der Austausch von "Rohstoffen gegen Technologie", für den sich Wirt- schaftsgraf Lambsdorff schon seit längerem ausspricht, entspre- chend aus: "Wie aus Kreisen der japanischen Ölindustrie verlautet, hat China nun zugestimmt, den Preis für das nach China exportierte Öl zu senken." "China wird zum Öl-Importeur." China fordert von Japan, "daß das Inselreich China beim Import von Erdöl aus Drittländern unterstütze, da ohne solche Einfuhren die geplanten Anlagen" (die ursprünglich stornierten petrochemi- schen nämlich) "nicht betrieben werden können... Japanische Indu- striekreise sind... überrascht, weil die chinesische Seite be- reits 1978 einen entsprechenden Vorschlag abgelehnt hatte. Damals hatten japanische Experten errechnet, daß es wesentlich billiger sei, für die damals von China gekauften beiden Chemiewerke aus- ländisches Erdöl zu verwenden als einheimisches, weil die ent- sprechende Infrastruktur im Land nicht vorhanden war. Die Trans- port- und Veredelungsanlagen zu bauen - so damals die japanischen Fachleute - sei etwa um das Doppelte teurer als die Verwendung von Importerdöl." Die "überlasteten" Transportwege und Energie werden deshalb auch nur noch dort ausgebaut, wo es den laufenden oder zu erwartenden Außengeschäften dient. "Gu Mu sagte, daß große Investitionen erforderlich sein werden, um die Eisenbahnen und Häfen in der nordwestlichen Provinz Shaxi für den Transport der Kohle zu bauen. In der Südwestprovinz Guiz- hou besitzt China 14 Mrd. Tonnen Kohlereserven und will diese ebenso erschließen, wie es die Eisenbahn- und Hafenanlagen zur Verschiffung der Kohle in der Nachbarprovinz Guandong auf- und ausbauen will." So wird mit dem immer nicht ausreichenden Verkauf auch der ei- gentlich selbst benötigten Rohstoffe eine Entwicklung finanziert, die dieses segenreiche Verhältnis potenziert. Und weil die Ver- käufe auch für diese vorgestellten Entwicklungsprojekte in Rich- tung auf ein Rohstoff- und Billigwarenland nicht ausreichen, wird dieser Fortschritt gleich ganz im Verein mit westlichen Kreditge- bern und damit ganz in derem Sinne geplant und durchgeführt. Die Erfahrung nämlich, daß "Schwer- und Leichtindustrie", "Rohstoffvorkommen" und "ein Volk von 1 Milliarde" kein Staats- reichtum sind, wenn man sie nicht kapitalistisch dazu zu machen in der Lage ist, hat die chinesischen Bewunderer schon frühzeitig dazu bewogen, ihre "Potenzen" mit der westlichen Ge- schäftsfähigkeit zum "wechselseitigen Nutzen" schöpferisch zu verbinden. Die Bereitschaft, sich zur A n l a g e sphäre aus- ländischen Kapitals zu machen und dadurch den Weltmarkt o h n e Devisen zum eigenen Aufbau zu nutzen, indem man an den Kapital- Geschäften mit den eigenen Mitteln staatlich partizipiert, hat deshalb einige recht einseitige übergänge von Seiten Chinas zu- standegebracht in der Geschäftsabteilung Nr. 3: ------------------------- Gemeinschaftsunternehmen Entwicklung ausländischer Profite ---------------------------------------------------------- Ganz in der Pose eines Wirtschaftspartners mit westlichen Manie- ren führt der chinesische Staat dem "ausländischen Investor" seit einigen Jahren dessen Nutzen im Handel mit China vor: "Erweiterung seines Investitionsgebietes - Vergrößerung des Mark- tes für Konsumgüter - Ausnutzung von fremden Rohstoffen und Ar- beitspotential - Gewinnerzielung", und vergißt nicht, seine frommen Wünsche bezüglich seines "Modernisierungsprogramms" zu betonen: "Überbrückung des Mangels an Technologie und know-how - Ausbil- dung von Technikern, Vermittlung wissenschaftlicher Management- kenntnisse - Förderung der chinesischen Wirtschaft." Was mit diesen Versprechungen in Gang gesetzt wurde, ist nichts weniger als die chinesische Absage an eine Staatswirtschaft, und zwar nicht nur bezüglich der Angebote an die Investoren, sondern auch bezüglich der beteiligten chinesischen Stellen. Die Zufrie- denheit eines Vorreiters eines solchen joint ventures, des Schweizer Aufzugsunternehmen Schindler, ist verständlich: "Es galt, in eine Planwirtschaft, die überdies kein Privateigen- tum an den Produktionsmitteln kennt, ein an sich systemwidriges Ding einzupassen: ein sich teilweise in ausländischem Besitz be- findliches, gewinnstrebendes Unternehmen... Unsere chinesischen Partner zeigten eine angesichts dieser Umstände erstaunliche Fle- xibilität." Denn aus lauter Interesse an solchen Unternehmungen hat der chi- nesische Staat Bedingungen geschaffen, damit westliche Anleger, wo sie sich ein Geschäft versprechen, auf keinerlei "planwirt- schaftliche" Hindernisse stoßen. "Staatseinmischung" findet nur noch in der Weise statt, daß er zugunsten der nützlichen Kooperation alle notwendigen Eigentums- und Gewinngarantien bietet und seinen Anteil auf ein Minimum reduziert. Was die Zu- sammenarbeit in der Erschließung "des potentiell unermeßlichen Reichtums des Landes an mineralischen Ressourcen aller Art" an- geht, verlangen die westlichen "Helfer" nicht nur immer lautstar- ker nach Liefergarantien der prospektierten Vorkommen. Sie sorgen gleich dafür, daß nur die erschlossen werden, die ihnen rentabel erscheinen und daß sie aus der Förderung ein Geschäft machen, an dem der chinesische Staat bestenfalls beteiligt ist. Mehrere westliche Ölfirmen konkurrieren im Aufbau der "offshore"-Ölpro- duktion: "Chinesische" (und natürlich auch westliche) "Vorarbeiten könnten in alle zustandekommenden Gemeinschaftsgründungen als kapitali- stische Beteiligung eingebracht werden und in gewisser Hinsicht" (das ist gut!) "die Hauptlast der Finanzierung bei tendenzieller Minderung des Fremdkapitalanteils auf den ausländischen Partner verlagern." Nicht einmal ein normales Ölförderland mit formell staatlichem Besitz der Förderanlagen wird das vormals so verschlossene Land der Mitte also, und die mangelnde Bereitschaft, das rechtzeitig vor der Förderung einzusehen, wird den Chinesen jetzt hämisch als ihr Schaden vorgerechnet: "Die chinesischen Instanzen könnten angesichts der abnehmenden Zuwachsrate des Energie- bzw. Ölverbrauchs und der damit einher- gehenden Schwäche des Ölpreises bereits den günstigsten Zeitpunkt verpaßt haben, um vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Konjunk- turschwäche gegenüber den internationalen Ölgesellschaften Bedin- gungen stellen zu können, wie sie bei den ersten Verhandlungen über gemeinschaftliche Exploration mit den japanischen und fran- zösischen Gesellschaften noch hätten durchgesetzt werden können." Ähnlich freigiebig verhält sich China in Fragen der Ausbeutung seiner Arbeitskraft bei Zusammenarbeit im industriellen Bereich. In aller Regel ist den Vertragspartnern ein Entscheidungsrecht in allen Fragen der Betriebsführung, Produktauswahl, Produktionsab- lauf und Einstellung und Auswahl der Arbeiter zugestanden. Eine Einkommenssteuer von 30-35%, 10% Steuer für ins Ausland überwie- sene Gewinne, billige Mieten und ein Lohnniveau von 25% unter Hongkong-Niveau, aber als Prämienlohn ein Gutteil über dem chine- sischen Normallohn sorgen für die Möglichkeit, die Unternehmens- freiheit gebührend auszunutzen. Für großzügige Reinvestitionsvor- schriften und Auflagen, die Produkte zu festen Preisen zu expor- tieren, falls nicht für den chinesischen Markt selbst produziert wird, entschädigt der Staat mit einer 15%-Gewinngarantie (die Einlagen von Schindler von 9 Mill Sfr brachten es immerhin in ei- nem Jahr auf 2 Mill Gewinn). Verluste "werden in nationaler Wäh- rung finanziert" und Exportverluste durch überhöhte Inlandspreis- festsetzungen, die die Staatsbetriebe zu zahlen haben, "ausgeglichen". Für die unternehmerische Kalkulation mit Kosten und Märkten sind also einige Freiheiten eröffnet. Und wer nicht gleich so weitgehende "Verpflichtungen " eingehen möchte, weil er in Hongkong, Singapur und Taiwan dasselbe mit weniger engen For- men der "Kooperation" haben kann, dem bietet der chinesische Staat "Lizenz- und knowhow-Verträge", Konsignationshandel, "Kompensationsverträge" mit der "weichen" Kompensationsklausel, daß für nicht absetzbare "Qualitätsware" auf dem Weltmarkt China geradesteht, "Kooperationsverträge" sowie "Lohnveredelungs- geschäfte". Also baut Schloemann Spritzgußmaschinen in Lizenz- fertigung "40% unter dem deutschen Selbstkostenpreis", die "sogar auf dem japanischen Markt konkurrenzfähig sind"; Wella gründet ein Kosmetik-Gemeinschaftsunternehmen für den japanischen Markt, und der Inbegriff dieser Sorte "Beginn einer langfristigen Zusammenarbeit" sieht so aus: "Der im Oktober in Peking unterzeichnete Vertrag sieht vor, daß Telefunken zunächst komplette Bausätze für Farbgeräte mit 51-er Bildschirmen liefert. Im ersten Jahr der Zusammenarbeit dürften rund 100 Millionen Mark aus diesem Geschäft in die Kassen des Elektrokonzerns fließen. Mit Peking wurde Barzahlung in Devisen vereinbart. Der Auftrag erlaubt es Telefunken, die Kapazitäten besser auszulasten... Die Bausätze werden in einer Fabrik in der Nähe von Peking, die sich voll in chinesischer Hand befindet, montiert. Die Chinesen haben sich ausbedungen, daß nach und nach Teile aus ihrer eigenen Fertigung in die Geräte einbezogen wer- den. Anfangs wird es sich hierbei lediglich um Gehäuse han- deln..." Das ist devisensparender Aufbau einer chinesischen Exportproduk- tion für staatliche Deviseneinnahmen! Politisch und ökonomisch gibt der Staat sein Anliegen, seine "Reichtumsquellen" zu nutzen, auf und macht sich zum bescheidenen Teilhaber an der Exploration seiner Bodenschätze und der Ausbeutung seiner blauen Ameisen. Dafür verschuldet er sich nach Kräften und schafft, soweit es geht, die Vorbedingungen. Und die erwarteten und unerwarteten Ergebnisse dieser Öffnung zum Westen - spärliche Exploration gün- stig gelegener Bodenschätze für die westliche Geschäftswelt und bisher mäßige Ausnutzung des chinesischen Investitionsangebots in den küstennahen und schon entwickelteren Gebieten vor allem durch westliches Kapital aus Hongkong und anderen Billiglohnfilialen der Weltmarktnationen in Ostasien - beflügeln China noch dazu, die Trennung zwischen Exportgeschäft und Produktion im und für das eigene Land, die Entwicklungsländer auszeichnet, an sich sel- ber zu vollziehen. Es hat seine bisher für die eigenen Produkti- onsbedürfnisse industrialisierten Gebiete Beijing, Tianjin, Shanghai und die Nachbargebiete von Hongkong zu quasi exterrito- rialen "Experimentierfeldern" gemacht und damit die Geschäftsabteilung Nr. 4: ------------------------- Sonderwirtschaftszonen - Das bedingungslose Angebot --------------------------------------------------- eröffnet. Hier gewährt er nicht nur den eigenen Betrieben die freie Kosten- und Gewinnkalkulation, sondern faßt für ausländi- sche Interessenten alles, was er an Geschäftsmöglichkeiten zu bieten hat, ohne jegliche staatliche Schranke zusammen: Trans- portmöglichkeiten, billigere Energieversorgung als in Hongkong, um das Zehnfache billigere Verfügung über Grund und Boden, Zoll- freiheit seewärts, einen Steuersatz von 15% oder weniger oder be- fristete Steuerbefreiung bei "entwicklungspolitisch" nützlichen Investitionen, Privateigentum an Grund und Boden, Kapital und Baulichkeiten, Recht zur fristlosen Entlassung von Arbeitern; und das alles mit nur einer einzigen Auflage: "Die in diesem Gebiet hergestellten Produkte müssen exportiert werden. Falls es einen Bedarf gibt, die Produkte auf dem heimi- schen Markt zu verkaufen, würden die Anträge der Bestätigung Chi- nas unterliegen. Auf die Produkte würde Zoll erhoben werden. Sie würden als Importe gelten." Dieses staatliche Eingeständnis, daß die selbstinstallierte aus- ländische Konkurrenz auf chinesischem Boden mit Sonderkonditionen die eigene Produktion nicht fördert, sondern - frei zugelassen - zerstören würde, stößt den chinesischen Eigenentwicklungspoliti- kern weniger auf als der mangelnde Erfolg ihrer Angebote. Daß sich das "Problem des Schmuggels und anderer 'grenzüber- schreitender' illegaler Aktivitäten an die innerchinesischen Grenzen zwischen den Zonen und dem Hinterland verlagert" hat, daß sich "der Hongkong-Dollar neben den chinesischen Renminbi- Zertifikaten zur eigentlichen Leitwährung aufgeschwungen" hat, stört sie wenig. "Sorge bereitet der Umstand, daß es bisher nicht gelungen ist, in breiterem Umfang westliche Investoren anzulocken. Nach offiziel- len Schätzungen stammen 90 Prozent des bereits angelegten Kapi- tals aus Hongkong und Macao... Deshalb beschlossen Pekings zen- trale Planungsbehörden jetzt, die Vorzugsbedingungen für auslän- dische Investoren weiter auszubauen." Deswegen erlaubten sie eine regelrechte Konkurrenz der wachsenden Anzahl von Zonen. Die jüngste Sonderzone, die Insel Hainan, bie- tet für die Erzeugung von Kautschuk, Kaffee und Kakao usw. neben noch niedrigeren Arbeitslöhnen und Pachten für Gemeinschaftsun- ternehmen auch an, daß "der einheimische chinesische Partner nicht einen gleich hohen Gewinnanteil wie der ausländische Inve- stor beanspruchen" kann. Auch wenn die Deng-Bande solche Angebote von sich aus macht, sie machen doch zunehmend gewisse Kapitali- stensorgen gegenstandslos: "Da ausländisches Kapital dafür benutzt wird, Unternehmen zu fi- nanzieren, die ihrer Natur nach kapitalistisch sind, müssen die Investoren Profite machen. Ist es möglich, daß nach einiger Zeit die Investoren wegen Ausbeutung angeklagt werden? Mit anderen Worten: Ist es möglich, daß die Politik der Förderung ökonomi- scher Kooperation mit ausländischem Kapital bald wieder ins Ge- genteil umschlägt? Das ist eine sehr interessante Frage!" Keine Frage: Gegenwärtig befördert jede chinesische Enttäuschung nur weitergehende Formen "ökonomischer Kooperation". Und die ent- wickeln dann auch ihre "Eigengesetzlichkeit". Sie machen eine Um- kehr politisch und ökonomisch zu einer Frage einer neuerlichen Revolution, allerdings einer, bei der der Staat noch weniger pro- fitiert als bei den jetzigen "Entwicklungsfortschritten". Und welcher chinesische Staatsmann wollte das schon! III. Entwicklungslandperspektiven --------------------------------- Auch das hat also China vom Westen schon ganz selbständig ge- lernt, daß die politische Macht, die Boden und Arbeit als devi- senträchtiges Mittel benutzen will, weil es ihn nichts kostet, dafür dennoch einiges bezahlen muß: Soweit er überhaupt entwic- kelte Produktionsvoraussetzungen vorzuweisen hat, muß er sie auf Kosten seiner Devisenerwartungen zur Verfügung stellen, sie dafür ausbauen und sich das Devisen kosten lassen. Soweit nicht, werden Land und Leute für uninteressant erklärt und dem eigenstaatlichen Belieben überlassen. Wie das aussieht, dafür ist damit allerdings dann auch schon einiges entschieden. In dem Maße, wie China "seine Außenwirtschaft" zu entwickeln sucht, je mehr Projekte es unter dem Stichwort "Entwicklung" in Gang setzt, umso unabweisba- rer setzt sich der chinesische Staat damit in Gegensatz zu den bisherigen Formen seiner nationalen Ökonomie. Ganze Abteilungen seines Landes - und zwar ausgerechnet die, auf deren beschränkte industrielle Leistungsfähigkeit sich die Staatswirtschaft ge- stützt hat - werden auf den "Export" konzentriert, indem der Staat sie aus seiner Verfügung entläßt, ohne daß also eine "Außenwirtschaft" für ihn zustandekommt; er macht seine Ressour- cen zum Geschäftsartikel ausländischen Kapitals und entzieht sie damit jeder auch nur potentiellen eigenen Erschließung und Benut- zung wie im bisherigen beschränkten Maßstab, ohne dadurch in den Besitz auch nur der finanziellen Mittel zu kommen, im beschei- denen Maße "zum Industrieland " zu werden; verschuldet sich zu- nehmend zu immer schlechteren Konditionen und mit immer weniger Möglichkeiten, sie zur Finanzierung industrieller Aufbauprojekte zu verwenden; kauft Großanlagen schon mit dem Eingeständnis, daß er sie gar nicht produktiv nutzen kann; kurz: verhält sich ge- nauso "irrational", wie es jedes ambitioniertes Entwicklungsland macht - und zwar aus freien Stücken. Also trennt es auch aus freien Stücken die ehemals so geförderte Staatsgrundlage - die eigene Massenkraft - von dieser neuen Grundlage staatlicher Be- reicherung ab und setzt sich zu ihr in Gegensatz. Gerade weil der Standpunkt einer zunächst notwendigen Versorgung, als Ausgangs- punkt staatlichen Aufschwungs, dem des Geschäfts gewichen ist und weil dieses Geschäft mit und ohne Versorgung nicht mit der 1 Mrd. Chinesen gemacht wird, also auch der Staat nicht reich wird, wirkt jeder Fortschritt gen Westen doppelt zerstörerisch nach in- nen: Der Massenproduktion und Reproduktion werden im Gegensatz zum alten Ideal der staatlichen Zentralzuteilung und Kompensation zwischen den Provinzen immer mehr elementare Voraussetzungen ent- zogen, zugleich werden sie selbst immer mehr unter die Kriterien vorgestellter Geschäfte subsumiert. Dabei machen sich die chine- sischen Besonderheiten nicht mäßigend, sondern verschärfend gel- tend. Zum einen die Tatsache, daß China im Kreise der Zuliefer- staaten des Imperialismus eine zuspätgekommene Nation ist. Die Selbstverständlichkeit eingerichteter Drittweltverhältnisse, die billige Erledigung der "Ressourcenknappheitsprobleme", überhaupt die immer stärkere entwicklungspolitische Sparsamkeit des Westens beflügelt die chinesische Enthaltsamkeit und Gelehrsamkeit in Fragen Angebote, und macht doch aus ihm bestenfalls nur eine schlechtere Ausgabe von Hongkong und Nigeria. Zum anderen die Tatsache, daß China den Weg in den Drittweltstatus mit einer Mil- liarde Chinesen antritt, die verhältnismäßig zufrieden und ein- vernehmlich mit und in ihrem Staat zugewerkelt und zum größeren Teil auch politisiert haben. Das ergibt ein reges wirtschaftli- ches und politisches Leben nach innen, das in der nächsten MSZ behandelt wird. zurück